iPhoneApps für zuhause

Lydia richtet ein Smartphone auf einen schwarzen Handschuh.

Mein iPhone ist nicht nur zum Telefonieren und Chatten da, sondern hilft mir bei einigen Aufgaben im Alltag. Und es macht mich räumlich von meinem PC unabhängig, dem ich früher manche Aufgaben wie das Vorlesen von Dokumenten übergeben konnte.
In meinen Beiträgen Apps, die blind bedienbar sind und iPhone Apps für unterwegs habe ich bereits kleine Helferlein beschrieben, die ich mit meinem Smartphone gern nutze. Heute möchte ich über Apps schreiben, die in den eigenen vier Wänden eine große Hilfe sein können.

Wenn ich ein Kochrezept brauche, oder etwas anderes aus der Küche wissen möchte, dann nutze ich gern die App Rezepte & Kochbuch von Chefkoch GmbH. Sie ist gut zugänglich, hat eine gute Suchfunktion und die Möglichkeit die Rezepte so abzuspeichern, dass sie schnell wieder auffindbar sind. Ebenso lässt sich anhand von Kochrezepten eine Einkaufsliste erstellen. Diese habe ich allerdings noch nicht genutzt.

Möchte ich die Farbe eines Gegenstandes wissen, so kann ich ein Farberkennungsgerät nutzen. Das sagt mir auf Knopfdruck die Farbe an. Habe ich gerade keines zur Hand, dann können die Apps ColorSay von White Marten oder ColorVisor von visorApps helfen. Allerdings sind diese Apps abhängig von der Leistungsfähigkeit der Kamera und der Lichtverhältnisse abhängig. Es braucht also ein bisschen Übung, um damit zuverlässig arbeiten zu können. Am besten übt man das gemeinsam mit einem Helfer, der noch Farben sehen kann.

Mit barcoo – QR & Barcode Scanner von barcoo lassen sich Produkte anhand ihres Barcodes erkennen. Ich kann also feststellen, ob ich gerade die Dose mit dem Pfeffer, der Paprika oder dem Curry in der Hand halte, ohne diese zu öffnen. Eine weitere App zum Scannen von Barcodes ist Camfind. Sie ist ebenfalls kostenfrei und daher einen Test wert.

Eine meiner Lieblingsapps ist Seeing AI von Microsoft Corporation. Sie vereint mehrere Funktionen in einer einzigen App. Sie bietet eine Produkterkennung, eine Farbansage und eine Beschreibung von Dingen, die vor die Kamera gehalten werden. Auch Handschrifterkennung und eine Gesichtserkennung sind Teil dieser App. Hinzugekommen sind eine Lichterkennung für vollblinde Nutzer, und ein Dokumentenscanner mit einer guten Texterkennung. Diese App wird stetig erweitert. Die Bedienoberfläche ist auf Englisch.

Envision AI von Envision Technologies B.V. ist eine brauchbare Alternative, die auch auf Deutsch funktioniert. Ich selbst habe sie noch kaum testen können. Ich weiß jedoch, dass diese App viele zufriedene blinde Nutzer hat.

Auch die App seeing Assistant home vereint diese Informationen in sich. Sie hat eine deutsche Benutzeroberfläche und eine kostenfreie Testmöglichkeit.

Doch es gibt auch Situationen, in welchen sehende Hilfe nötig ist. Hier habe ich die App Be My Eyes – Helping blind see zu schätzen gelernt. Damit kann ich über Videotelefonie auf ein weltweites Helfernetzwerk zugreifen. Die sehende Hilfe kann durch meine Kamera blicken.  Wenn mir also zuhause eine Schraube vom Tisch fällt, ist das kein Drama mehr.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Erst recht nicht, da immer wieder neue Apps hinzukommen. Ich habe ganz bewusst mehrere Apps aufgeführt, die laut Beschreibung dieselben Funktionen ausführen. Letztendlich muss jeder selbst für sich rausfinden, mit welcher App er am besten zurechtkommt. Denn auch hier sind die Vorlieben unterschiedlich.

iPhoneApps für unterwegs

Lydia mit einem iPhone, dessen Kamera auf ihr Oberteil gerichtet ist.

Da ich kein Auto oder Fahrrad fahren kann, bin ich meist zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In meinem Beitrag der Blindenstock in der Praxis beschreibe ich wie ich mich im Straßenverkehr orientiere.
Es gibt aber auch für mich Situationen, wo ich mit dem Blindenstock alleine nicht an mein Ziel kommen kann. Dann nutze ich einige technische Hilfsmittel, die mein iPhone mir bereitstellt. Diese habe ich hier einmal zusammengestellt.

Ich kann die Fahrpläne an der Bushaltestelle nicht lesen. Daher nutze ich die gut zugängliche App Abfahrtsmonitor, die mir Haltestellen des ÖPNV und die jeweiligen Streckenverläufe anzeigt. Sie kann meinen Standort feststellen und mir Haltestellen in meiner Nähe anzeigen. Außerdem kann ich mir häufig genutzte Haltestellen als Favoriten definieren, was das Auffinden enorm beschleunigt.

Wenn ich gezielt mit der Bahn fahren möchte, dann nutze ich gern den DB Navigator. Hier kann ich mir Züge inklusive Fahrpreis anzeigen lassen, ein Ticket buchen oder eine Reservierung vornehmen. Allerdings ist die Bedienung mit dem Screenreader VoiceOver etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert etwas Übung. Was auch noch nicht geht ist die kostenlose Reservierung für die Begleitperson eines Schwerbehinderten Fahrgastes. Das geht bisher nur über den Mobilitätsservice oder am Bahnschalter.

Die App Seeing Assistant AlarmGPS Lite ermöglicht es Punkte zu setzen, und ein akustisches Signal auszulösen, wenn man sich diesen auf eine vordefinierte Distanz nähert. Ich mache das gern bei Buslinien, die keine akustischen Ansagen haben. Ebenso kann man gezielt eine Adresse suchen und sich diese einspeichern. Besonders mag ich, dass man die gesetzten Punkte mit anderen Nutzern dieser App teilen kann. Zum Ausprobieren gibt es eine kostenlose Version. Nach heutigem Stand ist die App in Englisch.

Vom selben Entwickler gibt es die App Seeing Assistant Move LITE, mit deren Hilfe man Wegstrecken aufzeichnen kann. Das macht Sinn, wenn man sich nicht so stark auf einen Weg konzentrieren möchte. Ich habe das genutzt, wenn ich einen Weg mit sehender Begleitung gegangen bin, und diesen später alleine wieder finden wollte. Auf dem Weg kann man sich auch Punkte setzen, die man beschreiben kann. Beispiel: Links halten, oder auf Poller achten. Auch hier gibt es zum Ausprobieren eine kostenlose Version. Bei dieser App sollte man wissen, dass sie nicht komplett ins Deutsche übersetzt wurde.

Wenn ich einen Weg plane, dann wähle ich nicht immer die kürzeste Strecke, sondern die, welche mir leichter fällt. Ein wesentlicher Aspekt sind Straßenkreuzungen. Manche kann ich gut nach Gehör überqueren, oder es gibt blindengerechte Ampeln. Die App Ampel-Pilot verspricht Abhilfe, indem sie die Rot- bzw. Grünphase erkennt. Allerdings ist sie mit Vorsicht zu genießen. Ich empfehle aus Sicherheitsgründen die ersten Tests mit einer Ampel durchzuführen, die man gut kennt. Alternativ würde ich erste Tests gemeinsam mit sehender Begleitung durchführen. Diese App befindet sich noch in der Testphase, hat jedoch Potential.

Die App ist eine Navigationshilfe für blinde Nutzer, die mir gerade in einer fremden Umgebung eine große Hilfe ist. Ich kann ein Restaurant, ein Hotel oder einen Bahnhof heraussuchen, und mir anzeigen lassen in welcher Richtung und wie weit entfernt dieser von mir ist. Und ich kann diese Informationen einer Navigationsapp übergeben, die mich hin navigieren kann. Plane ich eine Reise an einen fremden Ort, kann ich diesen von zuhause aus simulieren und mir schon mal die Umgebung ansehen. Diese App ist sehr umfangreich. Man sollte sich daher ein bisschen Zeit für die Einarbeitung nehmen.

Die App Myway Klassik vereinigt mehrere Funktionen, für die blinde und sehbehinderte Anwender sonst mehrere Apps gleichzeitig nutzen müssen. Die App verfügt über ein klassisches Fußgängernavigationssystem, ermöglicht es einen Überblick über die unmittelbare Umgebung zu bekommen und verfügt über die Möglichkeit Routen aufzuzeichnen.
Orientierungspunkte können selbst gesetzt werden benannt und mit eigenen Navigationsanweisungen versehen werden. Die Punkte und Routen können
verschickt und von der App eingelesen werden. Dies ermöglicht den gegenseitigen Austausch von Routen. So legt der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband Wanderrouten auf einem Server ab, die sich blinde Wanderer dann herunterladen und zur eignen Begehung von Wanderwegen nutzen können.
Doch es gibt auch Situationen, in welchen sehende Hilfe nötig ist. Hier habe ich die App
Be My Eyes – Helping blind see zu schätzen gelernt. Damit kann ich über Videotelefonie auf ein weltweites Helfernetzwerk zugreifen. Die sehende Hilfe kann durch meine Kamera blicken und mir die beispielsweise helfen die gesuchte Steckdose im Hotelzimmer oder die heruntergefallene Brille zu finden.

Das war eine kleine Auswahl von Apps, die ich im Alltag nutze. Und es ist gut, dass es inzwischen eine beträchtliche Auswahl dieser Alltagshelfer gibt, die uns Menschen mit einer Sehbehinderung zu mehr Lebensqualität und räumlicher Unabhängigkeit verhelfen.

Apps, die blind bedienbar sind

Lydia hält lächelnd ein iPhone vor der Brust.

Seit 2012 ist das IPhone mein ständiger Begleiter im Alltag. Damals hatte mich ein Freund darauf gebracht, und mir die Bedienungshilfen gezeigt, die das Gerät von Haus aus mitbrachte.

Vorher hatte ich ein handelsübliches Handy der Firma Nokia. Darauf wurde eine spezielle Software aufgespielt, die den Text auf dem Display in Sprache umwandelte. Damit war es möglich Nachrichten oder E-Mails zu verwalten, im Internet zu surfen oder Musik zu hören. Die Software kostete zusätzliches Geld, und war quasi ein Aton. Und dieses Handy hatte fühlbare Tasten.

Anfangs fürchtete ich mich ein bisschen vor meinem IPhone. Daher war es mir wichtig, dass ich eine Zweitkarte hatte, die in meinem alten Handy steckte. Falls etwas schief ging. In den ersten drei Wochen holte ich das IPhone nur hin und wieder aus der Schublade, um damit zu experimentieren. Das ging so lange, bis ich ein Gefühl für die Bedienung ohne fühlbares Display entwickelte. Ein weiteres Plus war die Bedienung von sozialen Netzwerken. Hatte ich diese vorher über den PC angesteuert, so konnte ich das mit dem Smartphone von überall her tun. Also auch ganz bequem vom Sofa aus.

Und so schlich sich das Smartphone immer stärker in mein Leben, und wurde mein Helfer im Alltag. Ich verbrachte viel Zeit damit neue Apps zu erkunden und mir Empfehlungen von anderen blinden Nutzern anzusehen. Im Laufe der nächsten Jahre erledigte ich immer mehr Aufgaben, die ich vorher auf dem PC erledigt hatte, über das IPhone. Denn dieses garantierte mir eine räumliche Unabhängigkeit.

Ich möchte meinen Lesern nachfolgend einige Apps vorstellen, die mich durch meinen Alltag begleiten. Dabei handelt es sich nicht nur um Apps, die für blinde und sehbehinderte Nutzer entwickelt wurden.

Die App Mbraille macht aus dem IPhone eine Braille Tastatur mit vollwertiger Textverarbeitung. Mit etwas Übung kann man darüber sogar die gesamte Bedienung des IPhone steuern.

Ich bin meistens mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Hier begleitet mich der Abfahrtsmonitor von Witali Aswolinskiy. Die App kann mich orten und mir die nächst gelegenen Haltestellen anzeigen, und deren Abfahrtstafel abrufen. Ich kann Haltestellen, die ich oft brauche, als Favoriten definieren, und sehr schnell darauf zugreifen. Diese werden mir in einer übersichtlichen Listenansicht angezeigt.

Blindsquare von MIPsoft ist eine Navigationshilfe für blinde Nutzer, die mir gerade in einer fremden Umgebung eine große Hilfe ist. Ich kann ein Restaurant, ein Hotel oder einen Bahnhof heraussuchen, und mir anzeigen lassen in welcher Richtung und wie weit entfernt dieser von mir ist. Und ich kann diese Informationen einer Navigationsapp übergeben, die mich hin navigieren kann.

Der KNFBReader ist eine sehr gute Texterkennungssoftware. Ich kann quasi ein Dokument fotografieren, und bekomme dessen Inhalt vorgelesen.

TapTapSee, CamFind Inc. beschreibt ein gerade gemachtes Foto in deutscher Sprache. Dies geschieht mit Hilfe von künstlicher Intelligentes.

Seeing AI von Microsoft Corporation vereint mehrere Funktionen in einer einzigen App. Es bietet eine Produkterkennung, eine Farbansage und eine Beschreibung von Dingen, die vor die Kamera gehalten werden. Auch Handschrifterkennung und eine Gesichtserkennung sind Teil dieser App, die noch nicht ganz ausgereift ist. Ich denke, dass da noch viel Potential dahinter steckt. Und ich wünsche mir, dass es diese App irgendwann auch in mehr Sprachen gibt.

Es gibt Situationen, die mit künstlicher Intelligenz nicht auskommen. Brauche ich eine sehende Hilfe, so kann ich diese per Videotelefonie abrufen. Das wird durch das Netzwerk und die App Be My Eyes ermöglicht. Weltweit stellen sehende Nutzer ihr Sehvermögen zur Verfügung. Fällt mir eine Schraube runter, die ich nicht alleine wiederfinden kann, so kann ich mein Gesprächspartner durch meine Kamera sehen, und mir dieses entsprechend mitteilen. Ich kann voreinstellen welche Sprache ich spreche, und werde nur mit Menschen verbunden, die dieselbe Sprache angegeben haben.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sicher werde ich irgendwann über weitere Apps schreiben, die mir helfen, mir gefallen oder auch nicht.