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Allgemein Sport und Freizeit

Blinde sollten selbstständig Sport treiben können 

Sportangebote gibt es heute genug. Fitnessstudios, Kurse für jedes Fitnesslevel und unzählige Trainingsvideos und Apps für zu Hause.

 

Eigentlich könnte man meinen, dass jeder problemlos die Möglichkeit hat, Sport zu treiben.

 

Eigentlich.

 

Denn wenn man blind oder sehbehindert ist, beginnt die Suche nach einem passenden Sportangebot oft mit ganz anderen Fragen. Werden die Übungen so erklärt, dass ich sie nachvollziehen kann? Kann ich selbstständig trainieren? Und manchmal stellt sich sogar die Frage: Bin ich dort überhaupt willkommen?

 

Ich weiß, wovon ich spreche.

 

Im Jahr 2016 wollten meine Kinder unbedingt in einem Fitnessstudio trainieren. Also ging ich mit und regelte zunächst die Verträge für meine damals noch minderjährigen Kinder. Irgendwann bekam ich selbst Lust, etwas für meine Fitness zu tun und vereinbarte ein Probetraining.

 

Das lief gut. Mir wurden die Geräte gezeigt und ich konnte sie ausprobieren. Fahrrad, Laufband und der Zirkel waren für mich ohne fremde Hilfe zugänglich. Bei einem weiteren Termin trainierte ich dann unter normalen Bedingungen. Ich fand selbstständig die Umkleide und die Geräte wieder. Zwei Übungen musste die Trainerin bei mir korrigieren – aber das tat sie auch bei anderen Trainierenden.

 

Nach dem Training sagte mir die Trainerin, dass sie kein Problem darin sehe, dass ich dort trainiere. Sie hatte erlebt, dass ich mich selbstständig zurechtfinde und trainieren kann.

 

Eigentlich hätte ich jetzt einfach einen Vertrag unterschreiben können.

 

Aber meine Mitgliedschaft musste noch vom Inhaber genehmigt werden.

 

Und plötzlich wurde aus einer einfachen Anmeldung eine Geschichte, die sich über Monate hinzog. Angeblich musste die Versicherung erst prüfen, ob ich dort überhaupt trainieren dürfte. Schließlich sei ich die erste Kundin mit einer Sehbehinderung.

 

Am Ende sollte ich nur unter besonderen Bedingungen trainieren dürfen. Man wollte eine Sondervereinbarung mit mir abschließen. Es gebe keine Kapazitäten, jemanden abzustellen, der mich herumführt. Außerdem könnten andere Mitglieder ja etwas auf dem Boden liegen lassen.

 

Dabei hatte ich längst gezeigt, dass ich mich selbstständig zurechtfinde. Und auch ein sehender Mensch kann über eine Hantel stolpern.

 

Spätestens da war für mich klar: Hier geht es nicht darum, ob ich trainieren kann. Hier geht es darum, welches Bild Menschen von blinden Menschen im Kopf haben.

 

Ich wollte keine Sonderbehandlung und keinen Aufpasser. Ich wollte einfach trainieren. So wie alle anderen auch.

 

Diese Erfahrung ist inzwischen einige Jahre her. Aber wenn ich heute über „Fitness zum Hören“ nachdenke, fällt sie mir wieder ein.

 

Denn das Problem beginnt nicht erst an der Tür eines Fitnessstudios.

 

Auch in herkömmlichen Sportkursen sind blinde und sehbehinderte Menschen nicht immer willkommen. Und selbst wenn sie teilnehmen dürfen, sind viele Angebote darauf ausgerichtet, dass man zuschaut.

 

Der Trainer macht eine Bewegung vor und sagt: „Jetzt macht ihr das genauso.“ Ein Video läuft und es heißt: „Schaut auf den Bildschirm.“

 

Aber wie soll man etwas nachmachen, das nur gezeigt und nicht erklärt wird?

 

Genau hier setzt „Fitness zum Hören“ an.

 

Statt darauf angewiesen zu sein, Bewegungen zu sehen und nachzumachen, werden die Übungen so beschrieben, dass man sie hören, verstehen und selbstständig umsetzen kann. Im Mittelpunkt stehen die Bewegung und die eigene Körperwahrnehmung.

 

Und das Schöne daran ist: Dieses Angebot ist nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet.

 

Auch sehende Menschen können davon profitieren. Denn muss man beim Sport wirklich ständig auf einen Bildschirm schauen? Vielleicht möchte man sich lieber auf den eigenen Körper konzentrieren, die Bewegung spüren und auf die Atmung achten.

 

Wir verbringen ohnehin schon einen großen Teil unseres Tages vor Bildschirmen. Vielleicht ist es manchmal sogar ganz angenehm, ihn beim Sport einfach einmal auszuschalten.

 

Bei „Fitness zum Hören“ hört man zu und setzt die Übungen um. Das macht das Angebot interessant für blinde und sehbehinderte Menschen ebenso wie für sehende Menschen, die beim Training nicht schon wieder auf einen Bildschirm fokussiert sein möchten.

 

Für mich ist das echte Inklusion. Nicht ein Angebot nur für blinde Menschen und ein anderes für sehende Menschen, sondern eines, das unterschiedliche Menschen nutzen können.

 

Und genau deshalb finde ich „Fitness zum Hören“ so wichtig.

 

Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist die Möglichkeit, selbstständig Sport zu treiben, noch immer keine Selbstverständlichkeit. Dabei geht es nicht nur um Fitness. Es geht um Gesundheit, Selbstständigkeit, Lebensqualität und darum, dazuzugehören.

 

Doch genau dieses Angebot braucht jetzt Unterstützung.

 

Damit die App betreut und weiterentwickelt werden kann, werden jeden Monat rund 10.000 Euro benötigt. Deshalb wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

 

Das Ziel ist einfach: Wenn 250 Menschen monatlich 40 Euro für eine Mitgliedschaft bezahlen würden, könnten damit die laufenden Kosten gedeckt werden.

 

Zurzeit gibt es bereits rund 80 Mitglieder. Viele zahlen allerdings noch den früheren Preis von 15 Euro oder nutzen ein kostenloses Probeangebot. Deshalb kommen derzeit nur rund 500 Euro im Monat zusammen.

 

Es fehlen also noch rund 9.500 Euro monatlich, damit die App langfristig erhalten bleiben kann.

 

Natürlich sind 40 Euro im Monat viel Geld. Der Betrag soll deshalb auch nicht dauerhaft so hoch bleiben. Zunächst geht es darum, das Überleben der App zu sichern. Danach sollen Wege gefunden werden, damit der monatliche Beitrag wieder sinken kann.

 

Und niemand muss eine Mitgliedschaft für 40 Euro abschließen. Wer bereits ein Abo hat oder sich diesen Betrag nicht leisten kann oder möchte, kann das Projekt auch mit einem kleineren Beitrag über die Crowdfunding-Kampagne unterstützen.

 

Oder ganz einfach, indem man anderen davon erzählt.

 

Denn manchmal hilft es schon, wenn eine gute Idee die richtigen Menschen erreicht.

 

Ich würde es schade finden, wenn ein Angebot verschwindet, das genau dort ansetzt, wo viele andere Sportangebote blinde und sehbehinderte Menschen noch immer ausschließen.

 

Wir reden viel über Barrierefreiheit und Inklusion. Aber am Ende zeigt sich beides im Alltag. Kann ich eine App nutzen? Kann ich einen Sportkurs besuchen? Bin ich in einem Fitnessstudio willkommen? Kann ich selbstständig trainieren?

 

Für viele Menschen sind diese Fragen selbstverständlich. Für blinde und sehbehinderte Menschen sind sie es leider noch immer nicht.

 

Deshalb braucht es Angebote wie „Fitness zum Hören“.

 

Wenn ihr mehr über das Projekt und die aktuelle Crowdfunding-Aktion erfahren möchtet, schaut euch gerne dieses Video an:

 

Zum Video: „Crowdfunding – Helft uns die App Fitness zum Hören zu retten“⁠

 

Die Crowdfunding-Kampagne zu „Fitness zum Hören“ findet ihr hier:

 

Zur Crowdfunding-Kampagne „Fitness zum Hören“⁠

  Denn Sport gehört zum Leben. Und dazugehören sollte keine Frage des Sehens sein.

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Allgemein Sport und Freizeit Zu Gast auf lydiaswelt

Wie aus einem Nein bewegte Inklusion wurde 

Wie aus einer Unterschrift, die niemand leisten wollte, ein digitales Sportangebot für tausende wurde

 

Wenn ich heute auf Bewegte Inklusion schaue, dann sehe ich kein klassisches Gründungsnarrativ. Kein Start-up-Pitch. Kein Businessplan aus der Schublade.

Ich sehe Gespräche am Esstisch. Frust. Kopfschütteln. Und irgendwann diesen einen Satz, der alles verändert hat.

 

Aber der Reihe nach.

 

Eine Geschichte, die mich nicht losließ

2017 erzählte mir meine Mutter Lydia von einem Erlebnis, das mich nachhaltig beschäftigt hat. Sie wollte – wie so viele Menschen – fitter werden und hatte ein betreutes Probetraining im Fitnessstudio vereinbart. Geräte kennenlernen, Wege erklärt bekommen, danach selbstständig trainieren. Eigentlich ganz normal.

 

Doch am Ende sollte sie, weil sie blind ohne Begleitperson trainieren wollte, einen Vertrag unterschreiben, der alles andere als normal war.

Ein Haftungsausschluss, der so weit ging, dass selbst bei einem Unfall durch defekte Geräte keinerlei Anspruch bestanden hätte. Unabhängig davon, ob eigenes Verschulden vorlag oder nicht.

 

Meine Mutter unterschrieb das nicht.

Und ich verstand sofort: Das hatte nichts mit Fitness zu tun. Das war eine Frage von Verantwortung – und von Barrieren, die oft unsichtbar bleiben.

 

Sie schrieb darüber auf ihrem Blog. Die Geschichte machte lokal die Runde, das Fitnessstudio entschuldigte sich. Doch trainieren wollte sie dort nicht mehr. Die Story könnt Ihr im Beitrag Als ich versuchte in einem Fitnessstudio zu trainieren.  nachlesen.

 

Wenn Barrieren das eigentliche Problem sind

Was danach folgte, war fast noch ernüchternder.

Ein Fitnessstudio war nur über eine viel befahrene Straße ohne Blindenampel erreichbar.

Ein anderes lag zwanzig Minuten Fußweg von der nächsten Haltestelle entfernt.

Ein drittes war gut erreichbar – aber die Geräte nur über Touchscreens ohne Sprachausgabe bedienbar.

 

Irgendwann sagte meine Mutter diesen Satz, der mir im Kopf geblieben ist:

 

Der innere Schweinehund ist schon Herausforderung genug.

Aber die Barrieren machen ihn zum kleinsten Problem.

 

Und genau da wurde mir klar: Wir reden hier nicht über Einzelfälle. Wir reden über strukturelle Hürden, die Menschen davon abhalten, etwas so Selbstverständliches wie Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.

 

Vom Kopfschütteln zum Handeln

2022 saßen wir wieder einmal zusammen beim Abendessen. Fitnessstudios kamen zur Sprache. Meine Mutter erzählte die Geschichte erneut – diesmal meinem Mann Max. Ungläubigkeit. Diskussion. Kopfschütteln.

 

Und dann dieser Moment, den ich heute als eigentlichen Startpunkt sehe.

 

Aus „Da müsste mal jemand etwas tun“ wurde:

„Dann machen wir das jetzt.“

 

Was als familiäres Gespräch begann, wurde schnell konkret. Wir wollten wissen: Wie geht es anderen? Wo hakt es wirklich?

Die Rückmeldungen aus einer Umfrage über soziale Netzwerke sowie über die Verteiler der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe waren eindeutig: Der Bedarf an barrierearmen Sportangeboten ist riesig. Das bestehende Angebot reicht nicht ansatzweise aus.

 

Anfang 2023 gründeten wir Bewegte Inklusion.

 

Meine Rolle: von Anfang an mittendrin

Von Beginn an habe ich die inhaltliche Entwicklung der Angebote verantwortet. Meine Ausbildung und Erfahrung in der Physiotherapie und Kursleitung waren dabei zentral: Wie müssen Übungen erklärt sein, damit sie ohne visuelle Orientierung funktionieren? Wie viel Anleitung ist nötig – und wann wird sie zur Bevormundung?

 

Mir war wichtig, dass unsere Angebote nicht als Insellösung wirken, sondern durchdacht, professionell und alltagstauglich sind.

 

Zunächst dachten wir regional. Doch schnell wurde klar: Das Problem existiert nicht nur hier. Es ist überall.

 

Der Schritt in die digitale Welt

Ende 2023 saßen wir wieder am Esstisch.

Die Frage diesmal: Wie erreichen wir Menschen bundesweit?

 

Die Antwort lag nahe: digital.

Aber nicht als Video. Nicht als Bildschirmformat. Hier waren der Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen BSBH und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV uns gute Helfer, um unser Angebot an Menschen mit Sehbehinderung heranzutragen.

 

Audio.

 

Ich übernahm die Projektleitung für das durch Aktion Mensch geförderte Projekt „Fitness zum Hören“. Damit war der Grundstein für die digitale Ausrichtung von Bewegte Inklusion gelegt. Im Beitrag Fitneskurse zum Hören nachzulesen.

 

Audio statt Bildschirm. Freiheit statt Abhängigkeit.

Heute verbindet Bewegte Inklusion verschiedene digitale Angebote:

 

Eine Fitness-App mit reinen Audiokursen und begleiteten Live-Kursen.

Alle Kurse gibt es in zwei Versionen: eine ausführliche mit detaillierten Erklärungen und eine kürzere für alle, die einfach ins Schwitzen kommen wollen.

 

Live-Kurse schaffen zusätzlich Raum für Austausch, Rückfragen und Motivation.

Aktuell arbeiten wir außerdem an digitalen Sportevents und an der Entwicklung kassenzertifizierter Präventionskurse.

 

Das Ergebnis? Nicht nur mehr Bewegung, sondern mehr Selbstbestimmung.

Eine Nutzerin sagt sinngemäß:

„Endlich kann ich meiner Liebe zur Bewegung nachgehen, ohne auf andere angewiesen zu sein.“

Eine andere Rückmeldung aus den Live-Kursen:

„Ich bleibe zum ersten Mal wirklich dran – weil ich mich gesehen fühle und nicht allein trainiere.“

Und spannend: Immer mehr sehende Menschen entdecken Audiofitness für sich.

Lisa sagt:

„Meine Bildschirmzeit ist schon hoch genug. Beim Sport tut es gut, mal nicht draufzuschauen.“

Tanja ergänzt:

„Mit Kindern ist Audiofitness Gold wert. Keine zusätzliche Bildschirmzeit – und ich kann im Pyjama trainieren, ohne mich schlecht zu fühlen.“

 

Was mich besonders freut:

Nicht nur blinde und sehbehinderte Menschen nutzen unsere Angebote. Immer mehr sehende Menschen entdecken Audiofitness für sich – weil sie weniger Bildschirmzeit wollen, flexibler trainieren möchten oder Bewegung besser in ihren Alltag passt.

 

Was wir gelernt haben

Bewegung braucht keine perfekten Räume.de

Keine Hochglanzstudios.

Und keine Verträge, die niemand unterschreiben möchte.

 

Sie braucht Zugang.

Sie braucht Flexibilität.

Und sie braucht Angebote, die sich an echten Lebensrealitäten orientieren.

 

Genau daran arbeiten wir bei Bewegte Inklusion – jeden Tag. Und zwar mit denen, die unser Angebot nutzen auf Augenhöhe.

 

Wenn du neugierig geworden bist, selbst ein barrierearmes Bewegungsangebot suchst, kooperieren möchtest oder als Förderpartner nachhaltige Wirkung erzielen willst:

Sprich uns an, oder schreibe eine E-Mail an info@bewegteinklusion.de.

Und so findest Du uns im Netz der Netze:
Webside ,
Facebook ,
Instagram ,
YouTube ,
– Tiktok ,
linkedin .

Denn Sport sollte kein Privileg sein.

Sondern eine Möglichkeit für alle, die Sport treiben möchten.

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Allgemein Sport und Freizeit

Fitnesskurse zum hören 

Im Jahr 2017 meldete ich mich in einem herkömmlichen Fitnessstudio an. Obgleich das Probetraining gut lief, stimmte der Inhaber meiner Mitgliedschaft nur zu, wenn ich entweder mit sehender Begleitung käme oder eine komplette Verzichtserklärung unterschriebe. Hier würde ich auf sämtliche Schadensansprüche verzichten, auch wenn das Verschulden beim Betreiber läge. Dem stimmte ich zu. Die gesamte Geschichte, die sich über ein Jahr hinzog, könnt Ihr in „Als ich versuchte, in einem Fitnessstudio zu trainieren“ nachlesen. 

Das ist kein Einzelfall. Dieser Mann wurde aus dem Fitnessstudiogeworfen, weil er eine Frau angestarrt haben soll. Holger wurde aufgrund seiner Blindheit vom Training ausgeschlossen. Diese Frau durfte nach einem Inhaberwechsel nicht mehr alleine im örtlichen Schwimmbad trainieren. Ich selbst besuchte einige Male einen Pilateskurs. Die Kursleiterin beschwerte sich anschließend beim Betreiber darüber, dass sie die Übungen immer verbalisieren sollte. 

In den letzten Jahren gab und gibt es immer wieder YouTube Videos, in denen die Übungen erklärt werden. Doch haben Menschen mit Sehbehinderung, die zu Hause trainieren, so keine Möglichkeit, ein Feedback durch die Kursleitung zu bekommen. 

2023 beendete meine Tochter ihre Ausbildung als Physiotherapeutin. Ihr Mann kommt ebenfalls aus dem Sportbereich. Gemeinsam mit meinem Mann und mir entstand die Idee für das Start-up „Bewegte Inklusion“. Angeboten werden unterschiedliche Fitnesskurse zum Hören, die durch die Möglichkeit ergänzt werden, die Übungen via Zoom erklärt zu bekommen. Das Ganze sollte digital barrierefrei sein. Nach einer Testphase, die wir mit anderen blinden Personen durchliefen, konnten wir an den Start gehen. Zum Glück bekamen wir eine Förderung durch die Aktion Mensch, die sonst nur regionale Angebote fördert. Das verdanken wir der Unterstützung des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen (BSBH), dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), dem Dezernat für Inklusion und Barrierefreiheit in Neu-Isenburg und natürlich den Betroffenen, die uns bei dem Vorhaben unterstützten. 

Mit unserem Angebot haben wir uns für den hessischen Gründerpreis beworben. Und jetzt sind wir unter den Finalisten!Das entsprechende Video dazu könnt Ihr hier anschauen. Am 01.11.2024 entscheidet sich dann, ob wir noch weiterkommen. 

Hier ist die Seite von Bewegte Inklusion. Und so gelangt Ihr direkt zu den Fitnesskursen. Die App im App-Store gibt es hier zum Download. Die Bewertungen stammen von Personen, die die App ausführlich getestet haben. 

Für die Zukunft arbeiten wir daran, dass die barrierefreien Sportangebote von „Bewegte Inklusion“ als Präventionsangebot von den Krankenkassen getragen werden. 

Und jetzt lade ich Euch dazu ein, über diesen Beitrag in den Kommentaren zu diskutieren.

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Allgemein Haushalt Sport und Freizeit Zu Gast auf lydiaswelt

Blind grillen, so gehts

Mein heutiger Gastautor Marcus Ertl hat bereits die Beiträge Lasst mich auch dabei sein und Vertrauen und zutrauen für mich geschrieben. Er ist ein blinder Familienvater und grillt mit Begeisterung.
Wenn Blinde grillen, ist das notwenige Fingerspitzengefühl gefragt.
Ein Gastbeitrag von Markus Ertl

Ja, auch blinde GrillerInnen gibt es. Und es werden immer mehr. Meine Erfahrung zeigt, dass es uns aber nicht unbedingt zugetraut wird. Aber Blinde kochen, machen den Haushalt, erziehen Kinder, gehen zur Arbeit, treiben Sport, warum dann nicht auch grillen?
Jetzt könnte die Antwort sein, weil die sich dann immer die Finger oder das Grillgut verbrennen.
Aber warum grillen dann Sehende, oder haben diese sich noch nie die Finger verbrannt oder das eine oder andere Würstchen zu Kohle verarbeitet? Eben.
Erst gestern habe ich gedacht, der Griff wäre nicht so heiß. Das hätte ich mir aber auch sehenderweise gedacht und unvorsichtig an den Griff gefasst, ohne Handschuhe zu verwenden.
Also Schluss mit dem Vorurteil und ran an den Grill!
Aber es gibt dann Techniken, die man als Blinder nutzen kann, um am Ende leckeres für sich, seine Familie und Freunde auf die Teller zu zaubern und die möchten wir zeigen und gerne für uns auch noch verfeinern.
Und deshalb gibt es nun ein Grillprojekt „Niemand grillt – blind BBQ“ mit Aytekin und mir.

Welchen Grill nutze ich?
Das ist die alles entscheidende Frage, die jeder für sich anders beantwortet. Wir möchten mit unserem Projekt auch die Händler sensibilisieren, die dann auch blinde Kunden beim Kauf besser beraten können.
Ich grille auf Kohle in einem Kugelgrill und andere eben mit Gas. Und das soll auch jeder für sich selbst entscheiden. Mir ist nur wichtig, dass Feuer kontrollierbar ist und das sollte jeder beherzigen. Deshalb nutze ich eine große Grillfläche und habe nur zur Hälfte Kohle darunter. Dann nutze ich einen Anzündkamin, den ich vollmache und so das Feuer sehr kontrolliert starten kann. 15 Minuten dauert es, bis die Holzkohle, 20 bis 25 Minuten, bis die Briketts durchgeglüht sind. Dann leere ich den „Kübel“ voller Kohle aus, und gebe je nach gewünschter Temperatur nochmals Kohle hinzu.
Dann lege ich den Grillrost darüber und schon kann es los gehen.
Was kann ich beim Grillen beachten?
Deshalb nur auf einer Hälfte des Grillrost, da ich Fleisch und anderes in meiner Kugel auch indirekt grillen mag und immer viel Platz ist, etwas aus dem Feuer herauszunehmen.
Mit der Handfläche kann ich prüfen, wie heiß die Kohlen sind und ob ich schon auflegen kann.
Nun noch ein paar Mal mit der Messingbürste über den Rost schruppen, schon zischt das Fleisch beim Auflegen auf dem Grill.
Es dürfen genauso viele Stück Grillgut auf einmal drauf, wie ich diese mir von der Anordnung noch merken kann. 40 kleine Würstchen oder 35 Cevapcici würden mich selbst überfordern, da hole ich mir sehende Unterstützung.
Was auch ein guter Trick ist, mit einer Lochpfanne zu grillen, da ich diese kurz vom Feuer nehmen kann, alles neu anordnen und weiter grillen kann. Dann übersieht man nicht einzelne Würstchen.
Wann ist das Grillgut fertig?
Hitze x Größe des Fleisches / gewünschter Gargrad ist ca. die Zeit, dabei spielt die Erfahrung eine Rolle und mit einem Druck mit dem Finger oder mit der Fleischgabel erkenne ich, erkennen auch andere, wann das Fleisch fertig ist. Es gibt hier den Drucktest, der auch am Auge oder an der Daumenwurzel geübt werden kann.
Rotes Fleisch eher saftiger lassen, Geflügel und Schwein muss unbedingt durch sein.
Und ein digitales Thermometer ersetzt auch manchmal das Fingerspitzengefühl. Oft ist es mir aber zu kompliziert, das Thermometer zu verkabeln, anzubringen und mit einer App zu verbinden. Das mache ich dann nur bei längerem Grillen von Großen Stücken.
Dazu möchte ich eine nette Anekdote erzählen. Zwei Kumpels kamen etwas später, es war schon dunkel, der eine wollte sein Fleisch medium, der andere medium rare. Die Dunkelheit machte mir ja beim Grillen nichts aus, aber die beiden brauchten eine Taschenlampe, um zu sehen, dass Ihr beider Fleisch perfekt war. Ich fragte süffisant, warum diese nicht schmecken können, was ich mit der Grillgabel spüre.

Welche extra Hilfsmittel gibt es für blinde GrillerInnen?
Ich nutze eine sprechende Küchenwage für die Vorbereitungen, das digitale Thermometer mit der Sprachausgabe auf dem Smartphone, sehr gute Grillhandschuhe, meine Fingerspitzen und meine Handflächen. Diverse Grillkörbe und am Ende eine eigene Technik, wie ich wann wie was am Besten grillen kann.
Was gibt es für besondere Grilltechniken?
Es ist zwar nichts typisches fürs blind BBQ, sondern unterstützt mich eben besser, wenn ich nichts sehe. So wechsele ich vom Indirektgrillen mit einer Tropfschale zu direkt oder umgekehrt. So grille ich z.B. Würste und Schweinebauch erst indirekt, lasse diese quasi warm werden, um dann auf dem Feuer die Röstaromen und den typischen Geschmack ran zu bekommen.
Oder bei Steaks, die erst mit viel Hitze direkt gegrillt werden, um diese dann auf indirekter zu finalisieren.
Gibt es auch Grill-Bücher in Brailleschrift?
Ob es diese bereits in Brailleschrift gibt, weiß ich nicht. Viele der Grill-Bücher gibt es aber als eBook und so kann ich auch mir gute Anregungen holen. Es gibt aber auch unzählige Foren, Rezepte-Seiten und Gruppen rund um das Thema grillen, mal mehr, mal weniger gut mit Screenreader zugänglich.

Also, die Grillsaison hat bei uns schon begonnen. Wann beginnt Sie bei Euch?
Allzeit guten Appetit!

Ich danke Marcus für seinen Erfahrungsbericht. Mehr über dieses Thema könnt Ihr auf der Facebookseite Niemand grillt lesen, die er mit einem ebenfalls grillbegeisterten Freund betreibt. Eure Fragen und Anmerkungen dürft Ihr gern in die Kommentare schreiben.

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Allgemein Sport und Freizeit Zu Gast auf lydiaswelt

Europapark – Kinder dürfen mehr als Blinde

Immer wieder werden Menschen mit Behinderung von Fahrgeschäften in Freizeitparks ausgeschlossen. Ungeachtet dessen, ob sie eine eigene Begleitperson mitbringen oder nicht. Darüber schreibt mein Gastautor Ramon Kathrein. Er ist seit Mai 2019 Stadtrat für die Liste Teilhabe und Inklusion im Freiburger Gemeinderat. Er ist seit seinem dritten Lebensjahr blind. Der Österreicher ist in Vorarlberg geboren und aufgewachsen. Den Magister in Politikwissenschaft erwarb er 2010 in Marburg. Seit 2008 lebt er in Freiburg und setzt sich dort auf kommunaler Ebene für die Themen Inklusion und Barrierefreiheit ein.

Diskriminierung blinder und mobilitätseingeschränkter Menschen bei Fahrgeschäften in deutschen Freizeitparks

Viele von euch kennen die Problematik bereits oder haben sie selbst schon erfahren müssen. In Deutschland gibt es kaum Freizeitparks, die Menschen mit Körper- oder Sinnesbehinderungen erlauben, ihre Attraktionen zu nutzen. Die Thematik ist sehr alt, ich persönlich habe mich deswegen bereits 2005 das erste Mal beschwert, viele weitere Beschwerden sind seither durch Blindenverbände, Behindertenbeauftragte, und nicht zuletzt durch Anwälte vorgebracht worden. Geändert hat sich an der Praxis dennoch wenig bis gar nichts. Der Europapark in Rust schreibt dazu auf seiner Webseite beispielsweise: „Aus Sicherheitsgründen hat uns der Technische Überwachungsverein (TÜV) nicht gestattet, die Beförderung von Menschen mit Gehbehinderungen und Blinden an folgenden Fahrgeschäften freizugeben: Abenteuer Atlantis, Alpenexpress „Enzian”, Alpenexpress Coastiality, Arthur, Atlantica SuperSplash, blue fire Megacoaster powered by Nord Stream 2, Euro-Mir, Eurosat – CanCan Coaster, Eurosat Coastiality, Fjord-Rafting, Fluch der Kassandra, Geisterschloss, Matterhorn-Blitz, Pegasus – Die YoungStar Achterbahn, Wasserachterbahn Poseidon, Poppy Towers, Schweizer Bobbahn, Silver Star, Volo da Vinci, Tiroler Wildwasserbahn, WODAN-Timburcoaster.
Wenn Sie in der Lage sind, optische Warnzeichen und Wegeleitsysteme wahrzunehmen, selbstständig zu laufen und hohe Treppenabstiege sicher zu bewältigen, dann dürfen Sie diese Fahrgeschäfte gerne nutzen.“

Nun wissen erfahrene Freizeitparkbesucher, dass es sich hier um eine ziemlich vollzählige Auflistung sämtlicher Fahrgeschäfte handelt, die für Menschen älter als drei Jahre interessant sind. Tatsächlich hatte ich in den letzten Jahren immer wieder von Menschen gehört, denen die Mitfahrt verweigert wurde, die nach stundenlangem Anstehen aus der Bahn geholt und teilweise sogar des Parks verwiesen wurden, wenn sie versuchten mit den Verantwortlichen zu diskutieren. Mir selber mag man nicht auf den ersten Blick ansehen, dass ich blind bin. Ich kennzeichne mich nicht und habe in der Regel keinen Stock dabei, wenn ich mich auf eine Begleitperson verlassen kann. Somit hatte ich bis dato mehr Glück und keinerlei Probleme, wenn ich den Europapark besuchte. Natürlich war aber auch für mich immer schon der größte Nervenkitzel abseits der Achterbahnen genau dieses stets über mir schwebende Damoklesschwert.

Ganz allgemein entspricht eine solche Regelung aber einfach längst nicht mehr den gesellschaftlichen Werten der heutigen Zeit. Auch behinderte Menschen haben längst die vielfältigen Möglichkeiten der Teilhabe an Freizeitaktivitäten bis hin zum Extremsport kennen und lieben gelernt. Längst erklimmen wir die höchsten Berge der Welt, segeln, surfen, raften oder klettern wir an allen möglichen und unmöglichen Orten, reisen, wandern skaten biken oder springen Fallschirm, kurzum, es gibt kaum etwas, was nicht in irgendeiner Form auch für blinde oder Rollstuhlfahrende möglich gemacht werden kann. Ein Verbot von Fahrgeschäften aus angeblichen Sicherheitsgründen mutet da einfach an, wie aus der Zeit gefallen und ist auch weltweit meines Wissens nur in Deutschland vorhanden.

Am 27.06.2020 war ich mit einer befreundeten Familie nach langer Zeit wieder einmal im Europapark. Auch dieses Mal war alles gut, bis ich die Tiroler Wildwasserbahn fuhr. Hier wurde ich, nachdem ich bereits mitgefahren war von einer Bediensteten angesprochen und als blind identifiziert. Sie hat uns daraufhin sehr deutlich klargemacht, dass das so nicht geht und ich das Fahrgeschäft nicht mehr benutzen dürfe. Auf eine Diskussion vor Ort habe ich verzichtet, da eine solche aus meiner Sicht das Problem nicht löst. Zur Erklärung, bei der Tiroler Wildwasserbahn handelt es sich um eine Bahn, die ab vier Jahren freigegeben ist. Man setzt sich dabei hintereinander in ein Boot, jeweils auf einen eigenen Sitz. Die ganze Fahrt besteht aus ein wenig rumschippern im Schritttempo und zwei Rampen, die das Boot nach unten fährt, um dann im Wasser aufzuplatschen. Für Kids ein riesen Spaß, für mich eher in der Kategorie gähn.

Nachdem ich also rausgeschmissen wurde, habe ich in der Woche danach eine Unterlassungsaufforderung an den Europapark formuliert da ich in diesen Vorschriften eine pauschale Diskriminierung blinder und mobilitätseingeschränkter Menschen sehe. Diese Unterlassungsaufforderung habe ich dem Europapark zugestellt und zeitgleich auf Facebook veröffentlicht. Ich habe sie auch an mehrere Hauptsponsoren gesendet, deren Namen unmittelbar mit den betroffenen Fahrgeschäften verbunden ist, darunter Mercedes Benz und Nordstream II. Nun war ich selbst erstaunt, welche Wirkung dieser Schritt vorerst entfaltet hat. Die lokale Presse hat sich umgehend bei mir gemeldet, Radio- Fernseh- und Zeitungsinterview folgten am nächsten Tag und auch die Parkleitung meldete sich. Mit dieser habe ich seither intensiven Email- und Telefonkontakt.

Die Parkleitung hat mir unmittelbar im ersten Telefonat zugesichert, dass bereits seit Längerem Möglichkeiten gesucht würden, diese Einschränkungen aufzuheben und, man höre und staune, die Benutzung durch blinde Menschen soll noch diesen Sommer ermöglicht werden. Mobilitätseingeschränkte Menschen sollen ab 2021 ebenfalls sukzessive zugelassen werden, hierfür sind Umbaumaßnahmen notwendig. Selbstverständlich werde ich nun in intensivem Kontakt mit der Parkleitung bleiben und über die weiteren Schritte gerne wieder berichten. Ich lasse sie nicht mehr vom Haken, versprochen! Dem Parkleiter habe ich angeboten, mit ihm meine erste offizielle Fahrt auf einem Fahrgeschäft seiner Wahl zu absolvieren, ich bin gespannt, ob er sich traut und ob er sich eher für den Silverstar oder lieber doch für die Geisterbahn entscheidet.

Natürlich erhoffen wir uns hier auch eine Signalwirkung für andere Freizeitparks. Wenn Ihr aber ähnliche Erfahrungen in anderen Parks gemacht habt, kann ich euch nur dazu raten, ebenfalls rechtliche Schritte zu prüfen. Auch der Europapark hätte bereits vor vielen Jahren seine Politik ändern können, die Betreiberfamilie Mack baut bereits seit etlichen Jahren barrierefreie Achterbahnen für den Weltmarkt, nur im eigenen Freizeitpark werden diese bislang nicht eingesetzt.

Ich danke Ramon für seinen Bericht, und hoffe, dass sich dahingehend etwas gegen diese Zustände tut. Habt Ihr ähnliches erlebt? Ich freue mich über Eure Beiträge in den Kommentaren.