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Allgemein unterwegs Zu Gast auf lydiaswelt

Geräuschumgebung, zu laut oder zu leise

Geräusche spielen für blinde Menschen eine bedeutende Rolle. Das gilt für die Orientierung im Straßenverkehr, dem Ausmachen von Gefahrenquellen oder bei der Kommunikation mit dem Gegenüber. Ich kann nicht sehen, ob mir jemand freundlich zunickt und brauche eine direkte Ansprache. Den Ampelpfosten finde ich nur, wenn er sich irgendwie akustisch zu erkennen gibt. Und der laufende Motor eines Busses verdeckt die anderen Geräusche so sehr, dass ich nicht hören kann, ob ich die entsprechende Straße überqueren kann oder nicht.

Mein heutiger Gastautor Willi hat dieses Thema aufgegriffen. Er hat schon mal einen Beitrag für mich geschrieben, der sich um das blind Fernsehen oder ins Kino gehen dreht.

Und immer dieser Lärm
Eigentlich hatte ich mich sehr auf diesen Abend gefreut: Wir wollten, die meisten von uns blind, in das neue In-Lokal in unserer Stadt gehen. Während der Happy Hour gibt es für die Mädels die Cocktails billiger und wir Jungs lassen uns ein großes Bier schmecken. Internationale Küche gibt’s auch, da findet wirklich jeder was.
Doch schon als wir reinkommen, setzt bei mir der Fluchtinstinkt ein. Wir werden von ohrenbetäubender Musik empfangen. „Sucht Ihr einen Tisch?“ Die Kellnerin ist fast nicht zu verstehen. Wir rufen Ja im Chor, als hätte die Lieblingsmannschaft ein Tor geschossen. Siebugsiert uns an einen Tisch direkt unter dem Lautsprecher. „Entschuldigung, gibt es noch einen Tisch, an

dem es etwas leiser ist?“ Sie überlegt kurz und führt uns im Gänsemarsch durch das Lokal zu einem Tisch, der für uns vier gerade so ausreicht. Außerdem ist es hier dunkel, was sich noch rächen soll. „Wollt Ihr was trinken?“, fragt die Kellnerin so laut sie kann. „Wir wollen Cocktails“, schreien die Mädels. Unser einziger Guckling kann die Karte nicht lesen, so dass die Kellnerin nun ihr dünnes Stimmchen in die Waagschale werfen muss und die wunderbar benannten Cocktails und deren Zutaten vorlesen. Irgendwie finden wir alle etwas und nachdem sie sich durch die Speisen geschrien hat, kann auch unser Hunger gestillt werden. Wir wären wohl gern noch etwas geblieben, aber unserer Bitte, doch die Musik etwas leiser zu machen, wurde nicht entsprochen.

Sehbehinderte und blinde Menschen kennen diese Geschichte in vielen
Variationen. Unser Hörsinn ist ja unser einziges Kommunikationsmedium. Durch laute Musik an Orten, an denen wir uns unterhalten wollen, wird dieser total ausgebremst. Wir sind dann nicht nur blind, sondern de facto taub. Wer sieht, kann dem Nachbarn von den Lippen lesen und seine Worte mit Mimik und Gestik unterstreichen. Zwar waren bestimmt schon die Tavernen zur Römerzeit keine Orte der Stille, aber die Unsitte, jedes Lokal noch mit lauter Musik zu beschallen, griff erst in den letzten 30 Jahren um sich. Auf großen sommerlichen Stadtfesten überbieten sich die in der ganzen Innenstadt verteilten Bühnen mit ihren Beschallungsanlagen. Wenn es dann so laut wird, dass die Autos nicht mehr gehört werden können, wird es sogar gefährlich. Warum aber regen sich dieselben Leute über Kinderlärm auf, denen offensichtlich der elektromechanisch erzeugte Lärm nichts ausmacht? Wir müssen uns doch ernsthaft fragen, warum ein Hahnenschrei uns aufregt, während wir gleichzeitig die Musik um uns herum immer lauter hören müssen.
Aber auch von anderer Seite droht uns akustisch Ungemach: Manchmal führt Baulärm bei einigen von uns zu panikartigen Reaktionen. Deshalb werden in Marburg alle Baustellen, an denen es sehr laut sein kann, entsprechend von Bauarbeitern gesichert, die unsereins sicher durch die Baustelle begleiten.
Doch auch „Leisetreter“ machen uns Probleme: So erschrecken wir uns, wenn ein Radfahrer im vollen Tempo an uns vorbeischnurrt. Zu einer neuen Gefahrenquelle können Elektroautos werden, wenn sie ohne eine zusätzliche Schallquellen unterwegs sind.
Doch leider sind auch wir Blinden und Sehbehinderten nicht achtsam untereinander. Welchen infernalischen Krach wir entfalten können, zeigt sich an unseren Stammtischen. Hier könnte die Lautstärke einer Gruppe im Kindergarten durchaus Konkurrenz machen.

Ich danke Willi für seinen Beitrag. Und wie immer lade ich Euch herzlich ein, Eure Meinung in die Kommentare zu schreiben.

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Allgemein blinde Eltern unterwegs

Die Begleitperson muss nicht erwachsen sein

Gemeinsam mit unseren sehenden Kindern im Alter von siebzehneinhalb und fast neunzehn Jahren wollen wir eine Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer unternehmen. Der Reiseanbieter gewährt Menschen mit Behinderung, welche das Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis haben, die kostenlose Mitnahme einer Begleitperson. Entsprechend wurden wir an der Hotline beraten. Wir buchten also für uns blinde Eltern und zwei Begleitpersonen, nämlich unsere Kinder. Für letztere würden nur noch die Kosten für den Transfer und der übliche Kleinkram anfallen. Ebenso schickten wir eine Kopie der Schwerbehindertenausweise an den Reiseanbieter, und warteten auf die Bestätigung.
Vier Tage später kam die Ernüchterung. Die Zentrale in Italien habe unsere Buchung bestätigt. Allerdings wollte man uns die Ermäßigung für eine Begleitperson nicht gewähren. Als Grund wurde angegeben, dass der Sohn das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet habe, und mich somit also nicht begleiten dürfe. Für ihn würden also noch mal fast 700 € zusätzliche Kosten anfallen. Das wollte ich so nicht stehen lassen, und schrieb eine entsprechende E-Mail an den Anbieter. Ich erklärte ihm meinen Standpunkt und dass ich diese Reise unter diesen Bedingungen nicht antreten möchte. Eine Antwort habe ich noch nicht bekommen, werde jedoch gern in einem späteren Beitrag über den Ausgang berichten. Auch fand ich keine Altersangabe der Begleitperson in den AGBs des Reiseanbieters.
Das Merkzeichen B auf dem Schwerbehindertenausweis berechtigt den Inhaber zur Mitnahme einer Begleitperson. Daran sind hier in Deutschland keine Bedingungen geknüpft. Und das aus gutem Grund. Denn die Anforderung an eine Begleitperson ist bei jeder Behinderung unterschiedlich. Ich kann also die Begleitperson mitnehmen, die ich als Mensch mit Behinderung für geeignet halte. Im Idealfall überlege ich mir also welche Hilfestellung ich brauche, und wähle aus welche Begleitung ich mitnehmen möchte.
In der Praxis heißt das, dass ich als blinde Frau auf einem Kreuzfahrtschiff jemanden brauche, der mir die Wege, die ich brauche zeigt, mir bei einem Büfett hilft mein Essen zusammenzustellen, oder bei der Suche eines Liegestuhls hilft oder mal einen Aushang vorliest. Das sind Tätigkeiten, die auf meine Anweisung hin passieren. Gleiches gilt für Ausflüge, an denen ich teilnehmen möchte.
Die Begleitperson begleitet und assistiert. Sie hilft mir meine Sinnesbehinderung, also die Blindheit ein stückweit zu kompensieren. Sie trägt keinerlei Verantwortung für mein Handeln. Der Einzige, der Verantwortung trägt, bin ich. Und zwar sowohl für mich, als auch für mein noch minderjähriges Kind. Und ich kann das, was ich meinen Kindern zumute, sehr gut verantworten.
Auch wenn es mir nicht schmeckt, habe ich gelernt damit zu leben, dass das Weltbild nicht blinder Personen in Bezug auf unseren Personenkreis oft sehr viele Missverständnisse beinhaltet. Hieraus resultieren Entscheidungen von nicht betroffenen Verantwortlichen, die absolut ungerechtfertigt sind. Hier eine kleine Auswahl von Diskriminierungen im Alltag, welche darauf basieren, dass blinden Menschen kein eigenverantwortliches Handeln zugetraut wird:
– Blinde dürfen keine Fahrgeschäfte vieler Freizeitparks nutzen,
wie Freizeitparknutzung durch blinde Menschen
und Freizeitparks, Blinde müssen draußen bleigen.
– Fitnessstudios, die blinden die Mitgliedschaft verwehren,
wie in Blinde Neu-Isenburgerin fühlt sich von Fitnessstudio ausgeschlossen,
und Als ich versuchte in einem Fittnessstudio zu trainieren.
– Zutrittsverweigerung einer blinden Mutter ins Schwimmbad.

Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Zeitgenosse den früheren Wortlaut, „Eine ständige Begleitung des Schwerbehinderten ist nachgewiesen“ oder so ähnlich verinnerlicht hat. Das wurde irgendwann geändert, nachdem unbegleiteten blinden Personen die Mitfahrt in manchen Bussen oder der Zutritt zu Einrichtungen verwehrt wurde. Manchmal scheint es, als habe die Ausgabestelle für gesunden Menschenverstand, Empathie und sozialer Kompetenz schon länger geschlossen.

So, Ihr kennt nun meine Sicht der Dinge. Jetzt bin ich gespannt auf Eure.

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Allgemein unterwegs

Hürden einer Augenklinik

Vor einem dreiviertel Jahr habe ich gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden, dass ich mich einer weiteren Hornhauttransplantation am rechten Auge unterziehen würde. Wir wussten beide, dass diese Operation riskant war. Die letzte OP dieser Art am rechten Auge hatte zu einer Abstoßungsreaktion geführt, die dafür verantwortlich war, dass sich die Hornhaut immer mehr eintrübte. Jetzt konnte ich gerade Mal hell und dunkel voneinander unterscheiden, während ich auf dem linken Auge noch grobe Umrisse sehe.

In der ersten Aprilwoche kam der Anruf, dass ein passendes Transplantat verfügbar sei. Ich könnte bereits am kommenden Montag aufgenommen werden. Allerdings würde man mich am Freitagnachmittag anrufen, um mir Bescheid zu sagen. Denn vorher würde erst mal eine Qualitätskontrolle erfolgen. Wir hatten jetzt Dienstagnachmittag. Also ausreichend Zeit, um alles Notwendige zu erledigen, Termine zu verlegen und was sonst noch so anfällt.
Am Freitag war ich die meiste Zeit zuhause, und wartete auf den Anruf der Augenklinik. Der kam nicht. Irgendwann begann ich selbst dort anzurufen. Allerdings erklärte mir der Anrufbeantworter, dass ich außerhalb der Sprechzeiten anrufe. Tja, die hatten mich vergessen. Und ich hatte jetzt genau zwei Optionen, nämlich den Montag abzuwarten und erst mal nachzufragen wie die Qualitätskontrolle verlaufen sei, oder gleich hinzufahren, und dabei das Risiko einzugehen wieder nach Hause geschickt zu werden.
Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit, und packte einen Rucksack mit allem, was ich für eine Woche Krankenhausaufenthalt brauchte.
In der Augenklinik angekommen, stand ich erst mal vor dem Automaten. Eine Dame half mir eine Nummer zu ziehen und las mir diese auch noch vor, mit den Worten „Ich pass für Sie auf“. Die Unsitte mit den Nummern mag ich gar nicht, weil sie mich von fremden Menschen abhängig macht. Und nichts und niemand garantiert mir, dass dieser Mensch mich nicht doch vergisst. Wenn es denn schon sein muss, dann bitte mit einer Sprachausgabe, oder einem Menschen, der einen aufruft. Mir hilft es nicht, wenn eine Nummer mit dem dazugehörigen Schalter aufleuchtet. Ich finde, dass eine solche Unsitte nichts in einer Augenklinik verloren hat.
Irgendwann fand ich den Weg zum richtigen Schalter, gab meine Unterlagen ab, und bekam eine Begleitung zur Station. Super fand ich, dass ich nur ein paar Minuten warten musste, bis jemand mir mein Zimmer zeigte. Während ich bei meinem letzten Aufenthalt eine schwerhörige, etwas verwirrte Bettnachbarin hatte, die ständig versuchte mit mir zu reden, hatte man mir diesmal eine Dame in meinem Alter zugeteilt, mit der ich mich verstand. Da war jemand sehr umsichtig bei der Aufteilung der Patienten.
Und jetzt kam das Aufnahmegespräch auf Station. Die Mitarbeiterin, die das mit mir führte, füllte das mit mir aus. Dieselben Fragen wie immer, dieselben Infoblätter wie immer. Wäre es nicht super, wenn man diese einmal in Braille- oder Großschrift umsetzen würde? Damit würde man den Mitarbeitern etwas Arbeit sparen, und ich könnte mir die Infos in aller Ruhe durchlesen.
Krankenpflege, Anästhesisten und andere Stellen im Krankenhaus kommen immer wieder ins rotieren, wenn es mal wieder gilt ihre umfangreichen Formulare auszufüllen. Diese wünsche ich mir elektronisch und Barriere arm. Dann könnte ich diese zuhause ausfüllen und mitbringen.

Taktile Leitlinien.
In Krankenhäusern wünsche ich mir taktile Leitlinien, die mich zum Ausgang, zum Wartebereich, Anmeldung oder zur Toilette leiten. Auch auf Station wäre es gut, wenn die wichtigen Räume durch taktile und kontrastreiche Leitlinien gekennzeichnet würden. Nicht nur blinden Patienten, sondern auch ältere Patienten mit Sehschwäche, die das größte Klientel ausmachen, könnten sich dann selbständiger orientieren.
Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit blinden und sehbehinderten Patienten.
Die meisten Pflegekräfte treten in alle erdenklichen Fettnäpfchen. Da wird gern mal mit der Begleitperson kommuniziert, das Brot vorsorglich geschmiert, oder über den Kopf des blinden Patienten hinweg entschieden was er alles alleine kann, und was nicht. Diese These wird nach dem eigenen Weltbild ausgerichtet. Die wenigen Mitarbeiter, die wirklich hervorragende Arbeit machen, fallen daher sofort ins Auge. Die Blindenverbände bieten Workshops an, um mit den größten Missverständnissen aufzuräumen. Aber die wenigsten Krankenhäuser nehmen dieses Angebot wahr.

WLAN, das erhalten bleibt.
Als ich vor drei Jahren eine Woche auf Station war, habe ich mir einen WLAN-Schlüssel geben lassen. Da es diesen ausschließlich in Papierform gibt, habe ich mir die Zugangsdaten auf ein Diktiergerät sprechen lassen. Ich musste feststellen, dass ich diese Daten mehrmals am Tag neu eingeben musste. Das ist nicht nur ziemlich nervig, sondern für Menschen, die Schwierigkeiten bei der Eingabe haben, eine Barriere. Ich war irgendwann so genervt davon, und entschied mich für meine eigenen mobilen Daten. Dieses Problem besteht noch immer. Und nicht jeder bringt einen guten Datentarif mit.

Das Angebot der Bewegung schaffen.
Nach der Vollnarkose sagt der Arzt gern, dass man sich ein bisschen bewegen soll, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bekommen. Wenn man Besuch bekommt, dann kann man dies auch gemeinsam umsetzen. Sonst kaum, wenn man sich in der Umgebung der Klinik nicht auskennt. Pflegekräfte sind oft so eingespannt, dass sie als Begleiter an der frischen Luft ausfallen. Hier sollte eine Möglichkeit geschaffen werden begleitet an die frische Luft zu kommen. Entweder durch ehrenamtliche Helfer, oder meinetwegen als optionale Leistung gegen eine kleine Aufwandsentschädigung. Denn nicht jeder ist so sicher, dass er sich seinen Weg durch ein Klinikum suchen möchte. Ich selbst habe das versucht, weil ich einfach nicht mehr herumsitzen oder liegen wollte und konnte. Und auf die Dauer wird der Krankenhausflur als Wegstrecke langweilig. Erst recht, wenn man nach jeder Runde von jemandem gefragt wird, wohin man denn möchte. Außerdem habe ich das Glück einen Bekannten in Kliniknähe zu haben, der mit mir spazieren gelaufen ist. Aber nicht jeder hat diese Möglichkeit.

Wieder zuhause angekommen, weiß ich meine eigene Couch, mein eigenes Zuhause und meine Unabhängigkeit von Dritten zu schätzen. Vielleicht sind diese Erlebnisse notwendig, um einem bewusst zu machen, was man hat, und nicht ausreichend wertschätzt.

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Allgemein Alltag Sport und Freizeit unterwegs

Vorlesestock hilft Blinden im Alltag

Wer blind ist, orientiert sich ganz anders als ein normal sehender Mensch im Straßenverkehr. Dabei sind markante Punkte, wie Straßenkreuzungen, Hauseingänge oder ein besonderer Straßenbelag eine große Hilfe. Doch in manchen Situationen kommen blinde Fußgänger an ihre Grenzen. Umso wichtiger wäre es Hausnummern, Straßenschilder oder die Aufschrift eines Ladenlokals lesen zu können. Denn nicht immer ist jemand auf der Straße unterwegs, den man fragen kann.
Herkömmliche Blindenstöcke stellen das Auge des Blinden am Boden dar. Mit Hilfe der Stockspitze kann der Bodenbelag, Stufen oder andere Hindernisse ertastet werden. Der Blindenlangstock wird mittels einer Pendelbewegung von links nach rechts in Schulterbreite ausgeführt. Die Länge ist von der Körpergröße des Nutzers abhängig, um eine größtmögliche Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten. Und wenn der Stock nicht mehr benötigt wird, ist er zusammenklappbar, und kann in einer Tasche, oder unter einem Stuhl verstaut werden.
Einer Forschergruppe aus Erlensee ist es erstmals gelungen einen innovativen Blindenstock zu entwickeln. Der Stick Reader 3000 sieht aus wie ein herkömmlicher Blindenstock, bringt jedoch einige nützliche Funktionen für blinde Nutzer im Straßenverkehr mit.
Der Stick Reader 3000 wurde als Vorlesestock entwickelt. Er kann beim Gehen wie ein herkömmlicher Blindenstock verwendet werden, bietet jedoch viele zusätzliche Vorteile. Mit seiner Hilfe lassen sich Straßenschilder oder Werbeplakate auslesen. Eine kleine Kamera befindet sich ca. 10 cm über der Stockspitze. Sie ist mit einer Klappe versehen, um sie vor Wasser und Schmutz zu schützen. Im Griff, der kaum dicker als der eines herkömmlichen Blindenstocks ist, sind ein Lautsprecher, der Akku, Audio- und Datenanschluss verbaut. Bei Bedarf kann auch ein Headset via Bluetooth angeschlossen werden. Das ist bei stark befahrenen Straßen besonders wichtig.
Um den Vorlesemodus des Stick Reader 3000 zu aktivieren, wird er mit der Spitze nach oben gehalten. Mehrere Fotos werden in Richtung der Stockspitze gemacht, und mit Hilfe einer OCR-Software aus den Bildern der Text herausgefiltert und vorgelesen.

Vorlesestock Kamera hochkant Schild
Vorlesestock Kamera hochkant Schild

Eine kleine Lampe sorgt bei schlechten Lichtverhältnissen für eine gute Bild- und Texterkennung. Die Akkulaufzeit beträgt zurzeit einen Monat im Stand-by-Modus. Bei eingeschalteter Lampe verkürzt sie sich auf zwölf Stunden. Ein Ladekabel wird mitgeliefert. Die Vorlese-Software ist Open Source und kann beliebig erweitert werden. Mit einem namhaften Elektronikkonzern soll demnächst eine Kleinserie produziert werden, um eine Testphase einzuleiten. So werden in Zukunft auch große Werbeplakate und Firmenschilder kein Problem darstellen. Und mit etwas Übung geht auch das Auslesen von Hausnummern und einfahrenden Bussen.

Vorlesestock Kamera Fahrplan
Vorlesestock Kamera Fahrplan

Doch die Entwickler des Stick Reader 3000 haben noch mehr vor. Wichtige Punkte sind eine Offlinelösung für die Vorlesefunktion des Stocks, damit blinde Nutzer unabhängig von Funklöchern sind. Damit könnte auch das Auslesen von Klingelschildern möglich werden. Außerdem soll es möglich werden den Griff des Stick Reader 3000 an das jeweilige Outfit des Nutzers oder der Nutzerin anzupassen. An einer entsprechenden Beleuchtungstechnik wird noch geforscht. Ebenfalls soll es möglich sein den Stick Reader 3000 per Smartphone aufzuspüren und einen lauten Piepton darauf zu schicken. Das ist besonders wichtig, wenn mal jemand den Standort des Stocks verändert hat, ohne den blinden Besitzer darüber zu informieren.
Die Entwickler sind selbst blind oder sehbehindert, und kennen daher die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe am besten. Daher dürfen wir auf die Weiterentwicklung des Stick Reader 3000 gespannt sein.

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Allgemein Alltag unterwegs

Der Blindenstock in der Praxis

Der Blindenlangstock, oder auch Blindenstock genannt, ist ein international anerkanntes Kennzeichen für blinde Personen im Straßenverkehr. Neben ihm sind auch die gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten, die beidseitig an der Kleidung befestigt werden, und das weiße Führgeschirr, welches Blindenführhunde tragen, ebenfalls gültige Kennzeichnungen.

Im Folgenden möchte ich auf den Blindenlangstock eingehen, der neben der Kennzeichnung auch eine ganz wichtige Funktion erfüllt. Er ist sozusagen mein Auge am Boden.

Ich halte ihn beim Laufen so, dass er mir stets einen Schritt voraus ist. Bevor ich also einen Fuß nach vorne bewege, muss mein Stock diese Stelle berührt haben. Das ist wichtig, um sicherzustellen, dass sich kein Hindernis an dieser Stelle befindet. Die Stockspitze wird in einer Pendelbewegung von links nach rechts und zurück bewegt. Dabei bleibt sie immer am Boden. Damit kann ich fühlen, ob sich etwas im Weg befindet, ob es Stufen nach oben oder unten gibt, oder ob die Stelle, die ich passiere, etwas enger ist.
Stößt der Stock irgendwo gegen, dann kann ich mit Hilfe der Stockspitze ertasten ob es sich um einen Stolperstein, einen Autoreifen oder eine Stufe aufwärts handelt. Das kriege ich raus, indem ich mit der Stockspitze eine Seitwärtsbewegung mache, oder die Stockspitze langsam nach oben ziehe. Geht es abwärts, merke ich es daran, dass der Stock ein bisschen ins Leere pendelt.
An Bahnsteigen oder öffentlichen Gebäuden werde ich oft auf Fahrstühle hingewiesen. Das ist nett gemeint, aber manchmal etwas unpraktisch für mich. Erst recht, wenn die Aufzüge im Gebäude keine Sprachausgabe haben. Die brauche ich, um zu kontrollieren wo ich aussteigen muss. Außerdem ist der Weg, den man kennt, der Beste für blinde Menschen. Wege sind so etwas wie ein Auswendiglernen.
Beim Treppensteigen nach oben halte ich den Blindenstock so, dass die Spitze in Höhe der ersten Stufe ist. Wenn ich ihn locker in der Hand halte, pendelt er gegen jede weitere Stufe. Sobald er ins Freie pendelt, weiß ich, dass ich das obere Ende der Treppe erreicht habe.
Geht es abwärts, so mache ich das genau umgekehrt. Ich halte die Stockspitze so, dass sie sich etwa eine Stufe tiefer als ich befindet. Die Treppe ist zu Ende, sobald die Spitze aufsetzt. Zur Sicherheit kann ich noch mal nach vorne pendeln.
Mit dieser Technik steige ich auch in Bus und Bahn ein und aus. Das birgt weniger Gefahren, als wenn hilfsbereite Passanten mich ungefragt am Arm nehmen, oder mich am Stock versuchen irgendwohin zu ziehen. Stellt Euch vor, ihr wollt in einen Bus einsteigen, und da kommt jemand, hält Euch die Augen zu und schiebt.
Solche Techniken werden durch Mobilitätstrainer und Rehalehrer vermittelt. Wichtig dabei ist, dass sie regelmäßig geübt werden. Das ist wie das Laufen lernen bei einem Kleinkind. Auch da steckt viel Übung dahinter, bis es zuverlässig klappt.
Kommen wir mal zu den Dingen, die der Stock nicht wahrnehmen kann. Das sind beispielsweise herabhängende Äste, die bei Regen gern mal noch tiefer hängen, Außenspiegel, wenn man zu eng auf dem Bürgersteig geparkt hat, oder offene Ladeflächen eines LKW. Alles was am Boden ist, kriege ich mit. Hindernisse, die erst in Schritthöhe beginnen, bekomme ich erst mit, wenn der Stock darunter durchgependelt ist. Daher liebe ich Schranken, die unten noch mal eine Querstange haben, gegen die der Stock pendeln kann.
Liebe Autofahrer, die Ihr manchmal halb auf dem Bürgersteig parkt, nicht nur Rollstuhlfahrer und Kinderwagen kommen schwer bis gar nicht durch die enge Stelle. Blinde Menschen haben ebenfalls das Problem sich daran vorbeiquetschen zu müssen. Und so ein Außenspiegel im Gesicht macht nicht wirklich Spaß.

Eure Lydia