Heißt selbständig auch schnell sein?

Susanne Aatz mit Blindenführhund

Wenn ich meine Wohnung putze, benötige ich das Vielfache an Zeit. Denn ich gehe nicht nach dem Prinzip vor, dass ich schaue, wo es nötig ist, und wo nicht. Vielmehr fange ich links oben an zu putzen, und gehe dann systematisch vor. Das ist zwar zeitaufwändig, für mich jedoch machbar. Ich habe die Option meine Wohnung selbst zu putzen, oder mich dafür zu entscheiden diese Aufgabe an eine Assistenz abzugeben, die das für mich macht. Wichtig dabei ist, dass ich die Entscheidung selbst treffen kann. Das gilt nicht nur für das Putzen, sondern auch für viele andere Tätigkeiten, die nicht blinden Menschen möglicherweise schneller von der Hand gehen als mir. Ich habe ein Recht darauf, Dinge langsamer zu bewerkstelligen, oder mich für eine schnellere Lösung zu entscheiden. So wie jeder andere Mensch ohne Behinderung.

Und was für mich die richtige Lösung ist, muss noch lange nicht für alle blinden Menschen gelten. Daher schreibt meine Gastautorin Susanne Aatz’ heute über dieses Thema.

Muss, wer selbstständig sein will, auch schnell sein?

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Das ist keine neue Erkenntnis. Und wir alle leiden in irgendeiner Form darunter. Wenn wir arbeiten, oder auch nur alltägliches tun, dann scheint es, als liefe eine imaginäre Stoppuhr mit. Wir alle haben gelernt bei allem was wir tun so etwas wie ein inneres Zeitlimit zu beachten. Wie lange darf es dauern, um von A nach B zu kommen? Wieviel Zeit darf ich brauchen, um eine Tätigkeit im Haushalt, zu verrichten. Wir alle haben Situationen erlebt, in welchen wir uns ärgern oder wundern, wie langsam jemand ist. Und wenn jemand bei etwas besonders flink ist, und das, was er tut trotzdem noch gründlich ist, dann wird die Person von uns besonders gelobt und bewundert.

Was heißt das eigentlich für mich als praktisch blinder Mensch? Auch ich bin mit dem Anspruch großgeworden bestimmte Dinge in einer bestimmten Zeit zu erledigen. Oft gebe ich Tätigkeiten an Assistentinnen ab, weil ich glaube dafür zu lange zu brauchen. Die Qualität des Ergebnisses steht für mich dabei in keinem Verhältnis zu der Zeit, die ich, zum Beispiel für die Reinigung meiner Wohnung, benötige. Ich habe mich in letzter Zeit, immer dann, wenn ich mich über den Stress, den der Anspruch der Schnelligkeit in unserer Zeit verursacht, ärgere, oder er mir wieder besonders auffällt, oft gefragt: Muss, wer selbstbestimmt und selbstständig sein will, auch schnell sein?

So ist mir neulich beim Umsteigen von der S-Bahn zur U-Bahn folgendes passiert: Mein Hund hat, so wie er es gelernt hat, mir die Treppe abwärts angezeigt. In der Regel bleibe ich da erst einmal stehen. Ich lobe meinen Hund dafür, dass er etwas richtig gemacht hat. Oft gibt es auch ein Leckerchen.

Dann orientiere ich mich mit einer Hand. Wo ist das Geländer? Meistens zeigt die Nase meines Hundes direkt zum Geländer hin. Mit dem Stock taste ich nach dem Anfang der Treppe. Da ich nicht sehen kann, wohin ich meine Füße setzen muss, ist das eine Lösung, die für mich am besten geeignet ist. All dies benötigt Zeit. Ich habe nie gestoppt, wie lange ich eigentlich dafür brauche. Ich habe Gleichgewichtsstörungen und muss daher vorsichtiger sein. Auch meinem Hund zuliebe habe ich mir vorgenommen, meine Wege mit Bedacht zu gehen. Ihm fällt seine Arbeit als Blindenführhund dann erheblich leichter.

Wenn ich das alles überprüft habe, mich sicher fühle, und sich niemand, was oft vorkommt, noch eben vorbei drängelt, Gehe ich, mit einer Hand am Geländer, in aller Ruhe die Treppe. Dass das so ist, hat auch mit meinem Gleichgewicht zu tun. Ich ermahne meinen Hund dann auch immer, langsam zu gehen. Und mittlerweile klappt das auch ganz gut.

Soweit so gut. Immer wieder erlebe ich es, dass mich freundliche Mitmenschen fragen, ob ich Hilfe brauche. Und es macht auf mich den Eindruck, als wäre die Zeit, die ich brauche, der Grund, warum man glaubt, ich käme nicht zurecht. Was ich nicht weiß ist, ob der Mensch gesehen hat, was ich tue. Hat er zum Beispiel gesehen, dass mein Hund gerade belohnt wird? Oft haben viele es eilig, obwohl die Bahn alle 3-10 Minuten fährt. Sie rennen von A nach B, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre. Und nebenbei versuchen sie in ca. 20 Sekunden, die eine Begegnung oft nur dauert, zu beurteilen, ob da ein fast blinder Mensch, mit Blindenführhund und Stock, eventuell noch Hilfe braucht. Einerseits sehr nett, dass die Leute sich, obwohl sie eigentlich keine Zeit haben, doch die Zeit zum Fragen nehmen. Andererseits: warum ist Langsamkeit ein Indikator für Hilflosigkeit? Diesen Eindruck habe ich sehr oft. Nicht das Ergebnis spricht für sich, sondern es steht im Vordergrund, wie lange ich für den Weg von A nach B gebraucht habe. Es ist oft so, dass ich eine Bahn, zu der gerade alle hetzen, auch bewusst fahren lasse, um dann, etwas entspannter, in 3-10 Minuten die nächste Bahn zu nehmen.

Es wirkt auf mich, als wäre das sich bewusst Zeit nehmen Ausdruck von Hilflosigkeit und Unvermögen. Es ist was mich angeht, aber eine bewusste Entscheidung. Und sie dient vor allem der entspannten und verlässlichen Zusammenarbeit mit meinem Hund. Wenn ich entspannt bin, ist es mein Hund auch.

Immer häufiger erleben wir es, dass gestresste Menschen uns über den Haufen rennen, trotz Hund, trotz Stock. Und ich benutze meinen Langstock mittlerweile ganz oft als Abwehr für allzu Eilige. Dabei wird mein Hund oft gerempelt oder getreten. Und zwar durchaus so, dass er laut aufjault. Wenn wir Glück haben ist wenigstens noch Zeit für eine schnelle nach hinten gerufene Entschuldigung. Noch ein paar solche Erlebnisse und mein Hund braucht eine Nachschulung! Ich selbst frage mich dann: was geht in manchen Menschen vor? Einerseits haben Sie die Zeit meine vermeintliche Langsamkeit als Unselbstständigkeit und Hilflosigkeit zu bewerten, was offenbar Ihr Eingreifen nötig macht. Andererseits haben sie es so eilig, dass sie die eigentlich üblichen Regeln von Aufmerksamkeit, Höflichkeit und einem guten Miteinander komplett missachten. Dazwischen sind dann wir, für die es ohne hin ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und Stress bedeutet einen täglichen Weg, zum Beispiel über den Hamburger Hauptbahnhof, zu bewältigen.

Und noch etwas ist mir in verschiedenen Situationen bei verschiedenen Blinden oder sehbehinderten Menschen aufgefallen: Auch bei mir kommt es vor, dass ich Tätigkeiten, die ich ganz selbstverständlich zu Hause alleine mache, im Beisein von Sehenden nicht mache. Ich habe mich lange gefragt, warum das so ist. Bis mir aufgefallen ist, dass, nach der inneren Uhr, die ich gelernt habe, die Zeit, die ich zu Hause für eine bestimmte Tätigkeit brauche, im Beisein von Sehenden weit überschritten wird. Oft spüre ich die Nervosität, die meine Umwelt ergreift, wenn ich für etwas länger brauche, als es offenbar opportun ist. Niemand könnte definieren, wie lange die Zeitspanne ist. Und sie wird wohl variieren. Auch in Situationen, in der kein Zug erreicht werden muss, in der kein Termin eingehalten werden muss, erlebe ich das. Wie oft wurde mir etwas ungefragt, auch gegen meinen Willen, abgenommen, mit der Aussage: „Ich kann das schneller und besser als du!“ ich habe meinen Vater einmal gefragt, wem ich, seiner Meinung nach, damit schade. Denn das Ansinnen wurde, wie leider in meiner Erziehung üblich, mit einem gerüttelt Maß an Aggressivität vorgetragen.

Das ist gottseidank in meinem Alltag so nicht mehr üblich. Aber es sind oft Vertreterinnen und Vertreter von bestimmten Berufsgruppen, zum Beispiel Erzieherinnen, Krankenschwestern, Lehrerinnen, hier bewusst die weibliche Form, denn es sind oft Frauen, die nicht zusehen können, wie ein blinder Mensch zum Beispiel seine Jacke anzieht, eine Gitarre in einen Gitarrenkoffer packt, Kaffee mit Milch und Zucker versieht, diesen umrührt. Oft sind das Menschen, die in ihrem eigenen Leben sehr viel Stress haben. Diesen scheinen sie auf uns zu übertragen. Dass wir so langsam sind, ist dann auch für Sie ein Beweis, dass wir es nicht können. Oder, dass wir eben nicht gut genug sind.

Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen unter dem täglichen Stress, der Reizüberflutung und der allgemeinen Überforderung Leiden, sollte Zeit sein einen behinderten Menschen, egal welche Behinderung er oder sie hat, die Dinge, die er oder sie beherrscht, auch tun zu lassen. Und vielleicht würde es helfen, wenn sich viele einmal fragen würden, warum ist mir Schnelligkeit wichtig? Warum ist sie mir bei anderen wichtig? Ich selbst habe das getan. Und die Antwort ist banal wie kompliziert: Sie wurde mir wichtig gemacht. Ich wurde so erzogen. Und es ist Zeit diese Erziehung zu hinterfragen. Es wird Situationen geben, wo Geschwindigkeit wichtig ist. Wo Pünktlichkeit Stress verursacht. Aber müssen wir uns wirklich mehr Stress machen, als nötig? Die gut gemeinte Frage, ob wir Hilfe benötigen, käme besser bei uns an, würde sie mit weniger Anspruch und mit weniger Hektik formuliert.

Ich danke Susanne für diesen Beitrag. Weitere Beiträge von ihr sind „Für Selbstverständlichkeiten bewundert werden“ und „Tag der offenen Moschee„.

Und nun lade ich Euch ein in den Kommentaren über diesen Beitrag zu diskutieren.

Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 2 – außerhalb der Wohnung

Bereits während meiner ersten Schwangerschaft bekam ich oft zu hören, dass ich ohne sehende Hilfe nicht zurechtkommen würde. Jedenfalls nicht, sobald das Baby sich beginnen würde zu bewegen. Allein die Vorstellung mein Baby oder später mein Kind irgendwo zu verlieren wurde mir so oft in den buntesten Farben ausgemalt, dass ich dem Abenteuer Baby doch mit gemischten Gefühlen entgegenzusehen begann. Irgendwann sprach ich das Thema bei meiner Gynäkologin an. Diese erklärte mir, dass ich nicht die erste blinde Patientin sei, die sie betreute. Sie machte mir Mut und riet mir das Thema des Kindverlierens erst mal weit weg zu schieben, da vorher noch einige andere Stationen auf meinem Weg liegen.

Eine weitere Verbündete fand ich in meiner nachsorgenden Hebamme, die mir ebenfalls Mut machte. Sie hatte zwar noch keine Erfahrungen mit Blinden gemacht, traute sich aber zu mit mir gemeinsam Lösungen für anstehende Aufgaben zu finden. Sie stellte auch den Kontakt zu einer anderen Mutter her, die zwei Monate vor mir entbunden hatte. Diese Mutter war normal sehend. In dieser Familie fühlte ich mich lange Zeit sehr wohl, da niemand Vorbehalte gegenüber einer blinden Mutter hatte. Hier lernte ich auch das Tragetuch kennen. Es ermöglichte mir mein Baby direkt am Körper zu tragen. Also mehr Bewegungsfreiheit. Ich wusste sofort, das wollte ich unbedingt haben.

Ich sprach meine Hebamme darauf an. Und sie besorgte mir eines. Ich weiß noch, dass wir uns in einem Kaffee trafen, wo sie mir unter den Augen der anderen Gäste zeigte wie man dieses 360 cm lange Tuch band. Sie wollte in einem Geschäft in der Nähe fragen ob wir uns einen Teddybären oder so ausleihen könnten, damit ich mir vorstellen konnte wie sich das anfühlte. Eine Mutter, die uns zugesehen hatte, war davon so beeindruckt, dass sie uns spontan ihr Neugeborenes zur Verfügung stellte.

Während der ersten 10 Monate blieb das Tragetuch mein ständiger Begleiter für draußen. Später kam noch ein Kinderwagen hinzu, der einen schwenkbaren Bügel hatte. Ich hatte ihn nach langer Suche in einem Second Hand Laden gefunden. Diesen konnte ich ohne viel Kraftaufwand hinter mir herziehen. Das Baby saß mit dem Gesicht zur Fahrtrichtung, und die flexiblen Räder waren vorne, so dass der Wagen auf jede Richtungsänderung reagierte. Kinderwagen in der linken Hand, den Blindenstock rechts bewegte ich mich also durch die Gegend. Als Alternative zum Tragetuch war das richtig gut. Denn als ich versuchte meine Tochter auf dem Rücken zu tragen, entdeckte sie, dass man ja an Mamas langen Haaren ziehen konnte. Und ich konnte das nicht abstellen.

Solange das Baby klein ist, bleibt es da liegen wo man es abgelegt hat. Und sobald es beginnt zu krabbeln, legt es noch lange keine großen Entfernungen zurück. Und da ein Kind immer irgendein Geräusch verursacht, wusste ich stets wo mein Baby war. Jedenfalls in den eigenen vier Wänden. Und da war alles sicher. Jedenfalls in dem Teil der Wohnung, in welchem sich mein Kind frei bewegen durfte. Hellhörig sollte man nur dann werden, wenn das Kind kein Geräusch verursacht. (-:

Meine Tochter war etwa anderthalb Jahre alt, als ich mich mit ihr ohne Kinderwagen auf der Strasse bewegte. Das lag auch ein bisschen daran, dass das Wetter vorher ein bisschen ungemütlich war. Es gibt blinde Eltern, die ihren Kindern ein kleines Glöckchen an die Kleidung anbringen, um zu hören wo sich der Nachwuchs befindet. Ich habe das nie gemacht. Meine Kinder haben früh gelernt, das Laufen auf der Strasse bedeutete, dass sie an meiner Hand liefen. Das blieb so, bis ich mir sicher war, dass sie nicht wegliefen, oder auf die Strasse gingen. Wir übten das auf Strassen, die kaum befahren waren. Wenn ein Kind sich nicht an die Regel hielt, dass es an der Straßenecke stehen blieb, musste es wieder an der Hand gehen. Gleiches galt, wenn ich eines der Kinder rief, und es sich nicht meldete. Alleine laufen dürfen war sozusagen ein Vertrauensbeweis.

2003 wurde unser Einkaufszentrum umgebaut. Es gab eine Eröffnungsfeier, die mein Mann und ich gemeinsam mit unserer dreijährigen Tochter besuchten. Irgendwann war das Kind in dem Gewusel verschwunden. Ich glaube, in den folgenden Minuten spielten sich sämtliche Horrorszenarien in meinem Kopf ab. Zumal ich nicht einfach so loslaufen und mein Kind suchen konnte. Und bei der Geräuschkulisse schon gar nicht. Die Erlösung kam, als jemand unser Kind auf die Bühne stellte und sagte, dass dieses Mädchen drei Jahre alt sei und mit ihrem Papa hier wäre. Wie ich später hörte hatte sie sagen können wer sie war, wie alt und mit wem sie gekommen war. Für mich hatte es die beruhigende Erkenntnis gebracht, dass sie auch in ‚Stresssituationen in der Lage war Angaben zu ihrer Person zu machen.

Meine Kinder waren vier und sechs Jahre alt, als wir begannen Ausflüge ohne Begleitung zu machen. Bus, Bahn, usw. zählte nicht. Das war von Anfang an Programm. Aber jetzt kam es darauf an sich in fremder Umgebung zu orientieren und die Kinder bei Bedarf auch wieder einzusammeln. Das kostete mich große Überwindung. Daher suchte ich mir Ziele aus, die relativ überschaubar waren. Manchmal sprach ich andere Eltern an, wenn ich mir etwas unsicher war. Zur Sicherheit hatte ich ein aktuelles Foto meiner Kinder dabei, falls ich sie suchen lassen müsste. Meist suchten wir gemeinsam einen Platz aus, an dem ich blieb, während die Kinder spielen gingen. Mir war es wichtig, dass sie sich von Zeit zu Zeit bei mir meldeten. Und das klappte mit jedem Ausflug immer besser. Mir gab die Sicherheit.

Es gab einige wenige Dinge, die ich nicht ohne sehende Begleitung machen wollte. Und dazu gehörte das Schwimmbad. Als ich zum ersten Mal mit meiner Tochter alleine ins Freibad ging, entdeckte sie sofort einen Schulfreund und dessen Familie. Für mich war das eine große Erleichterung. Erst recht als die Mutter mir anbot meine Tochter mitzunehmen, wenn sie mit ihrem Sohn schwimmen ging. Da Wasser nicht mein Element ist, tat es gut, dass mir das jemand abnahm. Denn ich traute mir die Beaufsichtigung selbst nicht zu. Zum Glück brauchte ich niemanden dafür zu bezahlen, der uns ins Schwimmbad begleitete. Denn in meinem Umfeld gab es einige Eltern, die mir hier aushalfen. Jedenfalls solange, bis ich sicherer wurde. Meine Kinder durften erst alleine ins Schwimmbad, nachdem sie ihr Schwimmabzeichen gemacht hatten. Ich ging zwar meist mit, brauchte jedoch keine sehende Begleitung mehr.

Ein weiteres Thema waren Kindergartenfeste und Schulveranstaltungen im Freien. So viele Kinder, Eltern, usw. wuseln lautstark durch ein Gelände, welches mir nicht zu 100 % vertraut war. Da eines meiner Kinder wiederzufinden empfand ich als chancenlos. Ebenso wenig fand ich andere Eltern, die mir bekannt waren. Wenn diese mich nicht ansprachen, saß ich alleine herum. Ich löste das so, dass ich mich entweder gezielt mit anderen Eltern verabredete, oder indem ich eine bezahlte Assistenz mitnahm. Das schonte meine Nerven und gab mir ein Gefühl der Gleichwertigkeit anderen Eltern gegenüber.

Je älter meine Kinder wurden, desto mehr konnten wir ohne fremde Hilfe unternehmen. Waren wir auf einem Abenteuerspielplatz, auf der Kirmes oder in einem Indoorspielplatz, so suchten wir uns einen Platz aus, an welchem ich blieb. Wir vereinbarten dann wann sich einer der Kinder spätestens bei mir melden sollte. Gegen aufkommende Langeweile hatte ich stets eine Handarbeit oder ein Hörbuch dabei. Und je besser das klappte, desto weiter weg konnten wir fahren.

Tagesausflüge oder kleine Urlaubsreisen bereiteten wir gemeinsam vor. D.h. besprechen was mitgenommen werden sollte, Rucksack oder Koffer packen usw. Auch besprach ich mit beiden Kindern das Verhalten, falls wir uns verlieren. Den Kindern vermittelte es einen Teil an Selbständigkeit und Verantwortung, und mich beruhigte es. Das gilt bis heute. Sie haben beide eine super Orientierung im öffentlichen Nahverkehr. Und wenn sie eine Information nicht direkt wissen, so haben sie zumindest eine Idee für die Informationsbeschaffung.