Wenn die Einkaufshilfe ausfällt

Lydia läuft mit Blindenstock und Shopper eine Straße entlang

Heute ist Donnerstag, 8:45 Uhr, als mein Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die Dame, mit der ich mich in einer Viertelstunde treffen wollte. Geplant war, dass wir mit dem Auto zum Supermarkt fahren, und einen Familieneinkauf bewerkstelligen. Leider muss sie mir für heute absagen, da eines ihrer Kinder mit Magendarminfekt im Bett liegt. Da steckt man nicht drin.

Ok, jetzt habe ich ein Problem. In drei Tagen ist Weihnachten. In diesem Jahr bedeutet das, dass die Geschäfte drei Tage in Folge geschlossen sind. Dementsprechend wollte ich meinen Einkauf so gestalten, dass ich in den nächsten zwei Tagen nur noch Lebensmittel wie Obst und Gemüse einkaufen würde. Denn ich bin kein Freund hektischer Lastminuteeinkäufe. Dabei sind es nicht unbedingt die langen Schlangen an der Supermarktkasse, die mir zu schaffen machen, sondern die Hektik in den Gängen, gepaart mit der Atmosphäre und dem Suchen der benötigten Lebensmittel. Außerdem sind die Mitarbeiter an solchen Tagen so stark beschäftigt, dass es schwer wird Hilfe zu bekommen. Nein, das möchte ich mir in diesem Jahr nicht geben.

Also gut, jetzt muss ganz schnell Plan B her. Meine Kinder fallen als potentielle Einkaufsbegleiter aus, da sie heute und morgen vormittags in der Schule sind. Der Lieferservice ist auch keine wirkliche Option zur sehenden Begleitung. Eine Option wäre Aldi. Die haben ihre Wahren meist so angeordnet, dass sie an derselben Stelle sind. Früher hatten wir eine Buslinie, die von mir direkt hinfuhr. Diese gibt es inzwischen nicht mehr. Für mich heißt es jetzt, dass Aldi ca. 30 Minuten Fußweg bedeutet. Nein, dazu bin ich heute echt nicht zu motivieren. Außerdem konnte ich damals noch die Aufschriften auf den Verpackungen in der Tiefkühltruhe lesen, und damit meinen Einkauf selbst zusammensuchen. Inzwischen brauche ich hierfür sehende Hilfe. Und die steht mir heute Vormittag definitiv nicht zur Verfügung.

Ok, was gibt es noch für Möglichkeiten? In vielen Städten gibt es Nachbarschaftshilfen. Teilweise auch über Facebook. Hier habe ich auch schon die eine oder andere Hilfe bekommen können. Aber für einen Familieneinkauf mit einer völlig fremden Person finde ich das jetzt nicht geeignet.

Eine Tasse Kaffee später steht mein Plan B fest, der sich für mich besser anfühlt. Ich nehme mir meinen Shopper, und gehe zum nächst gelegenen Supermarkt. Das dauert zwar etwas länger, ist aber eine gute Zwischenlösung. Sachen, die ich nicht gefunden habe, oder die aus der Tiefkühltruhe, kann ich mit meiner Freundin morgen Vormittag einkaufen gehen, oder ihr eine Einkaufsliste schreiben. Das bespreche ich nachher mit ihr. Und was dann noch fehlt, dass können evtl. meine Kinder noch schnell einkaufen gehen. Das geht auch mal am Samstagvormittag. Fertig.

Am liebsten gehe ich ganz früh morgens einkaufen. Da ist es noch ruhig im Supermarkt. Und wenn ich mal was nicht alleine finde, höre ich wo die Mitarbeiter sind, und kann sie direkt danach fragen. Später geht das nicht mehr. Die Gänge sind voll von Menschen, die ihren Einkauf möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Und es ist oft zu laut, um zu erkennen wer ein Mitarbeiter oder Marktbesucher ist.

In meinen Beiträgen „Blind einkaufen – Teil 1“ und „Blind einkaufen – Teil 2“ habe ich bereits darüber geschrieben, wie ich mich im Supermarkt zurecht finde, und mich orientiere. Jetzt bin ich auf Eure Kommentare zu diesem Thema gespannt.

Wie transportiert man Blinde im Auto?

Das Foto zeigt mich auf dem Beifahrersitz eines Autos mit geöffneter Tür.

Ich möchte in ein paar Tagen zu einer Veranstaltung fahren, die mich sehr interessiert. Eine Bekannte, die auch dort hin will, hat mir angeboten mich mit dem Auto mitzunehmen. Und ich habe das Angebot angenommen, da es mit öffentlichen Verkehrsmitteln einer Weltreise mit Ganztagscharakter gleicht. Mit dem Auto sind es vielleicht 20 Minuten.
Als wir uns kurz vorher zusammentelefonieren, um die letzten Absprachen zu treffen, kommt die leicht verlegene Frage von ihr, mit der ich absolut nicht rechne. Sie sagt, dass sie noch nie einen Blinden im Auto hatte. Und jetzt möchte sie von mir wissen, worauf sie zu achten habe, wenn sie einen Blinden transportiert.

Wie stellt man sich am besten hin?
Nun, am besten stellt man das Auto so hin, dass die Tür, durch welche der Blinde einsteigt, gut zugänglich ist. Also das, was man generell tun sollte. Da der Blinde das Auto nicht sieht, ist die Information hilfreich, wo das Auto steht. Man kann das beschreiben. „Das Auto steht quer vor Dir“ oder „Der Wagen steht direkt hinter Dir“. Oder man legt die Hand des Blinden darauf. Das empfinde ich vor allem dann hilfreich, wenn mehrere Autos zur Auswahl stehen. Auch ich wollte schon mal in das falsche Auto einsteigen und habe mich gewundert, warum die Tür sich nicht öffnen ließ.

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