iPhoneApps für unterwegs

Lydia mit einem iPhone, dessen Kamera auf ihr Oberteil gerichtet ist.

Da ich kein Auto oder Fahrrad fahren kann, bin ich meist zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In meinem Beitrag der Blindenstock in der Praxis beschreibe ich wie ich mich im Straßenverkehr orientiere.
Es gibt aber auch für mich Situationen, wo ich mit dem Blindenstock alleine nicht an mein Ziel kommen kann. Dann nutze ich einige technische Hilfsmittel, die mein iPhone mir bereitstellt. Diese habe ich hier einmal zusammengestellt.

Ich kann die Fahrpläne an der Bushaltestelle nicht lesen. Daher nutze ich die gut zugängliche App Abfahrtsmonitor, die mir Haltestellen des ÖPNV und die jeweiligen Streckenverläufe anzeigt. Sie kann meinen Standort feststellen und mir Haltestellen in meiner Nähe anzeigen. Außerdem kann ich mir häufig genutzte Haltestellen als Favoriten definieren, was das Auffinden enorm beschleunigt.

Wenn ich gezielt mit der Bahn fahren möchte, dann nutze ich gern den DB Navigator. Hier kann ich mir Züge inklusive Fahrpreis anzeigen lassen, ein Ticket buchen oder eine Reservierung vornehmen. Allerdings ist die Bedienung mit dem Screenreader VoiceOver etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert etwas Übung. Was auch noch nicht geht ist die kostenlose Reservierung für die Begleitperson eines Schwerbehinderten Fahrgastes. Das geht bisher nur über den Mobilitätsservice oder am Bahnschalter.

Die App Seeing Assistant AlarmGPS Lite ermöglicht es Punkte zu setzen, und ein akustisches Signal auszulösen, wenn man sich diesen auf eine vordefinierte Distanz nähert. Ich mache das gern bei Buslinien, die keine akustischen Ansagen haben. Ebenso kann man gezielt eine Adresse suchen und sich diese einspeichern. Besonders mag ich, dass man die gesetzten Punkte mit anderen Nutzern dieser App teilen kann. Zum Ausprobieren gibt es eine kostenlose Version. Nach heutigem Stand ist die App in Englisch.

Vom selben Entwickler gibt es die App Seeing Assistant Move LITE, mit deren Hilfe man Wegstrecken aufzeichnen kann. Das macht Sinn, wenn man sich nicht so stark auf einen Weg konzentrieren möchte. Ich habe das genutzt, wenn ich einen Weg mit sehender Begleitung gegangen bin, und diesen später alleine wieder finden wollte. Auf dem Weg kann man sich auch Punkte setzen, die man beschreiben kann. Beispiel: Links halten, oder auf Poller achten. Auch hier gibt es zum Ausprobieren eine kostenlose Version. Bei dieser App sollte man wissen, dass sie nicht komplett ins Deutsche übersetzt wurde.

Wenn ich einen Weg plane, dann wähle ich nicht immer die kürzeste Strecke, sondern die, welche mir leichter fällt. Ein wesentlicher Aspekt sind Straßenkreuzungen. Manche kann ich gut nach Gehör überqueren, oder es gibt blindengerechte Ampeln. Die App Ampel-Pilot verspricht Abhilfe, indem sie die Rot- bzw. Grünphase erkennt. Allerdings ist sie mit Vorsicht zu genießen. Ich empfehle aus Sicherheitsgründen die ersten Tests mit einer Ampel durchzuführen, die man gut kennt. Alternativ würde ich erste Tests gemeinsam mit sehender Begleitung durchführen. Diese App befindet sich noch in der Testphase, hat jedoch Potential.

Die App ist eine Navigationshilfe für blinde Nutzer, die mir gerade in einer fremden Umgebung eine große Hilfe ist. Ich kann ein Restaurant, ein Hotel oder einen Bahnhof heraussuchen, und mir anzeigen lassen in welcher Richtung und wie weit entfernt dieser von mir ist. Und ich kann diese Informationen einer Navigationsapp übergeben, die mich hin navigieren kann. Plane ich eine Reise an einen fremden Ort, kann ich diesen von zuhause aus simulieren und mir schon mal die Umgebung ansehen. Diese App ist sehr umfangreich. Man sollte sich daher ein bisschen Zeit für die Einarbeitung nehmen.

Die App Myway Klassik vereinigt mehrere Funktionen, für die blinde und sehbehinderte Anwender sonst mehrere Apps gleichzeitig nutzen müssen. Die App verfügt über ein klassisches Fußgängernavigationssystem, ermöglicht es einen Überblick über die unmittelbare Umgebung zu bekommen und verfügt über die Möglichkeit Routen aufzuzeichnen.
Orientierungspunkte können selbst gesetzt werden benannt und mit eigenen Navigationsanweisungen versehen werden. Die Punkte und Routen können
verschickt und von der App eingelesen werden. Dies ermöglicht den gegenseitigen Austausch von Routen. So legt der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband Wanderrouten auf einem Server ab, die sich blinde Wanderer dann herunterladen und zur eignen Begehung von Wanderwegen nutzen können.
Doch es gibt auch Situationen, in welchen sehende Hilfe nötig ist. Hier habe ich die App
Be My Eyes – Helping blind see zu schätzen gelernt. Damit kann ich über Videotelefonie auf ein weltweites Helfernetzwerk zugreifen. Die sehende Hilfe kann durch meine Kamera blicken und mir die beispielsweise helfen die gesuchte Steckdose im Hotelzimmer oder die heruntergefallene Brille zu finden.

Das war eine kleine Auswahl von Apps, die ich im Alltag nutze. Und es ist gut, dass es inzwischen eine beträchtliche Auswahl dieser Alltagshelfer gibt, die uns Menschen mit einer Sehbehinderung zu mehr Lebensqualität und räumlicher Unabhängigkeit verhelfen.

Blind und selbstbestimmt wählen

Wahlbenachrichtigung, Wahlschablone der BTW 2017 und Info-CD des BBSB liegen auf einem Tisch

Heute schreibt mein Gastautor Markus Ertl über das Thema blind wählen.

Als bekennender Demokrat, ist es mir eine selbst auferlegte Bürgerpflicht, mein Wahlrecht auszuüben.
In der Zeit, in der ich noch ausreichend sehen konnte, war Wählen kein Problem. Blind wählen ist aber eine größere Herausforderung.
Gerne erzähle ich, wie Blinde das mit dem Wählen hinbekommen und wobei es noch Probleme gibt.

Informationen über die und von den Parteien

Wie jeder andere auch, beziehe ich viele Informationen über die allgemeinen politischen Geschehnisse aus den gängigen Medien.
Wenn die Medien für Blinde gut zugänglich sind, dann ist das kein Problem. Ein TV-Gerät mit Sprachausgabe und Alexa lassen hier die TV- und Rundfunksender leicht bedienbar werden. Zeitung und Zeitschriften im ePaper-Format kann ich mir auch vorlesen lassen, oder ich übertrage alles auf meine Braille-Zeile, ein Gerät, welches mir den Text in Braille-Schrift spürbar macht.
Auch wenn es gerade ein bisschen besser wird, vermisse ich bei den Parteien aber immer noch die Informationen in einer Form, dass ich als Blinder mit einer Spezial-Software alles lesen kann. Oft scheint es mir so, als wären wir keine Wähler, die Stimmen brächten. Aber da sind fast alle Parteien gleich schlecht bei der fairen Teilhabe an politischen Informationen.
Wenn ich jetzt, wie viele andere Wähler auch, gut informiert bin, kann die Wahl kommen. Fast! Ich brauche noch die Wahlbenachrichtigung von meiner Gemeinde.

Ist die Wahlbenachrichtigung ein zugängliches amtliches Schriftstück?

Wenn ich als Blinder dies in Braille-Schrift oder irgendwie in digitaler Form bekomme, dann kann auch ich das alles lesen.
Aber bisher habe ich nur immer eine Wahlbenachrichtigung in Postkarten-Format mit ganz vielen Informationen in kleiner Schrift bekommen. Bis auf die letzte Bundestags-Wahl, hier war es ein Word-Dokument, in dem alle Daten für mich am PC eindeutig lesbar waren. Hierfür musste ich aber extra nachfragen.

In der Wahlbenachrichtigung ist zu lesen:

  • Der Ort seines Wahl-Lokals
  • ob das Wahllokal barrierefrei zugänglich ist
  • ob und wo es Wahlschablonen für Blinde und Sehbehinderte gibt

Meine Briefwahl-Unterlagen konnte ich dann wieder bei der Gemeinde bestellen. Ich war nur neugierig, wie das Ganze dann so abläuft. Ich habe die Briefwahlunterlagen dann doch mit ins Wahllokal genommen.

Anforderung von Wahlschablonen

Wahlschablonen helfen uns Blinden, selbstständig und ohne fremde Hilfe unser Kreuz für die gewünschte Partei auf dem eigentlichen Stimmzettel zu machen.
Die Schablone ist genau so groß, wie der eigentliche Bogen für die Wahl. Der Stimmzettel kann bei der Wahlschablone zur besseren Fixierung zwischen zwei dicken Karton-Blättern eingelegt werden.
Wo der Sehende die Kreise sieht, fühle ich die Runden Löcher und weiß mit Hilfe einer daneben stehenden Nummerierung, wo ich mein Kreuz machen kann.
Die Wahlschablonen werden oft von den Blindenverbänden des jeweiligen Bundeslandes gefertigt Mitglieder bekommen diese automatisch zugesandt. Wer nicht Mitglied ist, der kann dort anrufen und sich die Schablone bestellen.
In der Post mit der Schablone kommt auch eine Hör-CD mit ins Haus. Hier kann ich mir anhören, wie die Schablone gestaltet ist und ich diese verwenden kann. Darauf finde ich auch Wissenswertes über den Wahlvorgang und den aufbereiteten Wahlinformationen der einzelnen Parteien.
Ich wünsche mir trotzdem, dass die Parteien Ihre Informationen bereits auf deren Internetseiten so aufbereiten, dass ich bereits dort als Blinder alles gut lesen kann.
Bei der Bundestagswahl 2017 habe ich dann eine solche Postwurfsendung meines Blindenverbandes 3-4 Wochen vor der eigentlichen Wahl bekommen.
Bei der kommenden Landtagswahl gibt es keine Schablone, und ich darf mit einer Person meines Vertrauens wählen.
Aber was ist mit dem Wahlgeheimnis?

Geheim wählen, auch für Blinde möglich?

Eigentlich sagt das Grundgesetz in Deutschland und die Verfassung in Bayern, dass geheim gewählt werden können sollte.
Jetzt frage ich mich, wie geheim wählen ohne Schablone geht. Ich habe dann einen Wahlzettel vor mir und ich weiß zwar wen ich wählen möchte, nur nicht wie.
Nun sagt die Landeswahlleitung, wir Blinde können ja mit Assistenz wählen und das ist laut Landeswahlgesetz auch erlaubt. Im Gesetz steht, wer aufgrund seiner Behinderung sein Kreuz nicht selbst machen kann und den Wahlzettel nicht selbst in die Urne werfen kann, darf die Hilfe einer Person seines Vertrauens in Anspruch nehmen. Das ist ja auch wichtig.
Es fühlt sich trotzdem überhaupt nicht gut an, sollte jemand anderes „mein Kreuz“ für mich bei einer geheimen Wahl machen können. Bei der Bundestagswahl konnte ich es ja auch.

Aber mit dieser Forderung:
„Ungehindert geheim wählen können wollen!“
Bin ich gerade in Bayern sehr aktiv

Aber warum ist mit Assistenz wählen denn so schlimm und geheim wählen so wichtig?
Es darf sich jeder einmal kurz vorstellen, nicht er, sondern eine andere Person soll für ihn selbst bei der Wahl abstimmen. Jetzt stellt sich jeder noch zusätzlich vor, dass er/sie selbst vielleicht eine Partei wählen möchte, dies aber aus gewissen Gründen keiner wissen darf. Ist hier eine indirekte Beeinflussung nicht vorprogrammiert? Genau das macht für mich den Unterschied.

Wahllokal, wirklich barrierefrei, wie es auf dem Wahlzettel steht?

Hoffentlich ist es mindestens für Rollstuhlnutzende barrierefrei, denn für Blinde und Sehbehinderte ist es dies zu 98 Prozent nicht.
Es gibt hier eine DIN-Norm, die uns Seheingeschränkten den Zugang zu öffentlichen Gebäuden ermöglichen, mindestens aber erleichtern soll.
Und wenn schon auf der Wahlbenachrichtigung barrierefrei drauf steht, dann sollte man auch die örtliche Wahlleitung immer wieder darauf hinweisen, was barrierefrei denn überhaupt im Ganzen bedeutet. Hoffentlich gibt die Wahlleitung dies dann auch einmal an das Baureferat der Kommune weiter. Vielleicht werden dadurch nicht nur die Wahllokale besser zugänglich.

Und jetzt ist endlich Wahlsonntag

Wir gehen immer zusammen mit unseren Nachbarn. Es hat sich hier ein kleines Ritual entwickelt. Denn wie gesagt, wählen gehen ist Pflicht, warum sollte man daraus keine schöne Pflicht machen.
Denn nur wer wählen geht, darf auch die nächsten Jahre wieder mitschimpfen.
Und zum Schluss hoffe ich, dass auch die Wahlergebnisse im Internet unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit-Standards veröffentlicht werden.

Markus Ertl ist Inklusionsbotschafter, und hat sich dem Thema Barrierefreiheit verschrieben. Im Beitrag „Lasst mich auch dabei sein“ schreibt er darüber.

Und nun freue ich mich auf einen regen Austausch in den Kommentaren.

Kreuzfahrtanbieter diskriminiert blinde Fahrgäste

Ein blinder Mann mit Kreuzfahrtschiff im Hintergrund

In diesem Jahr wollten wir eine andere Form von Urlaub ausprobieren, nämlich eine Woche Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer. Der Anbieter Costa Cruises wirbt damit, dass blinde Menschen mit dem Merkzeichen B eine Begleitperson kostenlos mitnehmen dürfen. Für diese Begleitung entstehen lediglich die Transfer- und flugkosten. Entsprechend wurden wir an der Hotline von einem Mitarbeiter beraten. Wir buchten für uns Erwachsene mit jeweils einem Kind als Begleitperson. Die Kinder waren zum Zeitpunkt siebzehneinhalb und fast 19 Jahre alt.
Vier Tage später kam die Ernüchterung. Unser Sohn wurde nicht als Begleitperson akzeptiert, da er noch nicht volljährig ist. Der Reiseanbieter verlangte von uns eine volljährige Begleitperson für jeden Blinden mitzunehmen, oder die Reise zu verschieben, bis unser Sohn volljährig sein wird.
Ich habe über einen Zeitraum von einer Woche mehrere E-Mails geschrieben, um die Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen. Danach habe ich die Reise storniert.
Costa Cruises verlangt für blinde, gehörlose und gehbehinderte Reisende eine volljährige und gesunde Begleitperson. Diese muss mit dem behinderten Gast gemeinsam in einer barrierefreien Kabine reisen. Der Anbieter begründet das wie folgt: Im Fall einer medizinischen Notausschiffung muss die Begleitperson in der Lage sein für den behinderten Reisenden die entsprechenden Dokumente zu unterzeichnen. Hier ein Einblick in die Reisebedingungen für Menschen mit Behinderung bei
Costa Cruises.

Welche Hilfe brauchen mein Mann und ich?

  • Hilfe beim Erlernen neuer Wegstrecken
  • Hilfe beim Zusammenstellen der Mahlzeit auf einem Büfett.
  • Hilfe beim Lesen von Aushängen.
  • Hilfe bei der Orientierung auf neuen Wegstrecken.

Bei diesen Aufgaben handelt die Begleitperson nach meinen Anweisungen. Sie trägt also keinerlei Verantwortung, die eine Volljährigkeit voraussetzt.
Meine Kinder mussten bisher noch nie Dokumente für meinen Mann und mich unterschreiben. Dürfen sie auch nicht. Es sei denn, sie haben eine entsprechende Vollmacht von uns. Ich brauche weder eine Betreuung, noch eine Pflegekraft. Ich brauche lediglich hin und wieder jemanden, der mir quasi ein Auge leiht.

Blinde werden diskriminiert.

Bei mir sind es nur die Augen, die nicht funktionieren. Ich weiß was ich kann, und wo meine Grenzen sind. Ich habe eine sichtbare Sinnesbehinderung, daher empfinde ich es als Diskriminierung, wenn mich der Reiseanbieter auf dieselbe Stufe stellt, wie ein minderjähriges Kind. Bei Senioren wird doch auch nicht gefragt, ob diese körperlich in guter Verfassung sind. Und was ist mit Passagieren, die ihre Erkrankung nicht angeben? Was ist mit Passagieren, die aufgrund von Alkohol- oder dem Einfluss von Medikamenten stehen?

Was ich gern möchte

Ich möchte gern an die Öffentlichkeit bringen, dass dieser Reiseanbieter zwar damit wirbt Menschen mit Behinderung mit dem Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis die kostenlose Mitnahme einer Begleitperson zu gewähren, jedoch diese quasi entmündigt. Inklusion sieht anders aus.
Doch nicht nur Costa Cruises legt ein solches Verhalten an den Tag. Auch Der Anbieter TUI Cruises verbietet unserem Personenkreis das Tendern. Das heißt, dass blinde, gehörlose und körperlich eingeschränkte Passagiere an Bord bleiben müssen, wenn an kleineren Häfen angelegt wird, und der Umstieg auf kleinere Boote erforderlich ist. Hier kann man die Bedingungen zum
Landgang für Menschen mit Behinderung nachlesen. Auch hier besteht der Anbieter auf eine volljährige Begleitperson in der barrierefreien Kabine. Trotz mehrfacher Versuche den Anbieter zum Umdenken zu bewegen erweist auch er sich als hartnäckig lernresistent.

Blind am PC arbeiten, anders oder gleich

mobiler-arbeitsplatz-im-cafe

Der PC spielt in meinem Leben eine bedeutende Rolle. Ich arbeite zwar weder im IT-Bereich, noch irgendwo anders in der Computerbranche. Dennoch ist der PC für mich eines meiner wichtigsten Hilfsmittel im Alltag. Im Grunde ist er ebenso wichtig wie meine erste Tasse Kaffee am frühen Morgen, ohne die ich normalerweise keinen Tag vernünftig beginne.
Mein erster PC war tatsächlich so ein großes Teil mit Gehäuse, welches man nicht einfach so mitnehmen konnte. Damit war mein Schreibtisch immer vollgestellt. Denn nicht nur der Bildschirm, die Tastatur und der PC mussten darauf Platz finden, sondern auch ein Drucker und ein Scanner. Links und rechts vom Bildschirm kam noch je ein kleiner Lautsprecher für die Sprachausgabe. Eine Braillezeile kam so unter die Tastatur, dass ich mit den Händen einen möglichst kurzen Weg von der Tastatur zur Brailleschrift hatte. Wenn ich Platz auf meinem Schreibtisch haben wollte, musste ich den Rechner irgendwie unter den Tisch platzieren.
Später ersetzte ich den großen Rechner durch ein Notebook, wodurch ich nicht nur Platz auf dem Schreibtisch sparte, sondern auch ein mobiles Gerät hatte. Der PC ist mein Schreib- und Lesegerät. Im Gegensatz zu nicht blinden Computernutzern schreibe ich alles das über den PC auf, was sehende Personen mit einem Stift und Notizbuch festhalten. Wenn ich das mache, wird es ziemlich unleserlich. Vor Allem aber kann ich meine eigene Handschrift nicht mehr lesen. Daher tue ich mir und anderen den Gefallen alles mit dem PC aufzuschreiben. Das passiert mittels einer herkömmlichen Tastatur. Auf den Schulen für blinde Kinder ist das Beherrschen der Zehnfingertastatur ein Pflichtfach. Damit kann ich auf jedem PC mit fühlbaren Tasten schreiben. Nur bei Sondertasten muss ich mir einmal erklären lassen, wo diese liegen, da ich die Symbole und Beschriftung nicht sehen kann

Sprachausgabe.

Auf dem PC läuft eine Software im Hintergrund, die Veränderungen auf dem Bildschirm bzw. Tastatureingaben abgreift, und diese für mich wahrnehmbar macht. D. h. die Buchstaben, Sonderzeichen oder Wörter werden gesprochen. Ich kann einstellen wie genau ich die Eingabe auf der Tastatur gesprochen haben will. Gleiches gilt auch für eine Datei, die ich zum Lesen öffne. Ich kann einstellen was ich genau hören möchte. Denn es macht einen Unterschied, ob ich Fließtext höre, oder eine Excel Tabelle. Diese Programme nennt man Screen Reader.

Braillezeile

Gerade wenn ich einen Text Korrektur lese, brauche ich ihn buchstäblich unter den Fingern. Dafür gibt es die Braillezeile. Diese zeigt einen Ausschnitt in Brailleschrift, den ich beliebig über den Bildschirm verschieben kann. Denn manche Fehler hört man mit der Sprachausgabe nicht, während man sie in einer eins zu eins Übertragung auf der Braillezeile fühlt.
Wenn man vernünftig arbeiten möchte, braucht man einen Screen Reader, der die Informationen in Echtzeit liefert. Und da dieser Ressourcen braucht, ist es wichtig, dass mein PC die entsprechende Leistung und Arbeitsspeicher mitbringt.

Wie kommt das Geschriebene auf das Papier?

Wenn ich meine Briefe oder Notizen in meiner Textverarbeitung geschrieben habe, schicke ich diese an meinen Drucker. Die Wahl des Ausgabegeräts ist hier Geschmacksache. Für mich ist allerdings wichtig, dass ich diesen durch fühlbare Tasten bedienen kann. Mit einem Touchdisplay welches in der Regel nicht spricht, kann ich nichts anfangen.

Dokumente und Briefe.

Auch der Scanner steht nicht nur zur Dekoration auf meinem Schreibtisch. Ihn benutze ich, wenn ich gedruckte Briefe bekomme, welche ich einscanne, über eine OCR-Software laufen lasse, und diese dann in Sprache oder Brailleschrift umwandeln lasse. Denn viele Ämter, Krankenkassen oder andere Institutionen kriegen es nicht hin mir ein Schreiben auf elektronischem Weg zukommen zu lassen. Datenschutz ist hier das Totschlagargument gegen Barrierefreiheit für blinde Computernutzer. Vielleicht sollte ich ihnen meine Antworten künftig in Brailleschrift zuschicken.
Den Scanner nutze ich aber auch gern, um mir Dokumente unter einem sprechenden Namen zu archivieren, oder per E-Mail zu verschicken. Früher habe ich das auch schon mal genutzt, um eine handschriftliche Mitteilung oder Ankreuzformular einem Freund zu schicken, der mir dann die Angaben abschrieb, und per E-Mail zurück schickte. Denn Handschrift wird noch immer von keinem OCR-Programm zuverlässig erkannt. Genauso wenig wie die Ankreuzformulare meiner Krankenkasse. Wenn ich heute solche Dokumente habe, geht es schneller, wenn ich ein entsprechendes Foto über mein Smartphone mache, und es verschicke.

Fazit.

Für blinde Computernutzer, die überall in der Lage sein wollen, sich etwas zu notieren, ist ein portabler Computer unerlässlich. Meiner steht in einer Dockingstation. Damit ich nicht jedes Mal, wenn ich ihn mitnehme das gesamte Equipment neu verkabeln muss. Denn wenn ich unterwegs bin, dann reichen mir der PC und ggf. meine Braillezeile.
Im vergangenen Jahr habe ich die Brailleeingabe auf dem iPhone für mich entdeckt. Damit kann ich überall schnell und sicher schreiben. Das hat mich etwas unabhängiger von meinem PC gemacht, den ich allerdings gern zuhause für die Feinarbeit benutze. Für das Smartphone spricht jedoch, dass es besser in meine Handtasche passt. Den PC nehme ich nur noch dann mit, wenn ich längere Zeit unterwegs bin. Ansonsten tut es das Smartphone. Wenn ich weiß, dass ich längere Texte schreiben muss, nehme ich eine Tastatur mit, die sich mit meinem mobilen Gerät koppeln lässt. Gepaart mit einer Braillezeile bin ich bestens ausgerüstet.

Einkaufsfuchs, nicht nur eine Einkaufshilfe

Lydia richtet den Einkaufsfuchs auf ein Produkt im Supermarkt.

Früher konnte ich etwas besser sehen. Ich konnte mit Hilfe einer Lupe Bücher oder Briefe lesen. Mein Sehvermögen reichte aus, um die Beschriftung auf einer Verpackung zu erkennen. Ich konnte also etwas aus dem Tiefkühlfach oder Kühlregal nehmen und ohne fremde Hilfe lesen, um was es sich handelt. Ich konnte ein Produkt aus dem Regal im Supermarkt in die Hand nehmen und ohne zusätzliche Hilfe lesen, ob sich in einer Dose eine bestimmte Sauce, passierte Tomaten oder Kokosmilch befinden. Auch die helle Beschriftung auf dunklem Hintergrund, mit der meine Gewürze versehen waren, konnte ich lesen. Inzwischen geht das nicht mehr… außer wenn die Lichtverhältnisse besonders gut sind. Also brauchte ich Lösungen, um meinen Alltag mit möglichst wenig Aufwand zu gestalten. Daher habe ich mich auf die Suche nach einer Lösung gemacht, die mir ein Stückchen Unabhängigkeit wiedergibt. Dabei habe ich mehrere Hilfsmittel und Möglichkeiten kennengelernt, von denen ich heute eines vorstellen möchte. Der Einkaufsfuchs ist eine Einkaufshilfe mit digitaler Sprachausgabe für blinde und stark sehbehinderte Menschen. Er ermöglicht es, ohne fremde Hilfe Produkte die Barcodes, welche auf den meisten Verpackungen vorhanden sind, zu erkennen. Er macht es auch möglich, andere Gegenstände zu kennzeichnen und diese später sicher wieder zu erkennen. Der Einkaufsfuchs kennt viele Millionen Artikel: Vor allem sind das die wichtigsten Gebrauchsgüter im Haushalt, Lebensmittel und die meisten Musik-CDs. Die Datenbank des Einkaufsfuchses enthält viele Produkte, die in deutschen Supermärkten erhältlich sind. Damit kann ich also feststellen, welches Produkt ich gerade in der Hand halte. Das ist vor Allem bei Verpackungen, die sich identisch anfühlen, eine große Hilfe. Das quaderförmige Gerät liegt gut in der Hand. Es hat einen Schiebeschalter, zum Ein- und Ausschalten, einen Drehregler für die Lautstärke und einen Druckknopf für weitere Bedienungsmöglichkeiten. Die mitgelieferte Tasche kann sowohl umgehängt, als auch als Gürtelclip befestigt werden. Damit lässt sich der Einkaufsfuchs bequem mitnehmen.

Einkaufen

Ich kenne mich im Supermarkt meines Vertrauens aus. Ich weiß also, wo mein Lieblingsmüsli steht. Da es mehrere Verpackungen gibt, die sich gleich anfühlen, kann ich mit dem Einkaufsfuchs sicherstellen, dass ich das gewünschte Früchtemüsli in meinen Einkaufswagen gelegt habe. Auf dem Beitragsbild halte ich eine entsprechende Verpackung in der linken Hand, während ich mit dem Einkaufsfuchs in der rechten Hand das Produkt erkennen lasse. Bei Produkten, die ich noch nicht kenne, muss ich den Barcode suchen. Das funktioniert am besten, wenn ich den Einkaufsfuchs in einer Entfernung von etwa 15 cm auf das Produkt richte. Wird das Produkt erkannt, so ertönt ein Piepton gefolgt von einer Sprachmeldung. Wenn nicht, dann befindet sich der Barcode auf einer der anderen Seiten. Diese kann ich nacheinander ausprobieren. Am Anfang erfordert das ein bisschen Übung. Aber wenn man den Bogen raus hat, geht das richtig schnell.

Einkauf sortieren

Lydia sortiert ihren Einkauf mit Einkaufsfuchs.

In regelmäßigen Abständen mache ich einen Großeinkauf. Das heißt im Klartext, dass ich außer Obst und Gemüse, Dosen, Gläser und Päckchen in möglichst kurzer Zeit identifizieren und an den dafür vorgesehenen Platz räumen muss, und zwar möglichst so, dass ich diese sehr schnell wieder finden kann. Daher sortiere ich meinen Einkauf am liebsten selbst in Kühlschrank, Schränke oder Regale ein. Obst und Gemüse taste ich ab, genauso wie Produkte, die so verpackt sind, dass man den Inhalt ertasten kann. Konserven, Produkte im Tetrapack oder Gläser kann ich nur dann sofort erkennen, wenn ich nur eine Sorte eingekauft habe. Ich habe mal ein Foto von einem kleinen Großeinkauf gemacht, um das mal bildlich darzustellen: Hier ist mir der Einkaufsfuchs eine große Hilfe, um die eingekauften Produkte so zu sortieren, dass ich sie beim Kochen oder Putzen sofort zur Hand habe. Bei Gewürzen mache ich es so, dass ich sie erkennen lasse, und anschließend mit Braille beschrifte oder in einen bereits beschrifteten Behälter umfülle. Die Datenbank, auf die der Einkaufsfuchs zurückgreift, wird stetig erweitert. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Produkt nicht erkannt wird. Dann meldet mir der Einkaufsfuchs, dass er das Produkt nicht kennt. Ich kann es dabei belassen, oder diesem unbekannten Code eine Sprachnotiz beifügen, wie z. B. „Ananas in Scheiben, Firma XY, 200 Gramm“. Diese wird dann abgerufen, wenn dieses Produkt wieder gescannt wird. Das Gerät ist somit lernfähig. Wenn ich etwas eingekauft habe, kann ich mir das ganz gut merken. Ebenso merke ich mir auch, wo ich welches Produkt eingeräumt habe. In einem Haushalt mit vier Personen bleibt es jedoch nicht aus, dass etwas aufgebraucht wird, ohne dass ich davon weiß. Und ebenso kann es vorkommen, dass ein Produkt nicht mehr an seinem gewohnten Platz steht. Mit dem Einkaufsfuchs kann ich sicherstellen, dass ich die richtige Konserve, das richtige Glas oder die richtige Tüte in der Hand halte. Das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kosmetika, die sich in Flaschen befinden, welche sich ähnlich anfühlen.

Dokumente beschriften

Eine weitere Herausforderung ist das Kennzeichnen wichtiger Dokumente. Früher hatte ich diese in eine Klarsichtfolie gesteckt und diese mit Braille beschriftet. Bei wichtigen Dokumenten mache ich das noch immer so, oder ich scanne diese ein und speichere sie auf meinem PC. Eine brauchbare Alternative dazu ist es, Dokumente mit Hilfe des Einkaufsfuchses zu beschriften. Zu diesem Zweck liefert der Hersteller Aufkleber mit fertigen Barcodes mit. Ich mache das so, dass ich das Dokument in eine Klarsichtfolie stecke, und einen Aufkleber in die rechte obere Ecke klebe. Dieser kann mit einer kurzen Sprachnachricht in der Datenbank verknüpft werden, wie z. B. „Mietvertrag vom 22.03.2015“. Diese Nachricht kann immer wieder abgerufen werden. Wenn ich irgendwann in derselben Klarsichtfolie ein anderes Dokument aufbewahren möchte, lässt sich die alte Aufnahme mit einer anderen Sprachnachricht überschreiben. Am liebsten verwende ich Klarsichtfolien mit Lochung. Denn diese kann man in jeden handelsüblichen Ordner einheften.

Fotos unterscheiden

Ich selbst hebe meine Fotos gerne digital auf. Dazu gebe ich ihnen einen entsprechenden Namen und fertig. Aber was ist mit den Fotos, die ich nur in Papierform bekomme? Das Fotoalbum aus meinen Kindertagen, die Klassenfotos meiner Kinder, das Sofortbild von einer Party. Auch hier lässt sich mit dem Einkaufsfuchs Abhilfe schaffen: Ein Aufkleber mit einem Barcode lässt sich entweder auf der Rückseite des Fotos oder auf dem Fotoalbum anbringen und anschließend mit einer gesprochenen Bildbeschreibung versehen. Diese könnte lauten: „Lydia sortiert ihren Einkauf mit Hilfe von Einkaufsfuchs“, oder „Klassenfoto aus der achten Klasse“.

Verpackungen zuordnen

Der Scanner des Einkaufsfuchs ist auf den Barcode einer von mehreren Verpackungen gerichtet.

Ich gehöre zu den Kunden, die alle möglichen Verpackungen von Küchengeräten, Headsets oder anderen Elektronikartikeln aufheben. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich die Verpackung von einem Gerät hatte, welches längst nicht mehr in meinem Besitz war. Nicht immer kann ich die Verpackung durch Abtasten dem Inhalt zuordnen. Irgendwann habe auch ich eingesehen, dass ich da mal aufräumen müsste. Also habe ich mir den Einkaufsfuchs geschnappt und die Verpackungen gescannt. Es gab eine Menge Produkte, die in der Datenbank waren. Diese konnte ich also ohne großen Aufwand sortieren. Bei den unerkannten Verpackungen musste ich erst mal herausfinden, zu welchem Gerät sie gehörten. Die Verpackungen, die ich behalten wollte, wurden mit einem Aufkleber und mit einer entsprechenden Sprachnachricht in der Datenbank versehen. Seitdem ist mein Schrank etwas übersichtlicher geworden. Auf diese Weise lassen sich ohne großen Aufwand alle Gegenstände, Dokumente und vieles andere mit Hilfe des Einkaufsfuchses wiederfinden oder kennzeichnen. Dieses Hilfsmittel arbeitet offline, braucht also kein Internet oder PC-Kenntnisse. Ein Update ist quasi durch den Austausch der mitgelieferten Speicherkarte möglich. Der Einkaufsfuchs ist im Hilfsmittelkatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Das heißt, dass die Kosten nach Vorlage einer ärztlichen Verordnung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Fazit

Der Einkaufsfuchs ist ein Gerät, welches ohne großes technisches Verständnis und ohne Internet auskommt. Es liegt gut in der Hand und passt in jede Handtasche. Die Bedienelemente sind gut voneinander zu unterscheiden. Als wirkliche Einkaufshilfe ist es nur dann geeignet, wenn man eine gute Orientierung im Supermarkt hat und keinen Familieneinkauf damit bewerkstelligen muss. Als Sortierhilfe nach dem Einkauf finde ich den Einkaufsfuchs super. Und auch als Möglichkeit Gegenstände oder Verpackungen zu kennzeichnen leistet er gute Arbeit. Nähere Informationen zum Gerät gibt es auf der Seite der Firma SynPhon.

Und jetzt freue ich mich schon auf einen regen Meinungsaustausch in den Kommentaren.