Sehen für Blinde im digitalen Zeitalter

Auf dem Foto halte ich mein Smartphone in der Hand.
die Kamera ist in Richtung meiner Bluse gerichtet.

Ich bin mächtig aufgeregt. Heute habe ich einen Termin mit einer Redakteurin, die über meine Arbeit berichten wird. Das Outfit dafür habe ich gestern zusammen mit einer Freundin ausgesucht und griffbereit auf einen Bügel gehängt. Also alles palletti. Wenn nicht diese blöde Milchtüte umgefallen wäre. So was passiert nur heute, und nur weil ich mich bereits angezogen hatte. Was mache ich jetzt? Es ist keiner in meiner Nähe, den ich fragen kann ob die Kleidung sauber geblieben ist. Und viel Zeit bleibt mir nicht mehr.

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Blind beim EMS-Training

Das Titelbild zeigt mich auf dem Crosstrainer, neben mir steht Christian.

Anfang 2017 besuchte ich Christian in seinem neu eröffneten EMS-Studio. Bis dahin wusste ich absolut nicht, was mich dort erwarten würde. Ich hatte nur die Information, dass ich nichts mitzubringen brauchte. Außer Sportschuhen oder Antirutschsocken. Den Rest würde es dort geben. Die Kommunikation fand per E-Mail statt, was mich positiv überrascht hat. Christian bot mir sogar an mich an der Straßenbahnhaltestelle abzuholen. Ich brauchte also keinen Weg suchen und konnte ganz entspannt hinfahren.

Heute schreibt Christian bei mir einen Gastbeitrag über EMS-Training und seine Erfahrungen mit mir beim Probetraining.

Vorab eine kurze Info, EMS steht für Elektro-Myo-Stimulation. Myo ist griechisch, heißt Muskel. Okay, dann hätte man es auch gleich Elektro-Muskel-Stimulation nennen können, aber das Andere klingt erst mal interessanter 😉

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Wie transportiert man Blinde im Auto?

Das Foto zeigt mich auf dem Beifahrersitz eines Autos mit geöffneter Tür.

Ich möchte in ein paar Tagen zu einer Veranstaltung fahren, die mich sehr interessiert. Eine Bekannte, die auch dort hin will, hat mir angeboten mich mit dem Auto mitzunehmen. Und ich habe das Angebot angenommen, da es mit öffentlichen Verkehrsmitteln einer Weltreise mit Ganztagscharakter gleicht. Mit dem Auto sind es vielleicht 20 Minuten.
Als wir uns kurz vorher zusammentelefonieren, um die letzten Absprachen zu treffen, kommt die leicht verlegene Frage von ihr, mit der ich absolut nicht rechne. Sie sagt, dass sie noch nie einen Blinden im Auto hatte. Und jetzt möchte sie von mir wissen, worauf sie zu achten habe, wenn sie einen Blinden transportiert.

Wie stellt man sich am besten hin?
Nun, am besten stellt man das Auto so hin, dass die Tür, durch welche der Blinde einsteigt, gut zugänglich ist. Also das, was man generell tun sollte. Da der Blinde das Auto nicht sieht, ist die Information hilfreich, wo das Auto steht. Man kann das beschreiben. „Das Auto steht quer vor Dir“ oder „Der Wagen steht direkt hinter Dir“. Oder man legt die Hand des Blinden darauf. Das empfinde ich vor allem dann hilfreich, wenn mehrere Autos zur Auswahl stehen. Auch ich wollte schon mal in das falsche Auto einsteigen und habe mich gewundert, warum die Tür sich nicht öffnen ließ.

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Blind heißt nicht gleich Rollstuhl

Das Bild zeigt mich am Flughafen. Im Hintergrund ist eine Anzeigetafel zu sehen.

Februar 2015, kurz vor Mitternacht. Gemeinsam mit einem sehenden Bekannten befinde ich mich auf dem Flughafen in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Wir haben an der Arab. Episkopal School für blinde Lehrer und Schüler ein Seminar zum Thema „Umgang mit dem Blindenstock möglich gemacht und befinden uns auf dem Heimweg.
Als wir die Sicherheitskontrollen passieren wollen, wird mein Handgepäck kontrolliert. Dabei sprechen die beiden Mitarbeiter die ganze Zeit mit meinem Begleiter. Dieser spricht deutsch und ein bisschen englisch, während ich auch arabisch spreche. Auch wenn es mir nicht schmeckt übergangen zu werden lasse ich es geschehen. Schließlich war es ein langer Tag. Und ich will einfach nur noch im Flieger sitzen und nach Hause. Und ein bisschen ist es ja auch amüsant den Beiden zuzuhören wie sie mit meinem Begleiter in einer Mischung aus Arabisch und Englisch sprechen, und er sich mit ebenso ein bisschen englisch zu verständigen versucht. Also alles im grünen Bereich.

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Elternassistenz in Österreich

Jakob Putz ist sehbehindert, seine Frau blind. Ihre Kinder sind normal sehend. Auf seinem Blog schreibt er über unterschiedliche Themen rund um Sehbehinderung und Elternschaft.

Heute schreibt er einen Gastbeitrag zum Thema Elternassistenz in Österreich.
Elternassistenz in Österreich
Zum besseren Verständnis, was oder wer ist Österreich? Ein Nachbarstaat von Deutschland, der – von den Einwohnern her – 2/3 von Bayern hat.
Diese Größe – und das muss doch jeder verstehen, verlangt es, das man dieses Ländchen in neun Regionen teilt. Wäre nicht weiter tragisch, würde diese Tatsache nicht heißen, dass die Behindertengesetzgebung für den Privatbereich jedes dieser neun Regionen für sich selbst regelt. So bekommt man als blinder oder sehbehinderter Mensch in der Steiermark persönliche Assistenz in Form von Persönlichem Budget, in Wien, ist man sehbehindert oder blind, nicht.

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