Non-24, wenn der Tag zur Nacht wird 

Auf dem Bild sieht man eine Bank im Freien, auf der ein Mann mit Langstock sitzt.

Darüber steht „Wenn der Tag zur Nacht wird“. Daneben ist zusätzlich eine Uhr abgebildet, deren Ziffern so erscheinen als seien sie aus dem Takt geraten.

Ich war irgendwann Mitte 20, als ich von einem blinden Lehrer hörte, der an einer Studie teilnahm, welche sich mit Schlafstörungen bei blinden Menschen befasste. Diese fand in den USA statt und ging über mehrere Monate. Damals fragte ich nicht genauer nach, da ich immer einen guten Schlaf hatte. Als Kind war ich Frühaufsteher, in der Pubertät schlief ich gern lang, und später konnte ich mein Schlafverhalten problemlos an die Tagesstruktur anpassen.

Das erste Mal, dass ich Schlafstörungen hatte, war während meiner Schwangerschaft. Auf einmal wachte ich wegen jedem Geräusch auf, ganz gleich ob es von einem Familienmitglied oder von einem meiner Katzen verursacht wurde. Trost fand ich damals bei meiner Gynäkologin, die mir erklärte, dass es vielen schwangeren Frauen so geht, und dass sich das irgendwann wieder legt. Es sollte allerdings noch viele Jahre dauern, bis ich nicht mehr bei dem leisesten Geräusch, welches durch eines meiner Kinder verursacht wurde, aufwachte.

Auf der Sicht City, der weltgrößten Hilfsmittelmesse für blinde und sehbehinderte Menschen, lernte ich Anne Simon kennen. Sie informierte an einem Stand über die Erkrankung Non-24. Diese Diagnose ist hier in Deutschland noch ziemlich unbekannt. Daher freue ich mich, dass Anne Simon mir den folgenden Text zur Verfügung gestellt hat.

Wenn der Tag zur Nacht wird…

Kennen Sie das Gefühl, nachts kein Auge zu machen zu können? Und tagsüber ist Ihnen oftmals nach Schlafen zumute? Stellen Sie sich vor, dieses Gefühl haben Sie täglich…und kein Schlaftipp hilft. Genau in dieser Situation befinden sich vollblinde Menschen, die an der seltenen Erkrankung Non-24 leiden. Non-24 ist eine Schlaf-Wach-Rhythmusstörung, bei der die körpereigene Uhr anders läuft als die Uhr unseres 24-Stunden-Tages. Das bedeutet, draußen kann die Sonne scheinen, aber Ihr Körper denkt trotzdem, es wäre Nacht. Er signalisiert Ihrem Gehirn dann, dass Sie müde sind und schlafen sollten. Verantwortlich hierfür sind das „Schlafhormon“ Melatonin und das „Wachhormon“ Kortisol. Beide werden vom Körper zu unterschiedlichen Tageszeiten ausgeschüttet, je nachdem wie Ihre innere Uhr tickt.Normalerweise ist der menschliche Körper in der Lage, sich an den äußeren 24-Stunden-Tag an zu passen, egal wie die innere Uhr „tickt“. Das Licht und weitere „Zeitgeber“ helfen ihm dabei, die eigene innere Uhr und den 24-Stunden-Tag in Einklang zu bringen. Daher sind sehende Personen nur in sehr seltenen Fällen von dieser Schlaf-Wach-Rhythmusstörung betroffen. Anders verhält es sich hingegen bei Menschen, die völlig blind sind. Diese können den täglichen Licht / Dunkel Wechsel nicht wahrnehmen, um ihre innere Uhr dem Umgebungstag anzupassen. So kann es zu einem Auseinanderdriften der eigenen inneren Uhr mit dem äußeren 24-Stunden-Tag kommen. Dieses Phänomen taucht bei völlig blinden Menschen häufig auf und betrifft sogar ca. 50 % von ihnen.

Die Folgen: Zu den Schlafstörungen und der extremen Tagesmüdigkeit können Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen oder eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit hinzukommen. Betroffene berichten, dass ein normaler Alltag kaum mehr möglich ist. Zudem ist von ähnlichen Erkrankungen bekannt, dass bei Schlafschwierigkeiten weitere gesundheitliche Risiken drohen können, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen. Schlafmediziner raten dazu, diese Erkrankung nicht unbehandelt zu lassen. Non-24 ist in Deutschland allerdings noch weitestgehend unbekannt. Nur wenige Experten in der Schlafmedizin beschäftigen sich bisher mit diesem Thema.

Unter dem folgenden Link können Sie Expertenzentren für die Erkrankung Non-24 auch in Ihrer Nähe finden: http://non24.de/non-24-erkennen/non-24-expertenzentren/. Dort helfen Ihnen Schlafmediziner weiter, die sich auf Non-24 spezialisiert haben.

Wollen Sie sich zunächst selbst über die Erkrankung Non-24 informieren? Dann können Sie dies auf der barrierefreien Website http://www.non-24.de tun.
Bei weiteren Fragen oder für zusätzliche Hilfestellungen steht Ihnen in Deutschland die kostenfreie Hotline Non-24 PLUS zur Verfügung. Hier gibt das Non-24 PLUS Serviceteam, das speziell zu dieser Erkrankung geschult ist, unter der Telefonnummer 0800 24 321 24 (Mo – Fr von 08:00 bis 18:00 Uhr) weitere Auskünfte. Neben dem persönlichen Kontakt und der Möglichkeit, individuelle Antworten zu erhalten, stellen Ihnen erfahrene Krankenpfleger auch gerne eine Auswahl an Informationsbroschüren rund um die Erkrankung zur Verfügung.

Non-24 kann eine sehr belastende Krankheit sein und Betroffene fühlen sich oftmals allein gelassen. Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Umfeld über die mögliche Erkrankung und Ihre Symptome sprechen und aktiv werden.

Ich danke meiner Gastautorin für die fachlichen Informationen. Und nun lade ich alle interessierten Leser dazu ein in den Kommentaren über diesen Beitrag zu diskutieren.

2 Antworten auf “Non-24, wenn der Tag zur Nacht wird ”

  1. Hallo, ich war auch mal bei einem Vortrag, in dem eine Studie für ein Medikament dagegen vorgestellt wurde. Viele Teilnehmer berichteten über massive Schlafstörungen. Ich schlafe an und für sich relativ gut. Werktags allerdings etwas unruhiger als üblich. So habe ich mich erst einmal nicht als Teilnehmer bereiterklärt. Am Tag bin ich dann doch schnell müde. Das tritt dann zutage, wenn ich mich sitzend konzentrieren muss. Da schlafe ich teils kurz ein, auch in Besprechungen oder im Büro, was bei der Arbeit nun auch zu Problemen führte. Da muss ich mich doch mal ärztlich untersuchen lassen.
    Viele Grüße
    Sebastian

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  2. Liebe Lydia, ich war tatsächlich schon drauf und dran dich zu kontaktieren und mich bei dir nach diesem Thema zu erkundigen. Und dann schreibst du gerade jetzt darüber einen Beitrag, was für ein witziger Zufall! Ich habe in letzter Zeit mehrmals von diesem Problem gehört, da ich selbst viel zum Thema Schlafstörungen lese, da ich selber (aus anderen Gründen) massiv von ihnen geplagt bin. Es wundert mich, dass das Phänomen hierzulande so wenig bekannt ist, wo es doch einen so großen Teil der blinden Menschen betrifft. Danke mal wieder für die Aufklärung!

    Gefällt 1 Person

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