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So prüfe ich wie gut meine Lebensmittel noch sind

Ich bin kein Freund davon Einkaufszettel zu schreiben. Nicht weil ich Analphabetin bin, sondern aus Gründen der Faulheit. Und natürlich weil ich zu denen gehöre,  die regelmäßig vergessen im Geschäft auf eben diesen Einkaufszettel zu schauen. Dafür nehme ich billigend in Kauf, dass ich auch mal was vergesse, oder lasse mich auch mal zum Kauf inspirieren, wenn etwas im Angebot ist.
Bevor ich zum Einkaufen gehe, kommt der Rundblick durch den Kühlschrank und die Küchenschränke. Ich möchte mir einen Überblick über die vorhandenen Vorräte verschaffen, und prüfe erstmal ob sich etwas dort befindet, das dringend verarbeitet oder entsorgt werden muss.
Gibt es etwas, das ich auf keinen Fall vergessen darf, dann mache ich mir eine elektronische Notiz per Smartphone. In der Regel kann ich mir dann merken was ich auf gar keinen Fall vergessen möchte.
Ich bin kein Mensch, der Lebensmittel sofort nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum für ungenießbar erklärt und entsorgt. Dieses Datum ist für mich lediglich ein Richtwert
Für Obst und Gemüse gilt anfassen oder dran riechen. Daran erkenne ich ob die Bananen oder Äpfel faule Stellen haben oder nicht. Das funktioniert für jedes Obst oder Gemüse.
Bei Produkten wie Jogurt merke ich beim Schütteln des Behälters ob der noch essbar ist. Dazu brauche ich ihn nicht zu öffnen. Das funktioniert auch bei manchen anderen Produkten in Flaschen und Bechern. Abgesehen davon halten diese Dinge ohnehin nicht lange bei uns.
Bei Wurst und Käse verändern sich der Geruch und die Konsistenz. Und ab einem bestimmten Grad wandert das Ganze in die Entsorgung.
Ich kenne Haushalte, wo sogar Lebensmittel wie Grieß, Mehl oder Zucker direkt nach dem Mindeshaltbarkeitsdatum entsorgt werden. Das finde ich unnötig. Bei mir kommt das Lebensmittel in eine Dose, die man gut verschließen kann, fertig! Bei trockener Aufbewahrung hält sich das sehr lang.
Ich kann mir in der Regel ganz gut merken wann ich was eingekauft habe. Vielleicht nicht auf den Tag genau. Aber ich habe eine Vorstellung davon wie lange ein bestimmtes Lebensmittel in den Tiefen meiner Küchenschränke ist. Das hilft mir vor Allem bei den Lebensmitteln, bei denen es schwer ist zu erkennen wie lange sie halten. Gut, ich könnte mir die Dinge Beschriften. Aber da sagen innerer Schweinehund und Faulheit eindeutig „nein“. Das mache ich nur bei Gewürzen oder Dosen, die mit ein und demselben Produkt immer wieder aufgefüllt werden können.
Und für diejenigen, die sich fragen ob ich schon mal den Eintopf mit dem Katzenfutter verwechselt habe. Ich kann Euch beruhigen. Eintopf aus der Dose gibt es bei uns so gut wie nie. Und das Behältnis von unserem Katzenfutter hat eine so markante Form, dass mehr als eine Sehbehinderung dazu gehört, um das mit einer Konservendose zu verwechseln. Und wenn es doch mal Dosen sind, die vom Material und Beschaffenheit gleich sind, dann habe ich mir mit technischen Hilfsmitteln ansagen lassen was die Dose enthält.
Ich finde, dass es bei Brot schwierig ist festzustellen ob es bereits zu schimmeln begonnen hat. Und hier lasse ich mich auf keine Experimente ein. Wenn Brot schon eine bestimmte Zeit in meiner Küche ist, wird es gleich entsorgt. Gleiches gilt auch für offene Milch im Kühlschrank. Wer schon mal versehentlich gekippte Milch probiert hat, wird mich da voll verstehen.
Und wer jetzt denkt, dass die Mitglieder meiner Familie oder Gäste schon mal eine Lebensmittelvergiftung hatten, den kann ich beruhigen. Hatten wir nicht. Jedenfalls nicht aufgrund von Lebensmitteln in meiner Küche.
Es gibt noch andere Tricks, um blind die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu prüfen. Und ich bin mal gespannt was Ihr an Erfahrungen beisteuert und freue mich auf Eure Kommentare.
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Non-24, wenn der Tag zur Nacht wird 

Auf dem Bild sieht man eine Bank im Freien, auf der ein Mann mit Langstock sitzt.

Darüber steht „Wenn der Tag zur Nacht wird“. Daneben ist zusätzlich eine Uhr abgebildet, deren Ziffern so erscheinen als seien sie aus dem Takt geraten.

Ich war irgendwann Mitte 20, als ich von einem blinden Lehrer hörte, der an einer Studie teilnahm, welche sich mit Schlafstörungen bei blinden Menschen befasste. Diese fand in den USA statt und ging über mehrere Monate. Damals fragte ich nicht genauer nach, da ich immer einen guten Schlaf hatte. Als Kind war ich Frühaufsteher, in der Pubertät schlief ich gern lang, und später konnte ich mein Schlafverhalten problemlos an die Tagesstruktur anpassen.

Das erste Mal, dass ich Schlafstörungen hatte, war während meiner Schwangerschaft. Auf einmal wachte ich wegen jedem Geräusch auf, ganz gleich ob es von einem Familienmitglied oder von einem meiner Katzen verursacht wurde. Trost fand ich damals bei meiner Gynäkologin, die mir erklärte, dass es vielen schwangeren Frauen so geht, und dass sich das irgendwann wieder legt. Es sollte allerdings noch viele Jahre dauern, bis ich nicht mehr bei dem leisesten Geräusch, welches durch eines meiner Kinder verursacht wurde, aufwachte.

Auf der Sicht City, der weltgrößten Hilfsmittelmesse für blinde und sehbehinderte Menschen, lernte ich Anne Simon kennen. Sie informierte an einem Stand über die Erkrankung Non-24. Diese Diagnose ist hier in Deutschland noch ziemlich unbekannt. Daher freue ich mich, dass Anne Simon mir den folgenden Text zur Verfügung gestellt hat.

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Bezahlte Hilfe oder soziales Umfeld

Ich bin ein großer Freund davon, dass sich Menschen mit Behinderung Tätigkeiten, die sie selbst nicht erledigen können, von einer bezahlten Assistenz durchführen lassen. Dies möchte ich gern an einem Beispiel veranschaulichen.
Vor allem mich als blinde Mutter hat das Thema beschäftigt, als meine Kinder noch zu jung waren, um alleine ins Schwimmbad oder auf die Kirmes zu gehen. Gepaart mit meinem eigenen Respekt vor Wasser wollte ich es nicht verantworten mit ihnen alleine schwimmen zu gehen. Es gibt blinde Eltern, die das hinkriegen. Ich selbst habe mich das lange nicht getraut. Solche Aufgaben habe ich am liebsten mit sehender Begleitung gemacht. Aber woher nehmen? Nicht immer klappt es, dass man sich mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder verabreden kann.
Ich weiß noch, dass meine Kinder sich eine ganze Woche lang darauf gefreut hatten am kommenden Samstag schwimmen zu gehen. Eine Dame aus meinem sozialen Umfeld hatte angeboten uns zu begleiten. Und so hatten wir uns an dem Tag nichts vorgenommen, hatte ich Proviant vorbereitet und die Sachen der Kinder vorbereitet. Wir wollten uns um 14:30 Uhr bei uns zu Hause treffen und gemeinsam zum Schwimmbad fahren.
14:30 Uhr kam der Anruf der Dame. Sie erklärte mir, dass sie doch keine Lust auf Schwimmbad habe. Außerdem habe sie sich mit einer Freundin verabredet. Wir könnten das ja verschieben. Tja, und nun stand ich da und musste zwei Kindern erklären warum wir heute nicht ins Schwimmbad gehen können.
Eine andere Helferin war stets zur Stelle, wenn sicher war, dass sie beim Helfen gesehen wurde. Jedenfalls erzählte sie später jedem, der es wissen oder nicht wissen wollte, dass sie uns betreute. Dafür erwartete sie, dass ich ihr für jede Handreichung dankbar war. Das enthielt auch das Äußern von Wünschen, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Wer mich kennt, kann sich vorstellen, dass ich die Hilfe dieser Dame nicht mehr in Anspruch nahm.
Auch wenn es Geld kostet, ist die sehende Begleitung, die ich bezahle, viel entspannender. Ich bin der Arbeitgeber, die Begleitung der Arbeitnehmer. Ich erkläre der Assistenz worauf es mir ankommt und welche Wünsche ich habe. Die Assistenz und ich treffen klare Vereinbarungen über die Durchführung. Sie erbringt eine Dienstleistung, und ich bezahle sie dafür. Fertig.
Natürlich kann Hilfe aus dem sozialen Umfeld sehr hilfreich sein. Jedoch funktioniert das nur dann, wenn man tatsächlich auf Augenhöhe kommunizieren kann. Wenn ein Freund mir verspricht die hohen Fenster meiner Terrasse zu putzen, an die ich selbst nicht dran komme, dann bin ich davon abhängig wann er Lust oder Zeit dafür hat. Und solange dies unentgeltlich passiert, habe ich keine Handhabe. Denn er muss das nicht tun. Er kann jederzeit sagen, dass er es nicht mehr machen will. Ein Dienstleister, den ich mit der Fensterreinigung beauftrage, kann das auch machen. Aber dann bekommt er kein Geld dafür. Das ist der kleine aber feine Unterschied.
Wenn ich mich also auf Hilfe aus dem sozialen Umfeld einlasse, muss ich mir darüber im Klaren sein, dass ich evtl. Zeit, Ausdauer und starke Nerven mitbringen muss. Wenn ich das nicht möchte, suche ich mir eine bezahlte Hilfe, die mir gegen Bezahlung nach meinen Wünschen hilft.
Ich habe inzwischen Menschen in meinem sozialen Umfeld, die mir auch schon mal schnell und unkompliziert zur Hand gehen, wenn ich mal Hilfe brauche. Da ist meine Freundin, mit der ich meist einmal in der Woche durch den Supermarkt gehe, und die mir mit viel Geduld bei der Erledigung meiner Post hilft. Da ist ein Freund, dem ich mal eine Nachricht schicken kann, wenn ich mal wieder Hilfe mit meinem Blog brauche. Und so weiter. Und ich freue mich, dass ich diese Menschen um mich habe. Denn das ist nicht selbstverständlich.

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Allgemein Alltag

Von meinem ersten Versuch einen Kuchen zu backen

Meine Freundin Jenny und ich lernten uns in der siebten Klasse kennen. Wir hatten Schulen für blinde Kinder aus unterschiedlichen Bundesländern besucht. Und jetzt besuchten wir beide das Gymnasium an der Blista in Marburg. Wir sahen total gegensätzlich aus. Dennoch verwechselte man uns ständig. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir während der Schulzeit zusammen hingen, in der Schule nebeneinander saßen und auch einen Großteil unserer Freizeit zusammen verbrachten.
Marburg war zu weit weg, um täglich nach Hause zu fahren. Daher lebten wir Schüler in einem Internat. Genauer gesagt in Wohngruppen, die in den ersten beiden Jahren aus etwa zehn Schülerinnen und Schülern und vier Betreuern bestanden. Sowohl meine Wohngruppe, als auch die, in der Jenny wohnte, befanden sich auf dem Schulgelände. Das hieß für uns, dass wir einen kurzen Schulweg hatten, zum zweiten aber auch, dass Jenny und ich uns jederzeit gegenseitig besuchen konnten. Wir waren beide in der Pubertät, und taten all das, was andere Kinder in diesem Alter eben tun.

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Allgemein Alltag blinde Eltern

Grosskampftag, 3 Stunden bis zum Bus

Das Foto zeigt mich vor einer Sonnenuhr.

Ich werde oft gefragt wer mir den Haushalt macht oder ob meine Kinder mir viel helfen. Daher habe ich mal über einen Morgen eines Großkampftags geschrieben. Vor allem die Eltern unter Euch können anschließend selbst beurteilen inwieweit sich Euer Alltag von meinem Unterscheidet, und wie viel wir gemeinsam haben.

Halb sieben Uhr morgens. Normalerweise hätte ich noch etwas Zeit, bis mein Tagewerk beginnt. Aber nicht an diesem Tag. Mein Sohn Grillt heute mit seiner Klasse und hat sich verpflichtet einen Kuskussalat mitzubringen. Und wer bereitet diesen zu? Mama natürlich. Und weil der frisch sein muss, passiert das früh morgens. Denn heute Vormittag habe ich versprochen einen Workshop zu halten. Im Klartext: die nächsten drei Stunden werden sicher nicht langweilig werden.