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Aufruf zur Blogparade das Jahr 2019

Seit ich das Ende des Jahres bewusst erleben konnte, begleitet mich das Thema Vorsätze für das kommende Jahr. Ganz vorne sind dabei Aufgaben, die nun schon so lange nicht erledigt wurden, im neuen Jahr in Angriff zu nehmen, regelmäßig Sport zu machen oder sich gesünder zu ernähren.
Ich bin nicht alleine mit dieser Beobachtung. In einer App eines Discounters wurde direkt in der ersten Kalenderwoche allerlei Sportutensilien angeboten, Diätdrinks in allen möglichen Zusammensetzungen. Sogar Laufbänder und Ergometer, die nach Hause geliefert werden, habe ich gesehen.
Irgendwann erklärte mir jemand, der regelmäßig ins Fitnessstudio geht, dass der Januar sich dadurch auszeichnet, dass viele neue Sportbegeisterte kommen. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich ab dem Februar die Reihen nach und nach wieder lichten. Besonders hartnäckige schaffen es dann bis in den März hinein. Wer dann noch regelmäßig kommt, der bleibt meistens am Ball.
Ich habe mir gedacht, dass wir daraus doch eine Blogparade machen könnten. Das Thema ist „Mein Jahr 2019“.

Hier erst Mal die Regeln:
– Schreibe einen Beitrag auf Deinem Blog, und verlinke auf diese Blogparade.
– verweise in den Kommentaren unter diesem Beitrag auf Deinen Eigenen.
– Schicke mir den Link noch mal separat per Mail, und beschreibe Deinen Blog mit einem Satz. Damit erleichterst Du mir das Zusammenstellen der Beiträge.
– Hast Du keinen eigenen Blog, so sende mir Deinen Gastbeitrag per E-Mail zu.
– E-Mails schickt Ihr bitte an diese Adresse.

Und hier habe ich ein paar Fragen, die dabei helfen sollen über das Jahr 2019 zu schreiben:
– Was hattest Du Dir für das Jahr 2019 vorgenommen?
– Welche Deiner Vorsätze konntest Du umsetzen?
– was war Dein schönstes Erlebnis im Jahr 2019?
– Auf welche Deiner Aktivitäten bist Du in diesem Jahr besonders stolz?
– Gibt es Menschen, die Dich hier positiv beeinflusst haben?
– Gibt es ein Ritual, mit dem Du das Jahr beendest?
– Welcher Beitrag auf Deinem Blog hatte die meisten Aufrufe?
– Welcher Beitrag hatte die wenigsten Aufrufe?

In meinem Beitrag Mein Bloggerjahr 2019 habe ich über die Highlights in 2019 berichtet. Es war zu viel, um es in einem Zweizeiler unterzubringen. Vorsätze hatte ich diesmal irgendwie keine gemacht. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich mich nicht daran halten würde. Also habe ich mich dem Druck einfach nicht ausgesetzt.

Kommen wir mal zu meinem Blog. Hier habe ich im Jahr 2019 mehr Gastbeiträge bekommen, als in den letzten Jahren. Das hat mich ganz besonders gefreut, da diese dem Blog eine Vielfalt verleihen. Schließlich ist Sehbehinderung nur eine von ganz vielen Eigenschaften, die jeder Einzelne mitbringt.
Mein Beitrag mit den meisten Aufrufen ist vier wirksame Tipps einen Blinden zu stressen. Die wenigsten Aufrufe verzeichnet der Beitrag. Danke für ein erfolgreiches Bloggerjahr 2017.

Die Blogparade läuft bis zum 31.01.2020. Bis dahin wünsche ich mir, dass jeder, der die Möglichkeit hat, meinen Aufruf verbreitet. Damit kriegen wir hoffentlich eine bunte Mischung 2019 hin, die ich alle in einem abschließenden Beitrag zusammenfassen werde.

Und jetzt freue ich mich auf viele Beiträge von und mit Euch.

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Mein Bloggerjahr 2019

Und wieder geht ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Allerdings unterscheidet es sich dadurch von vielen anderen, dass ich gemeinsam mit Euch, liebe Leserinnen und Leser, einige Projekte umgesetzt habe, die mir am Herzen liegen.
Da war beispielsweise die Aktion Blindenstöcke für Togo, die wir gemeinsam mit der freiwilligen Helferin Jasmin umgesetzt haben. Für die gemeinsam gesammelten 600 € konnten 30 Blindenstöcke gekauft und in einer Einrichtung für blinde Menschen verteilt werden. Darüber hat Jasmin einen Beitrag gemacht.
Eine etwas größere Aktion war die Unterstützung der jungen Amal aus Palästina. Mein Beitrag Mein Gastkind aus Palästina ist der erste von bisher sechs Beiträgen, die ich über die sechs Monate, die sie hier in Deutschland gelebt hat, gemacht habe. Für sie konnte nicht nur eine Augenoperation ermöglicht werden. Sie hat gelernt, dass auch blinde Menschen alleine auf die Straße können, und wie sie ihren Blindenstock zur Orientierung nutzen können. Sie hat Techniken im Haushalt, Sport und einen besseren Umgang mit technischen Hilfsmitteln gelernt. Die Hilfsmittel, die sie in ihre Heimat mitnehmen konnte, ermöglichen ihr die Teilnahme an herkömmlichen Deutschkursen für normal sehende Teilnehmer. Darüber werde ich bald noch einen eigenen Beitrag schreiben.
Anfang des Jahres bekam ich einen Anruf, indem mir mitgeteilt wurde, dass mein Blog für den Grimme online Award nominiert worden war. Wer mich dafür vorgeschlagen hat, werde ich vermutlich nie erfahren. Auf jeden Fall war ich unter den 28 Nominierten, und durfte mein Projekt vorstellen.
Auch persönlich hat sich bei mir einiges Getan. Ende Juni flog Amal wieder zurück in ihre Heimat, und meine Tochter ging ins Ausland. Gepaart mit dem Ausnahmezustand der Schulferien war erst mal eine absolute Leere da. Ich hatte das Gefühl, dass mein Akku völlig leer war. Ich glaube es war so diese Zeit, als unsere ehemalige Straßenkatze begann auf meinen Schoß zu klettern. Sie war jetzt fast zwei Jahre bei uns. Für eine Weile bewachten wir lesend und schnurrend das Sofa im Wohnzimmer. Für jemanden, der viel Action gewohnt ist, ein ungewohnter Zustand.
Im November beendete ich eine Ausbildung zur Beraterin für Blickpunkt Auge, Rat und Hilfe bei Sehverlust, die ich im Herbst 2018 angefangen hatte. Das gibt mir die Möglichkeit ab dem kommenden Jahr ehrenamtlich bei der Blindenselbsthilfe zu beraten. Ich freue mich schon auf die neue Aufgabe und bin gespannt wo die Reise hingeht.
Auch mein Blog ist in diesem Jahr stetig gewachsen. Ich blicke auf etwas mehr als 62000 Aufrufe zurück, ungefärbt so viel wie im vergangenen Jahr. Die Zahl meiner Abtönenden ist auf mehr als 300 gestiegen. Ebenso hat sich die Anzahl meiner Follower auf Twitter fast verdoppelt. Inzwischen blogge ich seit 3,5 Jahren, und habe bereits über 200 Beiträge veröffentlicht. Ein nicht unwesentlicher Teil der Beiträge im Jahr 2019 stammt von Gastautoren mit oder ohne eigenen Blog.

Tja, das waren so die Highlights aus dem Jahr 2019. Ich hoffe, ich habe keines vergessen. Außer das dicke Dankeschön an meine Assistenz im Hintergrund, die ein bisschen auf das Layout schaut und die Rechtschreibfehler findet, die nicht einmal Word und ich gemeinsam finden.
Jetzt bleibt mir nur noch uns allen einen guten Start in das Jahr 2020 zu wünschen. Ich bin sicher, dass das kommende Jahr viele spannende Ereignisse für uns bereit hält.

Von einigen Lesern bin ich gefragt worden, ob sie mir was Gutes tun könnten. Ja, Ihr dürft mir gern einen Kaffee oder eine Tafel Schokolade ausgeben. Ansonsten freue ich mich auf weitere spannende Projekte gemeinsam mit Euch.

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Allgemein blinde Eltern unterwegs

Blogparade Was darf man Kindern zutrauen?

Wenn es um Erziehung, Kinder und Familienstrukturen geht, streiten sich die Geister unentwegt. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie viele Menschen eine Meinung dazu haben. Sei es, dass sie eigene Kinder haben oder ihr Nachwuchs bereits erwachsen ist. Besonders interessant ist, wie viele Personen auch hier eine feste Vorstellung von Kindererziehung haben, ohne je mit einem Kind zusammengelebt zu haben.
Besonders stark gehen die Meinungen auseinander, wenn es darum geht was man seinem Kind in welchem Alter zutrauen kann. Daher rufe ich zu meiner ersten Blogparade mit der Überschrift „Was darf man Kindern zutrauen“ auf.

Und hier die Regeln:
Schreibe einen Blogbeitrag zu diesem Thema, und verlinke auf diese Blogparade.
Verlinke Deinen Beitrag in den Kommentaren, und stelle auch Deinen Blog mit ein paar Worten vor.
Die Blogparade läuft bis zum 15.01.2019. Danach wird es hier auf dem Blog eine Zusammenfassung der Teilnehmerbeiträge geben. Diese werden auf meiner Facebookseite veröffentlicht und über meinen Twitter Account verbreitet.

Mein Beitrag zu Was darf man Kindern zutrauen?
Als blinde Eltern hatten wir ganz viele Ratgeber aus dem sozialen Umfeld. Und wenn wir deren Ratschläge mal nicht annahmen, dann gab es ein Totschlagargument, nämlich, dass sie ja sehen, und es damit auch besser wissen.
Hier mal ein Beispiel, dass für große Empörung sorgte. Meine Tochter war sehr früh fit im Straßenverkehr. Im Alter von vier Jahren trainierte ich daher mit ihr das Überqueren von Kreuzungen. Wir liefen also auf eine Kreuzung zu, die wir diagonal überqueren mussten. Und meine Tochter durfte entscheiden welche wir zuerst überqueren konnten. Das sah sie an der Ampel. Ich tat das an Kreuzungen, die ich selbst kontrollieren konnte. Sie hatte Freude daran, wenn sie es richtig machte. Es gab hier diverse Besserwisser, die mir sagten, ich überfordere mein Kind, indem ich ihr die Entscheidung überlies. Da mich das verunsicherte, holte ich mir Rat beim Kinderarzt. Dieser beruhigte mich diesbezüglich.
Meine Kinder und ich waren viel zusammen unterwegs. Mal zu Fuß, mal mit Bus und Bahn. So waren öffentliche Verkehrsmittel für sie etwas völlig alltägliches. Und so bezog ich sie immer mehr in unsere Fahrten mit ein. Auf dem Fahrplan oder die Anzeigetafel schauen, zum entsprechenden Gleis gehen oder einen reservierten Sitzplatz suchen konnten sie bereits im Grundschulalter. Mein Sohn war 12 und meine Tochter 14, als sie ihre erste unbegleitete Zugfahrt zu einer Verwandten machten. Für ihre Entwicklung war das sehr gut. Und sie hätten mich jederzeit anrufen und um Hilfe bitten können. Aber sie schafften es alleine.

Im Januar 2018 reiste ich nach Paris. Auf dieser Reise begleitete mich mein 17 jähriger Sohn, der sich vorab Straßenkarten heruntergeladen hatte. Denn er wollte sich im Verkehrsnetz von Paris zurechtfinden können. Ich ließ ihn machen, statt ein Taxi vom Bahnhof zum Veranstaltungsort zu nehmen. Er ließ sich erklären wie der öffentliche Nahverkehr aufgebaut war, und suchte sich seine Wege selbst. So war auch mal beispielsweise ein Besuch des Eifelturms möglich.

Meine Kinder haben gelernt sich Informationen selbst zu beschaffen, ihre Grenzen einzuschätzen und sich ggf. Hilfe zu holen. Und sie haben gelernt, dass sie in vielen Dingen mein volles Vertrauen haben. Sie mussten aber auch lernen, dass ihre Eltern aufgrund ihrer Sehbehinderung auf die selbe Stufe wie ein minderjähriges Kind gestellt wird. Das ist z. B. bei den meisten Kreuzfahrtanbietern der Fall. Diese schreiben für minderjährige Kinder, blinde, gehbehinderte und gehörlose Fahrgäste die Mitnahme einer volljährigen Begleitperson vor, die in derselben Kabine reist. Im Klartext heißt das, dass ein blindes Paar nicht alleine in derselben Kabine reisen darf, sondern sich diese mit der Begleitung teilen muss. Und für uns hieß das, dass wir, zwei blinde Eltern, eine neunzehnjährige Tochter, und ein noch nicht ganz achtzehnjähriger Sohn nur hätten reisen dürfen, wenn wir eine zusätzliche volljährige Begleitung mitgenommen hätten. Unter Kreuzfahrtanbieter diskriminiert blinde Fahrgäste habe ich darüber geschrieben. Denn ich bin in erster Linie Mutter meiner Kinder. Und ich weiß am besten was ich ihnen zutrauen kann, und was nicht. So wie alle anderen Eltern auf dieser Welt. Wir Eltern sind die Experten in eigener Sache, und haben unsere Handlungen ganz allein zu verantworten. Und niemand anderes sonst.

Und jetzt freue ich mich auf viele interessante Beiträge von Euch.

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Allgemein unterwegs

Wünsche an die Bedienung beim blind essen gehen

Essen gehen kann unter den richtigen Voraussetzungen sehr schön und entspannend sein. Jedenfalls mit den richtigen Leuten und der Atmosphäre im Restaurant. Auch das Verhalten der Bedienung ist für viele blinde Gäste ein wichtiges Kriterium.
Betrete ich ohne sehende Begleitung ein Restaurant oder Kaffee, so bleibe ich erst mal im Raum stehen und warte darauf, dass mich eine Bedienung anspricht. Ich kann zwar die Menschen um mich herum wahrnehmen, jedoch nicht unterscheiden, ob es sich um die Mitarbeiter des Restaurants handelt, oder um andere Gäste. Und ich kann nicht sehen, ob ein Tisch bereits als reserviert gekennzeichnet ist. Daher schätze ich es sehr, wenn mich die Bedienung zu einem Tisch begleitet. Anweisungen wie „Links von Ihnen ist ein Stuhl“ sind zielführender als „Da ist Platz“. Auch die Hand auf die Stuhllehne legen reicht. Man braucht den blinden Gast nicht auf den Stuhl zu drücken, oder ihm den Stuhl unter den Hintern zu schieben. Das empfinde ich eher als Verunsicherung.
Die meisten Gaststätten haben keine Speisekarte in Braille. Wenn sie online in einer Barriere arme Fassung verfügbar ist, kann ich mich zuhause über das Angebot informieren. Doch nicht jeder blinde Gast kann das. Ansonsten brauche ich Infos über das Angebot. Es reicht erst mal die Überschriften oder Kategorien vorzulesen, damit der blinde Gast eine Orientierung hat. Er wird der Bedienung dann sagen, ob er sich für die Salate, Fleischgerichte oder die Aufläufe interessiert.
Beim Servieren von Getränken ist es am besten dem blinden Gast zu zeigen wo das Glas steht. Er kann es sich so platzieren, dass es für ihn praktisch ist. Und ganz wichtig: Dieses Glas niemals ohne Wissen des Blinden an einen anderen Platz stellen. Umfallende Gläser sind für alle Beteiligten unangenehm.
Beim Servieren des Essens hilft es den Gast zu fragen, ob er den Teller erklärt haben möchte. Wer noch ausreichend sieht, braucht das nicht. Andere blinde Gäste freuen sich darüber.
Der Teller wird wie ein Zifferblatt einer Uhr beschrieben. Beispiel: Auf sechs Uhr liegt das Fleisch, auf zwei Uhr die Kartoffeln und auf 10 Uhr das Gemüse. Stehen kleine Gefäße auf dem Teller, wie z. B. Sauce oder Dipp, dann bitte auch kurz Bescheid sagen. Dasselbe gilt für Dekoration oder Zitronenscheiben, auf die man möglicherweise versehentlich beißt.
Ein blinder Gast sieht die Bedienung nicht. Er kann also keinen Blickkontakt aufnehmen oder gezielt winken, wenn er einen Wunsch hat. Daher ist es nützlich, wenn die Bedienung sich hin und wieder bemerkbar macht. Ein „Brauchen Sie etwas“, oder „Hier alles in Ordnung“ reicht aus, um wahrgenommen zu werden.
Ich erlebe hin und wieder, dass die Bedienung die Rechnung auf den Tisch legt und erst mal abwartet. Es macht mehr Sinn mit dem Gast zu sprechen und ihm den Rechnungsbetrag zu nennen. Wenn ein blinder Gast bezahlt, bekommt auch er das Wechselgeld zurück, und nicht etwa eine anwesende sehende Begleitung. Und bitte dem Blinden nicht das Wechselgeld einfach so auf den Tisch legen, oder in den Geldbeutel stecken. In die Hand geben reicht. Wenn er weitere Hilfe braucht, dann ist es an ihm diese einzufordern und zu benennen.
Möchte ein blinder Gast mit einer EC-Karte zahlen, dann braucht er Begleitung zum Kartengerät. Den Arm oder die Schulter zum Anfassen reicht aus. Man braucht den Blinden nicht vor sich herzuschieben, oder besonders festzuhalten. Er hat kein Interesse daran sich loszureißen.
Hat das Zahlungsgerät einen Touchscreen, dann kann dieser überhaupt nicht blind bedient werden. Das geht nur, wenn dieser mit fühlbaren Tasten bestückt ist. Als blinder Gast brauche ich die Information, dass ich jetzt meinen Pin eingeben darf. Beim Zahlen mit einer Kreditkarte brauche ich die Stelle, an der ich unterschreiben soll. Wenn man unter der Stelle, an die die Unterschrift soll, eine Karte oder anderen festen Gegenstand legt, macht es die Orientierung beim Unterschreiben einfacher.
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es handelt sich lediglich um ein paar Anregungen, die Ihr gern in den Kommentaren ergänzen dürft.

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Allgemein Bildung

Die Begriffe assistieren, betreuen, bevormunden

Elternabend im dritten Schuljahr. Da ich die manchmal Hand geschriebenen Informationen der Schule nicht selbst lesen kann, frage ich, ob mir jemand aus der Elternschaft bei der Informationsbeschaffung helfen kann. Ich stelle mir das so vor, dass ich einen Anruf oder eine E-Mail bekomme. Alternativ habe ich kein Problem damit regelmäßig selbst nachzufragen. Bevor sich jemand dazu äußern kann, merkt die Lehrkraft an, dass ich doch eine Betreuerin habe. Und die könne das machen. Nein habe ich nicht. Die Dame, die ich einmal zum Elterngespräch mitgebracht hatte, war eine von mir selbst finanzierte Assistentin, die einem meiner Kinder beim Lesen üben und beim Schreiben helfen sollte. Ich hatte sie mitgenommen, um die Inhalte mit der Lehrkraft abzustimmen.
„Mit uns und nicht über uns“ ist ein Slogan, der in den letzten Jahren immer mehr von den Behindertenverbänden gefordert wird. In diesem Zusammenhang tauchen auch die Worte „betreuen“, „assistieren“ und „bevormunden“ auf. Diese Begriffe möchte ich anhand eines Beispiels veranschaulichen. Denn sie bedeuten nicht dasselbe, wie viele Leute glauben.

Tina hat große Fenster, die sie aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung nicht selbst putzen kann. Sie braucht Hilfe. Und diese könnte wie folgt aussehen.

Assistieren: Jemandem nach dessen Anweisungen zur Hand gehen.
Tina beauftragt eine dritte Person mit dem Säubern der Fenster. Diese bekommt Geld dafür. Dabei bestimmt Tina selbst welches Fenster geputzt wird, wann dies passiert und wer das für sie macht. Wird die Arbeit nicht zu ihrer Zufriedenheit ausgeführt, kann sie sich jederzeit für eine andere Assistenz entscheiden, welche die Arbeit besser ausführt. Das ist ihr gutes Recht. Denn schließlich bezahlt sie für diese Dienstleistung und kann ordentlich ausgeführte Arbeit erwarten. Sie ist Arbeitgeberin.

Betreuen: Tina hat eine Person, die ihr in Situationen hilft, die sie selbst überfordert. Ihre Betreuerin hat die Aufgabe ihr bei der Durchführung der Aktion „Fenster putzen“ zu helfen. Im Idealfall spricht sie die Durchführung mit Tina ab. Sie entscheiden gemeinsam, ob Tina es zusammen mit ihrer Betreuerin selbst versucht, oder eine außenstehende Person mit dem Putzen der Fenster beauftragt wird. Die Aufgabe der Betreuerin besteht darin, Tina ein selbstbestimmtes Handeln zu ermöglichen, ohne sie dabei zu bevormunden oder zu überfordern.

Bevormunden: wie einen Unmündigen behandeln, in eigenen Angelegenheiten nicht selbst entscheiden lassen.
Eine Person aus Tinas sozialem Umfeld findet, dass die Fenster geputzt werden müssen. Sie führt diese Tätigkeit eigenmächtig durch, oder beauftragt eine dritte Person. Und zwar so, wie sie selbst es für richtig hält. Sie entscheidet über den Zeitpunkt und die Art der Durchführung. Tinas Meinung dazu spielt für sie keine Rolle. Gefällt Tina irgendetwas an der Durchführung nicht, ist Konflikt mit der Bekannten vorprogrammiert. Denn diese wird Tina wahrscheinlich Undankbares Verhalten unterstellen.

Und wenn wir schon mal dabei sind, hier noch ein paar Begriffe, die im Zusammenhang mit Menschen mit einer Behinderung gern verwendet werden.

Helfen: Dabei unterstützen ein angestrebtes Ziel schneller zu erreichen.
Eine Freundin von Tina bietet ihr an, ihr beim Säubern der Fenster zur Hand zu gehen, und spricht die Aufgabenverteilung mit ihr ab. Tina hat die Wahl die Hilfe anzunehmen oder sie abzulehnen.

In meinen Beiträgen schreibe ich immer wieder, dass ich ein großer Freund davon bin, sich benötigte Hilfe einzukaufen. Denn diese garantiert uns Menschen mit Behinderung mehr selbstbestimmtes Handeln. Das ist bei Freunden und Familie nicht immer gegeben. Ich freue mich für jeden Menschen, der Assistenz von Freunden und Familie bekommt, ohne das Gefühl ein Bittsteller zu sein. Diesen Hilfeerbringern gilt mein großer Respekt, da hier eine Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet.

Meine Erfahrungen waren oft dahingehend, dass ich schnell mal selbst ernannte Miterzieher für meine Kinder hatte. Und so etwas belastet die Beziehung zu sehr, als dass ich mir das dauerhaft geben wollte. Umso mehr schätze ich die Menschen, die mir ohne mich bevormunden zu wollen, zur Hand gehen. Daher finde ich es wichtig, dass man als Assistenznehmer die Wahl hat wessen Hilfeleistungen man in Anspruch nehmen möchte. Denn hier geht es um gegenseitiges Vertrauen und Empathie, und nicht um eine Dankbarkeitshaltung gegenüber dem Helfenden.