Messen mit zweierlei Maß

Susanne mit Malte an einer Treppe Foto Linn Voss.

Susanne und ich kennen uns seit vielen Jahren. Es ist eine dieser Freundschaften, die trotz der Entfernung über Jahre halten. Im Herbst 2017 hat sie mich für ein Wochenende zu sich nach Hamburg eingeladen, und für ein unvergesslich schönes Wochenende gesorgt.

Ich freue mich, dass sie heute wieder einmal zu Gast auf meinem Blog ist. Auch die folgenden Beiträge stammen von ihr:
für Selbstverständlichkeiten bewundert werden,
Tag der offenen Moschee, was passiert da eigentlich? Und
Heißt selbständig auch schnell sein?

Messen mit zweierlei Maß
Es ist ein schöner Nachmittag und mein Freund und ich erwarten Besuch von zwei älteren Damen, die wir gut kennen. Ich bin vor kurzem in meine Wohnung hier in Hamburg eingezogen. Die beiden Damen haben einiges aufgetrieben, das ich gebrauchen kann. Ich freue mich sehr auf den Besuch und habe ein kleines Cafégedeck vorbereitet.
Mit großem Hallo begrüßen und Umarmen wir uns, alles ist gut. Ich freue mich riesig über das, was sie mir mitgebracht haben, und gebe Ihnen natürlich auch etwas dafür. Die beiden sind sehr nett, sehr fit und umtriebig und treiben immer eine Menge auf, das sie aus Haushaltsauflösungen und von Flohmärkten bekommen. Solche Möglichkeiten habe ich als gesetzlich blinde Frau eher nicht. So bin ich für die Unterstützung außerordentlich dankbar, da mein Geldbeutel nicht so dick gefüllt ist. Das Gespräch nimmt seinen Lauf, der Kaffee schmeckt, es wird viel gelacht.
Plötzlich beginnt sich eine der beiden Frauen umzuschauen: „Aber hier muss mal wieder geputzt werden, hier liegen Hundehaare herum! Hast du niemanden, der dir dabei hilft?“ Wie vor den Kopf geschlagen stehe ich da! Ich bin nicht oft sprachlos, aber in diesem Moment bin ich einfach nur stumm! Wie soll ich jetzt reagieren? Wie soll ich mit dem fertig werden, was ich gerade empfinde. Da ist auf der einen Seite die nette Hilfe und die netten Gespräche, und dann das! Mir geht durch den Kopf, was ich und meine Assistentinnen in den letzten Tagen alles getan haben, damit die Wohnung langsam wohnlich wird, damit es sauber und präsentabel ist. Ich wohne erst ein paar Monate in der Wohnung, und mein Hund ist gerade neu eingezogen. Vieles ist noch provisorisch und ich bin dabei mich in meiner neuen Lebensumgebung in Hamburg einzuleben. Ich freue mich über jeden netten Kontakt und über jede Unterstützung, die ich gerade am Anfang bekommen kann.
Was aber mache ich mit einer solchen Aussage? Im ersten Moment bin ich stumm. Ich kommentiere also die Aussage nicht weiter. Durch den Kopf geht mir allerdings: was würdet ihr machen, wenn ich mich bei euch so verhalten würde? Es ist ein Messen mit zweierlei Maß! Ein Hundehaar, eine staubige Fensterbank, ein aus Zeitgründen nicht gesaugter oder gewischter Boden, das alles würde bei einer nicht behinderten Person nicht weiter auffallen. Sie hatte eben einfach keine Zeit. Aber bei mir? Bei mir darf man/frau sich einmischen. Alles nur gut gemeint! Schließlich helfen wir ja sonst auch und bringen etwas mit! Auch wenn ich dafür zahle, die beiden haben sehr viel Zeit und Arbeit investiert, um mit gutem Geschmack etwas Passendes auszuwählen. Wenn ich Ihnen also sage, was mir in diesem Moment auf der Zunge liegt, sowas wie: „Das geht euch nichts an! Wie dreist seid ihr eigentlich?“ Oder die Frage, von eben: „Was wäre, wenn ich das bei euch machen würde?“
Ich stelle es ja immer wieder fest: mit dem Label „gut gemeint“ kann irgendwie alles gerechtfertigt werden. Und mit dem Satz: „Du siehst es ja nicht!“ erst recht. In diesem Moment fühle ich mich richtig hilflos. Eigentlich müsste ich Leute, die sich bei mir so verhalten, die so über meine Grenzen trampeln, rauswerfen. Andererseits sind da aber eben die vielen netten Begegnungen, sind da die vielen Handreichungen, die wirklich toll sind und für die ich sehr dankbar bin.
Das große „Fragezeichen“ bleibt. Ich habe bis heute für dieses Thema keine gute Lösung gefunden. Und ich erlebe es oft, dass Leute beleidigt sind, wenn ich Ihnen eine Grenze setze, weil ich etwas selbst kann, oder es einfach als übergriffig empfinde, wie sich manche Leute verhalten. Das fängt beim ungefragt angefasst werden an, geht weiter über die Bemerkungen und Kommentare zu meiner Hundehaltung, und hört in meinen Privaträumen auf.
Und das ist es: Meine Wohnung ist mein Refugium. Es ist der Raum, in den ich mich zurückziehen kann. Ich möchte mich hier sicher fühlen, den Hut aufhaben. Ich möchte Menschen unvoreingenommen willkommen heißen, Gastgeberin sein und sie bewirten können. Das alles ist irgendwie oft überschattet von dem Gefühl unter einer Dauerbeobachtung, unter so etwas wie Dauerbewährung zu stehen. Das führt leider oft zu dem Eindruck, dass Menschen, die mich besuchen, nicht unvoreingenommen meine Wohnung betreten. Es scheint, als würden sie das Haar auf dem Boden, dass die Assistentin eventuell vergessen hat, oder dass mein Hund direkt nach dem putzen dort hinterlassen hat, suchen. Vielleicht bestätigt das ihr Weltbild, das ich regelmäßig versuche bei meinem Umfeld ins Wanken zu bringen.

Ich habe mich schon oft gefragt, ob Sehende/nichtbehinderte Leute sich untereinander genauso verhalten? Manche würden wahrscheinlich sagen ja: zum Beispiel, wenn Eltern zu ihren Kindern nach Hause kommen, oder die Schwiegermutter das Heim der ungeliebten „Nebenbuhlerin“, die ihr ihren Sohn weggeschnappt hat, in Augenschein nimmt.
Eine Behinderung scheint dieses Phänomen aber zu legitimieren und zu verstärken. Ich kann mir noch so viel Mühe geben, irgendetwas finden sie immer. Und so fange ich langsam an mir sehr genau auszusuchen, wen ich bei mir zu Hause reinlasse. Ich möchte meine Wohnung als meinen Ort zum Wohlfühlen behalten. Ich möchte nicht selbst, mit unfreundlichem Blick, kritisch und oft abwertend, durch meine Wohnung gehen und mich fragen, ob sie vorzeigbar ist. Und doch tue ich das genau sehr regelmäßig. Ich hatte schon Diskussionen mit meinen Assistentinnen, weil sie das Phänomen nicht verstehen. Einfach zu sagen: „dann wehr Dich halt!“ oder: „Lass es einfach an dir abprallen!“ ist zu kurz gegriffen. Wie schon erwähnt: eine gute Lösung habe ich nicht. Ich fühle mich machtlos den Zuschreibungen gegenüber, die ein Weltbild zementieren, von dem ich hoffe, dass wir es irgendwann überwinden werden! An einigen Punkten auch umfangreichere Hilfe zu benötigen, steht den vorhandenen Fähigkeiten und der Normalität nicht im Weg! Und so sind es auch hier wieder die Barrieren in den Köpfen und das daraus resultierende Messen mit zweierlei Maß, die das Miteinander unnötig erschweren und für mich und andere Menschen mit Behinderungen zu echten Behindernissen werden!

Susanne ist gesetzlich blind und lebt in Hamburg. Die Dipl. Pädagogin und Peer Counselorin (ISL) ist ehrenamtlich in der Blindenselbsthilfe Hamburg tätig.

Ich danke ihr für diesen Beitrag, und freue mich auf Eure Meinung in den Kommentaren.

Blind einkaufen, das ist für mich wichtig

Lydia läuft mit Blindenstock und Shopper eine Straße entlang

Für mich gibt es drei Arten von Läden. Da ist der kleine Laden, der darauf ausgelegt ist, dass man bedient wird. Das ist für mich als blinde Kundin super. Denn dann kann ich meine Wünsche äußern, und brauche mir keine Gedanken darüber zu machen, wie die Ware an die Kasse kommt. Denn die Mitarbeiter kümmern sich darum.
Dann gibt es noch die Geschäfte, die ich nicht so oft aufsuche. Hier kenne ich mich nicht aus. Ich habe exakt zwei Optionen, wenn ich hier ohne Begleitung einkaufen möchte. Ich kann versuchen mir meine Waren selbst zu suchen, wenn ich ganz viel Zeit und Abenteuerlust mitbringe. Oder ich gehe an die Kasse, und frage nach Hilfe beim Einkaufen. Mit Glück bekomme ich dann jemanden zur Seite gestellt, der sich im Laden auskennt. Leider musste ich auch schon die Erfahrung machen, dass ich den Praktikanten, der gerade mal zwei Tage da war, oder die nur schlecht deutsch sprechende Mitarbeiterin abbekam. Da hat wohl jemand den Sinn einer Einkaufsbegleitung nicht richtig verstanden. Damit ich meine Wunschprodukte in den Einkaufswagen bekomme, brauche ich jemanden, der in Deutsch mit mir kommuniziert, und der sich in dem Laden auskennt. Und nicht zuletzt, der mir auch mal eine Frage zum Produkt beantworten kann. Solche Geschäfte meide ich dann gern, da mich das einfach nur stresst.
Und dann gibt es noch den Supermarkt meines Vertrauens. Hier habe ich eine grobe Karte im Kopf abgespeichert. So weiß ich ungefähr wo ich welche Produkte finde. Jedenfalls solange dort nicht umgestellt wurde.

Für Produkte, die man erfühlen kann, brauche ich keine Hilfe. Dazu zählen Obst oder Gemüse. Oft kommt es vor, das mir jemand die Information gibt: „Das ist eine Gurke“, oder „das sind Bananen“. Das ist zwar gut gemeint, aber völlig überflüssig. Wenn ich Obst oder Gemüse genauer befühle, dann um den Zustand festzustellen, was sehende Kunden meist sehen können. Auch andere Produkte, die nicht zu sehr verpackt sind, kann ich erfühlen. Dazu gehören Waffeln, Mozzarella oder gefrorene Hähnchen. Produkte wie Reis oder Nudeln kann man entweder durch die Plastikpackung fühlen oder durch Schütteln hören. Problematisch wird es bei Verpackungen, die sich gleich anfühlen. Dazu gehört Müsli, Jogurt, oder haltbare Milch. Frage ich am liebsten einen der Mitarbeiter, oder auch schon mal eine App auf meinem iPhone. In meinem Beitrag „Apps, die blind bedienbar sind“ habe ich unterschiedliche Apps für blinde Nutzer vorgestellt.
Damit der selbständige Einkauf entspannt abläuft, gehe ich am liebsten ganz früh in den Supermarkt. Dann ist noch wenig Betrieb, so dass ich leichter einen Mitarbeiter nach den Produkten fragen kann, die ich nicht alleine gefunden habe. Außerdem stehe ich nicht ewig an der Kasse an, und habe Zeit meine Ware auf dem Förderband nach Gewicht zu ordnen. Das ist für mich wichtig, damit ich sie nach dem Bezahlvorgang möglichst schnell wieder in meinen Einkaufstrolley verstauen kann. Am Liebsten ist es mir dabei, wenn sich das Band während dieser Zeit möglichst wenig bewegt. Denn dann muss ich mich wieder neu orientieren. Um diese Tageszeit haben die Mitarbeiter sogar Zeit mir beim Einpacken meines Einkaufs zu helfen.
Für mich ist es wesentlich entspannter mit einer sehenden Begleitung einzukaufen. Ich liebe es mit meiner sehenden Freundin einkaufen zu gehen, die mir auch mal Aktionsangebote oder eine Zutatenliste vorlesen kann. Und ich genieße es, da es für mich schneller geht. Doch ist es für mich ebenso wichtig, dass ich auch alleine einkaufen gehen kann, wenn ich es möchte.

Und wie macht Ihr das mit dem Einkauf?

Was Stärke für mich bedeutet

Ich mag Blogparaden, da diese ein Thema vorgeben, zu dem jeder sich äußern kann. Nur kriege ich die meisten Blogparaden oft nicht mit. Daher freue ich mich, dass ich eine persönliche Einladung zur Blogparade von Sunnybee vom Mutter und Sohn Blog bekommen habe. Diesmal ist das Thema „Was bedeutet echte Stärke für mich“.

Als blinde Frau, die gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte, habe ich es immer wieder mit Stärke zu tun. Denn immer wieder heißt es für mich, dass ich für Selbstverständlichkeiten kämpfen muss. Da ist der Betreiber des Fitnessstudios, der meine Mitgliedschaft nur nach Unterzeichnung einer Sondervereinbarung akzeptieren wollte. Da ist der Reiseanbieter, der blinde, gehörlose und gehbehinderte Reisende nur in Begleitung einer volljährigen und „gesunden“ Begleitperson mitnimmt. Und da ist die Fernsehreporterin, die für den von ihr geplanten Beitrag das fertige Drehbuch mitbringt, das nur so vor Klischees strotzt. Und mittendrin ich, die ich starke Argumente anbringe, um diese Menschen zum Umdenken zu bewegen.
Stärke wurde erst recht von mir gefordert, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. Blind und Kind? Von „Das ist unverantwortlich“ bis zu „Die Familie unterstützt bestimmt“ war so ziemlich alles dabei. Da wurde ich berufstätige blinde Frau mit Pflegefall gleichgesetzt, nur weil sich Menschen Eltern mit Behinderung nicht vorstellen können. Und wieder war ich gefordert Argumente und Taten sprechen zu lassen. Erst recht, als dann mein zweites Kind unterwegs war.
Als blinde Mutter mit ebenfalls blindem Mann und zwei sehenden Kindern befindet man sich oft genug im Fokus der gut gemeinten Miterzieher. Alles Menschen, die es nur gut mit einem meinen. Eine Erzieherin im Kindergarten meinte es sogar so gut, dass sie mir den Sozialdienst nach Hause schickte. Worte wie „grobe Vernachlässigung“ und „Blinde Eltern“ können bei einer bestimmten Spezies von Menschen wahre Wunder bewirken. Auch wenn die bei uns nichts fanden, was eine Herausnahme der Kinder aus der Familie gerechtfertigt hätte, war ich ab da im Fokus. Stärke war damals für mich Beweise zusammenzutragen, die für mich und meine Erziehungsfähigkeit sprachen. Dabei hat es mir sehr geholfen, dass ich ein paar starke Freunde hatte, die mir immer wieder Mut gemacht haben weiterzukämpfen.
Die Kinder wurden älter, der Aktionsradius größer und die Auseinandersetzung mit meiner Sehbehinderung nahm ebenfalls ihren Lauf. Auf einmal fiel meinen Kindern auf, dass wir gern mal von Passanten begafft wurden, dass Menschen auch schon mal mit ihnen sprachen, statt mit mir als Mutter, und dass sie bedauert wurden, da sie blinde Eltern haben. Ich musste das aushalten und meinen Kindern Werkzeuge an die Hand geben, um damit umzugehen. Z. B. empfahl ich meinen Kindern einmal zurück zu starren. Es dauerte lange, bis sie sich trauten. Stärke hieß damals das auszuhalten, und sich mit Verständnis und Einfühlungsvermögen damit zu beschäftigen.
Neulich habe ich von meinen fast erwachsenen Kindern ein wunderschönes Kompliment bekommen. Nämlich, dass sie mich als starke und liebevolle Mutter in Erinnerung haben. Darüber habe ich mich von Herzen gefreut. Denn letztendlich zählt die Meinung der Betroffenen, also meiner Kinder. Und nicht die all der vielen selbsternannten Miterzieher.

Und hier findet Ihr den Aufruf zur Blogparade von Sunnybee Was bedeutet echte Stärke für mich, die noch bis zum 15.11.2018 läuft.

Und jetzt freue ich mich auf Eure Meinung zu diesem Thema in den Kommentaren.

Licht und Kontraste im Alltag

Eine helle Tasse steht auf dunklem Untergrund

Für Menschen mit einer Sehbehinderung spielen Beleuchtung, Lichtverhältnisse und Kontraste eine große Rolle. Denn fast alle Menschen, die dem Gesetz nach blind sind, sehen noch etwas. Und dieses etwas kann ihnen bei der Orientierung im Straßenverkehr, bei der Bewältigung des Alltags und beim Lesen oder Schreiben eine große Hilfe sein.

Blendempfindlichkeit.
Es gibt Augenerkrankungen, die von einer staken Blendempfindlichkeit begleitet werden. Das heißt, dass das Auge empfindlich auf Licht reagiert. Normales Tageslicht kann dann zu hell sein. Als ich vor einigen Jahren Wasser in der Hornhaut eingelagert hatte, wurde meine Blendempfindlichkeit noch stärker, weil das Licht durch das Wasser zusätzlich noch mal reflektiert wurde. Der Effekt ist ähnlich wie wenn Sonnenlicht auf eine Wasserfläche trifft, wie zum Beispiel im Schwimmbad oder am Meer. Im Alltag trage ich daher draußen eine Kantenfilterbrille. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Filterstärken. Meine Habe ich beim Low Vision Berater meines Vertrauens bekommen. Diese sind auf Menschen mit starker Sehbehinderung spezialisiert und haben das entsprechende Sortiment zum Ausprobieren vor Ort.
Zuhause brauche ich die Brille nicht, da ich hier optimale Lichtverhältnisse habe. Problematisch wird es allerdings, wenn die Sonne zum Fenster herein scheint. Ich kann mir dann aussuchen, ob ich das Zimmer abdunkle oder eine entsprechende Brille aufsetze. Beim Arbeiten am Computer oder Smartphone blendet mich ein heller Bildschirm. Daher stelle ich eine Invertierung der Farben ein. Das heißt, dass ich helle Schrift auf dunklem Hintergrund habe. Auch wenn ich die Schrift nicht mehr lesen kann, mache ich das so. Damit erreiche ich, dass ich nicht durch den hellen Bildschirm geblendet werde.

Kontraste sind wichtig.
Kontraste sind für mich sehr wichtig. Steht eine helle Tasse auf einem ebenfalls hellen Tisch, ist sie für mich so gut wie unsichtbar. Ist der Untergrund dagegen dunkel, und die Tasse hell, kann ich sie gut sehen. Ebenso ist es in meiner Küche. Die Arbeitsplatte ist etwas dunkler, damit mich das Weiß nicht blendet, und damit ich helle Dinge wie Schüsseln oder andere Dinge sehe. Das erleichtert mir die Orientierung in der Küche. Habe ich es mit dunkelfarbigen Lebensmitteln zu tun, so nehme ich gern ein helles Schneidebrett oder einen hellen Teller. Damit sehe ich das Lebensmittel schneller. Das geht auch mit Flüssigkeiten. Schwarzer Kaffee oder Kirschsaft in einer hellen Tasse ist für mich sichtbar. Ist die Tasse jedoch dunkel, dann sehe ich den Kaffee nicht. Einschenken geht dann nur noch mit Hilfe der anderen Sinne.
Besonders irritiert es mich, wenn ich eine Tischdecke habe, die so richtig bunt ist. Für mich sind dann Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, nicht mehr von dem Muster zu unterscheiden. Die Ausnahme bilden große Gegenstände wie Töpfe, Pfannen oder Teller. Alles andere muss ich mir ertasten oder erklären lassen.
Ähnlich ist es im Straßenverkehr. Hier sind Leitstreifen für blinde Personen farblich kontrastreich abgehoben. Denn nicht nur Nutzer eines Blindenstocks tasten sich dort entlang, sondern auch Menschen, die noch so gut sehen, dass sie den Stock noch nicht brauchen. Diese sind dankbar dafür, wenn die oberste und unterste Stufe einer Treppe sich farblich abhebt.

Fazit, Kontraste machen Menschen mit einer Sehbehinderung das Leben erheblich leichter. Dazu gehört im Alltag nicht viel. Helles Geschirr auf einem dunklen Tisch, oder umgekehrt, dunkle Möbel auf hellem Boden, oder ein Teppich, der sich farblich abhebt. Das sind nur wenige Ideen, um Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung im Alltag entgegenzukommen.

Blinde Eltern und Gesundheit

Lydia läuft mit Puppe im Tragetuch und Blindenstock eine Straße entlang.

BLOGBEITRAG LYDIAS WELT

Blinde Eltern und Gesundheit

Als Kind hatte ich große Angst vor Spritzen. Diese taten weh, und die Ärzte, mit denen ich meine ersten Erfahrungen machte, redeten nicht mit mir. Warum das so war, das weiß ich heute nicht mehr. Fakt aber war, dass ich eine riesengroße Angst bekam, wenn eine Impfung oder eine andere Art von Spritzen anstand. Tröstlich war, dass manche Ärzte mich damit köderten, dass ich eine Einwegspritze mit nach Hause nehmen konnte. Diese stellte einen unglaublichen Schatz dar. Und je größer diese war, desto mehr Wasser passte hinein. Und das entschädigte mich für den Schmerz. Als meine Kinder klein waren, war das Thema Impfen eines der meist diskutierten Themen in meinem Freundeskreis. Eine meiner Freundinnen, deren jüngstes Kind so alt war wie meine Tochter, bekannte sich offen dazu, dass sie ihre Kinder nicht impfen ließ. Ich selbst hatte anfangs gar keine Meinung dazu. Tatsächlich werden sowohl die Risiken als auch die Impfschäden meist überschätzt. Impfstoffe werden ja heute strengen Sicherheitskontrollen unterzogen, bevor sie zugelassen werden. Ich kannte es aus meiner Kindheit, dass meine Geschwister und ich alle möglichen Kinderkrankheiten hatten, und diese überlebten. Und danach hatte ich mich einfach zu selten mit der Thematik befasst. Meine Mutter hatte sich während meiner Kindheit darum gekümmert und später kümmerte ich mich um die Impfungen, die mein Hausarzt für notwendig hielt. Natürlich setzt das ein großes Vertrauen voraus.

Bei der Geburt meines ersten Kindes bekam ich das obligatorische Untersuchungsheft nebst Impfpass. Und jetzt begann ich mich damit auseinanderzusetzen. Ich wollte wissen, warum diese oder jene Impfung Sinn machte. Einen Verbündeten fand ich in unserem Kinderarzt, der mir mit einer Engelsgeduld meine Fragen beantwortete und mir die Angst vor den so gefürchteten Impfschäden nahm. Er half mir die Vorteile und meine Bedenken abzuwägen.
Außerdem genoss ich den Luxus, dass die Praxis uns anrief, sobald ein weiterer Impftermin anstand. Das war für mich eine große Erleichterung.

Als Mutter ist mir ein Schutz vor Krankheiten wie z.B. Masern oder Pneumokokken wichtig.

Ich schütze damit nicht nur meine eigenen Kinder, sondern trage durch die Impfung dazu bei, dass bestimmte Krankheiten ausgerottet werden.

Neben den empfohlenen Vorsorgemaßnahmen wie Impfen und U-Untersuchungen gab es noch weitere Maßnahmen, die für mich wichtig waren. Meine Kinder wurden beide gut ein halbes Jahr voll gestillt. Dann erst begann ich, pro Monat eine Mahlzeit durch Babynahrung zu ersetzen. Ich hatte Freude daran, diese selbst zuzubereiten. So wusste ich auch immer, was drin war. Ich nahm von Zeit zu Zeit ein weiteres Gemüse oder Obst dazu, um zu schauen wie meine Kinder darauf reagierten. Das war wichtig, um Allergien oder Unverträglichkeiten zu erkennen. Außerdem gehörten Spielen an der frischen Luft und ein halbwegs strukturierter Tagesablauf zu meinem Alltag mit Baby und Kleinkind.

Ein ganz großes Thema im Haushalt von blinden Eltern ist die Angst vor Gefahrenquellen, wie z. B. Putzmittel oder Verbrennen an heißen Herdplatten. So zumindest suggerierte mir das mein sehendes soziales Umfeld. Aber das kann man mit ein bisschen Kreativität lösen. Mein Korb mit den Reinigungsmitteln stand auf einem Regal, welches sich in zwei Meter Höhe befand, und auch für mich nur mit einer Trittleiter erreichbar war. Ich gewöhnte mir an, hauptsächlich auf den hinteren Herdplatten zu kochen. Da kamen meine Kinder nicht dran. Tja, und den Griff der Küchentür drehte ich um 90 Grad. Damit konnten meine Kinder die Tür nicht alleine öffnen. Im Übrigen eignet sich diese Methode auch hervorragend dazu, Katzen oder Hunden den Zutritt zu verwehren. Außerdem machen Kinder immer irgendein Geräusch. Nur wenn es mal ganz leise wird, sollte man doch mal nachschauen gehen. Erst recht, wenn es sich um mehrere Kinder handelt. Das mal so als Faustregel.

Blinde Eltern sind in erster Linie Eltern. Die Sehbehinderung sagt nichts über ihre Eignung als Eltern aus. Dennoch werden wir gern in die Schublade von Defizitäreltern gesteckt. Dabei machen sich werdende Eltern mit einer Behinderung meist mehr Gedanken über ihre Aufgaben als nicht behinderte Eltern. Denn das Leben mit Kind und einer Behinderung erfordert eine ganze Menge an Eigeninitiative und Kreativität. Erst recht, wenn wir unseren Kindern ein normales Leben ermöglichen wollen. Dazu kommen die ständigen Kämpfe gegen Vorbehalte gegenüber Eltern mit einer Behinderung, denen wir uns immer wieder stellen müssen.
In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns doch etwas von anderen Familien. Genauer betrachtet sind wir aber am Ende alle gleich: Wir tun alles dafür, dass unsere Kinder gesund aufwachsen. Und das wiederum haben wir mit all den Familien gemeinsam, die Wert auf ein gesundes Aufwachsen ihrer Kinder legen. Unter dem #ungleichgleich könnt ihr unterschiedliche Familien kennenlernen, die sich auch mit dem Thema Impfen auseinandersetzen. Weitere Informationen zum Impfen findet ihr auf www.wirfuersimpfen.de/ungleichgleich.

Mit freundlicher Unterstützung von Pfizer.