Kategorien
Allgemein Alltag unterwegs Zu Gast auf lydiaswelt

Falschparken gefährdet blinde und sehbehinderte Menschen

Susanne ist eine der Gastautoren, die bereits mehrmals für mich geschrieben haben, und quasi zum Kern meiner Bloggerfamilie gehören. Ihre Beiträge betrachte ich als wunderbare Ergänzung, und freue mich immer wieder, wenn sie mir einfach so einen Beitrag zuschickt. Erst recht, da ihre Beiträge so geschrieben sind, dass sie mir wenig Arbeit machen.

Falschparken gefährdet blinde und sehbehinderte Menschen

Wer kennt das nicht: Die Stadt ist voll, der Verkehr staut sich und einen Parkplatz zu finden gleicht der Suche nach der Stecknadel in einem Heuhaufen. Da ist es verlockend sich mit dem Auto dort hinzustellen, wo Platz ist. Schnell aussteigen und was erledigen. Und das auf kürzestem Weg. Da steht man dann auch mal schnell dort, wo Fußgänger gerade noch so oder auch gar nicht mehr durchkommen. Die meisten Fußgänger können sehen und überblicken schnell die Situation. Was gesetzlich verboten und für den sehenden Fußgänger lediglich ein lästiges Ärgernis ist, ist für blinde und sehbehinderte Menschen brandgefährlich.
Wenn auf dem gewohnten Weg plötzlich ein Auto mitten auf dem Bürgersteig steht, sehen wir nicht ob es möglich ist gefahrlos darum herum zu laufen. Besonders gefährlich ist, wenn wir, um an einem Falschparker vorbeizukommen, auf eine stark befahrene Straße ausweichen müssen. Selten ist dann jemand in der Nähe der uns helfen kann. Zusätzlich zu den Schwierigkeiten müssen wir uns dann fadenscheinige Entschuldigungen anhören wie: „Ich wollte nur mal schnell…!“ „Ich fahre gleich weg!“ „Ich bin Dein Nachbar!“ … und manche mehr.
An Dreistigkeit kaum zu überbieten war folgende Situation: Mein Freund und ich sind zusammen mit meinem Hund im Dunkeln auf dem Heimweg. Wir müssen eine größere Straße an einer Ampel überqueren. Die Ampel ist für blinde und sehbehinderte Menschen mit einem Signal ausgestattet. Wir stellen uns also an den Straßenrand und warten auf unser akustisches Signal für grün. Während die Ampel auf Grün schaltet, hält plötzlich ein Auto vor unserer Nase. Eine Frau hat es vor uns auf dem Zebrastreifen geparkt. Sie steigt aus und rennt um den Wagen herum. Das Auto macht für uns ein Überqueren der Straße völlig unmöglich. Als die Fahrerin uns sieht erschreckt sie sich und entschuldigt sich mit dem Satz, sie müsse nur kurz etwas erledigen. Gleichzeitig piept die Ampel munter weiter. Mein Freund und ich haben mit unseren Stöcken das Auto angestoßen und wir stehen erst mal fassungslos da. Die Fahrerin wurde immer nervöser. Sie redete auf uns ein. Weil wir uns keinen anderen Rat mehr wussten haben wir mit unseren Stöcken rhythmisch gegen das Auto geklopft. Die Fahrerin versuchte uns davon abzuhalten, entschied sich dann aber doch in Windeseile in ihr Auto zu steigen und davon zu brausen. Ein paar Ampelphasen später konnten dann auch wir gefahrlos die Straße überqueren.
Solche Situationen sind leider keine Seltenheit und erschweren uns Menschen, die wir wenig oder nichts sehen die tägliche Mobilität. Und es macht den Anschein, dass das Bewusstsein für die Sicherheit andere Verkehrsteilnehmer*innen völlig abhandengekommen ist. Was würde zum Beispiel ein Kind tun, das nicht ohne weiteres an einem falsch parkenden Auto vorbeikommt. Auch ein Blindenführhund kann hier keine sichere Alternative finden. Ich appelliere daher dringend an all die eiligen Autofahrer sich an die gültigen Verkehrsregeln zu halten und auf Kinder, alte Menschen und Menschen mit Behinderung zu achten.

Danke, liebe Susanne, für Deine deutlichen Worte. Autos, die mitten auf dem Bürgersteig stehen, nehme ich erst wahr, wenn ich mit dem Stock dagegen stoße. Und selbst wenn ich irgendwie an dem Teil vorbei komme, ist es dennoch zu eng für Rollstühle, Kinderwagen oder Menschen mit einem Rollator. Und wenn der Mensch klein genug ist, möchte ich den Gedanken nicht zu Ende denken müssen, wenn dieser Mensch auf eine stark befahrene Straße ausweichen muss.
Hier geht es nicht darum auf die bösen Autofahrer zu schimpfen, sondern sie für mehr Aufmerksamkeit beim Abstellen ihres Fahrzeugs zu gewinnen. Denn letztendlich profitieren wir alle davon.

Kategorien
Allgemein blinde Eltern Sport und Freizeit unterwegs

Ferien auf dem Bauernhof

Wenn ich als blinde Mutter mit sehenden Kindern verreisen wollte, dann gingen dem Ganzen Vorbereitungen voraus. Jedenfalls bei Reisezielen, die etwas weiter weg waren.
Ich erinnere mich daran, dass meine Kinder gern einmal auf einen Bauernhof fahren wollten. Damals waren sie beide noch im Grundschulalter. Und ohne Auto aufs Land fahren? Das wurde immer als unmöglich dargestellt. Denn oft fehlt der für mich so notwendige öffentliche Nahverkehr.
Damals las ich in einer Mailingliste mit, in der sich blinde und sehbehinderte Eltern austauschten. Und so fragte ich nach der Möglichkeit mit den Kindern auf einen Bauernhof zu fahren. Von einer anderen blinden Mutter bekam ich den Kontakt einer Frau, die Ferienwohnungen in der Nähe eines Bauernhofs auf einem Dorf vermietete. Also rief ich die Dame an, und fragte, ob wir über Pfingsten kommen könnten. Ja, es war noch eine kleine Ferienwohnung frei.
Nun ging es um die Details. Ich erfuhr, dass es im Dorf keinen Supermarkt gab. Es gab eine Gaststätte, in der wir abends essen konnten. Aber was war mit der restlichen Verpflegung. Ich konnte und wollte keine Lebensmittel für vier Tage mitnehmen. Also vereinbarte ich mit unserer Vermieterin, dass wir gegen einen Aufpreis Frühstück bekommen, und sie ein paar Lebensmittel wie Obst oder Getränke für uns einkaufte. Außerdem bot sie an uns vom Bahnhof in Hameln mit dem Auto abzuholen und am Abreisetag wieder zum Bahnhof zu fahren. Damit waren also die organisatorischen Rahmenbedingungen geklärt.
Eine weitere Sorge war die Beaufsichtigung der Kinder auf einem Gelände, das ich noch nicht kannte. Hier beruhigte mich meine Vermieterin. Der Bauernhof, dessen Besitzer ebenfalls Ferienwohnungen vermietete, war auf Familien mit freilaufenden Kindern eingerichtet. Ich konnte also beruhigt darauf vertrauen, dass es keine unbekannten Gefahren gab.
Wir hatten gutes Reisewetter, und kamen bei strahlendem Sonnenschein in Hameln an. Dort wurden wir wie vereinbart abgeholt und zur Ferienwohnung gefahren. Ein kleines Apartment mit drei Schlafplätzen, eine Sitzecke, einer Küchenzeile und einer Dusche würde für die nächsten Tage unser Zuhause sein.
Zunächst einmal gab es für uns eine kleine Führung durch den Bauernhof. Dort gab es noch einige andere Kinder, so dass ich es mir ruhig in einem Liegestuhl bequem machen konnte, während meine Kinder sich auf Entdeckungsreise begaben. Es gab nicht nur einen großen Spielplatz und eine Menge Tiere, sondern auch eine Menge Spielgeräte zum Austoben.
Am späten Nachmittag durften die Kinder in den Pferdestall. Hier durften sie unter Anleitung ein Pferd putzen, und anschließend ein bisschen reiten. Dann bekam ich von ihnen die jungen Kaninchen gezeigt, die es den Kindern besonders angetan hatten. Und dann machte die Vermieterin mit den Mietern ihrer Ferienwohnungen einen Spaziergang durch den Ort, um uns alles zu zeigen. Wir gingen dann noch etwas Essen, und dann war der Tag für uns auch schon zu Ende.
Die nächsten zwei Tage brachten mir die Entspannung, die ich damals dringend brauchte. Nach dem Frühstück zogen meine Kinder los, um auf dem Bauernhof zu spielen. Zwischendurch kamen sie wieder, um mir mal etwas zu zeigen. Ansonsten konnte ich einfach in einem Liegestuhl lesen und die Atmosphäre genießen. Nachmittags gingen wir in das Dorfschwimmbad, wo sich alle Kinder der Umgebung trafen. Und dann ging es schon zum Reiten auf dem Bauernhof.

Es war das erste Mal, dass ich alleine über mehrere Tage und ohne Begleitung mit den Kindern weggefahren bin. Und es hat uns allen gut getan. Erst recht, da die Organisation so gut geklappt hat.

Kategorien
Allgemein Alltag blinde Eltern unterwegs

Ergebnis der Blogparade was darf man Kindern zutrauen

Seit ich einen eigenen Blog habe, beschäftige ich mich mit anderen Blogs zu unterschiedlichen Themen. Ich habe gelernt, dass man als Einzelkämpfer in der Bloggerszene sehr schnell untergehen kann. Und ich habe gelernt, dass Vernetzen ein gutes Instrument ist, um sich gegenseitig zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur darum potentielle Leser und Follower zu generieren, sondern auch darum gemeinsame Aktionen zum Erfolg zu führen. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal für einen Nominierung zum Liebster Award vorgeschlagen wurde. Da war mein Blog gerade ein dreiviertel Jahr alt, und ich hatte gerade einmal eine Handvoll Follower vorzuweisen. Später entdeckte ich die Form der Blogparade, und machte hin und wieder mit, wenn mich das Thema ansprach, und wenn es meine Zeit erlaubte. Denn ich finde es eine gute, Sache, wenn unterschiedliche Blogger zu einem übergeordneten Thema einen Beitrag schreiben.
Den Gedanken eine eigene Blogparade zu schreiben, hatte ich früher schon mal. Aber irgendwie habe ich mich doch nicht so ran getraut. Erst recht, da es für mich etwas aufwändiger ist als für manch sehenden Nutzer. An dieser Stelle geht ein dickes Dankeschön an meinen Helfer im Hintergrund, der seit längerem dafür sorgt, dass meine Blogbeiträge Korrektur gelesen und formschön platziert werden.
Am 16.12.2018 habe ich meine erste Blogparade mit dem Titel Was darf man Kindern zutrauen gestartet. Diese lief bis zum 15.01.2019. Ich wollte Menschen aus unterschiedlichen Familienstrukturen und verschiedener Meinungen zu Wort kommen lassen. Und ich glaube, dass ich das auch bekommen habe.
Sarah („Sunnybee“) ist alleinerziehend und Mutter eines dreijährigen Sohnes. Das ist der Stoff, der ihren abwechslungsreichen Blog so liebenswert macht. Ihre Antwort auf meine Blogparade heißt Wurzel und Flügel.
Sabine arbeitet seit 15 Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die eine Lese- Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche haben. Oft werden sie in Schubladen gesteckt, und man traut ihnen nicht zu, ihre Schwächen zu überwinden. Darüber hat sie diesen Beitrag gemacht.
Charlotte ist Adoptivmutter von zwei Kindern und betreibt den Blog Charlottes Adoptionsblog. Aufgrund der Lebensgeschichte ihrer Kinder hat sie an manchen Stellen eine etwas andere Sichtweise. Ihre Gedanken dazu schreibt sie in diesem Beitrag auf.
Auch Bea ist meinem Aufruf gefolgt. Ihre Vorstellung ist: Ich bin Bea, Mutter von 2½ Kindern und habe immer eine etwas spitze Zunge in meinen Beiträgen. Wer neugierig geworden ist, findet hier ihren Beitrag zur Blogparade.
Jakob und Jasmin aus Österreich schreiben den Blog familieallinclusive. Jasmin ist blind, Jakob sehbehinderter Spastiker. Sie haben drei Kinder im Alter von 7, 4 und 2 Jahren. Auch sie haben über ihre ganz persönliche Sichtweise geschrieben.

Natalie schreibt auf fundevogelnest über ihr Leben als Pflegefamilie. Auch ihren Beitrag habe ich mit Spannung gelesen, und werde öfters bei ihr vorbeischauen.
Markus ist blind und Vater von zwei Töchtern. Er hat zwar keinen eigenen Blog, dafür aber eine eigene Meinung, die er gern sagt. Wir haben das so gelöst, dass ich seinen Beitrag bei mir unter dem Titel Vertrauen und Zutrauen veröffentlicht habe.
Eine ganz andere Ansicht vertritt Dresden Mutti. Sie hat ihrem Beitrag die für sie besser passende Überschrift Was soll ich meinen Kindern schon zutrauen gegeben. Auf ihrem bunten Blog schreibt sie über das Familienleben in Dresden, do it yourself und Finanzen.

Ich danke allen Schreibern für die Teilnahme an meiner Blogparade. Uns alle verbindet, dass wir Eltern sind, oder mit Kindern arbeiten. Auch wenn wir teilweise unterschiedlicher Meinung sind, was die Kindererziehung angeht, so haben wir eines gemeinsam. Nämlich das es den uns anvertrauten Kindern gut geht.

Kategorien
Allgemein Bildung Haushalt unterwegs

Mein Gastkind aus Palästina – Teil 2

In meinem Beitrag Mein Gastkind aus Palästina hatte ich Amal vorgestellt, über ihre Einreise nach Deutschland berichtet und einen Ausblick auf mein Vorhaben gegeben.

Inzwischen lebt sie seit fast drei Wochen bei uns in der Familie. Sie teilt sich das Zimmer mit meiner Tochter. Und das klappt erstaunlich gut. Ich habe ihr einen Schreibtisch eingerichtet, auf dem sie schreiben oder ein Keyboard stellen kann. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es für blinde Menschen praktischer ist, wenn sie ihre Hilfsmittel stehen lassen können.
Zwei Tage nach ihrer Ankunft überlegten meine Tochter und ich, wie wir Amal erklären können, wie ein Toastbrot mit Butter bestrichen wird. Die Lösung sah so aus: Mit dem Messer Butter aus dem Behälter nehmen, und es in die rechte obere Ecke tun. Dann mit der flachen Seite des Messers darüber streichen und das Brot um 90 Grad drehen. Dann wiederholt man diesen Vorgang so lange, bis alle Seiten dran waren. Am Anfang darf man nachfühlen, und spürt wie gleichmäßig die Butter verstrichen wurde. Das klappt inzwischen sehr gut.
Eine weitere Lektion war die Mülltrennung, die sie noch nicht kannte. Wir trennen Bio-, Verpackung-, Altpapier und Restmüll. Weitere Basics wie das Einräumen von benutztem Geschirr in die Spülmaschine oder den Tisch sauber wischen klappen gut. Manche Kenntnisse hat sie bereits mitgebracht. Dazu gehören das Zusammenlegen getrockneter Wäsche oder der Abwasch. Ich muss also nicht ganz bei null anfangen. Ab der nächsten Woche werden wir gemeinsam kochen. Da werde ich sehen was sie bereits kann, und was ich ihr vermitteln kann.
Gleich einen Tag nach ihrer Ankunft habe ich begonnen sie im Umgang mit dem Blindenlangstock zu schulen. Erst habe ich ihr die Haltung gezeigt, was sie dann bei uns im Wohnzimmer geübt hat. Anschließend sind wir nach draußen gegangen. Ich habe ihr gezeigt wie sie Bordsteine oder Hindernisse erkennt. Seither waren wir viel unterwegs. Sie hat inzwischen gelernt mit dem Stock Treppen zu erkennen und zu bewältigen und sicher in eine U-Bahn oder S-Bahn ein und auszusteigen. Am Einsteigen in einen Bus müssen wir noch etwas arbeiten. Denn da ich in der vergangenen Woche mit meiner AugenOP beschäftigt war, konnten wir nicht weiter daran arbeiten. Das wird in der kommenden Woche ein Thema sein.
Vor ein paar Tagen hatte ich Besuch von einer Trainerin, die sich angesehen hat, wie Amal mit dem Stock läuft. Sie hat meine Arbeit gelobt, da Amal eine gute Pendeltechnik gezeigt hat. Darüber habe ich mich riesig gefreut. Weitere Trainingseinheiten mit der Trainerin sind in Planung.
Amal hat inzwischen einige deutsch und arabisch sprechende Menschen aus meinem Bekanntenkreis kennen gelernt. Die meisten davon sind blind oder sehbehindert. Das ist wichtig für den Erfahrungsaustausch. Sie hat auch Bekanntschaft mit meinen Hobbys töpfern und Showdown spielen gemacht.
In Zusammenarbeit mit einem befreundeten Journalisten ist dieses kurze Video mit Amal entstanden. Es zeigt sie wie sie sich auf Deutsch vorstellt und anschließend mit dem Blindenstock über einen Bürgersteig läuft.

Mit meinem ersten Beitrag über Amal habe ich einen Spendenpool über PayPal für sie eingerichtet. Damit sollen Kosten bestritten werden, wie beispielsweise für Augenarzt, Trainingseinheiten oder mögliche günstige Hilfsmittel. Mit Stand von heute sind 265 € zusammengekommen. Von Menschen, die ausschließlich auf mein Wort vertrauen. Das hat mich besonders berührt. Dafür danke ich allen Spendern, und denen, die meinen Beitrag in ihren Netzwerken geteilt haben. Ich werde in den nächsten Wochen weiter über Amal und ihren Aufenthalt in Deutschland berichten.

Kategorien
Allgemein Bildung

Zugänglichkeit bei Zeitungsartikeln

Wie viel online braucht der Mensch?

Der Tag des weißen Stocks beschließt die Woche des Sehens und findet jedes Jahr am 15.10. statt. Hier machen blinde und sehbehinderte Menschen durch unterschiedliche Aktionen auf ihre Situation und ihre Bedürfnisse aufmerksam.
Auch ich habe mich in diesem Jahr mit einer Aktion beteiligt. Ich habe mit einem Team eine Dunkelbar in meiner Heimatstadt organisiert, die wir mit Flyern, Verbreitung in sozialen Netzwerken und einer Pressemeldung beworben haben. Für die Offenbachpost war die Meldung interessant genug, um einen schönen Artikel darüber zu schreiben. Die Mitarbeiterin, die das entsprechende Interview mit mir geführt hat, schickte mir einen Direktlink zu. Außerdem hat die Frankfurter Neue Presse einen Artikel über Blindheit am Tag der Veranstaltung veröffentlicht, nebst einem Gastbeitrag aus meinem Blog. Beide Artikel waren für mich gut lesbar, da diese als für mich zugängliche Onlineausgabe verfügbar waren.
Der Tag der Veranstaltung kam, und damit auch eine Mitarbeiterin der Offenbachpost. Diese schaute sich alles an, stellte Fragen und machte ein entsprechendes Foto. Andere trauten sich offenbar nicht zu uns in die Dunkelbar. Wahrscheinlich hatten die alle Angst im Dunkeln.
Zwei Tage später wurde der Beitrag in der Printausgabe veröffentlicht. Und noch einen Tag später erfuhr ich von dessen Existenz, weil eine Freundin ihn mir vorgelesen hat. Ich fragte bei der Verfasserin nach, und erfuhr, dass dieser Artikel ausschließlich in der Printausgabe verfügbar ist. Ich habe die Verfasserin sofort darauf aufmerksam gemacht, dass dieser für blinde Nutzer damit nicht lesbar ist. Nachdem ein paar E-Mails hin und her gegangen waren, wurde der Artikel auch online verfügbar gemacht. Damit war er für blinde Nutzer, die einen PC oder ein Smartphone bedienen können, ohne fremde Hilfe lesbar.
Solche Erfahrungen machen blinde und sehbehinderte Menschen immer wieder. Dementsprechend wähle ich die Medien aus, die für mich zugänglich sind. Das kann ein Podcast sein, aber auch die Onlineausgabe einer Zeitung, deren Inhalte ich lesen möchte. Wer nur eine Printausgabe zur Verfügung steht, den lese ich einfach nicht, fertig! Jedenfalls wenn Alternativen verfügbar sind.
Im Beispiel des Artikels über mich gab es nur die Alternative, dass mir jemand diesen vorliest. Wäre er online verfügbar gewesen, hätte ich selbst lesen können was da über mich geschrieben wurde. Das heißt für mich lesen ohne Barriere. Denn wer schon mal versucht hat sich mit einem Vorlesegerät für blinde Personen durch die Printausgabe einer Zeitung zu quälen, der weiß wie zeitaufwändig das sein kann.

Liebe Medienmacher,
wenn Ihr über Menschen mit einer Sehbehinderung schreibt, dann liegt es auch in Eurer Verantwortung dafür zu sorgen, dass diese Euren Artikel auch ohne fremde Hilfe lesen können. Das geschieht mit dem PC oder einem Smartphone. Diese verfügen über die Möglichkeit sich den Artikel mittels einer Sprachausgabe, Braillezeile oder Großschrift zugänglich zu machen. Und zwar dann, wenn sie den Artikel lesen wollen, und nicht wenn irgendeine Assistenz gerade Zeit dafür hat. Wir nennen das Selbstbestimmung. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich den Beitrag mehrmals lesen und darin navigieren kann. Und ich kann ihn, wenn ich das möchte auf meinem Blog verlinken, damit meine Leser auch etwas davon haben.

Herzliche Grüße
Eure Lydia