Sind blinde Eltern unverantwortlich?

Ich war vielleicht 25 Jahre alt, als ich einem Freund erzählte, dass ich gern einmal Kinder haben möchte. Jedenfalls wenn ich den Vater meiner Kinder gefunden habe. Im Laufe dieser Unterhaltung bekam ich zu hören, dass so manche blinde Eltern ihr sehendes Kind als Ersatz für einen Blindenführhund benutzen würden. Und das wünschte er keinem Kind. Ähnliche Äußerungen habe ich ganz oft gehört. Meist kamen diese von nicht blinden Eltern, die wie selbstverständlich davon ausgingen, dass Kinder blinder Eltern geboren werden, um die Eltern zu entlasten. Ich hörte viele Geschichten von netten Kindern, die ihre blinden Eltern überall hinführten, ihnen das Fleisch klein schnitten oder sie mit dem Auto zu Freunden und Veranstaltungen fuhren. Meist handelte es sich um blinde Personen der älteren Generation und deren erwachsene Kinder. Kurz, hier verglichen Leute Äpfel mit Birnen.
Babys sind erst mal klein und auf die Versorgung durch uns Eltern angewiesen. Ob die Eltern eine Behinderung haben oder nicht, spielt hier absolut keine Rolle. Denn in der Regel hat man während der Schwangerschaft ausreichend Zeit sich auf das Kind vorzubereiten, und sich bei Bedarf Hilfe zu organisieren. Meine effektivste Hilfe bestand aus einigen Müttern, die Kinder im selben Alter wie ich hatten. Diesen Kontakt hat meine nachsorgende Hebamme hergestellt, damit wir uns untereinander austauschen konnten. Beide Mütter hatten noch ältere Kinder. Und so durfte ich von deren Erfahrungen profitieren.
Solange meine Kinder noch nicht zuverlässig liefen, trug ich sie im Tragetuch am Körper, oder zog sie in einem Kinderwagen hinter mir her. Wenn das Licht gut genug war, um meinen Sehrest zu nutzen, konnte ich den Kinderwagen auch schon mal vor mir her schieben. Später liefen die Kinder bei mir an der Hand. Wir übten das erst mal in einer verkehrsberuhigten Gegend, bevor wir uns in den normalen Straßenverkehr trauten. Dabei habe ich viele Jahre mit dem Stock getastet. Denn kleine Kinder können noch nicht zuverlässig führen. Und die Verantwortung für ihre Sicherheit lag noch immer bei mir, und nicht umgekehrt.
Für meine Kinder war meine Sehbehinderung das normalste auf der Welt. Wir konnten kein Auto fahren, oder das Fußballspiel des Sohnes optisch verfolgen. Ebenso waren spontane Aktionen, wie mal eben auf einen Bauernhof oder zum Rodeln fahren nicht drin. Also brauchten wir alternative Lösungen, um den Kindern ein normales Aufwachsen zu ermöglichen.
Im Laufe der Jahre haben die Kinder gelernt sich sicherer im öffentlichen Nahverkehr zu bewegen als viele Kinder ihres Alters. Das konnte ich ihnen gut vermitteln. Doch es gab Dinge, die ich ihnen nicht zeigen konnte. Das fing mit der Ampel an. Ich suchte mir Personen, die meinen Kindern früh zeigten wohin sie bei einer Ampel schauen mussten. Auch die Anzeige für anfahrende Busse oder Bahnen ließ ich ihnen später von einer sehenden Assistenz zeigen. Und nachdem sie älter wurden, suchte ich mir jemanden, der ihnen erklärte wie man einen Fahrplan liest. Mein Ziel war, dass sie sich auch behelfen konnten, wenn ich mal nicht dabei war. Mit diesem Wissen war ich ruhiger, wenn sie mal alleine unterwegs waren. Denn auch Kinder behinderter Eltern brauchen mit zunehmendem Alter ihren Freiraum.

Unsere Urlaubsziele suchten wir uns nach der Zugänglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Das garantierte uns eine Unabhängigkeit von Assistenz oder Auto. Und wenn wir doch mal ins Ausland fuhren, plante ich den Ablauf sorgfältig. Als ich beispielsweise mit den Kindern nach Ägypten flog, waren sie 10 und 11 Jahre alt. Daher schickte ich eine E-Mail an das Hotel, und beschrieb welche Hilfestellungen ich als blinde Mutter brauchte. Ich fragte an was sie davon leisten können, und was das kostet. Und so bekam ich Hilfestellung am Büfett, Hilfe beim Ausfüllen des Anmeldebogens und einen festen Ansprechpartner, den ich jederzeit hätte anrufen können. Ich wusste, dass der Strand und die Pools beaufsichtigt wurden, was meine Nerven beruhigte. Ich begegnete vielen hilfsbereiten und wohlwollenden Mitarbeitern, die ohne Scheu mit mir sprachen. Erst recht, da ich arabisch spreche. Von diesem Urlaub erzählen die Kinder noch heute.

Wir waren danach noch ein paar Mal zusammen im Ausland. Im vergangenen Sommer haben beide Kinder sogar einen eigenen Urlaub gemacht, und ihn komplett selbst organisiert. Das war für sie eine wichtige Erfahrung, wie viele Teenager sie machen dürfen.

Wenn wir heute zusammen unterwegs sind, lasse ich mich gern von meinen Kindern führen. Jetzt, wo sie beinahe erwachsen sind, kann ich mich blind auf sie verlassen. Wir machen das so, weil wir das wollen, und nicht weil wir das müssen.

Ich bin stolz darauf, dass meine Kinder mir kein verantwortungsloses Verhalten unterstellen. Denn das habe ich von so manchem gut meinenden Miterzieher schon zu hören bekommen. Aber mit diesem Problem befinde ich mich mit vielen nicht behinderten Eltern in guter Gesellschaft.

Also, liebe Miteltern, habt Mitleid mit Euren selbsternannten Miterziehern. Denn sie wissen nicht was sie tun, und tun es trotzdem. Und das mit einer bewundernswerten Ausdauer. Vor Allem diejenigen, die keine eigenen Kinder haben. Sie haben ihre Vorstellungen. Aber die wirklichen Experten seid Ihr. Macht Euch das immer wieder bewusst.

Licht und Kontraste im Alltag

Eine helle Tasse steht auf dunklem Untergrund

Für Menschen mit einer Sehbehinderung spielen Beleuchtung, Lichtverhältnisse und Kontraste eine große Rolle. Denn fast alle Menschen, die dem Gesetz nach blind sind, sehen noch etwas. Und dieses etwas kann ihnen bei der Orientierung im Straßenverkehr, bei der Bewältigung des Alltags und beim Lesen oder Schreiben eine große Hilfe sein.

Blendempfindlichkeit.
Es gibt Augenerkrankungen, die von einer staken Blendempfindlichkeit begleitet werden. Das heißt, dass das Auge empfindlich auf Licht reagiert. Normales Tageslicht kann dann zu hell sein. Als ich vor einigen Jahren Wasser in der Hornhaut eingelagert hatte, wurde meine Blendempfindlichkeit noch stärker, weil das Licht durch das Wasser zusätzlich noch mal reflektiert wurde. Der Effekt ist ähnlich wie wenn Sonnenlicht auf eine Wasserfläche trifft, wie zum Beispiel im Schwimmbad oder am Meer. Im Alltag trage ich daher draußen eine Kantenfilterbrille. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Filterstärken. Meine Habe ich beim Low Vision Berater meines Vertrauens bekommen. Diese sind auf Menschen mit starker Sehbehinderung spezialisiert und haben das entsprechende Sortiment zum Ausprobieren vor Ort.
Zuhause brauche ich die Brille nicht, da ich hier optimale Lichtverhältnisse habe. Problematisch wird es allerdings, wenn die Sonne zum Fenster herein scheint. Ich kann mir dann aussuchen, ob ich das Zimmer abdunkle oder eine entsprechende Brille aufsetze. Beim Arbeiten am Computer oder Smartphone blendet mich ein heller Bildschirm. Daher stelle ich eine Invertierung der Farben ein. Das heißt, dass ich helle Schrift auf dunklem Hintergrund habe. Auch wenn ich die Schrift nicht mehr lesen kann, mache ich das so. Damit erreiche ich, dass ich nicht durch den hellen Bildschirm geblendet werde.

Kontraste sind wichtig.
Kontraste sind für mich sehr wichtig. Steht eine helle Tasse auf einem ebenfalls hellen Tisch, ist sie für mich so gut wie unsichtbar. Ist der Untergrund dagegen dunkel, und die Tasse hell, kann ich sie gut sehen. Ebenso ist es in meiner Küche. Die Arbeitsplatte ist etwas dunkler, damit mich das Weiß nicht blendet, und damit ich helle Dinge wie Schüsseln oder andere Dinge sehe. Das erleichtert mir die Orientierung in der Küche. Habe ich es mit dunkelfarbigen Lebensmitteln zu tun, so nehme ich gern ein helles Schneidebrett oder einen hellen Teller. Damit sehe ich das Lebensmittel schneller. Das geht auch mit Flüssigkeiten. Schwarzer Kaffee oder Kirschsaft in einer hellen Tasse ist für mich sichtbar. Ist die Tasse jedoch dunkel, dann sehe ich den Kaffee nicht. Einschenken geht dann nur noch mit Hilfe der anderen Sinne.
Besonders irritiert es mich, wenn ich eine Tischdecke habe, die so richtig bunt ist. Für mich sind dann Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, nicht mehr von dem Muster zu unterscheiden. Die Ausnahme bilden große Gegenstände wie Töpfe, Pfannen oder Teller. Alles andere muss ich mir ertasten oder erklären lassen.
Ähnlich ist es im Straßenverkehr. Hier sind Leitstreifen für blinde Personen farblich kontrastreich abgehoben. Denn nicht nur Nutzer eines Blindenstocks tasten sich dort entlang, sondern auch Menschen, die noch so gut sehen, dass sie den Stock noch nicht brauchen. Diese sind dankbar dafür, wenn die oberste und unterste Stufe einer Treppe sich farblich abhebt.

Fazit, Kontraste machen Menschen mit einer Sehbehinderung das Leben erheblich leichter. Dazu gehört im Alltag nicht viel. Helles Geschirr auf einem dunklen Tisch, oder umgekehrt, dunkle Möbel auf hellem Boden, oder ein Teppich, der sich farblich abhebt. Das sind nur wenige Ideen, um Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung im Alltag entgegenzukommen.

Fahrradfahrer und Blinde, eine fast unendliche Liebesgeschichte

Fahrradfahrer und Blinde – eine fast unendliche Liebesgeschichte

von Domingos

Domingos ist ebenfalls Blogger, und hat mir zu Beginn meines Bloggerdaseins den Text Barrierefrei bloggen auf WordPress zur Verfügung gestellt. Heute habe ich einen Beitrag von ihm bekommen, der im April 2018 auf seinem Blog veröffentlicht wurde, und den ich einfach nur gut finde. Das Original gibt es hier zu lesen.

Angeblich soll es ja einen epischen Kampf zwischen Blinden und Fahrradfahrern geben, so ähnlich wie zwischen Highlander und dem anderen Highlander. In Wirklichkeit sind Blinde und Fahrradfahrer die besten Buddies. Deswegen möchte ich hier mit einigen Mythen bei den Fahrradfahrern aufräumen, bevor wir anfangen, uns gegenseitig die Köpfe abzuschlagen.

Der Bürgersteig gehört den Fahrradfahrern

Fahrradfahrer wundern sich oft, warum so viele Leute auf ihrem Fahrradweg, volksmündlich als Bürgersteig bezeichnet, herumlaufen. Als tolerante Menschen klingeln sie einfach so lange, bis diese Unbefugten vor Schreck umfallen. Weil Blinde bekanntermaßen nicht sehen, klingelt man einfach besonders laut und oft, damit sie das noch besser hören.
Da der Bürgersteig den Fahrradfahrern gehört, ist es nur natürlich, dass sie ihr Fahrrad dort abstellen. Es sollte so stehen, dass niemand, der breiter ist als 10 Zentimeter daran vorbeikommt, ohne auf die Straße zu gehen. Damit wird das Fahrrad besser belüftet. Wen stört es, wenn Rollstuhlfahrer nicht vorbei können, Blinde am Lenker hängenbleiben, über das Vorderrad stolpern oder Kinderwagen auf die Straße ausweichen müssen. Das trainiert doch die Gelenke.

Eine Haaresbreite Abstand reicht

Blinde lieben es, wenn Fahrradfahrer auf lautlosen Rädern einen Zentimeter an ihrer Schulter vorbei rasen. Aber warum gehen diese doofen Blinden nicht straight gerade aus, sondern weichen ab und zu nach links oder rechts ab? Haben die keine Augen im Hinterkopf oder zumindest Blinker am Allerwertesten, damit man sieht, welche Richtung sie als Nächstes einschlagen wollen?
Genauso super finden es Blinde, wenn man eine Handbreit an der Spitze ihres Blindenstocks vorbeifährt. Auch Blinden-Führhunde wissen das zu schätzen. Der Schreck bringt Herrchen und Hündchen den heiß begehrten Adrenalinstoß. Wer braucht da noch Kaffee?
Niemand kann von Fahrradfahrern erwarten, dass sie langsamer fahren, ausweichen, stehen bleiben oder gar kommunizieren.

  1. Sind Fahrradfahrer stumm und wir wissen ja, wie schwierig es ist, Gebärdendolmetscher zu bekommen, vor allem welche, die auf dem Gepäckträger Platz nehmen wollen.
  2. Haben es Fahrradfahrer immer eilig. Nicht auszudenken, was passiert, wenn man die ersten 60 Sekunden von den Simpsons verpasst.

Fazit: Blinde lieben Fahrradfahrer

Ja, ich bekenne es öffentlich: wir lieben Fahrradfahrer. Sie sorgen für den Adrenalinkick am Morgen, halten unsere Reflexe frisch und sorgen dafür, dass unser Gehör nicht verkümmert.
War dieser Beitrag eigentlich ironisch gemeint? Vielleicht.

Domingos de Oliveira arbeitet als Dozent, Berater und Speaker zur digitalen Barrierefreiheit. Einen Überblick über seine Tätigkeit gibt es auf seiner Seite Netz barrierefrei. Als einer der wenigen blinden Experten für Barrierefreiheit schreibt er auf seinem Blog über Blindheit und Technologie. Reinschauen lohnt sich.

Stricken mit Sehbehinderung

Ärmelloses Strickkleid mit V-Ausschnitt, dass mit Fransengarn verziert ist. Die untere Kleidhälfte besteht aus Messerspitzenmuster und 2 Streifen Fransengarn.

Wenn es um das Thema Handarbeiten im Zusammenhang mit einer Sehbehinderung geht, so gehen die Meinungen stak auseinander. Einerseits schreibt man uns blinden Personen ein ausgeprägtes Feingefühl in den Händen zu, andererseits sind wir nicht in der Lage hochwertige Handarbeiten herzustellen, weil wir diese nicht sehen. Gleiches Spiel gilt beim Basteln oder anderen künstlerischen Tätigkeiten, die gern auf das Aussehen runterreduziert werden.
Als ich in die Blindenschule kam, wurde nach der Schule viel mit uns gebastelt. Papier falten, Körbe aus Peddigrohr flechten oder Untersetzer aus Bast weben war nur einige der Dinge, die wir gerade vor Feiertagen herstellen lernten. Unsere Erzieherinnen ließen sich immer wieder etwas Neues einfallen, so dass für jedes Kind nach seinem Entwicklungsstatus und seinen Stärken etwas Passendes dabei war.
Als im sechsten Schuljahr eine AG für Handarbeit angeboten wurde, war ich sofort dabei. Ein paar Wochen später kam die Ernüchterung. Wir häkelten, und ich bekam diese Luftmaschen und die erst recht die festen Maschen einfach nicht hin. Ich begriff einfach nicht wie man durch eine einzige fließende Bewegung den Faden durch die Masche bekam, ohne diese gleich fallen zu lassen. Ganz schlimm wurde es, als eine Mitschülerin schon stricken lernen durfte. Ich wollte das auch lernen. Aber das ging erst, wenn ich das Häkeln beherrschte. Und davon war ich damals noch weit entfernt.
Ich war dreizehn Jahre alt, als ich in einer Wohngruppe mit mehreren strickenden Erzieherinnen lebte. Und eine davon nahm sich einen Nachmittag Zeit, um mir die Grundzüge des Strickens zu erklären. Ich lernte, das Häkeln nicht die Voraussetzung für Stricken ist. Und es machte mir so viel Spaß, dass ich sehr bald die wichtigsten Basics des Strickens beherrschte. Ich wusste wie man ein Strickstück beginnt, und die gewünschte Anzahl Maschen auf die Nadel bringt. Ich lernte den Unterschied zwischen rechten und linken Maschen kennen. Weitere Basics sind, dass man weiß wie man die Anzahl der Maschen erhöht oder verringert, und natürlich wie man eine Strickarbeit abschließt. Damit war der Grundstein für meine Strickkariere gelegt.
Stricken ist eine Art angewandte Mathematik. Man kann sich das etwa vorstellen wie ein Schachbrett. Jede Masche hat meist Maschen neben, über und unter sich. Diese Maschen kann man fühlen. Und das kann man sich zu Nutze machen, um eine bestimmte Oberflächenstruktur zu erreichen. Man kann sogar blind mit Farbmustern arbeiten, wenn man ein bisschen geometrisches Verständnis mitbringt. Ich habe viel mit Mustern herumexperimentiert, um zu lernen wie ich eine bestimmte Oberflächenstruktur erreichen kann. Und natürlich war ich stets auf der Suche nach Anregungen und Mustern. Doch die Auswahl für blinde Nutzer ist nach wie vor gering. Daher habe ich irgendwann angefangen meine eigenen Muster zu entwerfen.
Eines dieser Entwürfe ist das Kleid in Pink auf dem Beitragsbild. Der Rock beginnt mit zwei Streifen weißen Fransengarn, der mit einer Reihe Messerspitzenmuster unterbrochen ist. Dieses Messerspitzenmuster zieht sich bis zur Hüfte, und geht dann in einen elastischen eng am Körper anliegenden Teil über. Das Kleid wird in zwei gleiche Teile gestrickt. Während das Rückenteil glatt abschließt, hat das Vorderteil einen V-Ausschnitt, der mit weißem Fransengarn verziert wurde. Um schöne glatte Ränder zu bekommen, wurden diese umhäkelt.
Inzwischen habe ich meinen Frieden mit dem Häkeln gemacht. Ich kann es sogar leidlich. Aber ich kann keine Begeisterung dabei empfinden. Diese bleibt dem Stricken vorbehalten.
In der Regel arbeite ich zeitgleich an mehreren Stücken. Die Arbeiten, bei denen ich mich konzentrieren muss, bleiben zuhause, während ich einfachere Strickstücke gern unterwegs bearbeite. Und das kann sowohl im Zug, auf einer Parkbank oder im Wohnzimmer von Freunden sein. Stricken kann auch eine meditative Arbeit sein, die mir hilft zu denken oder mich zu konzentrieren. Aber dafür waren Jahrelange Erfahrung und viel Übung nötig.
Die meisten Vorlagen für Strickmuster sind optisch ausgelegt. Oft in Form einer Zeichnung. Hier ein Beispiel für eine blindengerechte Mustervorlage:
Topflappen mit Messerspitzenmuster:
Das Muster besteht aus sechs nebeneinander liegenden Messerspitzen und 8 übereinander liegenden.
Reihe 0: 38 Maschen rechts anschlagen.
Reihe 1: 1RM, 5R 1L, 1RM
Reihe 2: 1RM, 2R 4L, 1RM
Reihe 3: 1RM, 3R 3L, 1RM
Reihe 4: 1RM, 4R 2L, 1RM
Reihe 5: 1RM, 1R 5L, 1RM
Reihe 6: 1RM, 6R, 1RM
R: Rechte Masche, L: linke Masche, RM: Randmasche.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Nacharbeiten, und freue mich auf Eure Meinung in den Kommentaren.

Tipps zum sparsamen Packen

Wenn man mit dem Auto reist, kann man so viel mitnehmen, wie in das Fahrzeug hineinpasst. Im Extremfall nehmen Urlauber ihren halben Hausrat mit auf die Reise. Doch wenn man wie ich meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, fällt jeder Gegenstand buchstäblich ins Gewicht.
Koffer gibt es in allen Größen, Formen und Ausstattungen. Aber alle zusammen haben den Nachteil, dass sie eine Hand blockieren, die damit beschäftigt ist den Koffer zu ziehen, zu schieben oder einfach nur festzuhalten. Und im Zug, Bus oder am Urlaubsort ist nicht immer ausreichend Platz vorhanden, um den Koffer zu verstauen.
Daher reise ich nur dann mit einem Koffer, wenn ich wirklich länger unterwegs bin. Auch Reisetaschen kommen für mich nicht in Frage. Diese werden einseitig getragen, was auf längeren Wegstrecken ziemlich schmerzhaft werden kann. Erst recht, wenn man mit der anderen Hand den Blindenlangstock benutzt.
Für den typischen Wochenendausflug oder das Wochenendseminar reicht mir ein guter Rucksack aus. Dieser bietet mir einige Vorteile. Zum einen ist der Platz beschränkt, so dass ich nicht zu viele unnötige Dinge mitnehmen kann, zum zweiten ist ein Rucksack besser zu handhaben, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist. Er passt auch mal unter meinen Sitz, so dass ich ihn direkt in meiner Nähe habe. Und für mich als Nutzerin eines Blindenlangstocks hat es noch den Vorteil, dass ich trotz Stock in der rechten Hand, eine Hand frei habe. Das macht Sinn, wenn man die Tür eines Bahnabteils öffnet oder einen Kaffeebecher in der Hand hält.
Ein großes Thema sind die Kleidungsstücke, die man mitnehmen möchte. Erst recht, wenn nicht klar ist, auf welche Wetterlage man sich einstellen soll. Für solche Fälle liebe ich das Zwiebelprinzip. Kurzärmliche Oberteile, und langärmelige Oberteile oder Jacken zum Drüberziehen. Wenn ich dann Röcke oder Hosen auswähle, mit denen ich mehrere Oberteile kombinieren kann, spart das Platz.
Ein weiteres großes Thema sind Kosmetika und Artikel zur Körperpflege. Die großen Flaschen nehmen nur unnötig Platz weg. Den Bedarf für ein paar Tage kann man in kleine Reisegrößen umfüllen, die man in einer kleinen Tasche oder  Gefrierbeutel verstaut. Wer sich die Arbeit nicht machen möchte, für den halten Drogerien entsprechende Produkte bereit. Auf diese Weise verfahre ich auch mit Medikamenten. Wenn ich nur vier Tage lang unterwegs bin, brauche ich nicht die ganze Packung mitzunehmen. Es gibt kleine Behälter für Tabletten zu kaufen, in denen man seinen Bedarf an Medikamenten für ein paar Tage verstauen kann. Auch die Mitnahme von Handtüchern und Bettwäsche ist unnötig. Entweder wird das von der Unterkunft gestellt, oder ist gegen eine Leihgebühr vor Ort zu bekommen, auf diese Weise lässt sich Platz und Gewicht einsparen.
Es ist lästig, wenn man erst den Rucksack vom Rücken nehmen muss, um an seinen Geldbeutel oder andere wichtige Dinge zu kommen. Diese Dinge verstaue ich gern direkt am Körper, in einer Hosentasche oder in der Jacke, alternativ geht auch eine Bauchtasche. Diese gibt es in allen möglichen Varianten. Das bietet mir den Vorteil, dass ich alles Wichtige sofort greifbar habe. Denn etwas suchen, wenn man gerade Zeitdruck hat, ist eine Art von Stress, den ich nicht haben möchte.
Als meine Kinder jünger waren, bin ich mit einem großen Koffer gereist. Denn da passte alles rein, was wir für den Urlaub brauchten. Dabei war es für mich wichtig, dass der Koffer so gepackt war, dass er von alleine stehen blieb, wenn ich ihn mal los ließ. Außerdem klärte ich ab, ob es am Urlaubsziel eine Waschmaschine gab. Auch das hilft dabei die Kleidermenge zu reduzieren. Alternativ hatte ich ein Reisewaschmittel dabei. Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft auch mal etwas von Hand zu waschen, und natürlich eine Möglichkeit Wäsche zu trocknen.
Wichtig ist, dass man sein Gepäck gut handhaben kann. Denn sonst könnte es stressig auf der Reise werden.

Das war jetzt mal ein bisschen was aus meinem Erfahrungsschatz. Habt Ihr noch weitere Tipps für platzsparendes Packen? Dann schreibt sie in die Kommentare.