Blind mit Medikamenten umgehen

Heute gehe ich auf die Frage ein, wie ich mit Medikamenten umgehe. Auch ich habe eine Hausapotheke mit wechselnder und dauerhafter Besetzung. So geht’s.

Inzwischen sind viele Medikamente mit einer Beschriftung in Braille versehen. Diese befindet sich in der Regel auf der Verpackung, und enthält außer dem Namen des Medikaments Angaben wie Dosis oder Mengenangabe. Der Gedanke dahinter ist, dass auch blinde Menschen das richtige Medikament selbständig und vor allem selbstbestimmt einnehmen können.

Leider gibt es diese Beschriftungen nicht bei allen gängigen Medikamenten. Bei allen Augentropfen, die ich bisher nehmen musste, gab es keine Beschriftung in Braille. Dabei finde ich es gerade hier wichtig, dass man das richtige Medikament tropft. Und wenn man wie ich zeitweise bis zu vier verschiedene Tropfen in unterschiedlichen Abständen nehmen musste, der muss sich dann etwas anderes einfallen lassen. Erst recht, wenn sich auch die Fläschchen vom Material her nicht unterscheiden lassen. Ich habe das so gelöst, dass ich mir die Flaschen fühlbar markiert habe. Es gibt markierungspunkte zu kaufen, die extra zum blindengerechten kennzeichnen entwickelt wurden. Wenn man das nicht hat, tut es auch ein simpler Klebestreifen, oder auch ein Gummiring. Wichtig ist, dass man sich merkt welches Fläschchen man sich mit welchem Material markiert hat.

Einfacher finde ich die Handhabung von Tabletten. Sind diese nicht mit Braille beschriftet, orientiere ich mich an anderen Merkmalen, wie Form der Verpackung, Form oder Beschaffenheit der Tablette, oder Verpackungsgröße. Handelt es sich dabei um ein Medikament, welches ich nur über einen kurzen Zeitabschnitt nehme, spare ich mir damit die Beschriftung. Ist es aber eines, welches ich länger in meinem Medikamentenschrank lagern möchte, dann ist eine Beschriftung sinnvoll. Ich kann bei meiner Apotheke fragen, ob es eine Altenative mit Brailleschrift gibt, oder diese selbst herstellen und an der Verpackung anbringen. Wichtig Dabei ist, dass die ursprüngliche Beschriftung nicht verdeckt wird. Denn es kann auch der Fall eintreten, dass auch mal nicht blinde Personen die Beschriftung lesen müssen. Und wenn man Wert auf das Verfallsdatum legt, macht es Sinn sich dieses irgendwo zu notieren. Das kann auf einem separaten Zettel, auf der Beschriftung selbst oder auf dem Smartphone sein. Hauptsache man weiß hinterher wo es steht.

Bei Medikamenten, die in größeren Flaschen abgefüllt sind, und die keine Beschriftung in Braille haben, gelten ähnliche Regeln. Oft liegt diesen ein Messlöffel bei, den ich für blinde Nutzer unbrauchbar finde. Entweder nehme ich einen Messlöffel aus meiner Küche, oder ich ziehe die entsprechende Menge mit einer Einwegspritze auf, die ich mir vorher fühlbar markiert habe. Das kann man mit einem Küchenmesser am Kolben tun. Damit lassen sich Flüssigkeiten ML genau dosieren.

Schwierig finde ich Tropfen. Bei mir selbst tropfe ich sie direkt auf die Zunge, und kann sie somit abzählen. Ein Schluck Wasser hinterher, und alles ist wieder gut. Man kann aber auch in einen leeren Jogurtbecher tropfen, und auf das Tropfgeräusch hören. Anschließend gibt man einen kleinen Schluck Wasser mit in den Becher und trinkt. So kann man auch einer anderen Person die Tropfen blind verabreichen.

Menschen, welche beispielsweise im Alter erblinden, können oft keine Brailleschrift. Hier braucht es andere Lösungen. Bei einem Sehrest kann man das Medikament mit einem dicken Stift markieren. Ansonsten macht eine fühlbare Markierung wie oben beschrieben Sinn. Solange derjenige sich das noch nicht alleine zutraut, gibt es Tablettenboxen, die man für einen Tag, für mehrere Tage oder für eine Woche im Voraus richten kann. Das kann die Person selbst tun, oder gemeinsam mit einer Hilfe. Da jedes Fach für eine Tablette vorgesehen ist, kann der blinde Nutzer seine Medikamenteneinnahme selbst nachvollziehen.

Das waren jetzt meine Erfahrungen und Lösungsvorschläge. Schreibt mir doch Eure in die Kommentare.

4 Antworten auf “Blind mit Medikamenten umgehen”

  1. Schwierig dürfte es werden, wenn ein im Alter erblindeter Mensch zusätzlich unter beginnender oder gar fortgeschrittener Demenz leidet. Da hilft dann vielleicht doch nur Pflegepersonal, oder hättest du noch eine andere Idee? Speziell für Leute, die nicht (mehr) mit Angehörigen zusammen leben?

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s