4 wirksame Tips einen Blinden zu stressen

Lydia läuft mit Blindenstock eine Treppe hoch

Rufen Sie einen Blinden spät abends an, und verlangen Sie einen Gegenstand zurück, der sich seit Monaten in seinem Besitz befindet. Machen Sie deutlich, dass sie diesen, und nur diesen Gegenstand jetzt brauchen, und in Kürze jemanden schicken, der diesen abholen wird. Achten Sie darauf, dass der Blinde wirklich allein zuhause ist, und beschreiben Sie den Gegenstand möglichst farbenfroh. Erfinden Sie eine glaubhafte Geschichte, und lassen Sie sich nicht dadurch irritieren, dass er sich nicht daran erinnern kann. Für hart gesottene Blinde eignen sich besonders Hand geschriebene Dokumente, die kein Vorlesegerät erkennen kann.
Sie sind besonders hilfsbereit, und lieben Ordnung? Prima. Bieten Sie ihrem blinden Bekannten an während seiner Abwesenheit an seine Blumen zu gießen, und räumen Sie vor seiner Rückkehr seine Wohnung auf. Vergessen Sie dabei nicht die Wohnung ein bisschen zu dekorieren. Leben Sie ihre Vorstellungen komplett aus. Achten Sie darauf, dass Sie dem Blinden nichts von der Überraschungsaktion verraten, und stellen Sie sicher, dass er seine Wohnung alleine betritt. Gönnen Sie sich nach der vielen Arbeit etwas Ruhe, und schalten Sie ihr Mobiltelefon für einige Stunden aus. Machen Sie einen Spaziergang oder setzen Sie sich in ein Kaffee.
Sie sind ein aufmerksamer Beobachter, und wollen nur das Beste für andere Menschen? Prima, dann gibt es auch für Sie die richtige Aufgabe. Passen Sie einen blinden Fußgänger ab, und laufen Sie ein paar Schritte hinter ihm. Kommentieren Sie lautstark jeden seiner Schritte und alles was er mit seinem Blindenstock berührt. Passen Sie sich unbedingt an die Laufgeschwindigkeit des Blinden an, und reden unentwegt mit ihm. Lockern Sie ihre Kommentare mit Sätzen wie „Das machen Sie ganz toll“ oder „Machen Sie langsam“ auf. Lassen Sie sich auf gar keinen Fall dadurch ablenken, dass der Blinde ihre Hilfe ablehnt. Halten Sie das Gespräch auf jeden Fall am Laufen. Haben Sie einen behinderten Menschen in der Verwandtschaft? Nur zu, erzählen Sie dem Blinden davon, und vergleichen die Beiden miteinander. Schließlich handelt es sich dabei um Leidensgenossen, die ruhig voneinander erfahren sollten.
Sie arbeiten in einem Restaurant, einem Café oder Kneipe. Sehr gut. Dann steht auch Ihnen eine Reihe von Möglichkeiten offen. Kommt ein Blinder mit Begleitung rein, dann sprechen Sie ausschließlich mit ihr. Fragen sie nach was er essen oder trinken möchte. Kommt der Blinde alleine, dann schieben Sie ihn zum Tisch, und vergessen nicht ihm den Stuhl unter den Hintern zu schieben. Wenn Sie sich entfernen, tun Sie das möglichst unauffällig. Lassen Sie sich nicht dadurch irritieren, dass der Blinde ins Leere spricht. Sprechen Sie besonders laut und gut artikuliert mit ihm, und bieten Sie ihm lautstark an sein Fleisch kleinzuschneiden. Stellen Sie ab und zu unauffällig sein Getränk um. Sprechen Sie möglichst wenig mit dem Blinden, und erwarten sie, dass er selbst aktiv wird. Beim Bezahlen reicht es dem Blinden die Hand geschriebene Rechnung hinzulegen. Wenn er sagt, dass er diese nicht lesen kann, bekunden Sie Ihr Mitleid, und fragen Sie unbedingt nach, ob man da wirklich nichts machen kann.

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade Entspannung und Stressbewältigung – Wie macht Ihr das? Von kommunikatz Teil. Mein Beitrag beinhaltet nur Anregung. Er erhebt also keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Daher freue ich mich auf weitere Anregungen in den Kommentaren.

Meine Anforderungen an eine Haushaltshilfe

Saubermachen ist für mich persönlich eine Aufgabe, die ich gern abgebe. Denn ich brauche das Vielfache an Zeit dazu. In einem späteren Beitrag werde ich darauf eingehen wie ich ohne zu sehen putze.

Die richtige Haushaltshilfe zu finden empfinde ich als große Herausforderung. Neben denselben Anforderungen, die eine normal sehende Person an eine Haushaltshilfe hat, kommen bei mir noch einige andere, die mit meiner Sehbehinderung zu tun haben. Ich möchte versuchen meine Wünsche vor allem normal sehenden Lesern anhand einiger Beispiele zu veranschaulichen.

Kommunikation in einer mir geläufigen Sprache

Für mich heißt das, dass meine Haushaltshilfe ausreichend Deutsch spricht, um sich mit mir über die Aufgaben unterhalten zu können. Es reicht nicht aus, dass sie mir zeigt, dass eine bestimmte Sache getan werden muss. Sie sollte in der Lage sein das in Worten auszudrücken. Denn mit Gestik und Mimik kommen wir bei meiner Sehbehinderung nicht weiter.

Vor gut 20 Jahren hatte mir eine türkische Nachbarin eine Putzhilfe vermittelt, die mich wöchentlich für 2 Stunden unterstützte. Das Problem war nur, dass sie so gut wie kein Deutsch sprach, und meine Kenntnisse der türkischen Sprache sich auf Begrüßung und dreieinhalb weitere Sätze beschränkte. Wenn es also etwas mitzuteilen gab, war ich auf die Hilfe meiner Nachbarin angewiesen. Inklusive Interpretationsfaktor bei der Übersetzung war das ziemlich anstrengend. Daher hielt das Ganze nur einige Wochen. Ich denke, wir hatten das beide einfach unterschätzt.

Eigenständiges Arbeiten.

Da ich der Haushaltshilfe nicht sagen kann wo genau geputzt werden muss, ist es wichtig, dass sie eigenständig arbeitet. Es gibt zwar gewisse Dinge, die jedes Mal drankommen, wie das Wischen der Fußböden. Sie sollte aber auch selbst sehen, wenn es irgendwo noch was zu tun gibt. Nur weil ich sie nicht sehe, heißt es noch lange nicht, dass ich Spinnweben in meiner Wohnung haben möchte. Und nur weil ich den Staub auf Bildern, die an der Wand hängen, erst fühle, wenn ich direkt hin fasse, heißt das noch lange nicht, dass ich diesen unbedingt behalten möchte.

Ein böses Erwachen gab es für mich, als ich feststellen musste, dass eine Haushaltshilfe Monatelang keinen staub über Kopfhöhe gewischt hatte. Auf meine Nachfrage hin erklärte sie mir, dass ich ihr das hätte sagen sollen.

In meinem Haushalt zählt meine Ordnung

Wie in den meisten Haushalten normal sehender Bewohner habe auch ich meine Ordnung. Nur so lässt sich der Haushalt gut führen. Problematisch wird es, wenn eine Schere, ein Haushaltsgerät oder ein anderer Gegenstand nicht an seinem Platz liegt. Eine normal sehende Person erfasst mit wenigen Blicken, ob das gesuchte Stück woanders liegt. Ich muss systematisch danach suchen, was mich Zeit und Nerven kostet.

Eine meiner Putzhilfen hatte die Angewohnheit Dinge, die sie bei der Arbeit störten, einfach woanders hinzustellen, oder in eine Schublade zu stecken. Leider vergaß sie anschließend alles wieder an den ursprünglichen Platz zu räumen. Es dauerte Wochen, bis ich dahinterkam, dass die Computerspiele meiner Tochter in einer Schublade steckten.

Es ist kein Ding etwas wegzuräumen, um an dieser Stelle vernünftig sauber machen zu können. Wichtig ist, dass am Ende alles wieder an seinem Platz ist. Im Zeitalter von Smartphones kann man sich im Zweifel ein Foto vom Ursprungszustand machen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Allerdings sollte man der blinden Person erklären, warum man jetzt gerade ein Foto machen möchte.

Eine Putzhilfe legte mir alles, was sie nicht mehr zuordnen konnte, an einen bestimmten Platz. Dazu gehörten auch Dinge, die sich irgendwo auf dem Fußboden oder wo auch immer während des Putzens fanden. Ich konnte die Sachen dann später sortieren und an ihren Platz stellen. Auch das ist eine Lösung, mit der ich gut leben kann.

Putzeimer aus dem Weg stellen

Mir ist wichtig, dass ich mich in meiner Wohnung bewegen kann, ohne mitten im Raum über einen liegengelassenen Staubsauger, eine Trittleiter oder einen vollen Putzeimer zu stolpern. Wenn ich arbeite, dann weiß ich wohin ich meine Arbeitsutensilien lege. Dennoch stelle ich diese gern irgendwo an den Rand. Denn wie schnell hat man das vergessen. Gerade wenn man verschiedene Dinge zeitgleich erledigt. Und wer schon mal die Erfahrung gemacht hat 5 l Wasser vom Boden aufzuwischen, der wird mir sicher Recht geben.

Eine meiner Putzhilfen hatte die Angewohnheit ihren vollen Putzeimer mitten im Weg stehenzulassen. Auch wenn sie sich in einem anderen Raum aufhielt. Obwohl ich ihr sagte, dass ich den Eimer nicht sehen kann, behielt sie diese Angewohnheit bei. Und irgendwann waren sowohl der Fußboden als auch ich nass.

Bitte keine Erziehungsratschläge

So manche Putzhilfe wollte mir erklären was meine Kinder alles machen sollten, weil ich das nicht sehe. Meine Kinder müssen nicht meine Sehbehinderung kompensieren. Und ich entscheide als Elternteil was sie dürfen, müssen oder nicht. Genauso wie ein Elternteil ohne Behinderung es auch tun würde. Eine Haushaltshilfe hilft, wie das Wort bereits sagt, im Haushalt, und nicht bei der Erziehung. Meine Kinder hatten bereits so viele selbst ernannte Miterzieher, dass man damit einen ganzen Kindergarten hätte betreuen können.

Fettnäpfchen

Zum guten Schluss möchte ich noch ein paar Fettnäpfchen ansprechen, die man doch vermeiden sollte.

Eine Haushaltshilfe erklärte mir mehrmals pro Treffen, dass ich nicht sehen könne. Echt jetzt? Blinde Menschen wissen selbst, dass sie dieses oder jenes nicht sehen können. Auch ohne dass man sie daran erinnert.

„Warum hilft Ihnen Ihre Familie nicht im Haushalt“, ist eine ebenso beliebte Frage. Nun, mir geht es hier wie normal sehenden Leuten auch. Wer möchte schon gern ein Familienmitglied als Haushaltshilfe haben? Jemanden, den ich bezahle, erbringt eine fest definierte Dienstleistung. Und das ist mir wichtig. Für ein gewisses Maß an Lebensqualität brauche ich die Distanz zwischen mir als Arbeitgeber und der Haushaltshilfe als Arbeitnehmer. Familie ist mir da zu emotionsgeladen. Und es gefährdet nur die Beziehung zueinander. Ich bevorzuge eine strikte Trennung.

Natürlich erhebt diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Außerdem geht es hier um meine persönliche Meinung. Im Zweifel hilft es miteinander zu reden. Und zwar auf Augenhöhe.

Und jetzt bin ich auf einen Erfahrungsaustausch in den Kommentaren gespannt.