Blind einkaufen, das ist für mich wichtig

Lydia läuft mit Blindenstock und Shopper eine Straße entlang

Für mich gibt es drei Arten von Läden. Da ist der kleine Laden, der darauf ausgelegt ist, dass man bedient wird. Das ist für mich als blinde Kundin super. Denn dann kann ich meine Wünsche äußern, und brauche mir keine Gedanken darüber zu machen, wie die Ware an die Kasse kommt. Denn die Mitarbeiter kümmern sich darum.
Dann gibt es noch die Geschäfte, die ich nicht so oft aufsuche. Hier kenne ich mich nicht aus. Ich habe exakt zwei Optionen, wenn ich hier ohne Begleitung einkaufen möchte. Ich kann versuchen mir meine Waren selbst zu suchen, wenn ich ganz viel Zeit und Abenteuerlust mitbringe. Oder ich gehe an die Kasse, und frage nach Hilfe beim Einkaufen. Mit Glück bekomme ich dann jemanden zur Seite gestellt, der sich im Laden auskennt. Leider musste ich auch schon die Erfahrung machen, dass ich den Praktikanten, der gerade mal zwei Tage da war, oder die nur schlecht deutsch sprechende Mitarbeiterin abbekam. Da hat wohl jemand den Sinn einer Einkaufsbegleitung nicht richtig verstanden. Damit ich meine Wunschprodukte in den Einkaufswagen bekomme, brauche ich jemanden, der in Deutsch mit mir kommuniziert, und der sich in dem Laden auskennt. Und nicht zuletzt, der mir auch mal eine Frage zum Produkt beantworten kann. Solche Geschäfte meide ich dann gern, da mich das einfach nur stresst.
Und dann gibt es noch den Supermarkt meines Vertrauens. Hier habe ich eine grobe Karte im Kopf abgespeichert. So weiß ich ungefähr wo ich welche Produkte finde. Jedenfalls solange dort nicht umgestellt wurde.

Für Produkte, die man erfühlen kann, brauche ich keine Hilfe. Dazu zählen Obst oder Gemüse. Oft kommt es vor, das mir jemand die Information gibt: „Das ist eine Gurke“, oder „das sind Bananen“. Das ist zwar gut gemeint, aber völlig überflüssig. Wenn ich Obst oder Gemüse genauer befühle, dann um den Zustand festzustellen, was sehende Kunden meist sehen können. Auch andere Produkte, die nicht zu sehr verpackt sind, kann ich erfühlen. Dazu gehören Waffeln, Mozzarella oder gefrorene Hähnchen. Produkte wie Reis oder Nudeln kann man entweder durch die Plastikpackung fühlen oder durch Schütteln hören. Problematisch wird es bei Verpackungen, die sich gleich anfühlen. Dazu gehört Müsli, Jogurt, oder haltbare Milch. Frage ich am liebsten einen der Mitarbeiter, oder auch schon mal eine App auf meinem iPhone. In meinem Beitrag „Apps, die blind bedienbar sind“ habe ich unterschiedliche Apps für blinde Nutzer vorgestellt.
Damit der selbständige Einkauf entspannt abläuft, gehe ich am liebsten ganz früh in den Supermarkt. Dann ist noch wenig Betrieb, so dass ich leichter einen Mitarbeiter nach den Produkten fragen kann, die ich nicht alleine gefunden habe. Außerdem stehe ich nicht ewig an der Kasse an, und habe Zeit meine Ware auf dem Förderband nach Gewicht zu ordnen. Das ist für mich wichtig, damit ich sie nach dem Bezahlvorgang möglichst schnell wieder in meinen Einkaufstrolley verstauen kann. Am Liebsten ist es mir dabei, wenn sich das Band während dieser Zeit möglichst wenig bewegt. Denn dann muss ich mich wieder neu orientieren. Um diese Tageszeit haben die Mitarbeiter sogar Zeit mir beim Einpacken meines Einkaufs zu helfen.
Für mich ist es wesentlich entspannter mit einer sehenden Begleitung einzukaufen. Ich liebe es mit meiner sehenden Freundin einkaufen zu gehen, die mir auch mal Aktionsangebote oder eine Zutatenliste vorlesen kann. Und ich genieße es, da es für mich schneller geht. Doch ist es für mich ebenso wichtig, dass ich auch alleine einkaufen gehen kann, wenn ich es möchte.

Und wie macht Ihr das mit dem Einkauf?

Licht und Kontraste im Alltag

Eine helle Tasse steht auf dunklem Untergrund

Für Menschen mit einer Sehbehinderung spielen Beleuchtung, Lichtverhältnisse und Kontraste eine große Rolle. Denn fast alle Menschen, die dem Gesetz nach blind sind, sehen noch etwas. Und dieses etwas kann ihnen bei der Orientierung im Straßenverkehr, bei der Bewältigung des Alltags und beim Lesen oder Schreiben eine große Hilfe sein.

Blendempfindlichkeit.
Es gibt Augenerkrankungen, die von einer staken Blendempfindlichkeit begleitet werden. Das heißt, dass das Auge empfindlich auf Licht reagiert. Normales Tageslicht kann dann zu hell sein. Als ich vor einigen Jahren Wasser in der Hornhaut eingelagert hatte, wurde meine Blendempfindlichkeit noch stärker, weil das Licht durch das Wasser zusätzlich noch mal reflektiert wurde. Der Effekt ist ähnlich wie wenn Sonnenlicht auf eine Wasserfläche trifft, wie zum Beispiel im Schwimmbad oder am Meer. Im Alltag trage ich daher draußen eine Kantenfilterbrille. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Filterstärken. Meine Habe ich beim Low Vision Berater meines Vertrauens bekommen. Diese sind auf Menschen mit starker Sehbehinderung spezialisiert und haben das entsprechende Sortiment zum Ausprobieren vor Ort.
Zuhause brauche ich die Brille nicht, da ich hier optimale Lichtverhältnisse habe. Problematisch wird es allerdings, wenn die Sonne zum Fenster herein scheint. Ich kann mir dann aussuchen, ob ich das Zimmer abdunkle oder eine entsprechende Brille aufsetze. Beim Arbeiten am Computer oder Smartphone blendet mich ein heller Bildschirm. Daher stelle ich eine Invertierung der Farben ein. Das heißt, dass ich helle Schrift auf dunklem Hintergrund habe. Auch wenn ich die Schrift nicht mehr lesen kann, mache ich das so. Damit erreiche ich, dass ich nicht durch den hellen Bildschirm geblendet werde.

Kontraste sind wichtig.
Kontraste sind für mich sehr wichtig. Steht eine helle Tasse auf einem ebenfalls hellen Tisch, ist sie für mich so gut wie unsichtbar. Ist der Untergrund dagegen dunkel, und die Tasse hell, kann ich sie gut sehen. Ebenso ist es in meiner Küche. Die Arbeitsplatte ist etwas dunkler, damit mich das Weiß nicht blendet, und damit ich helle Dinge wie Schüsseln oder andere Dinge sehe. Das erleichtert mir die Orientierung in der Küche. Habe ich es mit dunkelfarbigen Lebensmitteln zu tun, so nehme ich gern ein helles Schneidebrett oder einen hellen Teller. Damit sehe ich das Lebensmittel schneller. Das geht auch mit Flüssigkeiten. Schwarzer Kaffee oder Kirschsaft in einer hellen Tasse ist für mich sichtbar. Ist die Tasse jedoch dunkel, dann sehe ich den Kaffee nicht. Einschenken geht dann nur noch mit Hilfe der anderen Sinne.
Besonders irritiert es mich, wenn ich eine Tischdecke habe, die so richtig bunt ist. Für mich sind dann Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, nicht mehr von dem Muster zu unterscheiden. Die Ausnahme bilden große Gegenstände wie Töpfe, Pfannen oder Teller. Alles andere muss ich mir ertasten oder erklären lassen.
Ähnlich ist es im Straßenverkehr. Hier sind Leitstreifen für blinde Personen farblich kontrastreich abgehoben. Denn nicht nur Nutzer eines Blindenstocks tasten sich dort entlang, sondern auch Menschen, die noch so gut sehen, dass sie den Stock noch nicht brauchen. Diese sind dankbar dafür, wenn die oberste und unterste Stufe einer Treppe sich farblich abhebt.

Fazit, Kontraste machen Menschen mit einer Sehbehinderung das Leben erheblich leichter. Dazu gehört im Alltag nicht viel. Helles Geschirr auf einem dunklen Tisch, oder umgekehrt, dunkle Möbel auf hellem Boden, oder ein Teppich, der sich farblich abhebt. Das sind nur wenige Ideen, um Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung im Alltag entgegenzukommen.

Orientierung im Regen

Lydia steht bei Regen neben einer Pfütze

Ich liebe das Geräusch, welches Regen beim Tropfen auf ein Dachfenster macht. Und ich liebe es bei einem warmen leichten Sommerregen draußen zu stehen. Die paar Tropfen, die mich erreichen, stören mich nicht, sondern tun eher gut. Und ich liebe es ganz besonders, wenn die Luft nach Regen riecht.
Regen verändert die Geräusche so, dass ich es anstrengender finde mich draußen im Straßenverkehr zu orientieren. Das Geräusch fahrender Autos auf nassem Asphalt scheint alles andere zu übertönen. Daher fühle ich mich sicherer, wenn ich in der Mitte eines Bürgersteigs laufen kann. Fahrräder sind schon ohne Regen kaum zu hören. Bei Regen kann ich sie gar nicht mehr orten. Aber auch an Hauswänden lauern Gefahren. Damit meine ich Äste und Zweige, die normalerweise so hoch sind, dass ich bequem darunter durchlaufen kann. Vom Regenwasser beschwert hängen sie so tief, dass ich sie im Gesicht oder an der Kleidung habe. Hier meine Bitte an Grundstücksbesitzer. Wenn Ihr Eure Hecke oder Baum schneidet, dann bedenkt doch, dass die Äste und Zweige bei Regen schwerer sind, und damit auch tiefer herabhängen.
Große Pfützen sind mit dem Blindenstock irgendwie noch tastbar. Bei kleineren Wasseransammlungen merke ich es erst dann, wenn ich hineingetappt bin. Das ist zwar unangenehm, jedoch für mich kein Grund mit Gummistiefeln rumzulaufen.
Wesentlich unangenehmer empfinde ich es an einer Ampel zu stehen. Gerade die blindengerechten Ampeln in meiner Heimatstadt sind so beschaffen, dass ich die Grünphase durch eine Vibrationsplatte wahrnehmen kann. Dazu muss ich die ganze Zeit am Ampelmast stehen bleiben. Und wenn dieser nun mal dicht an der Straße steht, und sich etwas Wasser angesammelt hat, werde ich auch schon mal nass, wenn ein Auto so richtig dicht am Bürgersteig an mir vorüber fährt.
„Du kannst Dir ja von jemandem helfen lassen“, war der Ratschlag einer Freundin. Tja, bei der veränderten Geräuschkulisse sind potentielle Helfer für mich kaum bis gar nicht zu orten.
Und wegen der veränderten Geräuschumgebung trage ich nur selten eine Kapuze. Denn diese verhindert, dass ich Geräusche richtig wahrnehmen kann, die für mich wichtig sind. Das gilt zum Beispiel für die Überquerung einer Straße.
Eine weitere Alternative ist die Mitnahme eines Regenschirms. Den Blindenstock in der rechten Hand, den Regenschirm in der Linken, gehe ich meinen Weg. Diese Variante kostet mich jedoch eine Menge an Konzentration. Denn mit dem Regenschirm bin ich etwas breiter als sonst. Und das in einem Bereich, den der Blindenstock nicht abdecken kann. Im Klartext heißt das, dass ich mit dem Regenschirm schon mal an Büschen oder Hausfassaden hängen bleibe. Es muss schon sehr stark regnen, damit ich mir das freiwillig antue. Solange ich nur kurze Wege habe, laufe ich einfach so durch den Regen. Und wenn dieser stark ist, warte ich an einer trockenen Stelle ab.
Auf Wegen, die mir vertraut sind, kenne ich die Stellen, an denen man einen Regenschauer abwarten kann. Problematisch wird es in fremder Umgebung. Hier ist es mir schon passiert, dass ich ein paar Meter von einem Unterstand entfernt gestanden habe. Einfach, weil ich diesen nicht sehen und hören konnte. Liebe sehende Passanten. Wenn Ihr einen blinden Menschen im Regen stehen seht, dürft Ihr ihn darauf aufmerksam machen, dass er an einer anderen Stelle trockener steht. Dann hat er die Option sich helfen zu lassen oder nicht.
Es gibt noch eine Sache, die ich richtige scheußlich finde. Wenn es regnet, die Straßen also nass sind, und die Sonne darauf scheint. Das reflektierende Sonnenlicht empfinde ich als so blendend, dass ich mich mit meinen Restsehen kaum noch orientieren kann. Damit es allzu weh tut, mache ich dann schon mal die Augen zu und verlasse mich ausschließlich auf den Blindenstock.

Und nun bin ich auf Eure Erfahrungen in den Kommentaren gespannt.

Hürden einer Augenklinik

Krankenzimmer

Vor einem dreiviertel Jahr habe ich gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden, dass ich mich einer weiteren Hornhauttransplantation am rechten Auge unterziehen würde. Wir wussten beide, dass diese Operation riskant war. Die letzte OP dieser Art am rechten Auge hatte zu einer Abstoßungsreaktion geführt, die dafür verantwortlich war, dass sich die Hornhaut immer mehr eintrübte. Jetzt konnte ich gerade Mal hell und dunkel voneinander unterscheiden, während ich auf dem linken Auge noch grobe Umrisse sehe.

In der ersten Aprilwoche kam der Anruf, dass ein passendes Transplantat verfügbar sei. Ich könnte bereits am kommenden Montag aufgenommen werden. Allerdings würde man mich am Freitagnachmittag anrufen, um mir Bescheid zu sagen. Denn vorher würde erst mal eine Qualitätskontrolle erfolgen. Wir hatten jetzt Dienstagnachmittag. Also ausreichend Zeit, um alles Notwendige zu erledigen, Termine zu verlegen und was sonst noch so anfällt.
Am Freitag war ich die meiste Zeit zuhause, und wartete auf den Anruf der Augenklinik. Der kam nicht. Irgendwann begann ich selbst dort anzurufen. Allerdings erklärte mir der Anrufbeantworter, dass ich außerhalb der Sprechzeiten anrufe. Tja, die hatten mich vergessen. Und ich hatte jetzt genau zwei Optionen, nämlich den Montag abzuwarten und erst mal nachzufragen wie die Qualitätskontrolle verlaufen sei, oder gleich hinzufahren, und dabei das Risiko einzugehen wieder nach Hause geschickt zu werden.
Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit, und packte einen Rucksack mit allem, was ich für eine Woche Krankenhausaufenthalt brauchte.
In der Augenklinik angekommen, stand ich erst mal vor dem Automaten. Eine Dame half mir eine Nummer zu ziehen und las mir diese auch noch vor, mit den Worten „Ich pass für Sie auf“. Die Unsitte mit den Nummern mag ich gar nicht, weil sie mich von fremden Menschen abhängig macht. Und nichts und niemand garantiert mir, dass dieser Mensch mich nicht doch vergisst. Wenn es denn schon sein muss, dann bitte mit einer Sprachausgabe, oder einem Menschen, der einen aufruft. Mir hilft es nicht, wenn eine Nummer mit dem dazugehörigen Schalter aufleuchtet. Ich finde, dass eine solche Unsitte nichts in einer Augenklinik verloren hat.
Irgendwann fand ich den Weg zum richtigen Schalter, gab meine Unterlagen ab, und bekam eine Begleitung zur Station. Super fand ich, dass ich nur ein paar Minuten warten musste, bis jemand mir mein Zimmer zeigte. Während ich bei meinem letzten Aufenthalt eine schwerhörige, etwas verwirrte Bettnachbarin hatte, die ständig versuchte mit mir zu reden, hatte man mir diesmal eine Dame in meinem Alter zugeteilt, mit der ich mich verstand. Da war jemand sehr umsichtig bei der Aufteilung der Patienten.
Und jetzt kam das Aufnahmegespräch auf Station. Die Mitarbeiterin, die das mit mir führte, füllte das mit mir aus. Dieselben Fragen wie immer, dieselben Infoblätter wie immer. Wäre es nicht super, wenn man diese einmal in Braille- oder Großschrift umsetzen würde? Damit würde man den Mitarbeitern etwas Arbeit sparen, und ich könnte mir die Infos in aller Ruhe durchlesen.
Krankenpflege, Anästhesisten und andere Stellen im Krankenhaus kommen immer wieder ins rotieren, wenn es mal wieder gilt ihre umfangreichen Formulare auszufüllen. Diese wünsche ich mir elektronisch und Barriere arm. Dann könnte ich diese zuhause ausfüllen und mitbringen.

Taktile Leitlinien.
In Krankenhäusern wünsche ich mir taktile Leitlinien, die mich zum Ausgang, zum Wartebereich, Anmeldung oder zur Toilette leiten. Auch auf Station wäre es gut, wenn die wichtigen Räume durch taktile und kontrastreiche Leitlinien gekennzeichnet würden. Nicht nur blinden Patienten, sondern auch ältere Patienten mit Sehschwäche, die das größte Klientel ausmachen, könnten sich dann selbständiger orientieren.
Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit blinden und sehbehinderten Patienten.
Die meisten Pflegekräfte treten in alle erdenklichen Fettnäpfchen. Da wird gern mal mit der Begleitperson kommuniziert, das Brot vorsorglich geschmiert, oder über den Kopf des blinden Patienten hinweg entschieden was er alles alleine kann, und was nicht. Diese These wird nach dem eigenen Weltbild ausgerichtet. Die wenigen Mitarbeiter, die wirklich hervorragende Arbeit machen, fallen daher sofort ins Auge. Die Blindenverbände bieten Workshops an, um mit den größten Missverständnissen aufzuräumen. Aber die wenigsten Krankenhäuser nehmen dieses Angebot wahr.

WLAN, das erhalten bleibt.
Als ich vor drei Jahren eine Woche auf Station war, habe ich mir einen WLAN-Schlüssel geben lassen. Da es diesen ausschließlich in Papierform gibt, habe ich mir die Zugangsdaten auf ein Diktiergerät sprechen lassen. Ich musste feststellen, dass ich diese Daten mehrmals am Tag neu eingeben musste. Das ist nicht nur ziemlich nervig, sondern für Menschen, die Schwierigkeiten bei der Eingabe haben, eine Barriere. Ich war irgendwann so genervt davon, und entschied mich für meine eigenen mobilen Daten. Dieses Problem besteht noch immer. Und nicht jeder bringt einen guten Datentarif mit.

Das Angebot der Bewegung schaffen.
Nach der Vollnarkose sagt der Arzt gern, dass man sich ein bisschen bewegen soll, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bekommen. Wenn man Besuch bekommt, dann kann man dies auch gemeinsam umsetzen. Sonst kaum, wenn man sich in der Umgebung der Klinik nicht auskennt. Pflegekräfte sind oft so eingespannt, dass sie als Begleiter an der frischen Luft ausfallen. Hier sollte eine Möglichkeit geschaffen werden begleitet an die frische Luft zu kommen. Entweder durch ehrenamtliche Helfer, oder meinetwegen als optionale Leistung gegen eine kleine Aufwandsentschädigung. Denn nicht jeder ist so sicher, dass er sich seinen Weg durch ein Klinikum suchen möchte. Ich selbst habe das versucht, weil ich einfach nicht mehr herumsitzen oder liegen wollte und konnte. Und auf die Dauer wird der Krankenhausflur als Wegstrecke langweilig. Erst recht, wenn man nach jeder Runde von jemandem gefragt wird, wohin man denn möchte. Außerdem habe ich das Glück einen Bekannten in Kliniknähe zu haben, der mit mir spazieren gelaufen ist. Aber nicht jeder hat diese Möglichkeit.

Wieder zuhause angekommen, weiß ich meine eigene Couch, mein eigenes Zuhause und meine Unabhängigkeit von Dritten zu schätzen. Vielleicht sind diese Erlebnisse notwendig, um einem bewusst zu machen, was man hat, und nicht ausreichend wertschätzt.

Brandschutz für blinde Menschen

Matthias Schäfer bedient mit einer Hand ein Smartphone

Ich war sechs oder sieben Jahre alt, als mein ein Jahr jüngerer Bruder und ich im Wohnzimmer mit Streichhölzern und Papier zündelten. Eine ziemlich große Keksdose war unsere Feuerstelle, in die wir immer größere Fetzen Zeitungspapier warfen. Ich kann heute nicht mehr sagen wie es zugegangen ist. Auf einmal stand unsere kleine Feuerstelle samt der daneben liegenden Zeitung komplett in Flammen. Und wir waren damit komplett überfordert und total erschrocken. Zum Glück waren unsere Eltern sofort zur Stelle und konnten das Feuer löschen. Übrig blieb nur ein Brandloch im Teppich nebst der Erkenntnis, dass Feuer sich schneller ausbreiten kann als ich mir bisher vorstellen konnte.

Karl Matthias Schäfer schreibt heute bei mir einen Gastbeitrag zum Thema Brandschutz für blinde Menschen. Das Beitragsfoto zeigt ihn im karierten Hemd. Mit einer Hand bedient er ein Smartphone.

Was ist das Wichtigste am Brandschutz?

Dass man ihn thematisiert und die Menschen aufklärt. Viele Menschen können sich die Gewalt von Feuer, seine Auswirkungen und Zerstörungskraft überhaupt nicht vorstellen. Sehende Menschen können das Ausmaß einer Feuerkatastrophe und die Gefahren von Rauch, am Bildschirm verfolgen, wie z.B. jetzt wieder bei der Feuerkatastrophe in London. Menschen, die von Geburt an blind sind und die Ereignisse am Bildschirm nicht optisch verfolgen können, können sich die tatsächlichen Ausmaße eines Brandereignisses, nicht vorstellen. Also ist, besonders für diesen Personenkreis, Aufklärung unbedingt nötig.

Weiterlesen „Brandschutz für blinde Menschen“