Was heißt eigentlich barrierefrei?

Lydia mit Stock vor einem Aufzug

Gemeinsam mit meiner obligatorischen Tasse Kaffee am Morgen sitze ich auf dem Sofa, und lese meine Nachrichten, Zeitung usw. Unter anderem lese ich einen Beitrag, der zu Kommentaren einlädt. Also beschließe ich auch meinen Senf dazuzugeben. Ich schreibe meinen Kommentar, Trage meinen Namen und meine E-Mail-Adresse ein, und will das Ganze absenden. Da taucht ein Captcha auf, dessen Inhalt ich in ein Eingabefeld eingeben soll. Für mich heißt das so viel wie „Du bleibst draußen. Denn die meisten Programme, mit denen blinde Nutzer arbeiten, können diesen graphischen Zahlencode nicht erkennen und vorlesen. Für mich ist das eine unüberwindbare Barriere.

Das Wort Barrierefreiheit, oder auch Barrierearmut ist seit ein paar Jahren in aller Munde. Aber was eigentlich bedeutet das?

In meiner Heimatstatt entsteht ein Neubaugebiet. Und da ich neugierig bin, besuche ich eine Informationsveranstaltung. Die entsprechende Wohnungsgesellschaft preist ihre Wohnungen als barrierefrei an. Das möchte ich genauer wissen, und frage nach. Ja, die Wohnungen verfügen über ebenerdige Duschen und über einen Fahrstuhl. Das reicht aus, um diese Wohnungen als barrierefrei zu kennzeichnen. Wie ich erfahre, sind die Aufzüge nicht einmal mit einer Sprachausgabe versehen. Und die brauchen blinde Menschen, um festzustellen wo der Fahrstuhl gerade gehalten hat. Es reicht nicht aus, dass die Knöpfe im Fahrstuhl mit fühlbaren Buchstaben, oder sogar Brailleschrift gekennzeichnet sind, wenn ich nicht kontrollieren kann, wann ich den Fahrstuhl verlassen muss? Und die Devise „Blindsein macht schlank“ funktioniert auch nur bedingt. Was machen sehbehinderte Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, um mal eben in den fünften Stock zu laufen?

Barrierefrei bedeutet für jemanden mit einer Gehbehinderung etwas ganz anderes, als beispielsweise für jemanden mit einer Sehbehinderung. Während eine Stufe für einen Rollstuhlfahrer eine Barriere, also ein Hindernis darstellt, ist eine Nullabsenkung eines Bürgersteig eine für blinde Teilnehmer im Straßenverkehr. Der Rollstuhlfahrer nutzt den Aufzug, der Blinde kann ihn nur nutzen, wenn dieser mit einer Sprachausgabe versehen ist. Blinde Menschen sehen Bordsteine als Orientierungshilfe an. Rollstuhlfahrer und Nutzer eines Rollators wünschen sich eine Nullabsenkung. Da diese aber für blinde Verkehrsteilnehmer gefährlich ist, hat man sich auf eine Höhe von drei CM Höhe geeinigt. Diese ist mit dem Blindenstock tastbar, und kann auch mit einem Rollstuhl noch überwunden werden.

Hier ein paar hilfreiche Links zur Barrierefreiheit.
– Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele – Was ist Barrierefreiheit?
– Aktion Mensch – Barrierefreiheit Definition & Bedeutung
– Sozialverband VdK Hessen-Thüringen e.V. – Was bedeutet Barrierefreiheit?
– Bundesministerium für Umwelt – Leitfaden Barrierefreies Bauen Deutschland.
– Eine Broschüre für die baulichen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Personen gibt es hier.
– Sowie eine Erklärung der Unterschiede für Barrierefreiheit

Fazit: bevor man das Wort Barrierefreiheit benutzt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Barrieren für jede Behinderung etwas anderes darstellen. Während es für mich okay ist, wenn im Hintergrund Musik läuft, findet eine hörbehinderte Person das bei der Kommunikation eher hinderlich.

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Maßnahmen, bei denen an Menschen mit Behinderung gedacht wird, von Menschen geplant und durchgeführt werden, die über ein unzureichendes Wissen verfügen. Das muss nicht sein. Denn die Behindertenverbände sind hier Experten in eigener Sache, und können kompetente Hilfe leisten. „Mit uns, und nicht über uns“, sollte die Devise sein. Dann haben alle Beteiligten etwas davon. Und es werden nicht sinnlos Gelder für unsinnige Projekte verschwendet, die an anderer Stelle effektiver eingesetzt werden können.

Blind mit Medikamenten umgehen

Heute gehe ich auf die Frage ein, wie ich mit Medikamenten umgehe. Auch ich habe eine Hausapotheke mit wechselnder und dauerhafter Besetzung. So geht’s.

Inzwischen sind viele Medikamente mit einer Beschriftung in Braille versehen. Diese befindet sich in der Regel auf der Verpackung, und enthält außer dem Namen des Medikaments Angaben wie Dosis oder Mengenangabe. Der Gedanke dahinter ist, dass auch blinde Menschen das richtige Medikament selbständig und vor allem selbstbestimmt einnehmen können.

Leider gibt es diese Beschriftungen nicht bei allen gängigen Medikamenten. Bei allen Augentropfen, die ich bisher nehmen musste, gab es keine Beschriftung in Braille. Dabei finde ich es gerade hier wichtig, dass man das richtige Medikament tropft. Und wenn man wie ich zeitweise bis zu vier verschiedene Tropfen in unterschiedlichen Abständen nehmen musste, der muss sich dann etwas anderes einfallen lassen. Erst recht, wenn sich auch die Fläschchen vom Material her nicht unterscheiden lassen. Ich habe das so gelöst, dass ich mir die Flaschen fühlbar markiert habe. Es gibt markierungspunkte zu kaufen, die extra zum blindengerechten kennzeichnen entwickelt wurden. Wenn man das nicht hat, tut es auch ein simpler Klebestreifen, oder auch ein Gummiring. Wichtig ist, dass man sich merkt welches Fläschchen man sich mit welchem Material markiert hat.

Einfacher finde ich die Handhabung von Tabletten. Sind diese nicht mit Braille beschriftet, orientiere ich mich an anderen Merkmalen, wie Form der Verpackung, Form oder Beschaffenheit der Tablette, oder Verpackungsgröße. Handelt es sich dabei um ein Medikament, welches ich nur über einen kurzen Zeitabschnitt nehme, spare ich mir damit die Beschriftung. Ist es aber eines, welches ich länger in meinem Medikamentenschrank lagern möchte, dann ist eine Beschriftung sinnvoll. Ich kann bei meiner Apotheke fragen, ob es eine Altenative mit Brailleschrift gibt, oder diese selbst herstellen und an der Verpackung anbringen. Wichtig Dabei ist, dass die ursprüngliche Beschriftung nicht verdeckt wird. Denn es kann auch der Fall eintreten, dass auch mal nicht blinde Personen die Beschriftung lesen müssen. Und wenn man Wert auf das Verfallsdatum legt, macht es Sinn sich dieses irgendwo zu notieren. Das kann auf einem separaten Zettel, auf der Beschriftung selbst oder auf dem Smartphone sein. Hauptsache man weiß hinterher wo es steht.

Bei Medikamenten, die in größeren Flaschen abgefüllt sind, und die keine Beschriftung in Braille haben, gelten ähnliche Regeln. Oft liegt diesen ein Messlöffel bei, den ich für blinde Nutzer unbrauchbar finde. Entweder nehme ich einen Messlöffel aus meiner Küche, oder ich ziehe die entsprechende Menge mit einer Einwegspritze auf, die ich mir vorher fühlbar markiert habe. Das kann man mit einem Küchenmesser am Kolben tun. Damit lassen sich Flüssigkeiten ML genau dosieren.

Schwierig finde ich Tropfen. Bei mir selbst tropfe ich sie direkt auf die Zunge, und kann sie somit abzählen. Ein Schluck Wasser hinterher, und alles ist wieder gut. Man kann aber auch in einen leeren Jogurtbecher tropfen, und auf das Tropfgeräusch hören. Anschließend gibt man einen kleinen Schluck Wasser mit in den Becher und trinkt. So kann man auch einer anderen Person die Tropfen blind verabreichen.

Menschen, welche beispielsweise im Alter erblinden, können oft keine Brailleschrift. Hier braucht es andere Lösungen. Bei einem Sehrest kann man das Medikament mit einem dicken Stift markieren. Ansonsten macht eine fühlbare Markierung wie oben beschrieben Sinn. Solange derjenige sich das noch nicht alleine zutraut, gibt es Tablettenboxen, die man für einen Tag, für mehrere Tage oder für eine Woche im Voraus richten kann. Das kann die Person selbst tun, oder gemeinsam mit einer Hilfe. Da jedes Fach für eine Tablette vorgesehen ist, kann der blinde Nutzer seine Medikamenteneinnahme selbst nachvollziehen.

Das waren jetzt meine Erfahrungen und Lösungsvorschläge. Schreibt mir doch Eure in die Kommentare.

Nähen ohne zu sehen – so geht’s

Lydia sitzt vor einer Nähmaschine

Blind und nähen, wie passt das zusammen? In diesem Zusammenhang höre ich immer wieder Sätze wie: „Du könntest Dich schneiden“, oder „An der Nähmaschine können sich sogar Sehende verletzen“. Von der Fragestellung nach Schnitt oder Muster wollen wir mal gar nicht erst reden. Auch ich dachte lange Zeit so. Denn meine Kenntnisse und Erfahrungen reichten nicht weiter als bis zum Vernähen eines Fadens oder einen Knopf annähen. Auch fühle ich mich eher an der Stricknadel zuhause.

Ich wurde eines Besseren belehrt, als ich an einem Workshop teilnahm, den Reiner Delgado, Sozialreferent des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands, anbot. Dieser richtete sich sowohl an blinde und sehbehinderte Teilnehmer, als auch sehende Personen, die es einmal blind probieren wollten. Reiner ist selbst blind, und näht viel in seiner Freizeit.

Fangen wir mal ganz vorne an. Denn am Anfang steht die Idee. Und die bekamen wir durch Reiner vermittelt, der eine Tasche aus drei gleichgroßen Quadraten gefertigt hatte. Diese sollten wir zuschneiden und zusammennähen.

Lydia misst mit einem Zollstock Stoff aus

Abmessen und Zuschneiden des Stoffs
Mit einem Lineal, einem Maßband oder einem festen Zollstock wird die Länge des Stoffs abgemessen. Reiner zeigt uns einen Zollstock mit taktilen Markierungen im Abstand von 1 cm, und einer anders fühlbaren Markierung für 5 und 10 cm. Diesen legt man an dem Stoff an, und markiert sich die Länge. Es geht einfacher, wenn man den Stoff fixieren kann, damit dieser nicht wegrutscht oder Falten werfen. Dafür kann man ein Hilfsmittel aus dem professionellen Nähbereich verwenden.
Ist der Stoff erst mal ausgemessen und fixiert, kann er zugeschnitten werden. Man kann hierfür eine Nähschere verwenden, oder einen Cutter. Damit kann man direkt am Lineal entlang schneiden, sollte aber ein Schutzbrett zwischen Tisch und Stoff legen. Auch dieses Zubehör ist in einem Geschäft für Nähbedarf erhältlich.

Lydia schneidet ein Stück Stoff zu

Ränder abstecken und bügeln
Sind die Quadrate fertig zugeschnitten, knicken wir an den Seiten die umgenäht werden sollen etwa 2 cm ab. So entsteht eine saubere und gut fühlbare Kante. Diese wird mit herkömmlichen Stecknadeln abgesteckt. Um die Kante zu festigen, werden die Kanten noch mal gebügelt.

Zusammennähen
Ich empfehle allen sehbehinderten Nutzern einer Nähmaschine sich das Gerät im ausgeschalteten Zustand von allen Seiten zu betasten und erklären zu lassen. Außerdem ist es wichtig ein Gerät zu benutzen, das sich per tastbarer Schalter oder Drehregler bedienen lässt. Touchscreen geht für blinde Nutzer gar nicht. Gut und hilfreich ist eine Einfädelhilfe. Das geht nicht nur für sehende schneller, sondern senkt bei allen Beteiligten die Verletzungsgefahr.

Die Auswahl des Stoffs
Dennoch möchte ich auch diese Frage thematisieren. Bei unserem Workshop stellte sich das Problem nicht, da der Stoff vorgegeben wurde. Sehende Teilnehmer gehen primär nach der Farbe oder der Musterung des Stoffs. Als blinde Nutzerin ist für mich der Stoff selbst wichtig. Wie fühlt er sich an? Wie fällt er? Wie klingt es, wenn ich mit der Hand darüber streiche? Das sind Fragen, die sich für mich erst mal stellen. Farbbeschaffenheit ist eine Information, welche mir ein technisches Hilfsmittel zur Farberkennung liefert, bzw. eine sehende Person, die mir die Auskunft erteilt. Und hier ist es davon abhängig, ob es mir wichtig ist, dass die Farbe auch anderen Leuten gefällt, oder ob es mir, und nur mir gefallen soll. Die Wahl einer Farbe, oder eines Musters, welches sichtbar ist, stellt somit immer einen Kompromiss dar, wenn es mir wichtig ist, dass es auch anderen gefällt. Denn die Person, welche mich beraten hat, steht für sich und ihren eigenen Geschmack, und nicht für alle anderen Menschen, deren Meinung mir wichtig ist. Es setzt also im wahrsten Sinne des Wortes blindes Vertrauen voraus.

Bereits Im Oktober 2016 initiierte das Goethe-Institut Paris in Zusammenarbeit mit vier renommierten Modehochschulen aus Deutschland, Frankreich, Schweden und Belgien das Recherche- und Ausstellungsprojekt BEYOND SEEING. Im Rahmen von internationalen Recherche-Workshops, einer Ausstellung und einem diskursiven Begleitprogramm zielt das Projekt darauf ab, Mode in einem Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen über den visuellen Reiz hinaus wahrnehmbar zu machen. Bislang nicht miteinander in Berührung gekommene Zielgruppen – Designstudierende, blinde und sehbehinderte Teilnehmer sowie Experten verschiedenster künstlerischer Disziplinen – werden erstmalig zusammengebracht, um gemeinsam innovative Designkonzepte zu entwickeln. Dieses Projekt durfte ich als blinde Bloggerin aus Deutschland ein stückweit begleiten, und werde nach und nach über verschiedene Aspekte berichten. In „Mode, Kunst und Shoppingtour“ habe ich über die Veranstaltung berichtet, die im Oktober 2016 in Berlin stattfand. Weitere Beiträge, die sich um die Ausstellung in Paris ab dem 18.01.2018 drehen, sollen folgen. Ich möchte eine angehende Modedesignerin zum Thema „Mode für blinde Menschen“ fragen, über die Reise selbst schreiben, und über die Wahrnehmung von Kunst, wenn man blind ist.

Wenn Euch meine Beiträge gefallen, dann freue ich mich, wenn Ihr meinem Blog folgt. Für jetzt lade ich Euch ein, in den Kommentaren über diesen Beitrag zu diskutieren.

Karten blind auseinanderhalten

Lydia mit mehreren Plastikkarten.

Zahlen mit der EC-Karte, beim Arzt die Versichertenkarte vorzeigen, oder diverse Kundenkarten, die unseren Geldbeutel oder die Brieftasche bevölkern. Selbst der Personalausweis oder mein Schwerbehindertenausweis ist im praktischen Checkkartenformat ausgestellt. Jede Karte hat ihr eigenes Design, um sie von anderen Karten zu unterscheiden. Aber was ist mit denjenigen, die diese optische Gestaltung nicht wahrnehmen können? Im Folgenden möchte ich ein paar Lösungen dafür aufzeigen.

Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, als meine Kinder und ich unsere Versichertenkarten bekamen. Drei Karten von ein und derselben Krankenkasse, versehen mit unterschiedlichen Versichertennummern, die ich nicht selbst lesen konnte. Anfangs behalf ich mir damit, dass ich die Karten in einer bestimmten Reihenfolge aufbewahrte. So konnte ich gezielt die gesuchte Karte herausziehen, ohne der Sprechstundenhilfe den Stapel hinzuhalten, mit der Bitte sich selbst zu bedienen. Denn das empfand ich als unangenehm. Ich wollte das einfach selbst machen können.

Eine Mitarbeiterin unserer Kinderarztpraxis hatte die rettende Idee. Mit einem Küchenmesser ritzte sie in eine Karte ein und in die Andere Karte zwei kleine Schlitze ein. Die Dritte, also meine eigene Versichertenkarte, blieb unbehandelt. So konnte ich erfühlen welche Karte welchem Kind zugeordnet war. Diese Lösung behielt ich viele Jahre bei. Irgendwann verschickte meine Krankenkasse Karten, die in einer Ecke die Buchstaben GK für Gesundheitskarte versehen waren. Auch hier markierte ich die Karten meiner Kinder wieder mit ein bis zwei Schlitzen, um sie von meiner eigenen Versichertenkarte unterscheiden zu können.

Mit den Jahren sammelten sich immer mehr Karten bei mir an. Damit stellte sich für mich die Frage nach der Kennzeichnung immer öfter. Erst recht, als auch der Schwerbehindertenausweis und der Personalausweis in ein Checkkartenformat wechselten. In den letzten Jahren habe ich daher viele Lösungen ausprobiert, die ich Euch gern vorstellen möchte.

Nicht alle Karten fühlen sich gleich an. Manche haben erhabene Zahlen oder Buchstaben, die man erfühlen kann, wie man auf der Kundenkarte von P&C, Tchibo oder auch bei vielen Kreditkarten sehen und fühlen kann.

Eine andere Möglichkeit ist eine Beschriftung in Braille. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV verschickt seine Mitgliedskarten mit einer Beschriftung in Braille. Alternativ kann man sich diese Beschriftung auch selbst herstellen. Dafür nutze ich gern durchsichtiges Dymoband, welches ich mit Braille beschrifte, und anschließend auf die Karte klebe. Allerdings mache ich das nur bei Karten, die mir wichtig sind.

Doch es geht auch ohne Braille. Denn nicht jeder blinde Kartenbesitzer beherrscht die Brailleschrift. Dann kann man die entsprechende Karte mit einem Stück Tesafilm oder einem anderen Material kennzeichnen. Wichtig dabei ist, dass die Kennzeichnung nicht auf oder in der Nähe eines Magnetstreifens angebracht wird. Denn schließlich müssen manche Karten elektronisch ausgelesen werden. Auch sollte die Kennzeichnung keine Kartenummer oder andere wichtige Angabe verdecken, damit auch normal sehende Leser die Schrift noch lesen können.

Eine weitere Alternative sind Fotoecken. Die kann man an einer oder zwei Ecken einer Karte anbringen. Allerdings sollte man diese noch mal an der Karte festkleben, damit sie sich nicht versehentlich lösen. Und wenn es schnell gehen muss, dann habe ich gern ein oder zwei Gummiringe oder Haargummis in meiner Tasche. Damit kann ich eine Karte, die ich neu habe, erst mal provisorisch kennzeichnen. Übrigens geht es auch mit Kabelbinder. Im Grunde ist alles erlaubt, was ein schnelles Auffinden möglich macht. Denn das ist für mich Selbstbestimmung und Lebensqualität.

Das sind die Möglichkeiten, die sich in meinem Alltag bewährt haben. Es sind Anregungen, um uns den Alltag zu erleichtern. Ich bin gespannt darauf, was meine Follower für Ideen beitragen werden.

Bilder für Blinde zugänglich machen

Lydia Hält lächelnd einen Käsekuchen hoch

Neulich schickte mir eine Freundin auf Facebook ein Foto. Die Absenderin wusste, dass ich blind bin. Dennoch kam dieses Bild ohne jegliche Beschreibung zu mir.

In früheren Beiträgen habe ich bereits beschrieben, wie blinde Nutzer den PC oder das Smartphone nutzen. Auch diese technischen Hilfsmittel haben Grenzen. Beispielsweise bei einem Text, der in ein Bild eingebettet ist. Mein Screen Reader erkennt ein Bild. Und vielleicht auch noch Bruchteile des Textes. das war es dann auch schon. Ich kann also nicht, wie ein sehender Nutzer, innerhalb von Sekunden erfassen was ich da bekommen habe, sondern muss einigen Aufwand betreiben. Ich kann z. B. das Bild durch ein Programm zur Texterkennung schicken, und versuchen den Text aus dem Bild erkennen zu lassen. Wenn das Foto gut gemacht ist, und der Kontrast stimmt, dann geht es. Aber bei vielen Fotos, an denen sich ein Grafikdesigner bei den Lichteffekten ausgetobt hat, geht das nicht.

Immer wieder erreichen mich Fotos, die nicht beschriftet sind. Und das von Menschen, denen meine Sehbehinderung bekannt ist. Ein Absender, den ich darauf aufmerksam machte, empfahl mir, dass meine Kinder mir den Text ja vorlesen könnten. Hallo, geht’s noch? In meinem Facebook Account hat niemand anderes was verloren. Und schon gar nicht in meinen persönlichen Nachrichten. Auf die Frage, ob er sich seine Liebesbriefe auch von einer dritten Person vorlesen lassen würde, bekam ich keine befriedigende Antwort.

So, genug gemeckert. Jetzt habe ich einige Anregungen, wie es besser geht. Denn es ist nicht sehr aufwändig blinde Menschen am bildlichen Geschehen teilhaben zu lassen. das geht mit einfachen Bordmitteln.

Text als Bild

So sieht das Foto aus, welches ich zu Beginn dieses Beitrags erwähnt hatte. Ich hätte den Inhalt selbst lesen können, wenn die Nachricht als Text zu mir gekommen wäre. Nämlich so:

„Hey, eine Frage an Dich… Kennst Du den wunderbarsten Menschen der Welt? Kennst Du die wertvollste Person, die es gibt? Kennst Du den Menschen, der einfach unersetzbar ist? nein? Na dann guck aber mal ganz schnell in den Spiegel!!! Jaa, ich meine DICH!!! Schicke das an jeden, deren Freundschaft dir etwas bedeutet, auch an mich. Bekommst du sie nur einmal zurück, bist du kein guter Freund, bekommst du sie mehr als dreimal bist du ein echter Schatz!“

Text auf einem Bild

Das ist ein Text, den alle Screen Reader sofort auslesen können. Und das in Echtzeit.

Bilder als Anhang einer E-Mail

Ein Foto, das auf dem PC gespeichert wird, hat einen Namen. Dieser lässt sich ändern. Aus einem kryptischen Namen, der gern vom System vergeben wird, kann man eine Beschreibung machen. Diese könnte beispielsweise „Lydia hält lächelnd einen Käsekuchen.jpg“ heißen. Unter diesem Namen habe ich das Beitragsfoto abgespeichert. Bekomme ich ein so beschriebenes Bild, kann ich es mit eben diesem Namen abspeichern, und später wiederfinden. Auch wenn mehrere Bilder in derselben E-Mail kommen. Problematisch wird es, wenn die Beschreibung nicht im Dateinamen steckt, sondern im Text der E-Mail. Dann ist es für mich unmöglich die Beschreibung dem entsprechenden Bild zuzuordnen.

Gleiches gilt, wenn ich Bilder auf einem USB-Stick, oder anderem Medium bekomme. Haben die Dateinamen keine Beschreibung, kann ich alleine nichts damit anfangen.

Grafiken und Fotos beschriften

Screen Reader können Grafiken zwar als solche ausmachen, jedoch nicht beschreiben. Daher ist es wichtig, dass diese mit einem aussagekräftigen Text hinterlegt werden.

In vielen Blogs, die ich verfolge, sehe ich viele Fotos, die wichtig für den Kontext sind, jedoch keinerlei Beschriftung aufweisen. Dabei gibt es die Felder für Beschreibung und Alternativtext, die von Programmen, die blinde Leser benutzen, ausgelesen werden können. Und nicht nur WordPress bietet gute Möglichkeiten, Bilder mit alternativen Beschreibungen zu versehen. Das ist wichtig für Blinde oder Sehbehinderte, die das Bild nicht sehen oder nicht erkennen können.

Die Optionen zur Bildbeschreibung werden in der Mediathek in der rechten Spalte angezeigt. Ist das Bild ausgewählt, könnt ihr Alternativtext oder Titel festlegen.

Der Alternativtext wird Blinden vorgelesen. Der Titel wird angezeigt, wenn ihr mit dem Mauscursor über das Bild fahrt. Er richtet sich also eher an Sehbehinderte. Alternativtext und Titel dürfen identisch sein, da die Hilfssoftware von Blinden jeweils nur eines von beidem vorliest. Allerdings schlagen Plug-Ins wie Access Monitor an, wenn die beiden Texte gleich sind. Das Tool geht in solchen Fällen davon aus, dass die Felder automatisch befüllt wurden.

Als Faustregel gilt: Blinde können das Bild nicht sehen und benötigen grundlegende Infos: Was ist überhaupt auf dem Bild zu sehen. Zum Beispiel „Das Diagramm zeigt die Geschäftsentwicklung 2015“. Die Werte dazu sollten natürlich in einer Tabelle oder im Fließtext stehen. Sehbehinderte haben eventuell Probleme, den Bild-Inhalt zu erkennen, ihnen hilft daher eine allgemeinere Beschreibung des Bildaufbaus. Zum Beispiel: „Das Säulendiagramm zeigt die Geschäftsentwicklung des Jahres 2015, die einzelnen Säulen bilden die Monate ab“. .

Ich habe von vielen Bloggern gehört, dass auf Seminaren vermittelt wird, dass diese Felder unwichtig sind, und daher ruhig ignoriert werden können. Ich hoffe, dass auch zu diesen Seminarleitern durchdringt, dass auch blinde und sehbehinderte Nutzer im Internet unterwegs sind.

Was heißt ein Foto beschreiben?

Die Beschreibung eines Fotos sollte kurz und aussagekräftig sein. Wer macht was, womit und wo. Evtl. könnte auch der Gesichtsausdruck wichtig sein. Für sehende Nutzer mag das absolut unwichtig sein. Für uns blinde Leser jedoch ist das sehr wichtig, um am bildlichen Geschehen teilhaben zu können.

Also, liebe Versender von nicht beschrifteten Bildern!
Wenn Ihr wollt, dass der Empfänger Eure Nachricht auch wahrnehmen kann, dann beschriftet oder beschreibt Eure Bilder entsprechend. Dann hat der Empfänger die Wahl das Bild weiterzuschicken, abzuspeichern, oder ins Nirwana zu befördern. Auf jeden Fall aber kann er dies selbständig tun. Bei Fotos, die ohne Beschriftung kommen, weiß man nicht, ob sie doch eine wichtige Information enthalten. Meine persönliche Lösung dafür ist, dass Fotos, die von Leuten kommen, die mir nur selten etwas schicken, direkt und kommentarlos gelöscht werden, erst recht, wenn sie wissen, dass ich das Foto nicht sehen kann.

Tja, und wenn Ihr wirklich nicht wisst, wie Ihr das machen könnt, dann fragt den Empfänger doch einfach wie er oder sie es gerne hätte. Denn mein Beitrag stellt nur einige Anregungen vor, und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine bildschöne Zeit.

Eure Lydia