Mein Gastkind aus Palästina – Teil 5

Lydia und Amal in einem Garten.

Es ist gut zwei Monate her, dass ich zum letzten Mal über mein Gastkind aus Palästina geschrieben habe. Seither ist so einiges passiert, das ich gern für Euch zusammenfassen möchte.

Damals gingen wir davon aus, dass Amal im April diesen Jahres in ihre Heimat fliegen muss, da ihr Visum ausläuft. Ebenso problematisch war die Finanzierung einer OP.
Und hier kommen meine Leser ins Spiel. Viele von Euch haben kleine und große Beträge in den Spendenpool für Amal eingezahlt, und für unsere Sache geworben. Eine Leserin hat weiter recherchiert, und mir den Kontakt zur Deutschen Behindertennothilfe hergestellt. Diese Organisation hat uns bei der Finanzierung entscheidend unter die Arme gegriffen. Und das nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern mit Beratung und einer guten Portion Kreativität und Optimismus. Vielen Dank dafür.
Auch das Bürgerhospital kam uns finanziell entgegen, und gab uns einen verhältnismäßig zeitnahen Termin für die anstehende Operation.
Eine große Hürde war die Verlängerung von Amals Visum. Doch auch das wurde inzwischen zu aller Zufriedenheit gelöst.
Am 21.05. waren wir im Krankenhaus, wo die Voruntersuchungen für die anstehende OP stattfanden, und das Gespräch mit der Anästhesie geführt wurde. Das passierte auf Englisch.
Einen Tag später waren wir bereits um 9:00 Uhr im Krankenhaus. Hier wurde Amal für die OP vorbereitet. Und dann hieß es erst mal Warten. Ich nutzte die Zeit für einen Spaziergang, bis mich die Klinik anrief. Es war geplant, dass ich sie wieder mitnehmen kann, sobald sie wach genug war. Aber ihr Kreislauf sah das anders, sodass kurzfristig entschieden wurde sie über Nacht stationär aufzunehmen. Vermutlich war es ihre erste Nacht in einem Krankenhaus.
Was den Erfolg der OP angeht, so lässt sich das nicht wirklich feststellen. Wir hoffen, dass sich das Auge in den nächsten Wochen wieder etwas fängt.
Inzwischen traut sich Amal alleine mit dem Blindenstock auf die Straße. Sie wird immer sicherer im Umgang mit dem Blindenstock. Und kürzlich ist sie sogar von uns zur Bushaltestelle gegangen, alleine in den richtigen Bus eingestiegen und am vereinbarten Ziel auch alleine ausgestiegen. Für jemanden, der 25 Jahre lang ausschließlich mit sehender Begleitung das Haus verlassen hat, ist das eine reife Leistung. Und ich finde es traurig, dass sie diese Mobilität zuhause nicht weiter ausbauen kann. Dennoch möchte ich, dass sie es hier immer wieder übt. Denn Mobilität kommt nicht durch einmaliges Anschauen, sondern durch ständiges Üben.

In ca. vier Wochen fliegt Amal zurück in ihre Heimat. Dann war sie fast ein halbes Jahr in Deutschland. Wir werden diese Zeit nutzen, um gemeinsam mit ihr an nachhaltigen Perspektiven zu arbeiten. Und da ich die OP nicht aus dem Spendenpool bestreiten muss, werde ich das restliche Geld für Hilfen einsetzen, die ihr auch zuhause helfen können.

Ein spezieller Gruß geht hier an die Mitarbeiter der jordanischen Fluggesellschaft, die trotz rechtzeitiger Umbuchung aus medizinischen Gründen 250 € haben wollten. Und das für einen Flug, der wahrscheinlich chronisch überbucht ist. Die deutschsprachige Seite auf Facebook ist zwar vorhanden, der Chat wird jedoch auf Englisch geführt. Und weil es so schön ist, sollte ich zur Problemklärung eine Festnetznummer in Jordanien zu den üblichen Bürozeiten und Gesprächskosten anrufen. Ich habe Abstand davon genommen, da ich den Sinn darin nicht sehe.

Mein Gastkind aus Palästina – Teil 4

Amal steigt allein in einen Linienbus ein

2 Monate ist es nun her, seit Amal bei uns lebt. Seither ist viel passiert. Im Haushalt bewegt sie sich immer sicherer und selbständiger. Es ist inzwischen normal, dass sie an den Wasserkocher geht und Tee zubereitet. Ich habe ihr gezeigt wie man T-Shirts oder Pullover auf Din A4 falten kann, was sie inzwischen sehr gut umsetzt. Momentan arbeiten wir daran, dass sie sicherer im Umgang mit Messer und Gabel wird. Sie lernt ihr Fleisch selbst zu schneiden und den Inhalt des Tellers zu beherrschen.
Eine meiner Leserinnen hat ein iPhone 5S für Amal gespendet, dass ich für sie eingerichtet und an unsere Familienfreigabe angeschlossen habe. Eine ebenfalls blinde palästinensische Freundin hat ihr den Umgang damit gezeigt. Weitere Einheiten sind in Planung.
Ebenso haben wir ihr gezeigt, wie sie die Euroscheine voneinander unterscheiden kann. In meinem Beitrag Wie erkennen Blinde Geld hatte ich das beschrieben.
Und natürlich darf auch der Freizeitbereich nicht zu kurz kommen. Sie hat inzwischen Bekanntschaft mit Gesellschaftsspielen gemacht. Hier noch ein Dankeschön an die Leserin, die uns ein Rommee Spiel für Blinde überlassen hat. Rommee spielt sie zwar noch nicht, dafür aber Mau-Mau.
Sie würde so gern stricken lernen. Ich selbst traue mir das allerdings nicht zu. Denn da ich nicht sehe was sie tut, muss ich es anfassen. Und wenn wir mit vier Händen an der Handarbeit herumtasten, stelle ich mir das ziemlich verwirrend vor. Vielleicht findet sich noch jemand, der wie ich Spaß am Stricken hat, und mir hilft ihr das zu vermitteln.

Anfang März wurde sie durch das Bürgerhospital Frankfurt kostenlos untersucht. Dabei ist rausgekommen, dass man evtl. etwas an ihrem Sehen verbessern kann. Allerdings haben wir es mit drei Fakten zu tun:
1. Es gibt wie bei jeder Operation keine Garantie auf Erfolg.
2. Ihr Schengen Visum läuft in weniger als einem Monat aus, die Wartezeiten auf die erste OP betragen garantiert acht Wochen.
3. Da ihre Auslandskrankenversicherung bei allem was die Sehbehinderung betrifft keine Kosten übernimmt, müssen wir diese irgendwie anders auftreiben.

Tja, das sind die Hürden, die mich gedanklich beschäftigen.
Inzwischen hat sich ihr Wortschatz in Deutsch deutlich vermehrt, so dass sie kleine Sätze zusammenbauen kann. Unterhaltungen, die darüber hinausgehen, führt sie weiter in Englisch.
Durch sie habe ich viel über das Leben blinder Menschen in Palästina erfahren. Als blinde Frau darf sie ihr Studium nur bis zu einem bestimmten Grad durchführen. Allein und blind auf die Straße gehen ist ein Nogo, da sie Gefahr läuft mit Steinen oder Unrat beworfen zu werden. Ebenso ist ihr der Zugang zur Berufstätigkeit oder zu einem eigenen Bankkonto verwehrt. Eine weitere Tatsache ist, dass blinde Menschen Analphabeten gleichgestellt werden. Das heißt, dass ihre Unterschrift nur in Form des Fingerabdrucks akzeptiert wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie mit einem Stift umgehen können, oder nicht. Diese Aussagen habe ich nicht nur von Amal, sondern von anderen blinden Bewohnern des Landes bekommen. Für Amal heißt das, dass sie ihr Zuhause noch nie ohne sehende Begleitung verlassen hat. Sie staunt immer wieder über Dinge, die man hier blind machen kann und darf. Ihr größter Wunsch ist eines Tages Übersetzerin für Deutsch, Englisch und Arabisch zu werden. In ihrer Heimat wird sie das niemals erreichen. Ich wünsche mir so sehr, dass ich ihr dabei helfen kann ihrem Ziel näher zu kommen. Noch fehlt mir die richtige Idee dazu. Aber der Name Amal bedeutet auf Deutsch Hoffnung. Und eben diese Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Noch mal Danke an diejenigen, die uns mit einer Spende über PayPal unterstützen. Es ist gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind.

Mein Gastkind aus Palästina – Teil 3

Amal beim Töpfern

Inzwischen ist Amal seit fünf Wochen bei uns. Seitdem hat sich einiges getan. Sie hat gelernt sich selbst zu beschäftigen, wenn ich am Schreibtisch sitze, oder anderen Tätigkeiten nachgehe. Auch hat sie sich so weit in unserem Haushalt eingelebt, dass sie weiß wo sie was suchen muss. Einmal in der Woche spielt sie Showdown, was ihr großen Spaß macht. Und ein bis zweimal in der Woche Fahren wir nach Frankfurt, um dort mit anderen blinden und sehbehinderten Menschen zu töpfern, Kaffee zu trinken und Spaß zu haben.
In der vergangenen Woche habe ich gemeinsam mit ihr Kartoffeln geschält. Dabei habe ich ihr einen Sparschäler in die Hand gedrückt, und ihr den Umgang damit erklärt. Das passiert am besten, indem ich mir selbst jeden einzelnen Schritt vergegenwärtige, und diesen in Worte fasse. Und natürlich ist Anfassen erlaubt. Wenn ich also den Sparschäler in der rechten Hand halte, und die Kartoffel mit der linken drehe, kann ich mit dem rechten Daumen die Richtung kontrollieren, und gleichzeitig fühlen wie ich diesen führen muss. Das funktioniert auch bei Äpfeln oder anderem runden Gemüse oder Obst. Nachdem sie den Dreh raus hatte, ging das immer schneller. Nachdem sie die Kartoffeln noch gesäubert und kleingeschnitten hat, habe ich daraus Bratkartoffeln gemacht. Der Umgang mit einem Messer war ihr bereits geläufig.
Eine weitere Lektion war das richtige Säubern von Arbeitsflächen. Was so banal klingt, besteht faktisch aus mehreren Schritten. Ich muss erst mal Platz schaffen, die Fläche richtig sauber machen, abtrocknen, und anschließend die Gegenstände wieder an ihren Platz stellen. Am besten funktioniert das, wenn man systematisch arbeitet.
Gestern haben wir uns sogar an den Herd getraut. Da sie noch keine Erfahrung mit meinem Elektroherd gemacht hat, musste sie erst mal lernen wie ein Ceranfeld funktioniert, wie man das Teil bedient, und wie man erkennt welche Platten an oder aus sind. Im nächsten Schritt haben wir gemeinsam Rühreier gemacht. Dazu gehört das fett richtig zu dosieren. Ich habe ihr gezeigt, dass man hören kann, wenn das Fett heiß genug ist, wie man das vorbereitete Ei unfallfrei in die Pfanne gibt, und wie man den Garzustand erkennt. Das werden wir in den nächsten Wochen immer wieder üben, damit sich diese Kenntnisse festigen können.
Auch das Erlernen der deutschen Sprache macht Fortschritte. Sie versteht vieles. Inzwischen geht es darum die Sprache auch zu nutzen. Sie kann inzwischen etwas beim Bäcker bestellen, oder um etwas Bitten. Auch Begrüßung und Abschiedsformeln sitzen. Ich ermutige sie zum Sprechen, indem ich ihr mit einzelnen Worten aushelfe, wenn ihr diese fehlen. Gestern hat sie sogar auf Deutsch Domino gespielt. Auch einfache Fragen aus dem Alltag gehen inzwischen.
Was ihre Mobilität angeht, so hat sie inzwischen mehrere Trainingsstunden bekommen, und traut sich auch mal alleine zu laufen. Jetzt geht es darum, dass sie mehr Sicherheit bei der Orientierung bekommt. Daran werden wir in den nächsten Wochen arbeiten.
Eine ganz tolle Nachricht hat mich Mitte dieser Woche erreicht. Nämlich dass sie Anfang März einen Termin für eine augenärztliche Untersuchung hat. Das hat eine Leserin meines Blogs möglich gemacht. Danke dafür. Ich bin gespannt was dabei rauskommt.

Ein ganz dickes Dankeschön geht auch an diejenigen, die meine Beiträge mein Gastkind aus Palästina und mein Gastkind aus Palästina – Teil 2 so fleißig geteilt haben. Auf diese Weise habe ich nicht nur eine Menge Leser erreicht, sondern es sind mit Stand von heute mehr als 500 € auf dem Spendenpool eingegangen, den ich für Amal eingerichtet habe. Wenn ihr Besuch in Deutschland beendet ist, werde ich für die Leser und Spender aufschlüsseln wofür ich dieses Geld verwendet habe.

Und jetzt freue ich mich auf Eure Kommentare zum Beitrag.

Mein Gastkind aus Palästina – Teil 2

Amal vor einem Aufzug an einer U-Bahn-Station

In meinem Beitrag Mein Gastkind aus Palästina hatte ich Amal vorgestellt, über ihre Einreise nach Deutschland berichtet und einen Ausblick auf mein Vorhaben gegeben.

Inzwischen lebt sie seit fast drei Wochen bei uns in der Familie. Sie teilt sich das Zimmer mit meiner Tochter. Und das klappt erstaunlich gut. Ich habe ihr einen Schreibtisch eingerichtet, auf dem sie schreiben oder ein Keyboard stellen kann. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es für blinde Menschen praktischer ist, wenn sie ihre Hilfsmittel stehen lassen können.
Zwei Tage nach ihrer Ankunft überlegten meine Tochter und ich, wie wir Amal erklären können, wie ein Toastbrot mit Butter bestrichen wird. Die Lösung sah so aus: Mit dem Messer Butter aus dem Behälter nehmen, und es in die rechte obere Ecke tun. Dann mit der flachen Seite des Messers darüber streichen und das Brot um 90 Grad drehen. Dann wiederholt man diesen Vorgang so lange, bis alle Seiten dran waren. Am Anfang darf man nachfühlen, und spürt wie gleichmäßig die Butter verstrichen wurde. Das klappt inzwischen sehr gut.
Eine weitere Lektion war die Mülltrennung, die sie noch nicht kannte. Wir trennen Bio-, Verpackung-, Altpapier und Restmüll. Weitere Basics wie das Einräumen von benutztem Geschirr in die Spülmaschine oder den Tisch sauber wischen klappen gut. Manche Kenntnisse hat sie bereits mitgebracht. Dazu gehören das Zusammenlegen getrockneter Wäsche oder der Abwasch. Ich muss also nicht ganz bei null anfangen. Ab der nächsten Woche werden wir gemeinsam kochen. Da werde ich sehen was sie bereits kann, und was ich ihr vermitteln kann.
Gleich einen Tag nach ihrer Ankunft habe ich begonnen sie im Umgang mit dem Blindenlangstock zu schulen. Erst habe ich ihr die Haltung gezeigt, was sie dann bei uns im Wohnzimmer geübt hat. Anschließend sind wir nach draußen gegangen. Ich habe ihr gezeigt wie sie Bordsteine oder Hindernisse erkennt. Seither waren wir viel unterwegs. Sie hat inzwischen gelernt mit dem Stock Treppen zu erkennen und zu bewältigen und sicher in eine U-Bahn oder S-Bahn ein und auszusteigen. Am Einsteigen in einen Bus müssen wir noch etwas arbeiten. Denn da ich in der vergangenen Woche mit meiner AugenOP beschäftigt war, konnten wir nicht weiter daran arbeiten. Das wird in der kommenden Woche ein Thema sein.
Vor ein paar Tagen hatte ich Besuch von einer Trainerin, die sich angesehen hat, wie Amal mit dem Stock läuft. Sie hat meine Arbeit gelobt, da Amal eine gute Pendeltechnik gezeigt hat. Darüber habe ich mich riesig gefreut. Weitere Trainingseinheiten mit der Trainerin sind in Planung.
Amal hat inzwischen einige deutsch und arabisch sprechende Menschen aus meinem Bekanntenkreis kennen gelernt. Die meisten davon sind blind oder sehbehindert. Das ist wichtig für den Erfahrungsaustausch. Sie hat auch Bekanntschaft mit meinen Hobbys töpfern und Showdown spielen gemacht.
In Zusammenarbeit mit einem befreundeten Journalisten ist dieses kurze Video mit Amal entstanden. Es zeigt sie wie sie sich auf Deutsch vorstellt und anschließend mit dem Blindenstock über einen Bürgersteig läuft.

Mit meinem ersten Beitrag über Amal habe ich einen Spendenpool über PayPal für sie eingerichtet. Damit sollen Kosten bestritten werden, wie beispielsweise für Augenarzt, Trainingseinheiten oder mögliche günstige Hilfsmittel. Mit Stand von heute sind 265 € zusammengekommen. Von Menschen, die ausschließlich auf mein Wort vertrauen. Das hat mich besonders berührt. Dafür danke ich allen Spendern, und denen, die meinen Beitrag in ihren Netzwerken geteilt haben. Ich werde in den nächsten Wochen weiter über Amal und ihren Aufenthalt in Deutschland berichten.

Auf dem Weg zur Augenklinik

Heute wird es persönlich. Denn die letzten Wochen waren durch viel Unsicherheit und Bangen geprägt.

Da war meine DIMEK-Operation, die seit dem Sommer geplant war. Dazu sollte die innerste Schicht der Hornhaut transplantiert werden, weil diese nicht mehr arbeitete. Das äußerte sich dadurch, dass die Hornhaut jede Menge Wasser angesammelt hat, und immer trüber wurde. Die Operation sollte diesen Zustand wieder beheben. Und wie immer gab es keinerlei Garantie. Und dann war noch dieses Warten auf ein passendes Transplantat.
Anfang Dezember kam dann der Anruf, dass ich mich in der folgenden Woche in die Augenklinik begeben sollte, da das Transplantat gefunden war. Und auf einmal hieß es Termine verschieben, Absagen und alles rund um diesen Zeitraum umorganisieren.
Nach der OP wollte das Transplantat noch nicht arbeiten. Das dauerte erst mal einige Wochen, bis wir erste Erfolge sehen konnten. Die eine Hälfte liegt an, die Andere muss noch mal mit einer Gabe von Luft angedrückt werden. Dazu muss ich noch mal in die Augenklinik, die 300 km von meiner Heimatstadt entfernt liegt. Hoffen wir, dass das gut klappt.
Und da war noch mein Gastkind aus Palästina. Ich hatte die junge Frau bereits im Herbst eingeladen. In die Zeit fiel auch der ganze Papierkrieg, der mit der Ausländerbehörde und anderen Stellen erledigt werden sollte. Anfang Januar bekam ich den Bescheid, dass Amal uns besuchen darf. Einen Tag vor ihrer Ankunft entschied die Augenklinik, dass noch mal am Auge nachoperiert werden muss. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich anders geplant. Außerdem hatte ich eine Woche später ein viertägiges Seminar. Das hieß erst mal Lösungen für diese Zeit finden.
Zum Glück habe ich gute Freunde, die dafür sorgen, dass es Amal in dieser Zeit gut geht. Ich habe Nachbarn, auf die ich zählen kann. Und ich habe 2 wunderbare Kinder, die mir nach ihren Möglichkeiten helfen.
Da ich nicht weiß wie es mir nach der Augen OP gehen wird, hilft mir dieses Wissen sehr. Denn ich weiß, dass der Laden auch mal ein paar Tage lang ohne mich läuft. Ich habe zwar das Meiste vorab organisiert, aber auch die unvorhergesehenen Ereignisse wollen gemeistert werden.
Dennoch ist es ein seltsames Gefühl. Während ich mich auf dem Weg in die Augenklinik befinde, kreisen meine Gedanken um meine Familie. Vom Kopf her weiß ich, dass alles gut gehen wird, und dass ich mich auf die bevorstehende Augen OP konzentrieren sollte. Aber da sind trotzdem die Gedanken und Gefühle, die sich nicht abstellen lassen. Einmal Mama, immer Mama. Auch wenn ich weiß, dass die Kinder erwachsen und selbständig genug sind, um mit außergewöhnlichen Situationen umgehen zu können, und auch wenn ich weiß, dass ihr Vater auch noch da ist. Und auch wenn ich weiß, dass ich jetzt und hier aus der Ferne nicht viel tun kann.

In solchen Momenten wünsche ich mir so etwas wie einen Zeitumkehrer. Dann könnte ich wie Hermine bei Harry Potter zwischen den einzelnen Ereignissen hin und her springen oder so ähnlich. Aber so was gibt es noch nicht. Und wer weiß wofür das gut ist.