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Stoppt die Ablehnungspraxis der Krankenkassen

Heute begrüße ich Gastautorin Andrea, die schon einmal unter dem Titel Ich will mich nicht immer rechtfertigen zu Gast auf meinem Blog war. Diesmal geht es um ein Thema, welches alle Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung und deren pflegende Angehörige oder andere Helfer angeht.

Stoppt die Blockade der Krankenkassen bei der Versorgung Schwerstbehinderter Menschen – eine längst überfällige Petition

Die meisten Menschen mit angeborenen oder erworbenen Behinderungen brauchen behinderungsbedingt medizinische oder technische Hilfsmittel, die sie bei den Krankenkassen beantragen können / müssen. Ich selbst bin von Geburt an blind und gehöre zu dieser Menschengruppe, die sich nach jeder Antragsstellung darauf einstellen muss, dass das beantragte Hilfsmittel zuerst einmal abgelehnt wird und es auf einen Rechtsstreit mit der Krankenkasse hinauslaufen kann. Das ist jedes Mal eine nervliche Zerreißprobe, die einem unter anderem auch schlaflose Nächte bereiten kann.
Dass es auch medizinische Hilfsmittel für Menschen mit Pflegebedarf gibt, die von den Krankenkassen übernommen werden müssen, darüber hatte ich mir keine Gedanken gemacht, bis mir eine Freundin erzählte, dass ihr kognitiv eingeschränkter Sohn Windeln trägt, deren Kosten von der Krankenkasse übernommen werden müssen, die nur die Kosten für Billigwindeln übernehmen, die ihren Zweck nicht erfüllen. Möchte man qualitativ höhere Windeln, müsse man die Mehrkosten selbst tragen, so die Schilderungen inzwischen einiger Betroffener. Damals war ich schockiert darüber, dass man sich als Mutter eines behinderten Kindes sogar um die Qualität und die Kostenübernahme von Windeln mit den Krankenkassen auseinandersetzen muss. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass ich über meinen eigenen, bisher „nur“ blindheitsbezogenen Tellerrand hinausschauen möchte.
Mehr als ein Jahr später schrie mir eine Petition in meiner mittlerweile um etliche Facebook-Gruppen erweiterten Blase entgegen, die uns alle angeht: diejenigen, die, völlig unerheblich mit welcher Behinderung, mit oder ohne Assistenz, ein selbstbestimmtes Leben führen, diejenigen, die in einem Heim untergebracht sind, in einer betreuten WG wohnen und / oder in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, Arbeitslose, AkademikerInnen, PolitikerInnen und die vielen Angehörigen von behinderten Kindern, die keine Lobby haben und von außen kaum wahrgenommen werden. Diese Petition vereint uns alle, egal ob arm oder reich, und sie eröffnet uns allen die Chance, auf die ich persönlich schon lange gewartet hatte, nämlich die Option, uns gegen das seit Jahrzehnte herrschende Ungleichgewicht zwischen den Krankenkassen und uns, den KundInnen, zu wehren.

Hier ein paar Beispiele an Absurditäten, mit denen Antragsteller von medizinischen Hilfsmitteln von ihrer Krankenkasse schikaniert werden:
Eltern, die für ihr Kind, das sich behinderungsbedingt verbal nicht ausdrücken kann, einen „Talker“ beantragten, der dem Kind die Möglichkeit der unterstützten Kommunikation bieten würde, wurde das Gerät mit der Begründung, das Kind sei nur zu schüchtern zum Sprechen, abgelehnt.
Einem anderen Kind wurden sogenannte „Stubbies“, Schützer für die Beinstümpfe, mit denen sich das Kind frei bewegen könnte, nicht genehmigt, weil, wie sich später heraus stellte, der für das Kind zuständige Sachbearbeiter der Krankenkasse dieses Hilfsmittel nicht kannte. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, zum Telefon zu greifen und bei den Eltern die Funktion von „Stubbies“ zu erfragen.

Viele Eltern pflegebedürftiger Jugendlicher und Erwachsener beklagen, dass deren eigene körperliche Unversehrtheit, die durch die Pflege ihrer Angehörigen in Mitleidenschaft gezogen wird, zu wenig in die Entscheidung zur Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln einbezogen wird, weshalb viele von ihnen an ihre körperlichen und psychischen Grenzen stoßen. Burnout vorprogrammiert, sagen sie.

Die Mutter eines 16jährigen Jugendlichen, der das Angelmannsyndrom hat (eine körperliche und geistige Einschränkung mit Gleichgewichtsstörungen, Epilepsie, Inkontinenz und atypischem Autismus), musste ihren 85 Kilogramm schweren Sohn, der sich seit mehreren Hüftoperationen nicht mehr selbstständig auf den Beinen halten kann, morgens vom Bett in den Rollstuhl und abends wieder ins Bett zurück heben, weil ein Patientenlifter nicht genehmigt worden war. Weil der Sohn zu schwer wurde, schlief die Mutter mit ihm zwei Jahre lang im Wohnzimmer. Die Familie badete den jungen Mann in einem Schlauchboot und duschte ihn mit einer Gießkanne ab. Es ist für mich völlig unverständlich, dass mitten in Deutschland eine Familie durch die Versäumnisse einer Krankenkasse auf eine solche Weise improvisieren muss.

Eine andere Mutter erzählt, dass für ihr Kind notwendige Therapien abgelehnt werden, die zuvor mehrmals genehmigt worden waren, mit der Begründung, es sei wissenschaftlich nicht erwiesen, dass die Therapie überhaupt etwas bringt. Und das, obwohl die Eltern Fortschritte beim Kind wahrnehmen. Durch die Verzögerung der Therapie baut das Kind allerdings erworbene Kompetenzen wieder ab.

Das sind nur wenige Beispiele der Alltagswidrigkeiten, die pflegenden Angehörigen von behinderten Kindern und Jugendlichen widerfahren.

Auch wir blinden und sehbehinderten Menschen, die ein weitgehend selbstständiges Leben führen können, müssen uns unter diesen erschwerten Bedingungen durch den Alltagswahnsinn kämpfen. Einer Dame wurde der Blindenführhund mit der Begründung, sie könne sich in einem Radius von 500 Metern mit dem Blindenlangstock gut orientieren, was für die Erfüllung der Grundbedürfnisse ausreiche. Erst nach einem jahrelangen Rechtsstreit wurde ihr der Blindenführhund zugesprochen.

Der jüngste von vier Kindern der Familie Lechleuthner ist drei Jahre und nach Hirnschäden unklarer Ursache schwerstbehindert. Der Kleine braucht vielerlei Hilfsmittel, und bei nahezu allen Anträgen kam es zu zeitlichen Verzögerungen bis zur Genehmigung. Letztlich wollte dies die Familie nicht länger hinnehmen und startete eine Online-Petition, um eine Änderung der derzeitigen Gesetzeslage zu erwirken. Ein Artikel des Donaukurier verdeutlicht die Situation der Familie. Beide Eltern sind Ärzte und möchten unter anderem nicht länger dabei zusehen, dass medizinisch nicht ausgebildete Krankenkassenmitarbeiter über eine verordnete Therapie entscheiden dürfen. Der medizinische Dienst, der aus ärztlichen, jedoch fachfremden Mitarbeitern besteht, wird von den Krankenkassen zu einer Begründung von Hilfsmittel-Ablehnungen herangezogen.
Die ärztlichen Mitarbeiter fertigen ihre Gutachten meistens nur nach Aktenlage an, ohne den jeweiligen Betroffenen jemals gesehen zu haben, was sehr oft zur Ablehnung des beantragten Hilfsmittels führt. Ein Rollstuhl, ein Pflegebett, eine Braille-Zeile, ein Blindenführhund oder ein Hörgerät wird also mit praxisfremden Begründungen abgelehnt, oder es werden vom Antragsteller nacheinander schriftliche Erklärungen für den schon längst plausibel begründeten Antrag auf das jeweilige Hilfsmittel eingefordert, die von Ärzten, Mobilitätstrainern oder Hilfsmittelfirmen erst einmal formuliert und vom Antragssteller nachgereicht werden müssen, während der einer enormen psychischen Belastung unterliegt und ohne sein Hilfsmittel nur eingeschränkt am öffentlichen Leben teilhaben kann.

Wir, die wir monatlich ordnungsgemäß unseren Versicherungsbeitrag bezahlen, werden von unseren Krankenkassen nicht wie Kunden oder Patienten, sondern wie Bittsteller behandelt.

Das sind Alltagsdiskriminierungen, die die Petitionsstarter und deren Unterstützer nicht länger hinnehmen wollen.

Mit der Petition “Stoppt die Blockade der Krankenkassen bei der Versorgung Schwerstbehinderter Kinder und Erwachsener” fordern sie

• keine systematische Infragestellung ärztlich eingeleiteter Therapien oder Verordnungen durch Krankenkassen
• direkte Kostenübernahme verordneter Hilfsmittel
• ausnahmslose Kostenübernahme fachärztlich verordneter Medikamente
• keine fachfremden Gutachten durch den MDK
• keine Gutachten nur nach Aktenlage
• keine Verzögerung der Therapien durch lange Bearbeitungszeiten der Krankenkassen
• Reformierung des MDK (Interessenskonflikt bei vollständiger Finanzierung durch Kranken- und Pflegekassen!)

Die Petition wird u.a. von, der Sprecherin für Behindertenpolitik und Bürgerangelegenheiten der Grünen-Bundestagsfraktion Corinna Rüffer, unterstützt, tausende haben sich bereits angeschlossen. Derzeit werden über 20.000 Unterschriften gezählt, angestrebt werden 50.000, um eine öffentliche Debatte im Deutschen Bundestag beantragen zu können.
Hier ist der Link zur Petition, deren Fortgang Ihr auf dem dazugehörigen Blog verfolgen könnt.

Danke Dir, Andrea, für diesen Beitrag, der in abgewandelter Form auf Kobinet-Nachrichten erschienen ist.

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Unterschriften zusammenkommen. Bitte unterschreibt, wenn Ihr unser Herzensprojekt mit unterstützen wollt. Und natürlich dürft Ihr diesen Beitrag teilen, rebloggen oder auf andere Weise weiterempfehlen. Oder Ihr schreibt Euren eigenen Beitrag über dieses Thema. Wichtig ist, dass wir es schaffen möglichst viele Unterstützer zu gewinnen, damit diejenigen, die ein Hilfsmittel brauchen, dieses ohne ständige Rechtfertigungen, Bürokratie oder fachfremde Ablehnungen bekommen.

Ansonsten freue ich mich auf eine fruchtbare Diskussion in den Kommentaren.

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Allgemein Bildung Zu Gast auf lydiaswelt

Meine Blindheit macht mich nicht traurig.

Während eines Elternabends machte der Klassenlehrer den Vorschlag eine Dunkelausstellung zu besuchen. Die Idee kam bei den meisten Eltern gut an. Nur einige Eltern meinten, dass die Kinder nicht ins Dunkle müssten, da das was ganz schreckliches sei nichts zu sehen. Daran musste ich denken, als ich einen Facebook Beitrag über Blindheit und Dunkelheit las. Ich kontaktierte den Verfasser, und konnte ihn als Gastautor gewinnen.
Per Busch erblindete 1993 durch eine Explosion. Seit 2007 engagiert er sich in der freien Blindenselbsthilfe. Lange Zeit setzte er sich vor allem für blind bedienbare Smartphones und GPS-Orientierungs-Apps ein. Heutzutage geht es ihm eher um Barrierefreiheit im Wald und die Erforschung verschiedenster Themen rund um Blindheit.

„Meine Blindheit macht mich nicht traurig, Sehende manchmal schon“:
Während der Entstehung von Dubistblind.de fiel mir neben dieser Doppeldeutigkeit auf, dass viele typische Probleme blinder Menschen sozialer Art sind und mit der evolutionär entstandenen Angst vor Dunkelheit zusammenhängen. Jeder Mensch kennt das Gefühl zwischen Beklemmung und Angst, wenn man im Dunklen plötzlich nichts mehr sieht. In der Dunkelheit fühlen sich Sehende oft unbehaglich, unwohl, angespannt, nervös, mulmig, orientierungslos, unsicher, wehrlos, hilflos, abhängig, ausgeliefert, gefangen, eingesperrt, isoliert, machtlos, passiv, ohnmächtig, eingeschüchtert, nicht gut.

Beeinflussen unbewusste Angsterinnerungen, wie sehende Menschen sich das Leben blinder Menschen vorstellen? Was sind Urängste? Warum gibt es sie? Welche Ängste haben Tier und Mensch gemeinsam? Welche Ängste kennt schon jedes Kind? Welche realen Gefahren gibt es im Dunkeln? Wie gehen sehende Menschen mit ihrer Dunkelangst um? Welche Bewältigungsstrategien haben sie? Was unterscheidet Blindheit von anderen Behinderungen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Berührungsängsten gegenüber blinden Menschen und der allen Menschen bekannten Angst im Dunkeln? Mit diesen und ähnlichen Fragen werde ich mich künftig auf https://dubistblind.de/blog beschäftigen.
In einer repräsentativen Umfrage von 2016 gaben 80% sehender Menschen an, Mitleid mit Blinden zu haben. 74% glaubten nicht, dass sie noch glücklich sein könnten, wenn sie blind wären. 53% fühlen sich in der Nähe blinder Menschen unbehaglich. 46% konnten sich kein schlimmeres Schicksal vorstellen, als blind zu sein.
Ich mag die 54%, die sich Schlimmeres als Blindheit vorstellen können. Ich mag Menschen, die mir ohne übertriebene Unsicherheit, Ängste und Fürsorge begegnen.
Unwissenheit, fehlende Erfahrung und Mitgefühl mit Blinden sind unvermeidbar und ganz normal, offen gezeigtes Mitleid und Bevormundung muss aber wirklich nicht sein.

Fazit: Für mich ist es ein Trost, dass viele andere überall auf der Welt täglich das Gleiche erleben und dass das gefühlsgesteuerte Verhalten meiner sehenden Mitmenschen ganz normal ist. Man kann es leider kaum ändern, aber wenigstens verstehen. Dann tut es weniger weh und es kann einen nicht mehr so leicht verletzen.

Warum kommen Blinde nicht in die Hölle?
Weil der Teufel Angst hat, dass sie ihm auf den Schwanz treten. 🙂
Oder mit anderen Worten: Sogar der Teufel hat Vorurteile und Berührungsängste.

Ich habe die Studie zu der erwähnten Umfrage übersetzt, stark bearbeitet zusammengefasst und mit einigen Links ergänzt. Diese könnt Ihr hier nachlesen.

Danke Dir, lieber Per, dass Du Deine Ansichten mit uns geteilt hast. Mehr über ihn könnt Ihr auf seiner kurzweilig gestalteten Seite du bist blind finden.

Und jetzt freue ich mich auf Eure Meinungen in den Kommentaren.

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Allgemein unterwegs Zu Gast auf lydiaswelt

Bahnhofsbeschreibungen für blinde Fahrgäste

Wenn mobilitätseingeschränkte Personen Hilfe beim Umsteigen brauchen, können sie sich an den Mobilitätsservice der Bahn wenden. Das muss man allerdings rechtzeitig anmelden. Wer spontan fährt, muss andere Wege finden, um an sein Ziel zu kommen. Nun ist für blinde Fahrgäste das Umsteigen an einem unbekannten Bahnhof eine Herausforderung. Daher hat mein Gastautor Sebastian ein Projekt gestartet, welches blinden und sehbehinderten Fahrgästen die Orientierung an fremden Bahnhöfen erleichtern könnte.

Hallo, mein Name ist Sebastian. Die Beschreibungen betreue ich seit 2015 inhaltlich, gemeinsam mit einem Freund, der sich um die Technik dahinter kümmert. Wir machen das rein ehrenamtlich. Wir denken, dass die Beschreibungen uns bzw. anderen blinden und nicht-blinden helfen, sich auf unbekannten Bahnhöfen zu orientieren. Nicht immer kann man Hilfe organisieren. Ursprünglich wollte ich eine Art verbale Karte vom gesamten Land machen, das erschien dann allerdings doch etwas zu ambitioniert.
Ich möchte an einem Beispiel das Prinzip erklären:
Heinz wohnt in Hamburg. Auf seinem Weg zur Arbeit muss er täglich am Hauptbahnhof umsteigen, wo er sich gut auskennt. Daher beschreibt er den Bahnhof so, dass ein Neuling, der noch nie dort war erfährt, wie der Bahnhof aufgebaut ist, welche Orientierungshilfen es gibt und vor allem wie er von einem zum anderen Bahnsteig kommt. Diese Beschreibung schickt er mir über das Kontaktformular der Seite Mobil Kuubus.
Ich lese es und prüfe, ob ich die Anweisungen nachvollziehbar und verständlich finde. Eventuell stelle ich Rückfragen und erweitere den Text mit den erhaltenen Antworten. Wenn die Beschreibung nun vollendet ist, formatiere ich sie und veröffentliche sie auf der Seite. Nun steht sie allen anderen als Hilfe zur Verfügung.
Nun möchte Heinz seinen Bekannten in Berlin Hellersdorf besuchen, wo der Bekannte ihn von der U-Bahn abholt. Heinz schaut in den Online-Fahrplan und erfährt, dass er in Berlin am Ostbahnhof auf Gleis 1 ankommt und mit der S5 bis Berlin-Wuhletal fahren soll, wo er in die U-Bahn umsteigen muss. Da er sich kurzfristig entschlossen hat, kann er keine Umsteigehilfe mehr buchen. Also schaut er auf mobil.kuubus, Sucht sich die Bahnhofsbeschreibungen heraus und erfährt, dass er in Wuhletal nur einmal den Bahnsteig überqueren braucht und dass auch der Ostbahnhof mit seinen parallel liegenden Bahnsteigen keine Hürde für ihn darstellt.
Um einen Bahnhof in der Beschreibung zu finden, hat er drei Möglichkeiten:
1.            Es gibt eine Alphabetische Liste aller Bahnhöfe
2.            Es gibt eine Liste der Bahnhöfe sortiert nach Bundesländern und
3.            Es gibt eine Suchfunktion, die eine Freitextsuche ist, also nicht nur in den Überschriften sucht.

Da das Prinzip wie bei Wikipedia ist, ist es wichtig, dass möglichst viele Nutzer Beschreibungen einreichen. Je mehr Beschreibungen es gibt, desto hilfreicher wird die Seite. Also macht die Seite bitte soweit es geht bekannt. Nicht nur in Blindenkreisen. Die Seite richtet sich gleichfalls an alle Österreicher und Schweizer, von wo ich leider noch keine Beschreibungen habe.
Bevor ihr selbst loslegt und einen Bahnhof beschreibt, solltet ihr in der Liste nachschauen, ob dieser nicht schon vorhanden ist. Änderungen und Ergänzungen sind natürlich auch willkommen.
Dabei kommt es auf jeden Umsteigebahnhof an. Auch, aber nicht nur die großen Hauptbahnhöfe. Gerade bei kleineren Bahnhöfen, wo man keine Umsteigehilfe bekommen kann und nicht immer jemanden zum Fragen findet, kann eine Beschreibung sehr hilfreich sein. Wenn ihr nicht alle Bereiche eines Bahnhofes kennt, weil ihr z. B. nur die Regionalzüge, nicht jedoch die Straßenbahn nutzt, dann beschreibt einfach nur das, was ihr kennt. Jemand anderes kann es ergänzen.
Geht bei eurer Beschreibung immer davon aus, dass der Leser noch nie auf dem Bahnhof war und womöglich vollblind ist. Schreibt zunächst grob, wie der Bahnhof aufgebaut ist. Anschließend schreibt ihr, wie man von einem Gleis zum anderen kommt, von den Fern/Regionalzügen zur S-Bahn, zur Straßenbahn, zum Bus, zum Taxi etc. Wenn ihr einen Weg für ungeeignet haltet, müsst ihr ihn nicht zwingend mitbeschreiben. Wenn ihr unsicher seid, wie ihr etwas am besten beschreibt, könnt ihr gern zwei Varianten anbieten und dies so kennzeichnen. Jeder braucht andere Worte, um etwas gut zu verstehen. Wenn euch das Schreiben zu mühsam ist, könnt ihr mir die Beschreibung auch als Audiodatei schicken. Dann tippe ich sie ab. Wenn ihr einverstanden seid, stelle ich die Audio-Datei mit auf Kuubus.mobil ein.

Danke Dir Sebastian, für diesen Beitrag. Ich wünsche Dir, dass sich möglichst viele Personen an den Bahnhofsbeschreibungen beteiligen, damit mehr Personen davon profitieren können.

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Allgemein Sport und Freizeit Zu Gast auf lydiaswelt

Europapark – Kinder dürfen mehr als Blinde

Immer wieder werden Menschen mit Behinderung von Fahrgeschäften in Freizeitparks ausgeschlossen. Ungeachtet dessen, ob sie eine eigene Begleitperson mitbringen oder nicht. Darüber schreibt mein Gastautor Ramon Kathrein. Er ist seit Mai 2019 Stadtrat für die Liste Teilhabe und Inklusion im Freiburger Gemeinderat. Er ist seit seinem dritten Lebensjahr blind. Der Österreicher ist in Vorarlberg geboren und aufgewachsen. Den Magister in Politikwissenschaft erwarb er 2010 in Marburg. Seit 2008 lebt er in Freiburg und setzt sich dort auf kommunaler Ebene für die Themen Inklusion und Barrierefreiheit ein.

Diskriminierung blinder und mobilitätseingeschränkter Menschen bei Fahrgeschäften in deutschen Freizeitparks

Viele von euch kennen die Problematik bereits oder haben sie selbst schon erfahren müssen. In Deutschland gibt es kaum Freizeitparks, die Menschen mit Körper- oder Sinnesbehinderungen erlauben, ihre Attraktionen zu nutzen. Die Thematik ist sehr alt, ich persönlich habe mich deswegen bereits 2005 das erste Mal beschwert, viele weitere Beschwerden sind seither durch Blindenverbände, Behindertenbeauftragte, und nicht zuletzt durch Anwälte vorgebracht worden. Geändert hat sich an der Praxis dennoch wenig bis gar nichts. Der Europapark in Rust schreibt dazu auf seiner Webseite beispielsweise: „Aus Sicherheitsgründen hat uns der Technische Überwachungsverein (TÜV) nicht gestattet, die Beförderung von Menschen mit Gehbehinderungen und Blinden an folgenden Fahrgeschäften freizugeben: Abenteuer Atlantis, Alpenexpress „Enzian”, Alpenexpress Coastiality, Arthur, Atlantica SuperSplash, blue fire Megacoaster powered by Nord Stream 2, Euro-Mir, Eurosat – CanCan Coaster, Eurosat Coastiality, Fjord-Rafting, Fluch der Kassandra, Geisterschloss, Matterhorn-Blitz, Pegasus – Die YoungStar Achterbahn, Wasserachterbahn Poseidon, Poppy Towers, Schweizer Bobbahn, Silver Star, Volo da Vinci, Tiroler Wildwasserbahn, WODAN-Timburcoaster.
Wenn Sie in der Lage sind, optische Warnzeichen und Wegeleitsysteme wahrzunehmen, selbstständig zu laufen und hohe Treppenabstiege sicher zu bewältigen, dann dürfen Sie diese Fahrgeschäfte gerne nutzen.“

Nun wissen erfahrene Freizeitparkbesucher, dass es sich hier um eine ziemlich vollzählige Auflistung sämtlicher Fahrgeschäfte handelt, die für Menschen älter als drei Jahre interessant sind. Tatsächlich hatte ich in den letzten Jahren immer wieder von Menschen gehört, denen die Mitfahrt verweigert wurde, die nach stundenlangem Anstehen aus der Bahn geholt und teilweise sogar des Parks verwiesen wurden, wenn sie versuchten mit den Verantwortlichen zu diskutieren. Mir selber mag man nicht auf den ersten Blick ansehen, dass ich blind bin. Ich kennzeichne mich nicht und habe in der Regel keinen Stock dabei, wenn ich mich auf eine Begleitperson verlassen kann. Somit hatte ich bis dato mehr Glück und keinerlei Probleme, wenn ich den Europapark besuchte. Natürlich war aber auch für mich immer schon der größte Nervenkitzel abseits der Achterbahnen genau dieses stets über mir schwebende Damoklesschwert.

Ganz allgemein entspricht eine solche Regelung aber einfach längst nicht mehr den gesellschaftlichen Werten der heutigen Zeit. Auch behinderte Menschen haben längst die vielfältigen Möglichkeiten der Teilhabe an Freizeitaktivitäten bis hin zum Extremsport kennen und lieben gelernt. Längst erklimmen wir die höchsten Berge der Welt, segeln, surfen, raften oder klettern wir an allen möglichen und unmöglichen Orten, reisen, wandern skaten biken oder springen Fallschirm, kurzum, es gibt kaum etwas, was nicht in irgendeiner Form auch für blinde oder Rollstuhlfahrende möglich gemacht werden kann. Ein Verbot von Fahrgeschäften aus angeblichen Sicherheitsgründen mutet da einfach an, wie aus der Zeit gefallen und ist auch weltweit meines Wissens nur in Deutschland vorhanden.

Am 27.06.2020 war ich mit einer befreundeten Familie nach langer Zeit wieder einmal im Europapark. Auch dieses Mal war alles gut, bis ich die Tiroler Wildwasserbahn fuhr. Hier wurde ich, nachdem ich bereits mitgefahren war von einer Bediensteten angesprochen und als blind identifiziert. Sie hat uns daraufhin sehr deutlich klargemacht, dass das so nicht geht und ich das Fahrgeschäft nicht mehr benutzen dürfe. Auf eine Diskussion vor Ort habe ich verzichtet, da eine solche aus meiner Sicht das Problem nicht löst. Zur Erklärung, bei der Tiroler Wildwasserbahn handelt es sich um eine Bahn, die ab vier Jahren freigegeben ist. Man setzt sich dabei hintereinander in ein Boot, jeweils auf einen eigenen Sitz. Die ganze Fahrt besteht aus ein wenig rumschippern im Schritttempo und zwei Rampen, die das Boot nach unten fährt, um dann im Wasser aufzuplatschen. Für Kids ein riesen Spaß, für mich eher in der Kategorie gähn.

Nachdem ich also rausgeschmissen wurde, habe ich in der Woche danach eine Unterlassungsaufforderung an den Europapark formuliert da ich in diesen Vorschriften eine pauschale Diskriminierung blinder und mobilitätseingeschränkter Menschen sehe. Diese Unterlassungsaufforderung habe ich dem Europapark zugestellt und zeitgleich auf Facebook veröffentlicht. Ich habe sie auch an mehrere Hauptsponsoren gesendet, deren Namen unmittelbar mit den betroffenen Fahrgeschäften verbunden ist, darunter Mercedes Benz und Nordstream II. Nun war ich selbst erstaunt, welche Wirkung dieser Schritt vorerst entfaltet hat. Die lokale Presse hat sich umgehend bei mir gemeldet, Radio- Fernseh- und Zeitungsinterview folgten am nächsten Tag und auch die Parkleitung meldete sich. Mit dieser habe ich seither intensiven Email- und Telefonkontakt.

Die Parkleitung hat mir unmittelbar im ersten Telefonat zugesichert, dass bereits seit Längerem Möglichkeiten gesucht würden, diese Einschränkungen aufzuheben und, man höre und staune, die Benutzung durch blinde Menschen soll noch diesen Sommer ermöglicht werden. Mobilitätseingeschränkte Menschen sollen ab 2021 ebenfalls sukzessive zugelassen werden, hierfür sind Umbaumaßnahmen notwendig. Selbstverständlich werde ich nun in intensivem Kontakt mit der Parkleitung bleiben und über die weiteren Schritte gerne wieder berichten. Ich lasse sie nicht mehr vom Haken, versprochen! Dem Parkleiter habe ich angeboten, mit ihm meine erste offizielle Fahrt auf einem Fahrgeschäft seiner Wahl zu absolvieren, ich bin gespannt, ob er sich traut und ob er sich eher für den Silverstar oder lieber doch für die Geisterbahn entscheidet.

Natürlich erhoffen wir uns hier auch eine Signalwirkung für andere Freizeitparks. Wenn Ihr aber ähnliche Erfahrungen in anderen Parks gemacht habt, kann ich euch nur dazu raten, ebenfalls rechtliche Schritte zu prüfen. Auch der Europapark hätte bereits vor vielen Jahren seine Politik ändern können, die Betreiberfamilie Mack baut bereits seit etlichen Jahren barrierefreie Achterbahnen für den Weltmarkt, nur im eigenen Freizeitpark werden diese bislang nicht eingesetzt.

Ich danke Ramon für seinen Bericht, und hoffe, dass sich dahingehend etwas gegen diese Zustände tut. Habt Ihr ähnliches erlebt? Ich freue mich über Eure Beiträge in den Kommentaren.

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Allgemein Alltag unterwegs Zu Gast auf lydiaswelt

Kennzeichnung im Straßenverkehr

Meine heutige Gastautorin schreibt über ein Thema, welches immer wieder unter Menschen mit fortschreitender Sehbehinderung kontrovers diskutiert wird.

Thema Kennzeichnung

Es ist ja immer wieder Thema soll ich oder soll ich nicht. Oder auch muss ich oder muss ich nicht. Hier meine Geschichte wie ich zur Kennzeichnung kam.

Ich kann verstehen, dass es eine Überwindung darstellt dich zu kennzeichnen.

Ich habe von Geburt an eine seltene Form der RP. Als meine zweite Tochter geboren wurde hatte ich mein erstes Aha-Erlebnis. Meine Große hatte ich an der Hand und die Kleine auf dem Rücken in einem Tragerucksack. Ich war im Dunkeln auf dem Heimweg von einer Freundin. Ich bin gestolpert und gefallen, weil ich eine Bordsteinkante nicht gesehen habe. Da habe ich mir gesagt jetzt ist es soweit, dass ich Mobilitätstraining machen muss. Denn ich falle nicht mehr alleine. Gesagt getan. aber ich habe den Blindenstock nur bei Dunkelheit benutzt. Leider wurden meine Augen immer schlechter. Dennoch habe ich mich nicht gekennzeichnet. Bis mein zweites Aha-Erlebnis kam. Ich war alleine auf dem Wochenmarkt und schaute auf meinen Einkaufszettel, während ich weiter lief. Dabei habe ich eine alte Dame nicht gesehen. Sie ist fast gefallen weil ich sie angerempelt habe. Wenn ich mir vorstelle sie wäre gefallen und hätte sich womöglich die Hüfte gebrochen oder sonstigen Schaden erlitten. Puuh, ich war völlig fertig mit der Welt. Da habe ich angefangen meinen Langstock auch im Hellen zu benutzen. Wenn ich mir jetzt vorstelle ich bin ohne als Mensch mit einer Sehbehinderung gekennzeichnet zu sein im Straßenverkehr unterwegs und ich übersehe ein Auto, und der Fahrer versucht mir auszuweichen und rast in eine Kindergartengruppe. Nein ich will nicht wegen Eitelkeit oder Faulheit für so was Schreckliches verantwortlich sein. Damit will ich nicht sagen dass du Eitel oder faul bist aber du musst das mit deinem Gewissen vereinbaren. Jetzt habe ich einen Blindenführhund. Dieser ist durch das weiße Führgeschirr als Assistenzhund gekennzeichnet.
Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich offen dazu stehen konnte, dass ich blind bin. Ich bin glücklich verheiratet, hab zwei gesunde Kinder und ein schönes Zuhause. Ich kann nicht gucken. Aber das ist auch der einzige Unterschied zu normal sehenden Personen. Nur wenn wir uns nicht verstecken, können wir die Menschen auf uns aufmerksam machen und zeigen, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt.
Ich appelliere an all diejenigen, die wissen, dass sie eine Sehbehinderung haben, und die sich nicht kennzeichnen wollen. Ihr schützt nicht nur Euch dadurch, dass ihr Euch kennzeichnet. Ihr schützt auch eure Mitmenschen. Und ihr helft ihnen dabei mit Eurer Behinderung umzugehen.

Danke dir, liebe Beate, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Ich weiß, dass es nicht einfach ist sich als blind oder sehbehindert zu outen. Wie oft höre ich Sätze wie „Ich sehe noch gut genug“, „Ich bin noch nicht soweit“, oder „Dann schauen die Leute immer so mitleidig“. Gerade Menschen, die sich im Prozess der Sehverschlechterung befinden, tun sich besonders schwer damit. Hier möchte ich Euch den Beitrag der Blindenstock, Stigma oder Befreiung ans Herz legen.

Und jetzt freue ich mich über einen regen Meinungsaustausch in den Kommentaren.