Ranzenpost und Formulare bei blinden Eltern

Meine erste E-Mail-Adresse bekam ich 2003, gemeinsam mit einer Einführung in die Bedienung eines E-Mail-Programms und meinen ersten Gehversuchen im Internet. Eigentlich geschah das mehr aus Neugierde, als aus einer Notwendigkeit heraus. Denn bisher reichten mir für das, was ich zu tun hatte, die Kommunikation in Form von Telefon, Fax oder Papierpost. Gedruckte Briefe ließ ich mir entweder vorlesen, oder ich scannte sie ein, und ließ meinen Computer die gedruckten Buchstaben in Sprache oder Braille umwandeln. Und wenn ich etwas verschickte, dann schrieb ich diesen am PC, druckte ihn aus, oder schickte ihn per Fax weg. Gepaart mit dem guten alten Telefon war das für mich die Vorgehensweise, mit der ich gut gelebt habe.

Mit dem Einzug von E-Mail vereinfachte sich für mich die schriftliche Kommunikation. Bekam ich eine Info per Mail, brauchte ich diese nicht mühsam einzuscannen, und mögliche Fehlerquellen bei der Texterkennung einzukalkulieren. Ich hatte die Info quasi sofort. Es ersparte mir also nicht nur Papier, sondern auch viel Zeit. Denn Briefe in Papierform wollten eingescannt, in Braille beschriftet und richtig abgeheftet werden. Bei der E-Mail reichte eine übersichtliche Ordnerstruktur, um diese gezielt wiederzufinden. Außerdem besitzt mein PC eine Suchfunktion, mein Ordnerregal jedoch nicht.

Als meine Kinder in den Kindergarten kamen, bat ich die Mitarbeiter mir schriftliche Mitteilungen per E-Mail zu schicken. Das klappte mehr schlecht als recht. Für mich wäre es eine große Erleichterung gewesen. Denn ich kann an Hand eines Papiers, das im Fach meines Kindes liegt, nicht feststellen, ob es sich um ein gemaltes Bild oder einen Elternbrief handelt. Und ich kann auch keine Aushänge lesen. Ich musste viel fragen, und hoffen, dass mir keine wichtige Information, wie ein außerplanmäßiger Schließungstag, ein Elternabend oder ein „Wir haben Läuse im Haus“ entging. Manchmal halfen mir andere Eltern bei der Informationsbeschaffung.

Als meine Kinder in die Grundschule kamen, bekam ich immer mehr das Gefühl, das die Lehrkräfte E-Mails mehr fürchten als der Teufel das Weihwasser. Die einzige Mitarbeiterin, die ab und zu an mich dachte, war eine Mitarbeiterin im Sekretariat, die mir Mails schickte. Ein Lehrer meines Sohnes rief ab und zu an, wenn es ein Problem gab. Auch damit konnte ich gut leben. Aber oft genug musste ich mir anhören, dass die Kinder alt genug seien, um die Ranzenpost bei den Eltern abzugeben, oder das Elternheft zu zeigen.

Es gibt mehrere Informationsquellen, die man als Elternteil überblicken können muss. Da wäre einmal das Mitteilungsheft an die Eltern, in welches handschriftliche Mitteilungen gemacht werden können. Manche Lehrkräfte möchten, dass diese von den Eltern abgezeichnet werden. Dann gibt es die Elternmappe, in die das Kind Briefe der Schule oder Lehrkraft abheften soll. Und dann gibt es die losen Blätter, die viele Kinder vergessen in eben diese Mappe einzuheften. Un das sollen wir Eltern nach Möglichkeit kontrollieren. Denn mal Hand aufs Herz, wessen Kind im Grundschulalter ist so gewissenhaft, und gibt diese zuverlässig zeitnah an die Eltern weiter?

Eine sehende Mutter hat die Wahl selbst in den Schulranzen zu schauen oder die Verantwortung auf das Kind zu übertragen. Sie kann erkennen, ob es sich um ein schreiben oder ein bemaltes Stück Papier handelt, ob etwas auszufüllen oder zu unterschreiben ist. Das kann ich nicht. Handschriftliche Mitteilungen sind für mich selbst mit meinen technischen Hilfsmitteln unlesbar. Eine Information, die per E-Mail zu mir kommt, kann ich ohne fremde Hilfe bearbeiten. Und da die meisten Elternbriefe ohnehin am PC erstellt werden, ist es kein Mehraufwand diese per E-Mail zu versenden.

Der Hort meiner Kinder hat das verstanden, und mir bei der Informationsbeschaffung geholfen. Für die Post aus der Grundschule fand ich Hilfe bei Miteltern oder bezahlte mir eine entsprechende Hilfe, die den Schulranzen regelmäßig durchsah.

Schwieriger wurde es auf der weiterführenden Schule. Hier gab es noch mehr Informationsquellen. Der Klassenlehrer meiner Tochter hat mir zu dem Zeitpunkt einen wertvollen Luxus geboten, indem er die Informationen für mich sammelte und lesbar machte. Ich besuchte den Elternsprechtag, und erklärte mehreren Lehrkräften, dass es schneller geht, wenn er oder sie per E-Mail mit mir Kontakt aufnimmt. Und die meisten verstanden das. Und das war auch gut so, da meine Kinder die Ordnung zeitweise nicht als ihren besten Freund ansahen.

Problematisch war die Kommunikation mit der Sorte Lehrkräfte, welche die Meinung vertraten, dass ein Kind in dem Alter selbst darauf achten müsse, dass die Informationen zu den Eltern kämen. Meine Bitte mir die für uns Eltern bestimmten Informationen in einer für mich als Eltern wahrnehmbaren Form zu Verfügung zu stellen artete auch schon mal in eine Grundsatzdiskussion über Selbstverantwortung der Kinder aus. Dabei sind wir einer Meinung, nämlich, dass Kindern ein bestimmtes ihrem Alter entsprechendes Maß an Verantwortung übertragen sollten. Dem gegenüber steht jedoch, dass ich meine Pflichten als Eltern wahrnehmen muss. Und das setzt vorraus, dass ich Informationen, die an mich als Eltern gerichtet sind, auch ohne die Hilfe meiner Kinder wahrnehmen kann. Das brauche ich, um meine Kinder auf dem Weg in ein selbständiges Leben zu unterstützen.

Meine Kinder sind inzwischen beinahe erwachsen, und können selbst darauf achten, dass ich relevante Informationen bekomme. Aber da draußen gibt es noch ganz viele Eltern, deren Kinder das noch nicht können. Und diese freuen sich über Mitteilungen ohne Barrieren.

Liebe Lehrer, Erzieher und alle anderen, die mit Kindern blinder Eltern zu tun haben könnten!

Mitteilungen per Ranzenpost stellen eine Barriere dar, eine E-Mail oder ein Anruf der schule nicht. Vor Allem macht Ranzenpost abhängig. Nämlich davon, dass das Kind diese abliefert, und davon, dass ein Formular nicht eigenhändig ausgefüllt werden kann. Und ich glaube nicht, dass das im Sinne des Lehrauftrags ist. Einfach fragen, und gemeinsam eine Lösung finden. Allerdings hören wir blinden Eltern Sätze wie „Das kann Ihnen jemand vorlesen“, oder „ihr Kind kann das ja machen“ überhaupt nicht gern. Denn auch wir sind in erster Linie Eltern mit Pflichten. Und unsere Kinder sind nicht dazu da, um die Behinderung zu kompensieren.

Eure Lydia

Blind mit Medikamenten umgehen

Heute gehe ich auf die Frage ein, wie ich mit Medikamenten umgehe. Auch ich habe eine Hausapotheke mit wechselnder und dauerhafter Besetzung. So geht’s.

Inzwischen sind viele Medikamente mit einer Beschriftung in Braille versehen. Diese befindet sich in der Regel auf der Verpackung, und enthält außer dem Namen des Medikaments Angaben wie Dosis oder Mengenangabe. Der Gedanke dahinter ist, dass auch blinde Menschen das richtige Medikament selbständig und vor allem selbstbestimmt einnehmen können.

Leider gibt es diese Beschriftungen nicht bei allen gängigen Medikamenten. Bei allen Augentropfen, die ich bisher nehmen musste, gab es keine Beschriftung in Braille. Dabei finde ich es gerade hier wichtig, dass man das richtige Medikament tropft. Und wenn man wie ich zeitweise bis zu vier verschiedene Tropfen in unterschiedlichen Abständen nehmen musste, der muss sich dann etwas anderes einfallen lassen. Erst recht, wenn sich auch die Fläschchen vom Material her nicht unterscheiden lassen. Ich habe das so gelöst, dass ich mir die Flaschen fühlbar markiert habe. Es gibt markierungspunkte zu kaufen, die extra zum blindengerechten kennzeichnen entwickelt wurden. Wenn man das nicht hat, tut es auch ein simpler Klebestreifen, oder auch ein Gummiring. Wichtig ist, dass man sich merkt welches Fläschchen man sich mit welchem Material markiert hat.

Einfacher finde ich die Handhabung von Tabletten. Sind diese nicht mit Braille beschriftet, orientiere ich mich an anderen Merkmalen, wie Form der Verpackung, Form oder Beschaffenheit der Tablette, oder Verpackungsgröße. Handelt es sich dabei um ein Medikament, welches ich nur über einen kurzen Zeitabschnitt nehme, spare ich mir damit die Beschriftung. Ist es aber eines, welches ich länger in meinem Medikamentenschrank lagern möchte, dann ist eine Beschriftung sinnvoll. Ich kann bei meiner Apotheke fragen, ob es eine Altenative mit Brailleschrift gibt, oder diese selbst herstellen und an der Verpackung anbringen. Wichtig Dabei ist, dass die ursprüngliche Beschriftung nicht verdeckt wird. Denn es kann auch der Fall eintreten, dass auch mal nicht blinde Personen die Beschriftung lesen müssen. Und wenn man Wert auf das Verfallsdatum legt, macht es Sinn sich dieses irgendwo zu notieren. Das kann auf einem separaten Zettel, auf der Beschriftung selbst oder auf dem Smartphone sein. Hauptsache man weiß hinterher wo es steht.

Bei Medikamenten, die in größeren Flaschen abgefüllt sind, und die keine Beschriftung in Braille haben, gelten ähnliche Regeln. Oft liegt diesen ein Messlöffel bei, den ich für blinde Nutzer unbrauchbar finde. Entweder nehme ich einen Messlöffel aus meiner Küche, oder ich ziehe die entsprechende Menge mit einer Einwegspritze auf, die ich mir vorher fühlbar markiert habe. Das kann man mit einem Küchenmesser am Kolben tun. Damit lassen sich Flüssigkeiten ML genau dosieren.

Schwierig finde ich Tropfen. Bei mir selbst tropfe ich sie direkt auf die Zunge, und kann sie somit abzählen. Ein Schluck Wasser hinterher, und alles ist wieder gut. Man kann aber auch in einen leeren Jogurtbecher tropfen, und auf das Tropfgeräusch hören. Anschließend gibt man einen kleinen Schluck Wasser mit in den Becher und trinkt. So kann man auch einer anderen Person die Tropfen blind verabreichen.

Menschen, welche beispielsweise im Alter erblinden, können oft keine Brailleschrift. Hier braucht es andere Lösungen. Bei einem Sehrest kann man das Medikament mit einem dicken Stift markieren. Ansonsten macht eine fühlbare Markierung wie oben beschrieben Sinn. Solange derjenige sich das noch nicht alleine zutraut, gibt es Tablettenboxen, die man für einen Tag, für mehrere Tage oder für eine Woche im Voraus richten kann. Das kann die Person selbst tun, oder gemeinsam mit einer Hilfe. Da jedes Fach für eine Tablette vorgesehen ist, kann der blinde Nutzer seine Medikamenteneinnahme selbst nachvollziehen.

Das waren jetzt meine Erfahrungen und Lösungsvorschläge. Schreibt mir doch Eure in die Kommentare.

Karten blind auseinanderhalten

Lydia mit mehreren Plastikkarten.

Zahlen mit der EC-Karte, beim Arzt die Versichertenkarte vorzeigen, oder diverse Kundenkarten, die unseren Geldbeutel oder die Brieftasche bevölkern. Selbst der Personalausweis oder mein Schwerbehindertenausweis ist im praktischen Checkkartenformat ausgestellt. Jede Karte hat ihr eigenes Design, um sie von anderen Karten zu unterscheiden. Aber was ist mit denjenigen, die diese optische Gestaltung nicht wahrnehmen können? Im Folgenden möchte ich ein paar Lösungen dafür aufzeigen.

Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, als meine Kinder und ich unsere Versichertenkarten bekamen. Drei Karten von ein und derselben Krankenkasse, versehen mit unterschiedlichen Versichertennummern, die ich nicht selbst lesen konnte. Anfangs behalf ich mir damit, dass ich die Karten in einer bestimmten Reihenfolge aufbewahrte. So konnte ich gezielt die gesuchte Karte herausziehen, ohne der Sprechstundenhilfe den Stapel hinzuhalten, mit der Bitte sich selbst zu bedienen. Denn das empfand ich als unangenehm. Ich wollte das einfach selbst machen können.

Eine Mitarbeiterin unserer Kinderarztpraxis hatte die rettende Idee. Mit einem Küchenmesser ritzte sie in eine Karte ein und in die Andere Karte zwei kleine Schlitze ein. Die Dritte, also meine eigene Versichertenkarte, blieb unbehandelt. So konnte ich erfühlen welche Karte welchem Kind zugeordnet war. Diese Lösung behielt ich viele Jahre bei. Irgendwann verschickte meine Krankenkasse Karten, die in einer Ecke die Buchstaben GK für Gesundheitskarte versehen waren. Auch hier markierte ich die Karten meiner Kinder wieder mit ein bis zwei Schlitzen, um sie von meiner eigenen Versichertenkarte unterscheiden zu können.

Mit den Jahren sammelten sich immer mehr Karten bei mir an. Damit stellte sich für mich die Frage nach der Kennzeichnung immer öfter. Erst recht, als auch der Schwerbehindertenausweis und der Personalausweis in ein Checkkartenformat wechselten. In den letzten Jahren habe ich daher viele Lösungen ausprobiert, die ich Euch gern vorstellen möchte.

Nicht alle Karten fühlen sich gleich an. Manche haben erhabene Zahlen oder Buchstaben, die man erfühlen kann, wie man auf der Kundenkarte von P&C, Tchibo oder auch bei vielen Kreditkarten sehen und fühlen kann.

Eine andere Möglichkeit ist eine Beschriftung in Braille. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV verschickt seine Mitgliedskarten mit einer Beschriftung in Braille. Alternativ kann man sich diese Beschriftung auch selbst herstellen. Dafür nutze ich gern durchsichtiges Dymoband, welches ich mit Braille beschrifte, und anschließend auf die Karte klebe. Allerdings mache ich das nur bei Karten, die mir wichtig sind.

Doch es geht auch ohne Braille. Denn nicht jeder blinde Kartenbesitzer beherrscht die Brailleschrift. Dann kann man die entsprechende Karte mit einem Stück Tesafilm oder einem anderen Material kennzeichnen. Wichtig dabei ist, dass die Kennzeichnung nicht auf oder in der Nähe eines Magnetstreifens angebracht wird. Denn schließlich müssen manche Karten elektronisch ausgelesen werden. Auch sollte die Kennzeichnung keine Kartenummer oder andere wichtige Angabe verdecken, damit auch normal sehende Leser die Schrift noch lesen können.

Eine weitere Alternative sind Fotoecken. Die kann man an einer oder zwei Ecken einer Karte anbringen. Allerdings sollte man diese noch mal an der Karte festkleben, damit sie sich nicht versehentlich lösen. Und wenn es schnell gehen muss, dann habe ich gern ein oder zwei Gummiringe oder Haargummis in meiner Tasche. Damit kann ich eine Karte, die ich neu habe, erst mal provisorisch kennzeichnen. Übrigens geht es auch mit Kabelbinder. Im Grunde ist alles erlaubt, was ein schnelles Auffinden möglich macht. Denn das ist für mich Selbstbestimmung und Lebensqualität.

Das sind die Möglichkeiten, die sich in meinem Alltag bewährt haben. Es sind Anregungen, um uns den Alltag zu erleichtern. Ich bin gespannt darauf, was meine Follower für Ideen beitragen werden.

Apps, die blind bedienbar sind

Lydia hält lächelnd ein iPhone vor der Brust.

Seit 2012 ist das IPhone mein ständiger Begleiter im Alltag. Damals hatte mich ein Freund darauf gebracht, und mir die Bedienungshilfen gezeigt, die das Gerät von Haus aus mitbrachte.

Vorher hatte ich ein handelsübliches Handy der Firma Nokia. Darauf wurde eine spezielle Software aufgespielt, die den Text auf dem Display in Sprache umwandelte. Damit war es möglich Nachrichten oder E-Mails zu verwalten, im Internet zu surfen oder Musik zu hören. Die Software kostete zusätzliches Geld, und war quasi ein Aton. Und dieses Handy hatte fühlbare Tasten.

Anfangs fürchtete ich mich ein bisschen vor meinem IPhone. Daher war es mir wichtig, dass ich eine Zweitkarte hatte, die in meinem alten Handy steckte. Falls etwas schief ging. In den ersten drei Wochen holte ich das IPhone nur hin und wieder aus der Schublade, um damit zu experimentieren. Das ging so lange, bis ich ein Gefühl für die Bedienung ohne fühlbares Display entwickelte. Ein weiteres Plus war die Bedienung von sozialen Netzwerken. Hatte ich diese vorher über den PC angesteuert, so konnte ich das mit dem Smartphone von überall her tun. Also auch ganz bequem vom Sofa aus.

Und so schlich sich das Smartphone immer stärker in mein Leben, und wurde mein Helfer im Alltag. Ich verbrachte viel Zeit damit neue Apps zu erkunden und mir Empfehlungen von anderen blinden Nutzern anzusehen. Im Laufe der nächsten Jahre erledigte ich immer mehr Aufgaben, die ich vorher auf dem PC erledigt hatte, über das IPhone. Denn dieses garantierte mir eine räumliche Unabhängigkeit.

Ich möchte meinen Lesern nachfolgend einige Apps vorstellen, die mich durch meinen Alltag begleiten. Dabei handelt es sich nicht nur um Apps, die für blinde und sehbehinderte Nutzer entwickelt wurden.

Die App Mbraille macht aus dem IPhone eine Braille Tastatur mit vollwertiger Textverarbeitung. Mit etwas Übung kann man darüber sogar die gesamte Bedienung des IPhone steuern.

Ich bin meistens mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Hier begleitet mich der Abfahrtsmonitor von Witali Aswolinskiy. Die App kann mich orten und mir die nächst gelegenen Haltestellen anzeigen, und deren Abfahrtstafel abrufen. Ich kann Haltestellen, die ich oft brauche, als Favoriten definieren, und sehr schnell darauf zugreifen. Diese werden mir in einer übersichtlichen Listenansicht angezeigt.

Blindsquare von MIPsoft ist eine Navigationshilfe für blinde Nutzer, die mir gerade in einer fremden Umgebung eine große Hilfe ist. Ich kann ein Restaurant, ein Hotel oder einen Bahnhof heraussuchen, und mir anzeigen lassen in welcher Richtung und wie weit entfernt dieser von mir ist. Und ich kann diese Informationen einer Navigationsapp übergeben, die mich hin navigieren kann.

Der KNFBReader ist eine sehr gute Texterkennungssoftware. Ich kann quasi ein Dokument fotografieren, und bekomme dessen Inhalt vorgelesen.

TapTapSee, CamFind Inc. beschreibt ein gerade gemachtes Foto in deutscher Sprache. Dies geschieht mit Hilfe von künstlicher Intelligentes.

Seeing AI von Microsoft Corporation vereint mehrere Funktionen in einer einzigen App. Es bietet eine Produkterkennung, eine Farbansage und eine Beschreibung von Dingen, die vor die Kamera gehalten werden. Auch Handschrifterkennung und eine Gesichtserkennung sind Teil dieser App, die noch nicht ganz ausgereift ist. Ich denke, dass da noch viel Potential dahinter steckt. Und ich wünsche mir, dass es diese App irgendwann auch in mehr Sprachen gibt.

Es gibt Situationen, die mit künstlicher Intelligenz nicht auskommen. Brauche ich eine sehende Hilfe, so kann ich diese per Videotelefonie abrufen. Das wird durch das Netzwerk und die App Be My Eyes ermöglicht. Weltweit stellen sehende Nutzer ihr Sehvermögen zur Verfügung. Fällt mir eine Schraube runter, die ich nicht alleine wiederfinden kann, so kann ich mein Gesprächspartner durch meine Kamera sehen, und mir dieses entsprechend mitteilen. Ich kann voreinstellen welche Sprache ich spreche, und werde nur mit Menschen verbunden, die dieselbe Sprache angegeben haben.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sicher werde ich irgendwann über weitere Apps schreiben, die mir helfen, mir gefallen oder auch nicht.

Wenn die Einkaufshilfe ausfällt

Lydia läuft mit Blindenstock und Shopper eine Straße entlang

Heute ist Donnerstag, 8:45 Uhr, als mein Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die Dame, mit der ich mich in einer Viertelstunde treffen wollte. Geplant war, dass wir mit dem Auto zum Supermarkt fahren, und einen Familieneinkauf bewerkstelligen. Leider muss sie mir für heute absagen, da eines ihrer Kinder mit Magendarminfekt im Bett liegt. Da steckt man nicht drin.

Ok, jetzt habe ich ein Problem. In drei Tagen ist Weihnachten. In diesem Jahr bedeutet das, dass die Geschäfte drei Tage in Folge geschlossen sind. Dementsprechend wollte ich meinen Einkauf so gestalten, dass ich in den nächsten zwei Tagen nur noch Lebensmittel wie Obst und Gemüse einkaufen würde. Denn ich bin kein Freund hektischer Lastminuteeinkäufe. Dabei sind es nicht unbedingt die langen Schlangen an der Supermarktkasse, die mir zu schaffen machen, sondern die Hektik in den Gängen, gepaart mit der Atmosphäre und dem Suchen der benötigten Lebensmittel. Außerdem sind die Mitarbeiter an solchen Tagen so stark beschäftigt, dass es schwer wird Hilfe zu bekommen. Nein, das möchte ich mir in diesem Jahr nicht geben.

Also gut, jetzt muss ganz schnell Plan B her. Meine Kinder fallen als potentielle Einkaufsbegleiter aus, da sie heute und morgen vormittags in der Schule sind. Der Lieferservice ist auch keine wirkliche Option zur sehenden Begleitung. Eine Option wäre Aldi. Die haben ihre Wahren meist so angeordnet, dass sie an derselben Stelle sind. Früher hatten wir eine Buslinie, die von mir direkt hinfuhr. Diese gibt es inzwischen nicht mehr. Für mich heißt es jetzt, dass Aldi ca. 30 Minuten Fußweg bedeutet. Nein, dazu bin ich heute echt nicht zu motivieren. Außerdem konnte ich damals noch die Aufschriften auf den Verpackungen in der Tiefkühltruhe lesen, und damit meinen Einkauf selbst zusammensuchen. Inzwischen brauche ich hierfür sehende Hilfe. Und die steht mir heute Vormittag definitiv nicht zur Verfügung.

Ok, was gibt es noch für Möglichkeiten? In vielen Städten gibt es Nachbarschaftshilfen. Teilweise auch über Facebook. Hier habe ich auch schon die eine oder andere Hilfe bekommen können. Aber für einen Familieneinkauf mit einer völlig fremden Person finde ich das jetzt nicht geeignet.

Eine Tasse Kaffee später steht mein Plan B fest, der sich für mich besser anfühlt. Ich nehme mir meinen Shopper, und gehe zum nächst gelegenen Supermarkt. Das dauert zwar etwas länger, ist aber eine gute Zwischenlösung. Sachen, die ich nicht gefunden habe, oder die aus der Tiefkühltruhe, kann ich mit meiner Freundin morgen Vormittag einkaufen gehen, oder ihr eine Einkaufsliste schreiben. Das bespreche ich nachher mit ihr. Und was dann noch fehlt, dass können evtl. meine Kinder noch schnell einkaufen gehen. Das geht auch mal am Samstagvormittag. Fertig.

Am liebsten gehe ich ganz früh morgens einkaufen. Da ist es noch ruhig im Supermarkt. Und wenn ich mal was nicht alleine finde, höre ich wo die Mitarbeiter sind, und kann sie direkt danach fragen. Später geht das nicht mehr. Die Gänge sind voll von Menschen, die ihren Einkauf möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Und es ist oft zu laut, um zu erkennen wer ein Mitarbeiter oder Marktbesucher ist.

In meinen Beiträgen „Blind einkaufen – Teil 1“ und „Blind einkaufen – Teil 2“ habe ich bereits darüber geschrieben, wie ich mich im Supermarkt zurecht finde, und mich orientiere. Jetzt bin ich auf Eure Kommentare zu diesem Thema gespannt.