Wie transportiert man Blinde im Auto?

Wer noch nie einen blinden Fahrgast im Auto hatte, fragt sich ob und was er dabei beachten sollte. Hier ein paar Anregungen.

Das Foto zeigt mich auf dem Beifahrersitz eines Autos mit geöffneter Tür.

Ich möchte in ein paar Tagen zu einer Veranstaltung fahren, die mich sehr interessiert. Eine Bekannte, die auch dort hin will, hat mir angeboten mich mit dem Auto mitzunehmen. Und ich habe das Angebot angenommen, da es mit öffentlichen Verkehrsmitteln einer Weltreise mit Ganztagscharakter gleicht. Mit dem Auto sind es vielleicht 20 Minuten.
Als wir uns kurz vorher zusammentelefonieren, um die letzten Absprachen zu treffen, kommt die leicht verlegene Frage von ihr, mit der ich absolut nicht rechne. Sie sagt, dass sie noch nie einen Blinden im Auto hatte. Und jetzt möchte sie von mir wissen, worauf sie zu achten habe, wenn sie einen Blinden transportiert.

Wie stellt man sich am besten hin?
Nun, am besten stellt man das Auto so hin, dass die Tür, durch welche der Blinde einsteigt, gut zugänglich ist. Also das, was man generell tun sollte. Da der Blinde das Auto nicht sieht, ist die Information hilfreich, wo das Auto steht. Man kann das beschreiben. „Das Auto steht quer vor Dir“ oder „Der Wagen steht direkt hinter Dir“. Oder man legt die Hand des Blinden darauf. Das empfinde ich vor allem dann hilfreich, wenn mehrere Autos zur Auswahl stehen. Auch ich wollte schon mal in das falsche Auto einsteigen und habe mich gewundert, warum die Tür sich nicht öffnen ließ.

Einsteigen.

Es besteht keine Notwendigkeit den Blinden in das Auto zu schieben oder zu ziehen. Jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch schaut sich den Sitz an, bevor er sich hineinsetzt. Ein Blinder tastet auf den Sitz, um festzustellen ob bereits etwas drauf liegt. Auf diese Art und Weise fühlt der Blinde auch wie hoch oder tief der Sitz ist. Gleiches gilt für den Fußraum. Der Sehende schaut, der Blinde tastet mit den Füßen. Schließlich hat es sich auch unter blinden Passagieren herumgesprochen, dass Sitz und Fußraum oft als mobile Ablagefläche für alle möglichen Gegenstände herhalten.

Türe schließen und anschnallen.

Ein Blinder ist sehr wohl in der Lage eine Autotür zu schließen, ohne sich die Finger einzuklemmen. Ich mache es allerdings erst dann, wenn ich ganz sicher bin, dass niemand sich in Reichweite der Tür befindet. Auch das mit dem Anschnallen funktioniert. Es dauert vielleicht eine Sekunde länger als bei dem normal Sehenden, der sofort sehen kann, wo der Anschnallgurt ist. Und wenn er ihn nicht findet, dann wird er gezielt danach fragen. Also, man braucht einen Blinden nicht wie ein Kind auf dem Sitz festzuschnallen.

Wie viel Platz beim Aussteigen?

Man kann sich ruhig mit einem blinden Beifahrer in eine normale Parklücke stellen. Auch Blinde wissen, dass man eine Tür nicht einfach so aufreißt. Es besteht also keine Notwendigkeit, hektisch aus dem Auto zu springen und um das Auto zu rennen. Der Blinde wird nicht einfach auf die Straße rennen. Auch wir haben einen gesunden Selbsterhaltungstrieb. Okay, wenn das nächste parkende Auto ziemlich eng steht, freue ich mich, wenn man mir das sagt. Und keine Angst, ich reiße keine Autotüren schnell auf, sondern taste mit der Hand wie viel Platz neben mir ist.

Kein Grund zur Aufregung

Blinde Beifahrer sind in erster Linie Beifahrer. Nicht mehr und nicht weniger. Okay, sie können nicht sehen. Aber alles andere funktioniert. Wenn ich also den Anschnaller nicht gleich finde, werde ich entweder danach suchen oder fragen.

Und zum guten Schluss.

Blinde Beifahrer sind genauso wie normal sehende Beifahrer. Es gibt sie in allen Eigenschaften, Farben und Charakterzügen. Die Sehbehinderung ist das Einzige Bindeglied zwischen ihnen. Und selbst diese ist ziemlich vielseitig. Also gilt stets: Wenn Du was nicht weißt, und Du Dir unsicher bist, frag einfach. Das geht am Schnellsten. ,

Autor: lydiaswelt

Blinde Mutter sehender Kinder mit arabischem Hintergrund

6 Kommentare zu „Wie transportiert man Blinde im Auto?“

  1. Nett geschrieben, weiter so!
    Ich nehme regelmäßig blinde Freunde im Auto mit und hatte mir nie so großartig Gedanken gemacht, dass das irgendwie anders sein müsste als mit sehenden Freunden. Als allerdings eine blinde Freundin mal anbot, mich zu fahren, weil das Navi ja schon sagen würde, wo sie abzubiegen hätte, habe ich dann doch dankend abgelehnt 😉

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  2. Musste beim Lesen grad etwas grinsen… Ist noch nicht so lange her, dass ich mal das Bedürfnis hatte, meiner Freundin zwischenrein zu erklären, dass ich sie keineswegs für unfähig halte, die Autotür aufzumachen, sondern mein Auto von außen einfach ohne Schlüssel nicht aufgeht… Jetzt nicht, weil sie sich beschwert hätte, sondern weil mir selbst der Ablauf einfach etwas albern vorkam (wenn auch eben rein technisch notwendig…)

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