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Allgemein Sport und Freizeit

Blinde sollten selbstständig Sport treiben können 

Sportangebote gibt es heute genug. Fitnessstudios, Kurse für jedes Fitnesslevel und unzählige Trainingsvideos und Apps für zu Hause.

 

Eigentlich könnte man meinen, dass jeder problemlos die Möglichkeit hat, Sport zu treiben.

 

Eigentlich.

 

Denn wenn man blind oder sehbehindert ist, beginnt die Suche nach einem passenden Sportangebot oft mit ganz anderen Fragen. Werden die Übungen so erklärt, dass ich sie nachvollziehen kann? Kann ich selbstständig trainieren? Und manchmal stellt sich sogar die Frage: Bin ich dort überhaupt willkommen?

 

Ich weiß, wovon ich spreche.

 

Im Jahr 2016 wollten meine Kinder unbedingt in einem Fitnessstudio trainieren. Also ging ich mit und regelte zunächst die Verträge für meine damals noch minderjährigen Kinder. Irgendwann bekam ich selbst Lust, etwas für meine Fitness zu tun und vereinbarte ein Probetraining.

 

Das lief gut. Mir wurden die Geräte gezeigt und ich konnte sie ausprobieren. Fahrrad, Laufband und der Zirkel waren für mich ohne fremde Hilfe zugänglich. Bei einem weiteren Termin trainierte ich dann unter normalen Bedingungen. Ich fand selbstständig die Umkleide und die Geräte wieder. Zwei Übungen musste die Trainerin bei mir korrigieren – aber das tat sie auch bei anderen Trainierenden.

 

Nach dem Training sagte mir die Trainerin, dass sie kein Problem darin sehe, dass ich dort trainiere. Sie hatte erlebt, dass ich mich selbstständig zurechtfinde und trainieren kann.

 

Eigentlich hätte ich jetzt einfach einen Vertrag unterschreiben können.

 

Aber meine Mitgliedschaft musste noch vom Inhaber genehmigt werden.

 

Und plötzlich wurde aus einer einfachen Anmeldung eine Geschichte, die sich über Monate hinzog. Angeblich musste die Versicherung erst prüfen, ob ich dort überhaupt trainieren dürfte. Schließlich sei ich die erste Kundin mit einer Sehbehinderung.

 

Am Ende sollte ich nur unter besonderen Bedingungen trainieren dürfen. Man wollte eine Sondervereinbarung mit mir abschließen. Es gebe keine Kapazitäten, jemanden abzustellen, der mich herumführt. Außerdem könnten andere Mitglieder ja etwas auf dem Boden liegen lassen.

 

Dabei hatte ich längst gezeigt, dass ich mich selbstständig zurechtfinde. Und auch ein sehender Mensch kann über eine Hantel stolpern.

 

Spätestens da war für mich klar: Hier geht es nicht darum, ob ich trainieren kann. Hier geht es darum, welches Bild Menschen von blinden Menschen im Kopf haben.

 

Ich wollte keine Sonderbehandlung und keinen Aufpasser. Ich wollte einfach trainieren. So wie alle anderen auch.

 

Diese Erfahrung ist inzwischen einige Jahre her. Aber wenn ich heute über „Fitness zum Hören“ nachdenke, fällt sie mir wieder ein.

 

Denn das Problem beginnt nicht erst an der Tür eines Fitnessstudios.

 

Auch in herkömmlichen Sportkursen sind blinde und sehbehinderte Menschen nicht immer willkommen. Und selbst wenn sie teilnehmen dürfen, sind viele Angebote darauf ausgerichtet, dass man zuschaut.

 

Der Trainer macht eine Bewegung vor und sagt: „Jetzt macht ihr das genauso.“ Ein Video läuft und es heißt: „Schaut auf den Bildschirm.“

 

Aber wie soll man etwas nachmachen, das nur gezeigt und nicht erklärt wird?

 

Genau hier setzt „Fitness zum Hören“ an.

 

Statt darauf angewiesen zu sein, Bewegungen zu sehen und nachzumachen, werden die Übungen so beschrieben, dass man sie hören, verstehen und selbstständig umsetzen kann. Im Mittelpunkt stehen die Bewegung und die eigene Körperwahrnehmung.

 

Und das Schöne daran ist: Dieses Angebot ist nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet.

 

Auch sehende Menschen können davon profitieren. Denn muss man beim Sport wirklich ständig auf einen Bildschirm schauen? Vielleicht möchte man sich lieber auf den eigenen Körper konzentrieren, die Bewegung spüren und auf die Atmung achten.

 

Wir verbringen ohnehin schon einen großen Teil unseres Tages vor Bildschirmen. Vielleicht ist es manchmal sogar ganz angenehm, ihn beim Sport einfach einmal auszuschalten.

 

Bei „Fitness zum Hören“ hört man zu und setzt die Übungen um. Das macht das Angebot interessant für blinde und sehbehinderte Menschen ebenso wie für sehende Menschen, die beim Training nicht schon wieder auf einen Bildschirm fokussiert sein möchten.

 

Für mich ist das echte Inklusion. Nicht ein Angebot nur für blinde Menschen und ein anderes für sehende Menschen, sondern eines, das unterschiedliche Menschen nutzen können.

 

Und genau deshalb finde ich „Fitness zum Hören“ so wichtig.

 

Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist die Möglichkeit, selbstständig Sport zu treiben, noch immer keine Selbstverständlichkeit. Dabei geht es nicht nur um Fitness. Es geht um Gesundheit, Selbstständigkeit, Lebensqualität und darum, dazuzugehören.

 

Doch genau dieses Angebot braucht jetzt Unterstützung.

 

Damit die App betreut und weiterentwickelt werden kann, werden jeden Monat rund 10.000 Euro benötigt. Deshalb wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

 

Das Ziel ist einfach: Wenn 250 Menschen monatlich 40 Euro für eine Mitgliedschaft bezahlen würden, könnten damit die laufenden Kosten gedeckt werden.

 

Zurzeit gibt es bereits rund 80 Mitglieder. Viele zahlen allerdings noch den früheren Preis von 15 Euro oder nutzen ein kostenloses Probeangebot. Deshalb kommen derzeit nur rund 500 Euro im Monat zusammen.

 

Es fehlen also noch rund 9.500 Euro monatlich, damit die App langfristig erhalten bleiben kann.

 

Natürlich sind 40 Euro im Monat viel Geld. Der Betrag soll deshalb auch nicht dauerhaft so hoch bleiben. Zunächst geht es darum, das Überleben der App zu sichern. Danach sollen Wege gefunden werden, damit der monatliche Beitrag wieder sinken kann.

 

Und niemand muss eine Mitgliedschaft für 40 Euro abschließen. Wer bereits ein Abo hat oder sich diesen Betrag nicht leisten kann oder möchte, kann das Projekt auch mit einem kleineren Beitrag über die Crowdfunding-Kampagne unterstützen.

 

Oder ganz einfach, indem man anderen davon erzählt.

 

Denn manchmal hilft es schon, wenn eine gute Idee die richtigen Menschen erreicht.

 

Ich würde es schade finden, wenn ein Angebot verschwindet, das genau dort ansetzt, wo viele andere Sportangebote blinde und sehbehinderte Menschen noch immer ausschließen.

 

Wir reden viel über Barrierefreiheit und Inklusion. Aber am Ende zeigt sich beides im Alltag. Kann ich eine App nutzen? Kann ich einen Sportkurs besuchen? Bin ich in einem Fitnessstudio willkommen? Kann ich selbstständig trainieren?

 

Für viele Menschen sind diese Fragen selbstverständlich. Für blinde und sehbehinderte Menschen sind sie es leider noch immer nicht.

 

Deshalb braucht es Angebote wie „Fitness zum Hören“.

 

Wenn ihr mehr über das Projekt und die aktuelle Crowdfunding-Aktion erfahren möchtet, schaut euch gerne dieses Video an:

 

Zum Video: „Crowdfunding – Helft uns die App Fitness zum Hören zu retten“⁠

 

Die Crowdfunding-Kampagne zu „Fitness zum Hören“ findet ihr hier:

 

Zur Crowdfunding-Kampagne „Fitness zum Hören“⁠

  Denn Sport gehört zum Leben. Und dazugehören sollte keine Frage des Sehens sein.

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Allgemein Alltag Bildung unterwegs

Der Tag des weißen Stocks 

Einen schönen Tag des weißen Stocks!

 

Heute feiern wir etwas ganz Besonderes – den White Cane Safety Day. Also: reden wir mal ganz einfach darüber, was es mit diesem weißen Stock eigentlich auf sich hat, warum er so wichtig ist und warum man besser keine voreiligen Schlüsse zieht, wenn man jemanden damit sieht.

 

Was ist der weiße Stock überhaupt?

Der weiße Stock ist nicht einfach nur ein Stock, den blinde oder sehbehinderte Menschen mit sich herumtragen. Nein, er ist viel mehr als das! Er ist sozusagen unsere Augen am Boden, unser Freiheitsstock und manchmal auch einfach unser treuer Reisebegleiter.

 

Mit dem Stock können wir spüren, was vor uns liegt: Stufen, Bordsteine, Pfosten, Löcher oder andere kleine Überraschungen, die die Welt so bereithält. Er hilft uns, sicher und selbstbewusst unterwegs zu sein – auch wenn wir nicht sehen können, was vor uns liegt.

 

Gleichzeitig zeigt der weiße Stock anderen: Diese Person sieht nicht so gut. Er erinnert Autofahrer und Passanten daran, etwas vorsichtiger und geduldiger zu sein.

 

Und falls du mal einen weißen Stock mit einem roten Ring oder einer roten Spitze siehst: Das bedeutet, dass die Person vielleicht zusätzlich eine Hörbeeinträchtigung hat.

 

Warum ist der weiße Stock so wichtig?

  1. Selbstständigkeit

Der Stock gibt uns Freiheit. Er ermöglicht es blinden und sehbehinderten Menschen, sich alleine zu bewegen, ohne ständig jemanden an der Seite zu brauchen.

  1. Sicherheit

Er warnt uns vor allem, was sich am Boden verändert – Bordsteine, Stufen, Löcher oder diese fiesen Mülltonnen, die plötzlich mitten im Weg stehen. So bleiben wir sicher unterwegs.

  1. Aufmerksamkeit für andere

Wenn Leute den weißen Stock sehen, verstehen sie: Diese Person sieht nicht gut und braucht vielleicht etwas mehr Platz oder Geduld. Das hilft, Missverständnisse und kleine Unfälle zu vermeiden.

  1. Symbol

Der weiße Stock steht für Stärke, Würde und Mut. Er zeigt: Blindheit ist keine Schwäche – sie ist eine andere Art, sich anzupassen, selbstbewusst und unabhängig zu sein.

 

Warum man keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte

 

Bitte denkt daran: Nur weil jemand einen weißen Stock benutzt, heißt das nicht automatisch, dass er oder sie gar nichts sieht. Manche sehen ein bisschen, andere gar nichts – und das ist völlig in Ordnung. Der Stock ist für Sicherheit da, nicht für Aufmerksamkeit.

 

Und nein, er ist kein modisches Accessoire oder schicker Gehstock. Es ist ein wichtiges Hilfsmittel für unsere Mobilität.

 

Also: nicht starren, kein Mitleid, und bitte nicht einfach am Arm packen. Wenn du helfen willst, frag einfach kurz nach – das ist immer die freundlichste Art zu unterstützen.

 

Und falls du im Auto sitzt: Bitte hupe keine blinde Person an. Das bringt nichts, weil sie das Hupen nicht richtig zuordnen kann – und im schlimmsten Fall erschreckt es nur. Sprich sie lieber direkt an, das ist viel hilfreicher und respektvoller.

 

Und noch etwas: Wenn du etwas von einer blinden Person wissen möchtest, dann sprich sie bitte selbst an – nicht ihre sehende Begleitung. Blinde Menschen können sehr wohl für sich selbst sprechen. Es ist respektvoller und zeigt, dass du sie ernst nimmst.

 

Und ja, vielleicht lächelst du jemanden mit weißem Stock an, und die Person sieht es gar nicht. Aber weißt du was? Es zählt trotzdem. Denn du hast gelächelt – und das ist schon ein schönes Zeichen von Respekt und Freundlichkeit.

 

Zum Schluss

 

Am White Cane Safety Day denken wir daran, dass der weiße Stock kein einfacher Stock ist. Er ist Werkzeug, Signal und Symbol zugleich.

 

Er gibt blinden und sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, zu leben, die Welt zu entdecken und gesehen zu werden in einer Welt, die oft nur für Sehende gemacht ist.

 

Der weiße Stock steht für Freiheit, Selbstständigkeit und Stolz.

 

Also: Lasst uns weiter lernen, verstehen und Bewusstsein schaffen – denn wenn wir mehr wissen, können wir auch besser miteinander umgehen.

 

Einen tollen White Cane Safety Day euch allen.

 

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Allgemein Alltag unterwegs

Die nächste Haltestelle ist keine Ahnung 

„Die nächste Haltestelle ist … keine Ahnung?“ – Unterwegs mit unsichtbaren Ansagen Es ist Freitagnachmittag, die Sonne scheint, die Laune ist gut. Meine Tochter und ich haben einen schönen Tag draußen verbracht, und jetzt geht’s nach Hause – Neu‑Isenburg, ich komme! Noch schnell umsteigen in Dietzenbach Mitte, dann 20 Minuten Busfahrt. Alles wie immer. Dachte ich.

 

Ich sitze vorne im Bus, der Motor schnurrt, der Frühling duftet durch die halb geöffneten Fenster – aber irgendwas fehlt. Keine Stimme, kein Piepen, keine Ansage. Und ich meine nicht die innere Stimme, die mir sagt: „Du hast vergessen, Brot zu kaufen.“

 

Ich rede natürlich von den Haltestellenansagen. Denen, auf die ich als blinde Frau angewiesen bin. Denn anders als sehende Fahrgäste kann ich nicht mal eben aus dem Fenster schauen, um zu sehen, wo wir gerade sind. Ich verlasse mich auf Technik, auf Barrierefreiheit – und auf ein kleines bisschen Mitdenken von Seiten des Fahrpersonals.

 

Also frage ich den Busfahrer freundlich, ob er bitte die Ansagen einschalten könnte. Keine große Sache, dachte ich. Denkste! „Diese Ansagen stören mich“, sagt er. Wirklich jetzt? Er erklärt mir ganz offen, dass er zehn Stunden täglich im Bus sitzt und sich die Ansagen nicht ständig anhören will. „Das ist echt nervig“, sagt er. Und wenn es nach ihm ginge, wären sie ganz aus – was er natürlich nicht darf, aber er regelt sie einfach so weit runter, dass sie niemand mehr hört. Tja, Problem gelöst. Für ihn. Ich bin ehrlich gesagt kurz sprachlos. Nicht, weil ich es nicht schon erlebt hätte – sondern weil ich es immer wieder erlebe. Also erkläre ich ruhig, dass ich die Ansagen wirklich brauche. Dass ich sonst nicht weiß, wo ich gerade bin. Dass ich nicht ständig andere Fahrgäste oder den Fahrer fragen will. Ich will nicht zur Bittstellerin werden, nur um an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Schon öfter wurde ich einfach vergessen, bin irgendwo rausgekommen, wo ich nicht hinwollte. Das ist nicht nur ärgerlich, das kostet Zeit, Nerven und manchmal auch ein kleines Stück Selbstbestimmung.

 

Der Fahrer hört zu – so halb. Ich merke: Verständnis klingt anders.

 

Mir fällt eine Beschwerde ein, die ich mal gehört habe. Fahrgäste hätten sich darüber beklagt, dass die Ansagen sie beim Zeitunglesen stören. Ja, wirklich! Die gute alte Zeitung, bedroht durch eine Durchsage wie: „Nächste Haltestelle: Musterstraße.“ Man stelle sich den Lärm vor! Jetzt also Busfahrer, die sich in ihrer Arbeitsruhe gestört fühlen. Ich kann nicht anders – in meinem Kopf blinkt ein großes, fettes „Finde den Fehler!“

 

In solchen Momenten wünsche ich mir eine ganz einfache Übung: Setzt euch mal eine Augenbinde auf, liebe Leute, und fahrt eine Runde Bus. Dann reden wir weiter.

 

Ja, es gibt auch andere Extreme. Übersteuerte, viel zu laute Ansagen, die einen erschrecken wie ein Wecker am Sonntagmorgen. Aber meistens ist es das Gegenteil: so leise, dass man bestenfalls ahnt, dass gerade irgendetwas angesagt wurde. Gestern habe ich wieder einen Fahrer gebeten, die Ansagen einzuschalten. Er tat es – mit einem genervten Schnauben. Und ich bin mir sicher: Kaum war ich draußen, hat er sie wieder abgeschaltet. Zack, weg damit. Aus den Augen, aus dem Sinn?

 

Und das ist es, was mich ärgert. In vielen Bussen fühle ich mich wie eine Bittstellerin. Der Fahrer entscheidet, ob ich mich zurechtfinde oder nicht. Und wenn ich mich beschwere? Dann kommt meistens eine dieser fantastischen Standardantworten vom Verkehrsunternehmen: „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir kümmern uns darum.“ Und dann – Stille. Ironischerweise wie bei ausgeschalteten Ansagen. Mein Appell an euch: Wenn euch auffällt, dass keine Ansagen laufen – sagt was! Auch wenn ihr sehend seid. Denn Barrierefreiheit geht uns alle an. Es sind die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Allzeit gute Fahrt – und dass ihr immer da ankommt, wo ihr eigentlich hinwolltet!

 „Die nächste Haltestelle ist … keine Ahnung?“ – Unterwegs mit unsichtbaren Ansagen Es ist Freitagnachmittag, die Sonne scheint, die Laune ist gut. Meine Tochter und ich haben einen schönen Tag draußen verbracht, und jetzt geht’s nach Hause – Neu-Isenburg, ich komme! Noch schnell umsteigen in Dietzenbach Mitte, dann 20 Minuten Busfahrt. Alles wie immer. Dachte ich.

 

Ich sitze vorne im Bus, der Motor schnurrt, der Frühling duftet durch die halb geöffneten Fenster – aber irgendwas fehlt. Keine Stimme, kein Piepen, keine Ansage. Und ich meine nicht die innere Stimme, die mir sagt: „Du hast vergessen, Brot zu kaufen.“

 

Ich rede natürlich von den Haltestellenansagen. Denen, auf die ich als blinde Frau angewiesen bin. Denn anders als sehende Fahrgäste kann ich nicht mal eben aus dem Fenster schauen, um zu sehen, wo wir gerade sind. Ich verlasse mich auf Technik, auf Barrierefreiheit – und auf ein kleines bisschen Mitdenken von Seiten des Fahrpersonals.

 

Also frage ich den Busfahrer freundlich, ob er bitte die Ansagen einschalten könnte. Keine große Sache, dachte ich. Denkste!

 

„Diese Ansagen stören mich“, sagt er. Wirklich jetzt? Er erklärt mir ganz offen, dass er zehn Stunden täglich im Bus sitzt und sich die Ansagen nicht ständig anhören will. „Das ist echt nervig“, sagt er. Und wenn es nach ihm ginge, wären sie ganz aus – was er natürlich nicht darf, aber er regelt sie einfach so weit runter, dass sie niemand mehr hört. Tja, Problem gelöst. Für ihn. Ich bin ehrlich gesagt kurz sprachlos. Nicht, weil ich es nicht schon erlebt hätte – sondern weil ich es immer wieder erlebe. Also erkläre ich ruhig, dass ich die Ansagen wirklich brauche. Dass ich sonst nicht weiß, wo ich gerade bin. Dass ich nicht ständig andere Fahrgäste oder den Fahrer fragen will. Ich will nicht zur Bittstellerin werden, nur um an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Schon öfter wurde ich einfach vergessen, bin irgendwo rausgekommen, wo ich nicht hinwollte. Das ist nicht nur ärgerlich, das kostet Zeit, Nerven und manchmal auch ein kleines Stück Selbstbestimmung.

 

Der Fahrer hört zu – so halb. Ich merke: Verständnis klingt anders.

 

Mir fällt eine Beschwerde ein, die ich mal gehört habe. Fahrgäste hätten sich darüber beklagt, dass die Ansagen sie beim Zeitunglesen stören. Ja, wirklich! Die gute alte Zeitung, bedroht durch eine Durchsage wie: „Nächste Haltestelle: Musterstraße.“ Man stelle sich den Lärm vor! Jetzt also Busfahrer, die sich in ihrer Arbeitsruhe gestört fühlen. Ich kann nicht anders – in meinem Kopf blinkt ein großes, fettes „Finde den Fehler!“

 

In solchen Momenten wünsche ich mir eine ganz einfache Übung: Setzt euch mal eine Augenbinde auf, liebe Leute, und fahrt eine Runde Bus. Dann reden wir weiter.

 

Ja, es gibt auch andere Extreme. Übersteuerte, viel zu laute Ansagen, die einen erschrecken wie ein Wecker am Sonntagmorgen. Aber meistens ist es das Gegenteil: so leise, dass man bestenfalls ahnt, dass gerade irgendetwas angesagt wurde. Gestern habe ich wieder einen Fahrer gebeten, die Ansagen einzuschalten. Er tat es – mit einem genervten Schnauben. Und ich bin mir sicher: Kaum war ich draußen, hat er sie wieder abgeschaltet. Zack, weg damit. Aus den Augen, aus dem Sinn?

 

Und das ist es, was mich ärgert. In vielen Bussen fühle ich mich wie eine Bittstellerin. Der Fahrer entscheidet, ob ich mich zurechtfinde oder nicht. Und wenn ich mich beschwere? Dann kommt meistens eine dieser fantastischen Standardantworten vom Verkehrsunternehmen: „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir kümmern uns darum.“ Und dann – Stille. Ironischerweise wie bei ausgeschalteten Ansagen.

 

Deshalb mein Appell: Wenn euch auffällt, dass keine Ansagen laufen – sagt was! Auch wenn ihr sehend seid. Denn Barrierefreiheit geht uns alle an. Es sind die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen.

  In diesem Sinne: Allzeit gute Fahrt – und dass ihr immer da ankommt, wo ihr eigentlich hinwolltet!  

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Allgemein

DHLPackstation, für Blinde gibts hier nix zu holen

Es ist Mitte Januar. Das ist die Zeit, wo ich über Pflanzen nachdenke, die ich evtl. am Fenster ziehen möchte. Also stöbere ich im barrierefrei bedienbaren Onlineshop meines Vertrauens, und lasse mich dazu hinreißen ein paar Kräuterpflanzen zu bestellen.

Als sie zugestellt werden, bin ich nicht zuhause. Normalerweise werden Pakete bei Nachbarn abgegeben, oder ich bekomme eine E-Mail, dass ich sie in einer Filiale von DHL abholen muss. Soweit, so gut. Nur diesmal überrascht DHL mich damit, dass meine Bestellung in einer nahegelegenen Packstation liegt.

Packstationen sind der schrecken aller blinden Paketempfänger. Denn sie sind komplett unzugänglich für unseren Personenkreis. Und zum Glück war dieser Kelch bisher an mir vorüber gegangen.

Normalerweise hätte ich jetzt den Versender angeschrieben, ihm mein Problem geschildert, und ihn gebeten eine weitere Zustellung zu veranlassen. Und wenn das nicht geht, dann geht die Ware eben zurück an den Versender. Aber so etwas dauert. Es ist Donnerstagabend, und in dem Paket sind Pflanzen. Ich kenne die Temperatur der Packstation nicht, und draußen ist es bitter kalt. Also stelle ich mich der Herausforderung. Ich mag es nicht, wenn Pflanzen erfrieren.

Ich finde heraus, dass die Packstation zum Isenburg Zentrum gehört. Und ich stelle fest, dass sie im Warmen ist. Okay, das ist noch mal gut gegangen. Eine sehende Begleitung, die mir heute helfen kann, treibe ich so kurzfristig nicht auf.

Ich stelle mich in der Nähe der Packstation auf, und spreche Passanten an. Die meisten davon können mir nicht helfen. Endlich treffe ich auf einen Herrn, der selbst etwas aus der Packstation holen muss. Auch für ihn ist es das erste Mal.

Er liest auf dem Bildschirm, dass man diesen berühren muss, um zu starten. Anschließend muss man den Code, den man in der E-Mail oder Paketschein hat, scannen. Dabei ist sogar ein Geräusch zu hören. Anschließend soll man Vor- und Nachname über den Touchscreen eingeben. Damit hat der Mann Schwierigkeiten, weil die Tastatur sehr träge reagiert. Nach einem Klick auf weiter, muss man mit dem Finger auf dem Bildschirm unterschreiben und das über einen #Schalter bestätigen. Auf dem Bildschirm wird die Meldung ausgegeben, dass man jetzt sein Paket aus dem Fach entnehmen soll. Fächer gibt es ganz Viele. Also sollte man möglichst alle im Blick behalten. Ich denke, dass wir beide eine gute Viertelstunde damit beschäftigt waren, bis wir beide Sendungen aus der Packstation befreit haben.

DHLPackstationen verfügen über keine Sprachausgabe. Damit haben blinde Menschen keine Chance ihr Paket eigenständig rauszuholen. Dabei ist es technisch sicher kein Hexenwerk dafür zu sorgen, dass blinde und auch lesebehinderte Personen die Geräte bedienen können. Bei vielen Geldautomaten geht es doch auch. Wie sind Eure Erfahrungen mit Packstationen? Habt ihr, speziell meine blinden Leser, eine Möglichkeit gefunden damit zurecht zu kommen? Schreibt es gern in die Kommentare.

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Allgemein Sport und Freizeit

Fitnesskurse zum hören 

Im Jahr 2017 meldete ich mich in einem herkömmlichen Fitnessstudio an. Obgleich das Probetraining gut lief, stimmte der Inhaber meiner Mitgliedschaft nur zu, wenn ich entweder mit sehender Begleitung käme oder eine komplette Verzichtserklärung unterschriebe. Hier würde ich auf sämtliche Schadensansprüche verzichten, auch wenn das Verschulden beim Betreiber läge. Dem stimmte ich zu. Die gesamte Geschichte, die sich über ein Jahr hinzog, könnt Ihr in „Als ich versuchte, in einem Fitnessstudio zu trainieren“ nachlesen. 

Das ist kein Einzelfall. Dieser Mann wurde aus dem Fitnessstudiogeworfen, weil er eine Frau angestarrt haben soll. Holger wurde aufgrund seiner Blindheit vom Training ausgeschlossen. Diese Frau durfte nach einem Inhaberwechsel nicht mehr alleine im örtlichen Schwimmbad trainieren. Ich selbst besuchte einige Male einen Pilateskurs. Die Kursleiterin beschwerte sich anschließend beim Betreiber darüber, dass sie die Übungen immer verbalisieren sollte. 

In den letzten Jahren gab und gibt es immer wieder YouTube Videos, in denen die Übungen erklärt werden. Doch haben Menschen mit Sehbehinderung, die zu Hause trainieren, so keine Möglichkeit, ein Feedback durch die Kursleitung zu bekommen. 

2023 beendete meine Tochter ihre Ausbildung als Physiotherapeutin. Ihr Mann kommt ebenfalls aus dem Sportbereich. Gemeinsam mit meinem Mann und mir entstand die Idee für das Start-up „Bewegte Inklusion“. Angeboten werden unterschiedliche Fitnesskurse zum Hören, die durch die Möglichkeit ergänzt werden, die Übungen via Zoom erklärt zu bekommen. Das Ganze sollte digital barrierefrei sein. Nach einer Testphase, die wir mit anderen blinden Personen durchliefen, konnten wir an den Start gehen. Zum Glück bekamen wir eine Förderung durch die Aktion Mensch, die sonst nur regionale Angebote fördert. Das verdanken wir der Unterstützung des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen (BSBH), dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), dem Dezernat für Inklusion und Barrierefreiheit in Neu-Isenburg und natürlich den Betroffenen, die uns bei dem Vorhaben unterstützten. 

Mit unserem Angebot haben wir uns für den hessischen Gründerpreis beworben. Und jetzt sind wir unter den Finalisten!Das entsprechende Video dazu könnt Ihr hier anschauen. Am 01.11.2024 entscheidet sich dann, ob wir noch weiterkommen. 

Hier ist die Seite von Bewegte Inklusion. Und so gelangt Ihr direkt zu den Fitnesskursen. Die App im App-Store gibt es hier zum Download. Die Bewertungen stammen von Personen, die die App ausführlich getestet haben. 

Für die Zukunft arbeiten wir daran, dass die barrierefreien Sportangebote von „Bewegte Inklusion“ als Präventionsangebot von den Krankenkassen getragen werden. 

Und jetzt lade ich Euch dazu ein, über diesen Beitrag in den Kommentaren zu diskutieren.