Zugänglichkeit bei Zeitungsartikeln

Wie viel online braucht der Mensch?

Der Tag des weißen Stocks beschließt die Woche des Sehens und findet jedes Jahr am 15.10. statt. Hier machen blinde und sehbehinderte Menschen durch unterschiedliche Aktionen auf ihre Situation und ihre Bedürfnisse aufmerksam.
Auch ich habe mich in diesem Jahr mit einer Aktion beteiligt. Ich habe mit einem Team eine Dunkelbar in meiner Heimatstadt organisiert, die wir mit Flyern, Verbreitung in sozialen Netzwerken und einer Pressemeldung beworben haben. Für die Offenbachpost war die Meldung interessant genug, um einen schönen Artikel darüber zu schreiben. Die Mitarbeiterin, die das entsprechende Interview mit mir geführt hat, schickte mir einen Direktlink zu. Außerdem hat die Frankfurter Neue Presse einen Artikel über Blindheit am Tag der Veranstaltung veröffentlicht, nebst einem Gastbeitrag aus meinem Blog. Beide Artikel waren für mich gut lesbar, da diese als für mich zugängliche Onlineausgabe verfügbar waren.
Der Tag der Veranstaltung kam, und damit auch eine Mitarbeiterin der Offenbachpost. Diese schaute sich alles an, stellte Fragen und machte ein entsprechendes Foto. Andere trauten sich offenbar nicht zu uns in die Dunkelbar. Wahrscheinlich hatten die alle Angst im Dunkeln.
Zwei Tage später wurde der Beitrag in der Printausgabe veröffentlicht. Und noch einen Tag später erfuhr ich von dessen Existenz, weil eine Freundin ihn mir vorgelesen hat. Ich fragte bei der Verfasserin nach, und erfuhr, dass dieser Artikel ausschließlich in der Printausgabe verfügbar ist. Ich habe die Verfasserin sofort darauf aufmerksam gemacht, dass dieser für blinde Nutzer damit nicht lesbar ist. Nachdem ein paar E-Mails hin und her gegangen waren, wurde der Artikel auch online verfügbar gemacht. Damit war er für blinde Nutzer, die einen PC oder ein Smartphone bedienen können, ohne fremde Hilfe lesbar.
Solche Erfahrungen machen blinde und sehbehinderte Menschen immer wieder. Dementsprechend wähle ich die Medien aus, die für mich zugänglich sind. Das kann ein Podcast sein, aber auch die Onlineausgabe einer Zeitung, deren Inhalte ich lesen möchte. Wer nur eine Printausgabe zur Verfügung steht, den lese ich einfach nicht, fertig! Jedenfalls wenn Alternativen verfügbar sind.
Im Beispiel des Artikels über mich gab es nur die Alternative, dass mir jemand diesen vorliest. Wäre er online verfügbar gewesen, hätte ich selbst lesen können was da über mich geschrieben wurde. Das heißt für mich lesen ohne Barriere. Denn wer schon mal versucht hat sich mit einem Vorlesegerät für blinde Personen durch die Printausgabe einer Zeitung zu quälen, der weiß wie zeitaufwändig das sein kann.

Liebe Medienmacher,
wenn Ihr über Menschen mit einer Sehbehinderung schreibt, dann liegt es auch in Eurer Verantwortung dafür zu sorgen, dass diese Euren Artikel auch ohne fremde Hilfe lesen können. Das geschieht mit dem PC oder einem Smartphone. Diese verfügen über die Möglichkeit sich den Artikel mittels einer Sprachausgabe, Braillezeile oder Großschrift zugänglich zu machen. Und zwar dann, wenn sie den Artikel lesen wollen, und nicht wenn irgendeine Assistenz gerade Zeit dafür hat. Wir nennen das Selbstbestimmung. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich den Beitrag mehrmals lesen und darin navigieren kann. Und ich kann ihn, wenn ich das möchte auf meinem Blog verlinken, damit meine Leser auch etwas davon haben.

Herzliche Grüße
Eure Lydia

iPhoneApps für unterwegs

Lydia mit einem iPhone, dessen Kamera auf ihr Oberteil gerichtet ist.

Da ich kein Auto oder Fahrrad fahren kann, bin ich meist zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In meinem Beitrag der Blindenstock in der Praxis beschreibe ich wie ich mich im Straßenverkehr orientiere.
Es gibt aber auch für mich Situationen, wo ich mit dem Blindenstock alleine nicht an mein Ziel kommen kann. Dann nutze ich einige technische Hilfsmittel, die mein iPhone mir bereitstellt. Diese habe ich hier einmal zusammengestellt.

Ich kann die Fahrpläne an der Bushaltestelle nicht lesen. Daher nutze ich die gut zugängliche App Abfahrtsmonitor, die mir Haltestellen des ÖPNV und die jeweiligen Streckenverläufe anzeigt. Sie kann meinen Standort feststellen und mir Haltestellen in meiner Nähe anzeigen. Außerdem kann ich mir häufig genutzte Haltestellen als Favoriten definieren, was das Auffinden enorm beschleunigt.

Wenn ich gezielt mit der Bahn fahren möchte, dann nutze ich gern den DB Navigator. Hier kann ich mir Züge inklusive Fahrpreis anzeigen lassen, ein Ticket buchen oder eine Reservierung vornehmen. Allerdings ist die Bedienung mit dem Screenreader VoiceOver etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert etwas Übung. Was auch noch nicht geht ist die kostenlose Reservierung für die Begleitperson eines Schwerbehinderten Fahrgastes. Das geht bisher nur über den Mobilitätsservice oder am Bahnschalter.

Die App Seeing Assistant AlarmGPS Lite ermöglicht es Punkte zu setzen, und ein akustisches Signal auszulösen, wenn man sich diesen auf eine vordefinierte Distanz nähert. Ich mache das gern bei Buslinien, die keine akustischen Ansagen haben. Ebenso kann man gezielt eine Adresse suchen und sich diese einspeichern. Besonders mag ich, dass man die gesetzten Punkte mit anderen Nutzern dieser App teilen kann. Zum Ausprobieren gibt es eine kostenlose Version. Nach heutigem Stand ist die App in Englisch.

Vom selben Entwickler gibt es die App Seeing Assistant Move LITE, mit deren Hilfe man Wegstrecken aufzeichnen kann. Das macht Sinn, wenn man sich nicht so stark auf einen Weg konzentrieren möchte. Ich habe das genutzt, wenn ich einen Weg mit sehender Begleitung gegangen bin, und diesen später alleine wieder finden wollte. Auf dem Weg kann man sich auch Punkte setzen, die man beschreiben kann. Beispiel: Links halten, oder auf Poller achten. Auch hier gibt es zum Ausprobieren eine kostenlose Version. Bei dieser App sollte man wissen, dass sie nicht komplett ins Deutsche übersetzt wurde.

Wenn ich einen Weg plane, dann wähle ich nicht immer die kürzeste Strecke, sondern die, welche mir leichter fällt. Ein wesentlicher Aspekt sind Straßenkreuzungen. Manche kann ich gut nach Gehör überqueren, oder es gibt blindengerechte Ampeln. Die App Ampel-Pilot verspricht Abhilfe, indem sie die Rot- bzw. Grünphase erkennt. Allerdings ist sie mit Vorsicht zu genießen. Ich empfehle aus Sicherheitsgründen die ersten Tests mit einer Ampel durchzuführen, die man gut kennt. Alternativ würde ich erste Tests gemeinsam mit sehender Begleitung durchführen. Diese App befindet sich noch in der Testphase, hat jedoch Potential.

Die App ist eine Navigationshilfe für blinde Nutzer, die mir gerade in einer fremden Umgebung eine große Hilfe ist. Ich kann ein Restaurant, ein Hotel oder einen Bahnhof heraussuchen, und mir anzeigen lassen in welcher Richtung und wie weit entfernt dieser von mir ist. Und ich kann diese Informationen einer Navigationsapp übergeben, die mich hin navigieren kann. Plane ich eine Reise an einen fremden Ort, kann ich diesen von zuhause aus simulieren und mir schon mal die Umgebung ansehen. Diese App ist sehr umfangreich. Man sollte sich daher ein bisschen Zeit für die Einarbeitung nehmen.

Die App Myway Klassik vereinigt mehrere Funktionen, für die blinde und sehbehinderte Anwender sonst mehrere Apps gleichzeitig nutzen müssen. Die App verfügt über ein klassisches Fußgängernavigationssystem, ermöglicht es einen Überblick über die unmittelbare Umgebung zu bekommen und verfügt über die Möglichkeit Routen aufzuzeichnen.
Orientierungspunkte können selbst gesetzt werden benannt und mit eigenen Navigationsanweisungen versehen werden. Die Punkte und Routen können
verschickt und von der App eingelesen werden. Dies ermöglicht den gegenseitigen Austausch von Routen. So legt der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband Wanderrouten auf einem Server ab, die sich blinde Wanderer dann herunterladen und zur eignen Begehung von Wanderwegen nutzen können.
Doch es gibt auch Situationen, in welchen sehende Hilfe nötig ist. Hier habe ich die App
Be My Eyes – Helping blind see zu schätzen gelernt. Damit kann ich über Videotelefonie auf ein weltweites Helfernetzwerk zugreifen. Die sehende Hilfe kann durch meine Kamera blicken und mir die beispielsweise helfen die gesuchte Steckdose im Hotelzimmer oder die heruntergefallene Brille zu finden.

Das war eine kleine Auswahl von Apps, die ich im Alltag nutze. Und es ist gut, dass es inzwischen eine beträchtliche Auswahl dieser Alltagshelfer gibt, die uns Menschen mit einer Sehbehinderung zu mehr Lebensqualität und räumlicher Unabhängigkeit verhelfen.

Blind und selbstbestimmt wählen

Wahlbenachrichtigung, Wahlschablone der BTW 2017 und Info-CD des BBSB liegen auf einem Tisch

Heute schreibt mein Gastautor Markus Ertl über das Thema blind wählen.

Als bekennender Demokrat, ist es mir eine selbst auferlegte Bürgerpflicht, mein Wahlrecht auszuüben.
In der Zeit, in der ich noch ausreichend sehen konnte, war Wählen kein Problem. Blind wählen ist aber eine größere Herausforderung.
Gerne erzähle ich, wie Blinde das mit dem Wählen hinbekommen und wobei es noch Probleme gibt.

Informationen über die und von den Parteien

Wie jeder andere auch, beziehe ich viele Informationen über die allgemeinen politischen Geschehnisse aus den gängigen Medien.
Wenn die Medien für Blinde gut zugänglich sind, dann ist das kein Problem. Ein TV-Gerät mit Sprachausgabe und Alexa lassen hier die TV- und Rundfunksender leicht bedienbar werden. Zeitung und Zeitschriften im ePaper-Format kann ich mir auch vorlesen lassen, oder ich übertrage alles auf meine Braille-Zeile, ein Gerät, welches mir den Text in Braille-Schrift spürbar macht.
Auch wenn es gerade ein bisschen besser wird, vermisse ich bei den Parteien aber immer noch die Informationen in einer Form, dass ich als Blinder mit einer Spezial-Software alles lesen kann. Oft scheint es mir so, als wären wir keine Wähler, die Stimmen brächten. Aber da sind fast alle Parteien gleich schlecht bei der fairen Teilhabe an politischen Informationen.
Wenn ich jetzt, wie viele andere Wähler auch, gut informiert bin, kann die Wahl kommen. Fast! Ich brauche noch die Wahlbenachrichtigung von meiner Gemeinde.

Ist die Wahlbenachrichtigung ein zugängliches amtliches Schriftstück?

Wenn ich als Blinder dies in Braille-Schrift oder irgendwie in digitaler Form bekomme, dann kann auch ich das alles lesen.
Aber bisher habe ich nur immer eine Wahlbenachrichtigung in Postkarten-Format mit ganz vielen Informationen in kleiner Schrift bekommen. Bis auf die letzte Bundestags-Wahl, hier war es ein Word-Dokument, in dem alle Daten für mich am PC eindeutig lesbar waren. Hierfür musste ich aber extra nachfragen.

In der Wahlbenachrichtigung ist zu lesen:

  • Der Ort seines Wahl-Lokals
  • ob das Wahllokal barrierefrei zugänglich ist
  • ob und wo es Wahlschablonen für Blinde und Sehbehinderte gibt

Meine Briefwahl-Unterlagen konnte ich dann wieder bei der Gemeinde bestellen. Ich war nur neugierig, wie das Ganze dann so abläuft. Ich habe die Briefwahlunterlagen dann doch mit ins Wahllokal genommen.

Anforderung von Wahlschablonen

Wahlschablonen helfen uns Blinden, selbstständig und ohne fremde Hilfe unser Kreuz für die gewünschte Partei auf dem eigentlichen Stimmzettel zu machen.
Die Schablone ist genau so groß, wie der eigentliche Bogen für die Wahl. Der Stimmzettel kann bei der Wahlschablone zur besseren Fixierung zwischen zwei dicken Karton-Blättern eingelegt werden.
Wo der Sehende die Kreise sieht, fühle ich die Runden Löcher und weiß mit Hilfe einer daneben stehenden Nummerierung, wo ich mein Kreuz machen kann.
Die Wahlschablonen werden oft von den Blindenverbänden des jeweiligen Bundeslandes gefertigt Mitglieder bekommen diese automatisch zugesandt. Wer nicht Mitglied ist, der kann dort anrufen und sich die Schablone bestellen.
In der Post mit der Schablone kommt auch eine Hör-CD mit ins Haus. Hier kann ich mir anhören, wie die Schablone gestaltet ist und ich diese verwenden kann. Darauf finde ich auch Wissenswertes über den Wahlvorgang und den aufbereiteten Wahlinformationen der einzelnen Parteien.
Ich wünsche mir trotzdem, dass die Parteien Ihre Informationen bereits auf deren Internetseiten so aufbereiten, dass ich bereits dort als Blinder alles gut lesen kann.
Bei der Bundestagswahl 2017 habe ich dann eine solche Postwurfsendung meines Blindenverbandes 3-4 Wochen vor der eigentlichen Wahl bekommen.
Bei der kommenden Landtagswahl gibt es keine Schablone, und ich darf mit einer Person meines Vertrauens wählen.
Aber was ist mit dem Wahlgeheimnis?

Geheim wählen, auch für Blinde möglich?

Eigentlich sagt das Grundgesetz in Deutschland und die Verfassung in Bayern, dass geheim gewählt werden können sollte.
Jetzt frage ich mich, wie geheim wählen ohne Schablone geht. Ich habe dann einen Wahlzettel vor mir und ich weiß zwar wen ich wählen möchte, nur nicht wie.
Nun sagt die Landeswahlleitung, wir Blinde können ja mit Assistenz wählen und das ist laut Landeswahlgesetz auch erlaubt. Im Gesetz steht, wer aufgrund seiner Behinderung sein Kreuz nicht selbst machen kann und den Wahlzettel nicht selbst in die Urne werfen kann, darf die Hilfe einer Person seines Vertrauens in Anspruch nehmen. Das ist ja auch wichtig.
Es fühlt sich trotzdem überhaupt nicht gut an, sollte jemand anderes „mein Kreuz“ für mich bei einer geheimen Wahl machen können. Bei der Bundestagswahl konnte ich es ja auch.

Aber mit dieser Forderung:
„Ungehindert geheim wählen können wollen!“
Bin ich gerade in Bayern sehr aktiv

Aber warum ist mit Assistenz wählen denn so schlimm und geheim wählen so wichtig?
Es darf sich jeder einmal kurz vorstellen, nicht er, sondern eine andere Person soll für ihn selbst bei der Wahl abstimmen. Jetzt stellt sich jeder noch zusätzlich vor, dass er/sie selbst vielleicht eine Partei wählen möchte, dies aber aus gewissen Gründen keiner wissen darf. Ist hier eine indirekte Beeinflussung nicht vorprogrammiert? Genau das macht für mich den Unterschied.

Wahllokal, wirklich barrierefrei, wie es auf dem Wahlzettel steht?

Hoffentlich ist es mindestens für Rollstuhlnutzende barrierefrei, denn für Blinde und Sehbehinderte ist es dies zu 98 Prozent nicht.
Es gibt hier eine DIN-Norm, die uns Seheingeschränkten den Zugang zu öffentlichen Gebäuden ermöglichen, mindestens aber erleichtern soll.
Und wenn schon auf der Wahlbenachrichtigung barrierefrei drauf steht, dann sollte man auch die örtliche Wahlleitung immer wieder darauf hinweisen, was barrierefrei denn überhaupt im Ganzen bedeutet. Hoffentlich gibt die Wahlleitung dies dann auch einmal an das Baureferat der Kommune weiter. Vielleicht werden dadurch nicht nur die Wahllokale besser zugänglich.

Und jetzt ist endlich Wahlsonntag

Wir gehen immer zusammen mit unseren Nachbarn. Es hat sich hier ein kleines Ritual entwickelt. Denn wie gesagt, wählen gehen ist Pflicht, warum sollte man daraus keine schöne Pflicht machen.
Denn nur wer wählen geht, darf auch die nächsten Jahre wieder mitschimpfen.
Und zum Schluss hoffe ich, dass auch die Wahlergebnisse im Internet unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit-Standards veröffentlicht werden.

Markus Ertl ist Inklusionsbotschafter, und hat sich dem Thema Barrierefreiheit verschrieben. Im Beitrag „Lasst mich auch dabei sein“ schreibt er darüber.

Und nun freue ich mich auf einen regen Austausch in den Kommentaren.

Kreuzfahrtanbieter diskriminiert blinde Fahrgäste

Ein blinder Mann mit Kreuzfahrtschiff im Hintergrund

In diesem Jahr wollten wir eine andere Form von Urlaub ausprobieren, nämlich eine Woche Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer. Der Anbieter Costa Cruises wirbt damit, dass blinde Menschen mit dem Merkzeichen B eine Begleitperson kostenlos mitnehmen dürfen. Für diese Begleitung entstehen lediglich die Transfer- und flugkosten. Entsprechend wurden wir an der Hotline von einem Mitarbeiter beraten. Wir buchten für uns Erwachsene mit jeweils einem Kind als Begleitperson. Die Kinder waren zum Zeitpunkt siebzehneinhalb und fast 19 Jahre alt.
Vier Tage später kam die Ernüchterung. Unser Sohn wurde nicht als Begleitperson akzeptiert, da er noch nicht volljährig ist. Der Reiseanbieter verlangte von uns eine volljährige Begleitperson für jeden Blinden mitzunehmen, oder die Reise zu verschieben, bis unser Sohn volljährig sein wird.
Ich habe über einen Zeitraum von einer Woche mehrere E-Mails geschrieben, um die Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen. Danach habe ich die Reise storniert.
Costa Cruises verlangt für blinde, gehörlose und gehbehinderte Reisende eine volljährige und gesunde Begleitperson. Diese muss mit dem behinderten Gast gemeinsam in einer barrierefreien Kabine reisen. Der Anbieter begründet das wie folgt: Im Fall einer medizinischen Notausschiffung muss die Begleitperson in der Lage sein für den behinderten Reisenden die entsprechenden Dokumente zu unterzeichnen. Hier ein Einblick in die Reisebedingungen für Menschen mit Behinderung bei
Costa Cruises.

Welche Hilfe brauchen mein Mann und ich?

  • Hilfe beim Erlernen neuer Wegstrecken
  • Hilfe beim Zusammenstellen der Mahlzeit auf einem Büfett.
  • Hilfe beim Lesen von Aushängen.
  • Hilfe bei der Orientierung auf neuen Wegstrecken.

Bei diesen Aufgaben handelt die Begleitperson nach meinen Anweisungen. Sie trägt also keinerlei Verantwortung, die eine Volljährigkeit voraussetzt.
Meine Kinder mussten bisher noch nie Dokumente für meinen Mann und mich unterschreiben. Dürfen sie auch nicht. Es sei denn, sie haben eine entsprechende Vollmacht von uns. Ich brauche weder eine Betreuung, noch eine Pflegekraft. Ich brauche lediglich hin und wieder jemanden, der mir quasi ein Auge leiht.

Blinde werden diskriminiert.

Bei mir sind es nur die Augen, die nicht funktionieren. Ich weiß was ich kann, und wo meine Grenzen sind. Ich habe eine sichtbare Sinnesbehinderung, daher empfinde ich es als Diskriminierung, wenn mich der Reiseanbieter auf dieselbe Stufe stellt, wie ein minderjähriges Kind. Bei Senioren wird doch auch nicht gefragt, ob diese körperlich in guter Verfassung sind. Und was ist mit Passagieren, die ihre Erkrankung nicht angeben? Was ist mit Passagieren, die aufgrund von Alkohol- oder dem Einfluss von Medikamenten stehen?

Was ich gern möchte

Ich möchte gern an die Öffentlichkeit bringen, dass dieser Reiseanbieter zwar damit wirbt Menschen mit Behinderung mit dem Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis die kostenlose Mitnahme einer Begleitperson zu gewähren, jedoch diese quasi entmündigt. Inklusion sieht anders aus.
Doch nicht nur Costa Cruises legt ein solches Verhalten an den Tag. Auch Der Anbieter TUI Cruises verbietet unserem Personenkreis das Tendern. Das heißt, dass blinde, gehörlose und körperlich eingeschränkte Passagiere an Bord bleiben müssen, wenn an kleineren Häfen angelegt wird, und der Umstieg auf kleinere Boote erforderlich ist. Hier kann man die Bedingungen zum
Landgang für Menschen mit Behinderung nachlesen. Auch hier besteht der Anbieter auf eine volljährige Begleitperson in der barrierefreien Kabine. Trotz mehrfacher Versuche den Anbieter zum Umdenken zu bewegen erweist auch er sich als hartnäckig lernresistent.

Das brauche ich zum blind Bloggen

Lydia sitzt am Schreibtisch, auf dem ein Computerarbeitsplatz steht.

Es muss wohl im Sommer 2016 gewesen sein als ich einen meiner Blogbeiträge auf Facebook teilte.

Ich bekam ein paar Likes und Kommentare dazu. Die meisten lobten meine Arbeit. An einen Kommentar erinnere ich mich genau, da dieser darauf hinwies, dass mein Beitrag zwar einige Rechtschreibfehler enthält, dafür aber ganz gut sei. Jedenfalls für mich als blinde Schreiberin. Okay, den Hinweis auf Fehler finde ich grundsätzlich gut. Dann habe ich die Chance diese zu beseitigen. Nur nicht in einem als öffentlich deklarierten Beitrag auf Facebook. Und schon gar nicht den Hinweis, dass der Text für einen Blinden ganz gut geschrieben sei. Das hörte sich an wie „Bei Blinden geht man von mangelhafter Rechtschreibung aus“. Und das fand ich dann doch nicht so prickelnd.

Damals wurschtelte ich ganz alleine auf meinem Blog herum. Also nahm ich mir die App von WordPress vor, und versuchte die entsprechenden Tippfehler auszumerzen. Dabei stellte ich fest, dass dies nicht möglich war. Ich bekam nicht die Stelle vorgelesen, an der ich mich befand, sondern was ganz anderes. Also nahm ich mir meine Ursprungsdatei vor, beseitigte die Tippfehler, und setzte sie erneut ein. Und da auch hierbei die Zusammenarbeit mit dem Screen Reader Voiceover nicht funktionieren wollte, war das ein zeitintensives Unterfangen. Erst recht, da WordPress für mich noch etwas Neuland war. Ich habe dann den Support angeschrieben, und hoffe bis heute, dass die Navigation etwas besser funktioniert.

Auf dem PC funktioniert es teilweise, nur nicht mit dem Screen Reader, den ich am besten kenne. Daher habe ich irgendwann entschieden, dass mich diese Arbeiten zu viel Zeit kosten. Ich schreibe meine Beiträge, und gebe den Rest an eine sehende Assistenz ab. Diese schafft es in einem Bruchteil der Zeit Formatierungs- oder Tippfehler auszumerzen, den Beitrag an die richtige Stelle einzusetzen, und Fotos nachzubearbeiten und an die richtige Stelle zu setzen. Sobald das geschehen ist, lese ich noch mal drüber, füge Schlagwörter oder andere Details ein, und kann den Beitrag dann guten Gewissens veröffentlichen.

Was muss die Assistenz mitbringen?
Ich brauche jemanden, der gute PC-Kenntnisse hat, eine gute Rechtschreibung und eine Idee davon wie ich arbeite. Und ganz wichtig: Vertrauen zu der Person, die hier Beiträge aus meinem Alltag bearbeitet. Und da mein Blog regelmäßig erweitert wird, brauche ich hin und wieder jemanden, der an meiner Seite bastelt. Diese Hilfen kaufe ich mir gern ein.

Unter meinen Lesern habe ich welche, die meine Beiträge verlinken, teilen, oder mich finanziell unterstützen, ohne etwas dafür zu bekommen. Das möchte ich ab sofort ändern. Damit ich weiterhin gute Beiträge machen kann, brauche ich diese Unterstützung. Daher habe ich mir ein paar Dinge überlegt, die ich als Gegenleistung für finanzielle Unterstützung anbieten kann. In einem Werbespot käme jetzt die Stimme, die ganz enthusiastisch sagt: „Ab 5 € seid Ihr dabei“. Und da ich selbst nur selten auf solche Stimmen reagiere, habe ich die Möglichkeiten und was Ihr für welche Unterstützung von mir bekommt, direkt auf Steady erklärt.

Was ist Steady eigentlich?
Steady ist eine Crowdfunding-Plattform der etwas anderen Art. Wie beim normalen Crowdfunding stellen die einen ihre Projekte vor und die anderen entscheiden, ob sie das Projekt finanziell mit kleinen Geldbeträgen unterstützen möchten. Beim üblichen Crowdfunding ist es so, dass das versprochene Geld dann einmalig ausgezahlt wird. Das passiert aber nur dann, wenn die Wunschsumme des Projekt-Einstellers bis zum vorher dafür festzulegenden Zeitpunkt erreicht wird. Ansonsten war alle Mühe umsonst und sowohl die potenziellen Unterstützer, als auch der Projektinhaber sind bitter enttäuscht.

Bei Steady gibt es ein anderes Konzept. Steady zieht das Geld sofort ein und zahlt das für den laufenden Monat gesammelte Geld dann im Folgemonat an die Projektinhaber aus. Und das passiert unabhängig davon, ob das jeweilige Ziel schon erreicht wurde oder noch nicht. Steady bietet mir die Möglichkeit, meinen Unterstützern dafür verschiedene Abo-Pakete anzubieten. Die Pakete können dabei so einfach gekündigt werden, wie Du sie abschließt, online, mit ein paar Klicks. Alle von mir angebotenen Steady-Pakete sind Pakete mit monatlichem Abonnement. Sie können daher auch monatlich gekündigt werden. Meine Steady-Unterstützer bekommen als Dankeschön von mir unterschiedliche Gegenleistungen. Welche das sind, hängt davon ab, für welches Abo-Paket Du Dich entscheidest. Wenn Du diesem Link folgst, erfährst Du mehr darüber.

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