Wie Technik mein Leben verändert hat

Lydia sitzt am Schreibtisch, auf dem ein Computerarbeitsplatz steht.

Mit neun Jahren bekam ich eine Sprechpuppe geschenkt, die ich mir so sehr gewünscht hatte. Am Bauch befand sich ein Knopf. Wenn ich den drückte, sang die Puppe ein Lied oder erzählte eine kleine Geschichte. Am Rücken befand sich eine Klappe, die man öffnen konnte, um die Platte mit dem Inhalt auszutauschen. Und wenn man die Puppe während des Singens schüttelte, dann leierte es ein bisschen. Damals fand ich das wahnsinnig faszinierend. Später lernte ich andere Puppen kennen, die lachen, weinen und sogar ein paar Schritte gehen konnten. Für das Kind in mir hatte das etwas Magisches an sich.
In der achten Klasse lernte ich die elektrische Schreibmaschine kennen. Bisher hatte ich auf mechanischen Schreibmaschinen geschrieben. Ich lernte, dass ich weniger fest drücken musste, wenn ich auf der elektrischen Schreibmaschine schrieb. Die meiste Zeit schrieb ich auf der mechanischen Schreibmaschine, weshalb ich noch heute einen recht festen Tastaturanschlag habe.
Im Alter von 20 Jahren kam der erste PC in mein Leben. Gemeinsam mit einem Drucker, einem großen Notizgerät und einer 10 Finger-Tastatur nebst Bildschirm war der Schreibtisch ziemlich belegt. Heute, 30 Jahre später steht nur noch ein Notebook mit Braillezeile auf meinem Schreibtisch. Der Monitor ist so schmal, dass er nicht mehr so viel Platz wegnimmt. Und den Drucker brauche ich nur noch selten, da ich viele Dinge nicht mehr auf dem Postweg erledigen muss, sondern per E-Mail. Und wenn ich verreise, dann kann ich das Notebook und die Braillezeile mitnehmen, und habe alles Nötige dabei.
1995 zog das erste Mobiltelefon bei mir ein. Ich weiß noch, wie ich mich erschrocken habe, als es im Bus klingelte. Heute ist das völlig normal, wenn Handys klingeln. Die Geräte wurden immer kleiner, die Technik immer besser. Im Jahr 2000 wollte ich unbedingt lernen SMS zu schreiben. Also habe ich mir versucht mit sehender Hilfe die Tastenfolge für Aufrufen und Absenden der SMS zu merken. Buchstäblich im Blindflug, da es noch kein Mobiltelefon mit Sprachsoftware gab. Das erste dieser Art zog viele Jahre später bei mir ein. Ein handelsübliches Nokia plus einer zugekauften Software, die mehr kostete als das Telefon selbst. Aber ich konnte damit meine Kontakte verwalten, SMS schreiben und Notizen machen. Mit der Zeit kamen immer mehr Funktionen dazu.
2012 kam das erste iPhone in mein Leben. Bisher konnte ich mir die Bedienung eines Touchscreen überhaupt nicht vorstellen. Heute ist es aus meinem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Die meisten Dinge, die ich früher nur am PC erledigt hatte, konnte ich jetzt da erledigen, wo ich gerade war. Nachrichten schreiben, eine E-Mail beantworten, auf Facebook gehen. All das war auf einmal möglich. Wenn ich zuhause einen Text geschrieben habe, kann ich diesen in meinem Lieblingskaffee oder im Zug am Smartphone weiterbearbeiten.
Ein weiterer Aspekt sind diverse Möglichkeiten der Navigation, die mir bei der Mobilität helfen. Einen Weg selbständig finden, nach dem nächsten Bus schauen oder mir ein Taxi bestellen, welches mich hier an meinem Standort abholt, sind Hilfen, die ich zu schätzen gelernt habe.

Fazit, mich hat die immer kleiner werdende Technik unabhängiger vom Standort gemacht. Und sie erlaubt mir in vielen Bereichen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.

Mit diesem Text nehme ich an der Blogparade der Bloggerkollegen von Anders und doch gleich zum Thema Wie Technik mein Leben verändert teil.

iPhoneApps für unterwegs

Lydia mit einem iPhone, dessen Kamera auf ihr Oberteil gerichtet ist.

Da ich kein Auto oder Fahrrad fahren kann, bin ich meist zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In meinem Beitrag der Blindenstock in der Praxis beschreibe ich wie ich mich im Straßenverkehr orientiere.
Es gibt aber auch für mich Situationen, wo ich mit dem Blindenstock alleine nicht an mein Ziel kommen kann. Dann nutze ich einige technische Hilfsmittel, die mein iPhone mir bereitstellt. Diese habe ich hier einmal zusammengestellt.

Ich kann die Fahrpläne an der Bushaltestelle nicht lesen. Daher nutze ich die gut zugängliche App Abfahrtsmonitor, die mir Haltestellen des ÖPNV und die jeweiligen Streckenverläufe anzeigt. Sie kann meinen Standort feststellen und mir Haltestellen in meiner Nähe anzeigen. Außerdem kann ich mir häufig genutzte Haltestellen als Favoriten definieren, was das Auffinden enorm beschleunigt.

Wenn ich gezielt mit der Bahn fahren möchte, dann nutze ich gern den DB Navigator. Hier kann ich mir Züge inklusive Fahrpreis anzeigen lassen, ein Ticket buchen oder eine Reservierung vornehmen. Allerdings ist die Bedienung mit dem Screenreader VoiceOver etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert etwas Übung. Was auch noch nicht geht ist die kostenlose Reservierung für die Begleitperson eines Schwerbehinderten Fahrgastes. Das geht bisher nur über den Mobilitätsservice oder am Bahnschalter.

Die App Seeing Assistant AlarmGPS Lite ermöglicht es Punkte zu setzen, und ein akustisches Signal auszulösen, wenn man sich diesen auf eine vordefinierte Distanz nähert. Ich mache das gern bei Buslinien, die keine akustischen Ansagen haben. Ebenso kann man gezielt eine Adresse suchen und sich diese einspeichern. Besonders mag ich, dass man die gesetzten Punkte mit anderen Nutzern dieser App teilen kann. Zum Ausprobieren gibt es eine kostenlose Version. Nach heutigem Stand ist die App in Englisch.

Vom selben Entwickler gibt es die App Seeing Assistant Move LITE, mit deren Hilfe man Wegstrecken aufzeichnen kann. Das macht Sinn, wenn man sich nicht so stark auf einen Weg konzentrieren möchte. Ich habe das genutzt, wenn ich einen Weg mit sehender Begleitung gegangen bin, und diesen später alleine wieder finden wollte. Auf dem Weg kann man sich auch Punkte setzen, die man beschreiben kann. Beispiel: Links halten, oder auf Poller achten. Auch hier gibt es zum Ausprobieren eine kostenlose Version. Bei dieser App sollte man wissen, dass sie nicht komplett ins Deutsche übersetzt wurde.

Wenn ich einen Weg plane, dann wähle ich nicht immer die kürzeste Strecke, sondern die, welche mir leichter fällt. Ein wesentlicher Aspekt sind Straßenkreuzungen. Manche kann ich gut nach Gehör überqueren, oder es gibt blindengerechte Ampeln. Die App Ampel-Pilot verspricht Abhilfe, indem sie die Rot- bzw. Grünphase erkennt. Allerdings ist sie mit Vorsicht zu genießen. Ich empfehle aus Sicherheitsgründen die ersten Tests mit einer Ampel durchzuführen, die man gut kennt. Alternativ würde ich erste Tests gemeinsam mit sehender Begleitung durchführen. Diese App befindet sich noch in der Testphase, hat jedoch Potential.

Die App ist eine Navigationshilfe für blinde Nutzer, die mir gerade in einer fremden Umgebung eine große Hilfe ist. Ich kann ein Restaurant, ein Hotel oder einen Bahnhof heraussuchen, und mir anzeigen lassen in welcher Richtung und wie weit entfernt dieser von mir ist. Und ich kann diese Informationen einer Navigationsapp übergeben, die mich hin navigieren kann. Plane ich eine Reise an einen fremden Ort, kann ich diesen von zuhause aus simulieren und mir schon mal die Umgebung ansehen. Diese App ist sehr umfangreich. Man sollte sich daher ein bisschen Zeit für die Einarbeitung nehmen.

Die App Myway Klassik vereinigt mehrere Funktionen, für die blinde und sehbehinderte Anwender sonst mehrere Apps gleichzeitig nutzen müssen. Die App verfügt über ein klassisches Fußgängernavigationssystem, ermöglicht es einen Überblick über die unmittelbare Umgebung zu bekommen und verfügt über die Möglichkeit Routen aufzuzeichnen.
Orientierungspunkte können selbst gesetzt werden benannt und mit eigenen Navigationsanweisungen versehen werden. Die Punkte und Routen können
verschickt und von der App eingelesen werden. Dies ermöglicht den gegenseitigen Austausch von Routen. So legt der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband Wanderrouten auf einem Server ab, die sich blinde Wanderer dann herunterladen und zur eignen Begehung von Wanderwegen nutzen können.
Doch es gibt auch Situationen, in welchen sehende Hilfe nötig ist. Hier habe ich die App
Be My Eyes – Helping blind see zu schätzen gelernt. Damit kann ich über Videotelefonie auf ein weltweites Helfernetzwerk zugreifen. Die sehende Hilfe kann durch meine Kamera blicken und mir die beispielsweise helfen die gesuchte Steckdose im Hotelzimmer oder die heruntergefallene Brille zu finden.

Das war eine kleine Auswahl von Apps, die ich im Alltag nutze. Und es ist gut, dass es inzwischen eine beträchtliche Auswahl dieser Alltagshelfer gibt, die uns Menschen mit einer Sehbehinderung zu mehr Lebensqualität und räumlicher Unabhängigkeit verhelfen.

Blind am PC arbeiten, anders oder gleich

mobiler-arbeitsplatz-im-cafe

Der PC spielt in meinem Leben eine bedeutende Rolle. Ich arbeite zwar weder im IT-Bereich, noch irgendwo anders in der Computerbranche. Dennoch ist der PC für mich eines meiner wichtigsten Hilfsmittel im Alltag. Im Grunde ist er ebenso wichtig wie meine erste Tasse Kaffee am frühen Morgen, ohne die ich normalerweise keinen Tag vernünftig beginne.
Mein erster PC war tatsächlich so ein großes Teil mit Gehäuse, welches man nicht einfach so mitnehmen konnte. Damit war mein Schreibtisch immer vollgestellt. Denn nicht nur der Bildschirm, die Tastatur und der PC mussten darauf Platz finden, sondern auch ein Drucker und ein Scanner. Links und rechts vom Bildschirm kam noch je ein kleiner Lautsprecher für die Sprachausgabe. Eine Braillezeile kam so unter die Tastatur, dass ich mit den Händen einen möglichst kurzen Weg von der Tastatur zur Brailleschrift hatte. Wenn ich Platz auf meinem Schreibtisch haben wollte, musste ich den Rechner irgendwie unter den Tisch platzieren.
Später ersetzte ich den großen Rechner durch ein Notebook, wodurch ich nicht nur Platz auf dem Schreibtisch sparte, sondern auch ein mobiles Gerät hatte. Der PC ist mein Schreib- und Lesegerät. Im Gegensatz zu nicht blinden Computernutzern schreibe ich alles das über den PC auf, was sehende Personen mit einem Stift und Notizbuch festhalten. Wenn ich das mache, wird es ziemlich unleserlich. Vor Allem aber kann ich meine eigene Handschrift nicht mehr lesen. Daher tue ich mir und anderen den Gefallen alles mit dem PC aufzuschreiben. Das passiert mittels einer herkömmlichen Tastatur. Auf den Schulen für blinde Kinder ist das Beherrschen der Zehnfingertastatur ein Pflichtfach. Damit kann ich auf jedem PC mit fühlbaren Tasten schreiben. Nur bei Sondertasten muss ich mir einmal erklären lassen, wo diese liegen, da ich die Symbole und Beschriftung nicht sehen kann

Sprachausgabe.

Auf dem PC läuft eine Software im Hintergrund, die Veränderungen auf dem Bildschirm bzw. Tastatureingaben abgreift, und diese für mich wahrnehmbar macht. D. h. die Buchstaben, Sonderzeichen oder Wörter werden gesprochen. Ich kann einstellen wie genau ich die Eingabe auf der Tastatur gesprochen haben will. Gleiches gilt auch für eine Datei, die ich zum Lesen öffne. Ich kann einstellen was ich genau hören möchte. Denn es macht einen Unterschied, ob ich Fließtext höre, oder eine Excel Tabelle. Diese Programme nennt man Screen Reader.

Braillezeile

Gerade wenn ich einen Text Korrektur lese, brauche ich ihn buchstäblich unter den Fingern. Dafür gibt es die Braillezeile. Diese zeigt einen Ausschnitt in Brailleschrift, den ich beliebig über den Bildschirm verschieben kann. Denn manche Fehler hört man mit der Sprachausgabe nicht, während man sie in einer eins zu eins Übertragung auf der Braillezeile fühlt.
Wenn man vernünftig arbeiten möchte, braucht man einen Screen Reader, der die Informationen in Echtzeit liefert. Und da dieser Ressourcen braucht, ist es wichtig, dass mein PC die entsprechende Leistung und Arbeitsspeicher mitbringt.

Wie kommt das Geschriebene auf das Papier?

Wenn ich meine Briefe oder Notizen in meiner Textverarbeitung geschrieben habe, schicke ich diese an meinen Drucker. Die Wahl des Ausgabegeräts ist hier Geschmacksache. Für mich ist allerdings wichtig, dass ich diesen durch fühlbare Tasten bedienen kann. Mit einem Touchdisplay welches in der Regel nicht spricht, kann ich nichts anfangen.

Dokumente und Briefe.

Auch der Scanner steht nicht nur zur Dekoration auf meinem Schreibtisch. Ihn benutze ich, wenn ich gedruckte Briefe bekomme, welche ich einscanne, über eine OCR-Software laufen lasse, und diese dann in Sprache oder Brailleschrift umwandeln lasse. Denn viele Ämter, Krankenkassen oder andere Institutionen kriegen es nicht hin mir ein Schreiben auf elektronischem Weg zukommen zu lassen. Datenschutz ist hier das Totschlagargument gegen Barrierefreiheit für blinde Computernutzer. Vielleicht sollte ich ihnen meine Antworten künftig in Brailleschrift zuschicken.
Den Scanner nutze ich aber auch gern, um mir Dokumente unter einem sprechenden Namen zu archivieren, oder per E-Mail zu verschicken. Früher habe ich das auch schon mal genutzt, um eine handschriftliche Mitteilung oder Ankreuzformular einem Freund zu schicken, der mir dann die Angaben abschrieb, und per E-Mail zurück schickte. Denn Handschrift wird noch immer von keinem OCR-Programm zuverlässig erkannt. Genauso wenig wie die Ankreuzformulare meiner Krankenkasse. Wenn ich heute solche Dokumente habe, geht es schneller, wenn ich ein entsprechendes Foto über mein Smartphone mache, und es verschicke.

Fazit.

Für blinde Computernutzer, die überall in der Lage sein wollen, sich etwas zu notieren, ist ein portabler Computer unerlässlich. Meiner steht in einer Dockingstation. Damit ich nicht jedes Mal, wenn ich ihn mitnehme das gesamte Equipment neu verkabeln muss. Denn wenn ich unterwegs bin, dann reichen mir der PC und ggf. meine Braillezeile.
Im vergangenen Jahr habe ich die Brailleeingabe auf dem iPhone für mich entdeckt. Damit kann ich überall schnell und sicher schreiben. Das hat mich etwas unabhängiger von meinem PC gemacht, den ich allerdings gern zuhause für die Feinarbeit benutze. Für das Smartphone spricht jedoch, dass es besser in meine Handtasche passt. Den PC nehme ich nur noch dann mit, wenn ich längere Zeit unterwegs bin. Ansonsten tut es das Smartphone. Wenn ich weiß, dass ich längere Texte schreiben muss, nehme ich eine Tastatur mit, die sich mit meinem mobilen Gerät koppeln lässt. Gepaart mit einer Braillezeile bin ich bestens ausgerüstet.

Bilder für Blinde zugänglich machen

Lydia Hält lächelnd einen Käsekuchen hoch

Neulich schickte mir eine Freundin auf Facebook ein Foto. Die Absenderin wusste, dass ich blind bin. Dennoch kam dieses Bild ohne jegliche Beschreibung zu mir.

In früheren Beiträgen habe ich bereits beschrieben, wie blinde Nutzer den PC oder das Smartphone nutzen. Auch diese technischen Hilfsmittel haben Grenzen. Beispielsweise bei einem Text, der in ein Bild eingebettet ist. Mein Screen Reader erkennt ein Bild. Und vielleicht auch noch Bruchteile des Textes. das war es dann auch schon. Ich kann also nicht, wie ein sehender Nutzer, innerhalb von Sekunden erfassen was ich da bekommen habe, sondern muss einigen Aufwand betreiben. Ich kann z. B. das Bild durch ein Programm zur Texterkennung schicken, und versuchen den Text aus dem Bild erkennen zu lassen. Wenn das Foto gut gemacht ist, und der Kontrast stimmt, dann geht es. Aber bei vielen Fotos, an denen sich ein Grafikdesigner bei den Lichteffekten ausgetobt hat, geht das nicht.

Immer wieder erreichen mich Fotos, die nicht beschriftet sind. Und das von Menschen, denen meine Sehbehinderung bekannt ist. Ein Absender, den ich darauf aufmerksam machte, empfahl mir, dass meine Kinder mir den Text ja vorlesen könnten. Hallo, geht’s noch? In meinem Facebook Account hat niemand anderes was verloren. Und schon gar nicht in meinen persönlichen Nachrichten. Auf die Frage, ob er sich seine Liebesbriefe auch von einer dritten Person vorlesen lassen würde, bekam ich keine befriedigende Antwort.

So, genug gemeckert. Jetzt habe ich einige Anregungen, wie es besser geht. Denn es ist nicht sehr aufwändig blinde Menschen am bildlichen Geschehen teilhaben zu lassen. das geht mit einfachen Bordmitteln.

Text als Bild

So sieht das Foto aus, welches ich zu Beginn dieses Beitrags erwähnt hatte. Ich hätte den Inhalt selbst lesen können, wenn die Nachricht als Text zu mir gekommen wäre. Nämlich so:

„Hey, eine Frage an Dich… Kennst Du den wunderbarsten Menschen der Welt? Kennst Du die wertvollste Person, die es gibt? Kennst Du den Menschen, der einfach unersetzbar ist? nein? Na dann guck aber mal ganz schnell in den Spiegel!!! Jaa, ich meine DICH!!! Schicke das an jeden, deren Freundschaft dir etwas bedeutet, auch an mich. Bekommst du sie nur einmal zurück, bist du kein guter Freund, bekommst du sie mehr als dreimal bist du ein echter Schatz!“

Text auf einem Bild

Das ist ein Text, den alle Screen Reader sofort auslesen können. Und das in Echtzeit.

Bilder als Anhang einer E-Mail

Ein Foto, das auf dem PC gespeichert wird, hat einen Namen. Dieser lässt sich ändern. Aus einem kryptischen Namen, der gern vom System vergeben wird, kann man eine Beschreibung machen. Diese könnte beispielsweise „Lydia hält lächelnd einen Käsekuchen.jpg“ heißen. Unter diesem Namen habe ich das Beitragsfoto abgespeichert. Bekomme ich ein so beschriebenes Bild, kann ich es mit eben diesem Namen abspeichern, und später wiederfinden. Auch wenn mehrere Bilder in derselben E-Mail kommen. Problematisch wird es, wenn die Beschreibung nicht im Dateinamen steckt, sondern im Text der E-Mail. Dann ist es für mich unmöglich die Beschreibung dem entsprechenden Bild zuzuordnen.

Gleiches gilt, wenn ich Bilder auf einem USB-Stick, oder anderem Medium bekomme. Haben die Dateinamen keine Beschreibung, kann ich alleine nichts damit anfangen.

Grafiken und Fotos beschriften

Screen Reader können Grafiken zwar als solche ausmachen, jedoch nicht beschreiben. Daher ist es wichtig, dass diese mit einem aussagekräftigen Text hinterlegt werden.

In vielen Blogs, die ich verfolge, sehe ich viele Fotos, die wichtig für den Kontext sind, jedoch keinerlei Beschriftung aufweisen. Dabei gibt es die Felder für Beschreibung und Alternativtext, die von Programmen, die blinde Leser benutzen, ausgelesen werden können. Und nicht nur WordPress bietet gute Möglichkeiten, Bilder mit alternativen Beschreibungen zu versehen. Das ist wichtig für Blinde oder Sehbehinderte, die das Bild nicht sehen oder nicht erkennen können.

Die Optionen zur Bildbeschreibung werden in der Mediathek in der rechten Spalte angezeigt. Ist das Bild ausgewählt, könnt ihr Alternativtext oder Titel festlegen.

Der Alternativtext wird Blinden vorgelesen. Der Titel wird angezeigt, wenn ihr mit dem Mauscursor über das Bild fahrt. Er richtet sich also eher an Sehbehinderte. Alternativtext und Titel dürfen identisch sein, da die Hilfssoftware von Blinden jeweils nur eines von beidem vorliest. Allerdings schlagen Plug-Ins wie Access Monitor an, wenn die beiden Texte gleich sind. Das Tool geht in solchen Fällen davon aus, dass die Felder automatisch befüllt wurden.

Als Faustregel gilt: Blinde können das Bild nicht sehen und benötigen grundlegende Infos: Was ist überhaupt auf dem Bild zu sehen. Zum Beispiel „Das Diagramm zeigt die Geschäftsentwicklung 2015“. Die Werte dazu sollten natürlich in einer Tabelle oder im Fließtext stehen. Sehbehinderte haben eventuell Probleme, den Bild-Inhalt zu erkennen, ihnen hilft daher eine allgemeinere Beschreibung des Bildaufbaus. Zum Beispiel: „Das Säulendiagramm zeigt die Geschäftsentwicklung des Jahres 2015, die einzelnen Säulen bilden die Monate ab“. .

Ich habe von vielen Bloggern gehört, dass auf Seminaren vermittelt wird, dass diese Felder unwichtig sind, und daher ruhig ignoriert werden können. Ich hoffe, dass auch zu diesen Seminarleitern durchdringt, dass auch blinde und sehbehinderte Nutzer im Internet unterwegs sind.

Was heißt ein Foto beschreiben?

Die Beschreibung eines Fotos sollte kurz und aussagekräftig sein. Wer macht was, womit und wo. Evtl. könnte auch der Gesichtsausdruck wichtig sein. Für sehende Nutzer mag das absolut unwichtig sein. Für uns blinde Leser jedoch ist das sehr wichtig, um am bildlichen Geschehen teilhaben zu können.

Also, liebe Versender von nicht beschrifteten Bildern!
Wenn Ihr wollt, dass der Empfänger Eure Nachricht auch wahrnehmen kann, dann beschriftet oder beschreibt Eure Bilder entsprechend. Dann hat der Empfänger die Wahl das Bild weiterzuschicken, abzuspeichern, oder ins Nirwana zu befördern. Auf jeden Fall aber kann er dies selbständig tun. Bei Fotos, die ohne Beschriftung kommen, weiß man nicht, ob sie doch eine wichtige Information enthalten. Meine persönliche Lösung dafür ist, dass Fotos, die von Leuten kommen, die mir nur selten etwas schicken, direkt und kommentarlos gelöscht werden, erst recht, wenn sie wissen, dass ich das Foto nicht sehen kann.

Tja, und wenn Ihr wirklich nicht wisst, wie Ihr das machen könnt, dann fragt den Empfänger doch einfach wie er oder sie es gerne hätte. Denn mein Beitrag stellt nur einige Anregungen vor, und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine bildschöne Zeit.

Eure Lydia

blind fernsehen oder ins Kino gehen

Heute beantworte ich in einem Workshop Fragen zu meiner Sehbehinderung. Ein Kind fragt mich, ob ich einen Fernseher besitze. Ja, tue ich. Erstaunen macht sich breit, bis ein Teilnehmer anmerkt, dass der Fernseher sicher für meine Kinder da ist. Nein, ist er nicht. Jedenfalls nicht ausschließlich. Denn auch ich sehe ab und zu fern, wenn mich eine Sendung, eine Serie oder ein Film interessiert.

Und auch das Kino ist inzwischen einen Ausflug wert. Während ich früher auch schon mal meine Begleitung nach dem Geschehen auf der Leinwand fragen musste, gibt es inzwischen Möglichkeiten auch ohne sehende Hilfe einen Fernsehfilm oder einen Kinofilm zu verfolgen. Darüber schreibt mein heutiger Gastautor Wilhelm Gerike.

Wenn’s laut ist, schießt James Bond, wenn’s leise ist, küsst er
Bei geburtsblinden Menschen nimmt man gemeinhin an, dass sie sich nicht für das Medium Fernsehen oder Kino interessieren. Bei mir – und bei sehr vielen von Geburt an blinden Menschen, die ich kenne, – ist dies anders: Wir interessieren uns dafür, was auf der Mattscheibe erscheint.
Meine frühesten Erinnerungen an Sendungen im Fernsehen gehen auf das Jahr 1974 zurück. Damals gewann die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland die Fußballweltmeisterschaft. Ich kann mich vor allem gut an die künstlerischen Darbietungen vor dem Spiel und in der Halbzeitpause erinnern. Da gab es viel Musik und Tanz. Das Spiel mit dem Kommentar des immer etwas brummig wirkenden Rudi Michel habe ich mir viele Jahre Später auf DVD angesehen.
Natürlich gehörte die ZDF-Hitparade zu meinen Highlights: Eine Sendung, bei der mir nichts erklärt werden musste.
Sport im Fernsehen gehört seit meiner Kindheit zu meinen Leidenschaften. Ich habe gelernt, mich anhand der Geräusche zu orientieren. Am Leichtesten kann ich das am Verlauf eines Tennis-Spiels erklären: Der Aufschläger nimmt sich den Ball und lässt ihn auftippen. Dann wird es ganz ruhig, als er ihn hoch wirft. Dann kommt jenes Flopp-Geräusch, das jeder kennt, der schon einmal Tennis gesehen hat. Es gilt den Ball über das Netz zu bekommen. Gelingt dies, kann der Gegenspieler den Ball erreichen und ihn seinerseits über das Netz bekommen. Irgendwann ruft der Schiedsrichter laut „out“, der Ball knallt gegen die Bande oder landet im Netz. Man muss einfach mitzählen, wie oft der Ball über das Netz fliegt. Ist die Zahl ungerade und der Ball landet nicht im Netz, bekommt der Aufschläger den Punkt. Ist dagegen die Zahl gerade und der Ball landet nicht im Netz, kann sich der Rückschläger freuen. Das klingt anfangs sehr kompliziert, wird aber im Laufe der Zeit zur Routine.
Wie man sich denken kann, gehören Eiskunstlaufen, Rhythmische Sportgymnastik und Kunstturnen zu den Sportarten, die ich meide.
Bei Filmen und Serien tue ich mich natürlich schwerer: Wenn sich der Bösewicht von hinten an sein ahnungsloses Opfer anschleicht und lediglich spannungsreiche Musik zu hören ist, bin ich verloren. Ein gutes Beispiel hierfür ist Steven Spielbergs „Der weiße Hai“. Gäbe es die Musik nicht, bekäme ich gar nicht mit, dass der Hai im Anmarsch ist. Und auch Loriots genialer Sketch „Die Nudel“ erschließt sich für mich eher nicht.
Seit etwa 25 Jahren gibt es dafür Gott sei Dank Abhilfe: Bei der Audiodeskription werden in den Dialogpausen die wichtigsten Szenen kurz erklärt. So bekomme ich auch mit, wenn Kommissar Thiel im Münsteraner „Tatort“ das Fahrrad geklaut wird oder sein Kollege Borowski aus Kiel ausgerechnet dann auf die Hörnbrücke kommt, als sie gerade hochgeklappt wird. Auch für das Kino, das ich sehr liebe, gibt es seit einiger Zeit eine wirklich pfiffige Lösung: Die App „Greta & Starks“ erlaubt es, den Hörfilmton auf sein Smartphone herunterzuladen. Im Kino synchronisiert sie dann diese Tonspur mit dem Ton des Kinofilms. Ich muss mir dann nur noch die Ohrhörer in die Ohren stopfen und dann habe auch ich mein Kino-Erlebnis. Die Soundanlagen dort sind naturgemäß viel besser als das häusliche Equipment.
Und James Bond? Da gibt es inzwischen auch etliche Filme mit Bildbeschreibung. Das ist natürlich erheblich besser, als sich die Handlung irgendwie anhand der Geräusche zusammenzustoppeln.
Ich will nicht unerwähnt lassen, dass die privaten Fernsehanbieter keine Hörfilme ausstrahlen, obwohl diese Möglichkeit gegeben ist. Hierzulande müssen alle Filmproduktionen, die von der Bundesfilmförderung eine finanzielle Unterstützung erhalten, eine Hörfilmfassung erstellen.

Ich danke meinem Gastautor für diese Erklärung. Ich selbst finde es schön mit meinen sehenden Kindern oder blinden freunden einen Film ansehen zu können, ohne eine andere Person Fragen zu müssen, wenn mal was nicht gesprochen wird. Im Kino lasse ich die Tonspur meiner Smartphone App laufen, und kann mich nach dem Film mit anderen austauschen, wenn ich das möchte.
Und hier gibt es weitere nützliche Informationen rund um den Hörfilm. Und wer wissen möchte welche Kinofilme eine Audiospur haben, der kann mal in der App Greta von Greta & Starks stöbern.

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