Autonomes Fahren, wollen wir das?

Lydia lenkt LKW in die Kurve

Am 1. April 2017 veröffentlichte ich auf meinem Blog den Beitrag Autofahren für Blinde – kein Traum mehr. Die Idee dazu kam einem Freund und mir einige Wochen davor, und war einfach nur als Aprilscherz gemeint. Ich weiß noch wie komisch es für uns beide war, als wir am 31.03. die entsprechenden Bilder machten, die in den Artikel eingearbeitet wurden. Sowohl Bilder als auch Beitrag trugen das Datum 1. April. Doch das wurde überhaupt nicht beachtet. Dafür wurde der Beitrag auf dem Blog sehr oft geteilt, kommentiert und geliked. Soweit die positive Seite.
Und es gab tatsächlich genügend Personen, die wir damit erfolgreich in den April schicken konnten. Einige wenige gingen mich an, da ich ihrer Meinung nach mit den Sehnsüchten blinder Menschen spielte. Gut, es konnten nicht alle meiner Meinung sein. Das erwarte ich auch nicht.
Ich bekam immer wieder Anfragen darüber, wo man ein solches Auto bekommt, und klärte darüber auf, dass es sich nur um einen Aprilscherz handelte.
Ungefähr ein Jahr nach Erscheinen meines Artikels schrieb mich die Mutter eines sehbehinderten Jungen an. Sie wollte unbedingt, dass ihr Sohn den Führerschein machte, und versprach sich sehr viel von selbst fahrenden Autos. Ich erklärte ihr, dass diese Autos noch ganz arg in den Kinderschuhen steckten, und nicht zu erwarten steht, dass blinde Menschen in den nächsten zehn Jahren ein Auto selbständig fahren könnten. Damit gab sie sich nicht zufrieden, und wollte an alle möglichen Stellen schreiben, damit ihr Sohn Autofahren könnte. Ich habe die Geschichte nicht weiter verfolgt. Ich wünsche uns Verkehrsteilnehmern jedoch sehr, dass die Mutter des Jungen keinen Erfolg hat. Dafür ist es einfach noch zu früh.
Das Thema autonomes Fahren wird immer wieder mal heiß diskutiert. Erst recht, wenn mal wieder Events wie „Autofahren für Blinde“ stattfinden. Diese werden von unterschiedlichen Blindenvereinen, Fahrlehrerverbänden und anderen Organisationen angeboten, und finden regen Anklang. Das erste Mal nahm ich 1995 an einem solchen Event teil, welches auf einem ehemaligen Flugplatz angeboten wurde. Und natürlich ließen es sich Fernsehen und Presse nicht nehmen darüber zu berichten. Für mich war es das erste Mal, dass ich hinter dem Steuer eines Autos saß, und erklärt bekam, wie dieses funktionierte. Für mich, die ich mich nie groß für Autos interessiert hatte, war das alles absolutes Neuland, genauso wie für den Fahrlehrer, der neben mir saß, und mir die einzelnen Handgriffe mit einer Engelsgeduld erklärte. Für mich sind solche Events nur ein Erlebnis. So wie für andere ein Konzert, eine Ausstellung oder ein Besuch im Freizeitpark. Ich verbinde damit keine Sehnsüchte für das Autofahren. Dafür habe ich über Jahrzehnte ohne eigenes Auto gelebt und quasi gelernt ohne Auto zu denken. Und auch wenn meine Kinder inzwischen beide einen Führerschein haben, sitze ich nicht mehr im Auto als vorher auch. Nicht weil ich es ablehne, sondern weil ich es anders gewohnt bin. Gleichzeitig genieße ich es auch, dass ich, wenn doch mal ein Auto notwendig ist, nicht fremd anfragen muss, sondern eines meiner Kinder bitten kann. Das ist eine Lösung, mit der meine Familie und ich gut leben können.

Und schon wieder Selbstbestimmung

Lydia steht an einem Teich mit vielen Pflanzen

Immer wieder tauchen Begriffe wie „Selbstbestimmung“ oder „selbstbestimmt leben“ in den Medien auf. Und genauso oft gibt es dazu kontroverse Diskussionen. Meist geht es um Themen wie Assistenz, Heimzwang oder andere gravierende Entscheidungen in der Lebensführung von Menschen mit Behinderung. Aber was bedeuten die Begriffe für mich im Alltag? Wo liegt meine Selbstbestimmung als blinde Mutter? Darauf möchte ich heute einmal mit ein paar praktischen Beispielen eingehen.

Als meine Kinder klein waren, brauchte ich in manchen Bereichen Hilfe. Beispiele waren der Gang mit Kleinkind auf den Spielplatz oder Ausflüge an Orte, die mir nicht vertraut waren, oder die ich aufgrund der Geräuschumgebung nicht handhaben konnte. Dazu gehören Indoorspielplätze oder Schwimmbad.
Die Kinder wurden älter, und es kamen die Bastelnachmittage, Schulfeste und die Läuse, die an vielen Kindergärten und Grundschulen Programm sind. Und dann war da noch das Lesen mit einem Schulanfänger, dass ich nicht alleine meistern konnte, gepaart mit der Ranzenpost, die meine Kinder gern mal vergaßen bei mir abzugeben.
Das sind nur einige Beispiele, für die ich mir Hilfe holen musste. Geld für Elternassistenz gab es nicht. Und so versuchte ich mir die Hilfen aus dem sozialen Umfeld zu organisieren. Das ging mal mehr mal weniger gut. Gerade Hilfe aus dem Verwandtenkreis birgt viel Stresspotential. Denn hier spielen zu viele Emotionen und verschiedene Meinungen über Kindererziehung und andere wichtige Dinge eine große Rolle. Bei mir jedenfalls hat es nicht so funktioniert, dass es mir auf Dauer eine wirkliche Hilfe gewesen wäre. Daher bin ich dazu übergegangen mir die Leistungen, die ich brauchte, irgendwie selbst zu finanzieren. Einen entsprechenden Dienstleister kann ich mit klaren Aufgaben, zeitlichen Absprachen betrauen, und dafür bekommt dieser sein Geld. Fertig! Und wenn die Zusammenarbeit nicht mehr klappt, ist es einfacher sich zu trennen.
Selbstbestimmung ist für mich aber auch, dass ich für mein Tun und Handeln allein verantwortlich bin. Menschen ohne Behinderung werden mit 18 volljährig, und können reisen, einen Vertrag in einem Sportstudio abschließen oder unbegleitet in einen Freizeitpark gehen. Blinde Erwachsene werden in vielen Freizeitparks von der Nutzung von Fahrgeschäften ausgeschlossen. Es gibt einige Fitnessstudios, die blinde Menschen ohne Begleitung ablehnen. Und viele Reiseveranstalter machen die Mitnahme einer Volljährigen Begleitperson zur Bedingung. Kurz, da bestimmen Menschen ohne Behinderung aus der Perspektive „Ich mache die Augen zu und bin hilflos“ darüber was für uns richtig und gut ist. Und das wird dann hübsch in das Sicherheitskonzept verpackt.
Besonders erschreckend dabei finde ich, dass es unter den Betroffenen viele gibt, die das richtig und wichtig finden. Blinde Menschen können nicht sehen. Das heißt aber nicht, dass sie Gefahren nicht einschätzen können.
Es kann also nicht sein, dass ich aufgrund meiner Sehbehinderung eine Begleitperson vorgeschrieben bekomme, die für mich denkt, nur weil da jemand aus der „blind ist gleich hilflos“-Perspektive sich nicht vorstellen kann, dass ich meinen eigenen Hilfebedarf einschätzen kann. Für mich läuft das unter der Kategorie, dass Sehen überbewertet wird. Dabei ist eine Sehbehinderung nur, dass die Augen nicht funktionieren wie bei einem normal sehenden Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Also, Leute, übertreibt es nicht mit Eurem Beschützerverhalten. Und wenn Ihr etwas nicht einschätzen könnt, dann sprecht mit uns, und nicht über uns. Davon haben alle Beteiligten etwas.

So, und damit hier keine Missverständnisse aufkommen, ich gehöre nicht zu den blinden Personen, die meinen alles ganz alleine und ohne fremde Hilfe tun zu müssen. Aber ich werde ziemlich sauer, wenn man mich behandelt, als sei ich nicht in der Lage eigenständig zu denken, Entscheidungen zu treffen und sie mit allen Konsequenzen zu verantworten.

Eine gekürzte Fassung dieses Beitrags erschien am 30.07.2019 im Newsletter von Raul Krauthausen, für den ich immer wieder gern schreibe.

Sommerzeit ist Gartenzeit

Lydia im Garten

Sommerzeit ist Gartenzeit. Da bilden blinde Menschen keine Ausnahme. Auch bei uns gibt es solche, die sich für die Gartenarbeit begeistern können, und andere, die damit rein gar nichts anfangen können. Und ich bin irgendwas dazwischen.
Ich liebe Pflanzen, die duften. Da wäre mein Sommerflieder, meine Tagetes oder Heliotrop, der nach Vanille duftet. Ich liebe es die Pflanzen anzufassen, und ihnen beim Wachsen zuzusehen. Jedenfalls im übertragenen Sinn.
In diesem Jahr habe ich ganz viele Kräuter im Garten, die entsprechend duften. Da wäre mein Rosmarin, Thymian, Salbei, den mir jemand als kleine Pflanze aus Jordanien mitgebracht hat, und natürlich meine marokkanische Minze, die viel Verwendung in der arabischen Küche findet. Ich liebe den Duft der Kräuter am Morgen, oder wenn sie abends gegossen werden.
Ich habe bei den Blumen darauf geachtet, dass sie Blüten haben, die man ruhig anfassen darf, ohne dass sie kaputt gehen. Ein weiteres Kriterium war, das ich auf Kontraste achte. Pflanzen, die weiß oder gelb sind, bilden einen hohen Kontrast zur Erde. Dieser reicht aus, damit ich diese mit meinem Restsehen noch optisch wahrnehmen kann.
In diesem Jahr versuche ich mich zum ersten Mal an Tomaten. Auch diese Pflanzen duften. Sie haben ihr Zuhause in einem Blumenkübel gefunden, und ich kann ihnen täglich beim Wachsen zusehen. Es ist ein Experiment, dessen Ausgang ich noch nicht kenne. Genauso wenig wie bei der Minigurke, die ich ebenfalls zum ersten Mal pflanze.
Es macht mir einfach Freude mich neben meinen anderen Pflichten diesen Pflanzen zu widmen, sie zu fühlen oder ihren Duft zu riechen. Und es freut mich, wenn sich Freunde in diesem Garten wohl fühlen.

Vieles mache ich selbst im Garten. Aber manche Arbeiten kriege ich nicht hin. Hier hole ich mir am liebsten bezahlte Hilfe. Ein Beispiel ist z. B. der Umgang mit der Heckenschere, an die ich mich bisher noch nicht getraut habe. Sich Hilfe holen ist keine Schande. Erst recht nicht, wenn dadurch die Lebensqualität verbessert wird.

Dieser Beitrag wurde als Kolumne im Newsletter von Raul Krauthausen veröffentlicht. Dieser erscheint einmal wöchentlich mit Hand verlesenen Links rund um Behinderung und Inklusion.

Update: Inzwischen reifen die Tomaten, und schmecken so ganz anders als die aus dem Supermarkt. Auch die ersten Minigurken wachsen langsam vor sich hin, und freuen sich über den heißen Sommer, der uns Menschen hin und wieder ganz schön zusetzt.

Seit 12 Jahren steht ein Feigenbaum in meinem Garten. Er kam als unscheinbares Bäumchen zu uns, und trug bisher einmal eine einzige Frucht, in die sich irgendwann eine Wespe einnistete. Seither hat er keine Früchte getragen. Ich hatte sogar mehrmals darüber nachgedacht ihn abzusägen, da er so aussah, als würde er den nächsten Winter nicht überleben. Aber irgendwie habe ich es dann doch nie getan. Und in diesem Jahr trägt er zum ersten Mal Früchte. Zwei Feigen konnten wir schon genießen. Sie schmeckten so ganz anders als die nachgereiften Früchte, die man im Supermarkt bekommt. Der Rest braucht noch so seine Zeit.

Und wie steht Ihr zum Thema Garten? Ich freue mich auf Eure Berichte und Kommentare.

Wenn die Leere um sich greift

Lydia sitzt strickend mit einer Katze auf dem Schoß auf der Couch

Bisher musste ich mich nicht wirklich um eine Tagesstruktur sorgen. Diese gaben mir früher mein Job und später meine Kinder vor. Die Ausnahme waren manchmal die Schulferien, die eine Art Ausnahmezustand für alle Beteiligten waren. Aber es war ein überschaubarer Zeitraum, den ich gut handhaben konnte. Die Kinder wurden älter, und damit wuchs auch ihre Selbständigkeit. Und so kam es, dass ich in den letzten Monaten einige Veränderungen erfahren durfte.
Meine Kinder machten jetzt ihr eigenes Ding. Ich musste keine Schulaktivitäten mehr begleiten, Elternabende besuchen oder sie beaufsichtigen. Das war ein schleichender Prozess, der mir immer mehr eigene Aktivitäten ermöglichte.
Anfang des Jahres zog mein Gastkind Amal für ein halbes Jahr bei uns ein. Neben meinen Aktivitäten habe ich mich um sie gekümmert und ihr versucht so viel wie möglich zu vermitteln. Ich denke, über Langeweile konnte ich mich während dieser Zeit nicht beschweren.
Ende Juni ging mein Gastkind Amal zurück in ihre Heimat. Zeitgleich fuhr meine Tochter nach dem Abitur ins Ausland, um mehrere Monate dort zu verbringen. Die Sommerferien standen an. Sechs Wochen lang, und nur noch ein erwachsenes Kind im Haus, welches seine eigene Tagesstruktur hatte. Auch die Lokation, wo ich zweimal in der Woche zum Töpfern gehen konnte machte für einige Wochen Ferien und auch mein wöchentliches Showdown Training fand erst mal nicht statt. Kurz: die meisten Aktivitäten, die mir einen Großteil meiner Tagesstruktur vorgaben, waren auf einmal weg.
Ich brauche ein gewisses Maß an Action in meinem Leben, um mich wohlzufühlen. Es war bisher normal für mich ein neues Projekt zu beginnen, sobald ein anderes am Auslaufen war. Doch jetzt gab es diese Action nicht mehr. Und obwohl ich das hätte kommen sehen müssen, traf es mich erst mal völlig unvorbereitet.
Die ersten 10 Tage hing ich erst mal kräftig in den Seilen. Keine Kraft mehr für nix, und zeitgleich das Gefühl, dass nichts mehr klappte, und jede Bewegung anstrengte. Zu Action gehört für mich auch ein bisschen Zeitdruck. Und dieser fehlte gänzlich. Es interessierte niemanden mehr, ob Staub gesaugt war, ich am Schreibtisch saß oder im Bett liegen blieb. Ich verstand irgendwie die Welt nicht mehr. Schließlich hatte ich mir Ruhe gewünscht. Aber so? Das tat mir nicht gut. Während dieser Zeit fehlte mir sogar die Kraft für mich selbst zu sorgen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich einfach akzeptieren konnte, dass die Dinge so waren wie sie eben waren. Wenn es sich gut anfühlte mit der Katze auf dem Schoß auf dem Sofa zu sitzen, dann war es so.
Ich brauchte eine Tagesstruktur. Das finde ich ist das Schwerste, wenn man so gar keine zeitlichen Vorgaben mehr hat. Ein paarmal schaffte ich es früh morgens ein bisschen zu laufen und mich dann irgendwo auf einen Kaffee hinzusetzen. Ansonsten lief hier zuhause alles auf Sparflamme. Manchmal griff ich zum Töpferwerkzeug, um mich damit zu beschäftigen, oder strickte ein bisschen.
Es dauerte etwa zwei Wochen bis ich so langsam aus diesem Loch gefunden hatte. Ich begann den einen oder anderen Termin zu machen, oder morgens einfach eine Runde zu laufen und mich mit einem Cappuccino zu belohnen. Und ich buchte mit meinem Sohn einen Urlaub, auf den wir uns riesig freuen. Danach mache ich mir Gedanken über künftige Aktivitäten.

Blind eine Straße überqueren

Stark befahrene Kreuzung mit mehreren Verkehrsinseln

Als ich Kind war, wohnten wir einige Jahre an einer Hauptstraße. Damals besuchte ich noch keine Blindenschule, und wusste noch nicht einmal, dass man blind eine Straße ohne sehende Hilfe überqueren kann. Das hatten mir meine Eltern verboten. Denn blind eine Straße zu überqueren war für blinde Menschen absolut gefährlich. Und ich selbst hatte letztendlich viel zu große Angst, um dieses Verbot meiner Eltern zu missachten. Später zogen wir in eine Gegend, wo es kaum Autos gab.
Hier lernte ich, dass man über eine Straße geht, wenn man kein Auto hört. Alles andere war nach wie vor Tabu. Das blieb auch so. als ich die Blindenschule besuchte. Denn auch hier gingen wir nur in Begleitung auf die Straße. Ich hörte davon, dass die älteren Schüler Stocktraining bekamen, und dann auch mal alleine raus durften. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass diese alleine über eine Ampel oder eine befahrene Straße gingen. Sicher machten sie es so wie ich, nämlich warten, bis ihnen jemand über die Straße half.
Mit dem Wechsel auf das Gymnasium in Marburg veränderte sich meine Einstellung gravierend. Hier lernte ich akustische Ampeln kennen, die bei Grün einen Ton abgaben. Dann kam das Mobilitätstraining mit dem Blindenlangstock. Und da es nun mal nicht überall blindengerechte Ampeln gibt, lernt man in einem solchen Training auch den Verkehr akustisch einzuordnen und die Ampelphasen zu hören. Wenn ich also eine Querstraße überwinden muss, höre ich nach dem Verkehr, der parallel zu meiner Laufrichtung fährt, und dem Querverkehr, also der auf der Straße, die ich überqueren möchte. Wenn nicht gerade Verkehrsinseln mit merkwürdigen Ampelschaltungen dabei sind, funktioniert das ganz gut.
Das wird im Training gelehrt, funktioniert aber nur nach viel Übung zuverlässig.
In meiner Heimatstadt wurden vor Jahren die meisten Straßen mit blindengerechten Ampeln ausgestattet. Wer die Stadt beraten hat, das weiß ich nicht. Jedenfalls handelt es sich um Ampeln, die während der Grünphase vibrieren. Nun stellen wir uns mal eine Kreuzung mit vier Ampeln vor. Damit sind wir bei acht Ampelmasten. Diese stehen gerade da, wo es irgendwie passt. Mal an der Hauswand, mal direkt am Bürgersteig oder auch mal an der Straßenecke. So, und wenn diese keinen Ton von sich geben, oder kein Leitstreifen zum Ampelmast führt, dann hat der blinde Verkehrsteilnehmer kaum eine Chance diese zu finden. Es sei denn, dass er absolut ortskundig ist, und sich mit Fleißarbeit die einzelnen Standorte eingeprägt hat. Bei solchen Ampeln suche ich nicht mehr lange nach dem Standort, sondern versuche auf den Verkehr zu hören. Das ist zwar Konzentrationsarbeit, erspart mir aber die Suche nach einer Blindenampel, die für blinde Verkehrsteilnehmer nur unter erschwerten Bedingungen auffindbar ist.
Die Ampel auf dem Beitragsfoto ist mein persönlicher Horrortrip. An dieser Kreuzung laufen zwei stark befahrene Straßen zusammen. Mehrere Verkehrsinseln machen das Ganze so richtig spannend. Und auch für den Nervenkitzel ist gesorgt, da hier besagte Vibrationsampeln ohne Bodenindikatoren stehen. Einen Ampelmast auf der Verkehrsinsel zu suchen macht besonders viel Spaß, während man dem Lärm von Bussen, LKWs und dem Autoverkehr aus allen Richtungen lauscht. Da ich es trotz jahrelanger Erfahrung nie geschafft habe mir diese Ampel anhand der Verkehrsführung akustisch zu erschließen, meide ich sie wo immer ich kann.