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Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 4, pass schön auf die Mama auf.

Pass schön auf die Mama auf

Meine Tochter war vielleicht zwei Jahre alt. Sie lief kurze Strecken an meiner linken Hand, während ich mir mit dem Blindenstock in der rechten Hand unseren Weg ertastete. Auf einmal sprach eine Frau meine Tochter an, mit den Worten: „Das ist aber schön, dass Du der Mama hilfst“. Ups, meint die das jetzt ernst? Vermutlich schon. Gern hätte ich sie gefragt, ob sie sich einem zweijährigen Kind blind im Straßenverkehr anvertrauen würde. Aber wie das ebenso ist. Als ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, da war sie bereits weg.
Damals wusste ich nicht, dass mir dieses Verhalten recht oft begegnen würde. Und auch nicht, dass ich mit der Zeit eine gewisse Schlagfertigkeit entwickeln würde, um auf solche Sätze zu reagieren.
Die Dame hat eine blinde Frau gesehen, die ein kleines Kind an der Hand hat. Mit blind wird gleich hilflos assoziiert. Es kann also nur so sein, dass das Kind die Mutter führt. Für mich ist das inzwischen nachvollziehbar. Hätte sie ein bisschen weiter gedacht, dann hätte auch ihr klar sein müssen, dass ein kleines Mädchen in dem Alter nicht in der Lage ist mich sicher durch die Stadt zu führen. Mal abgesehen davon, dass ich für mein Kind verantwortlich bin, und nicht mein Kind für mich. Auch wenn ich blind bin, habe ich eine Aufsichtspflicht meinen Kindern gegenüber.
Mein Sohn war noch nicht ganz vier Jahre alt, und meine Tochter fünfeinhalb. Ich wollte mit meinen Kindern auf einen kleinen Weihnachtsmarkt gehen. Eine Bekannte, die vorher da war, verabschiedete sich von meinen Kindern mit den Worten: „Passt schön auf Eure Mama auf“. Auch hier habe ich mir die Frage gestellt, ob sie sich zwei verspielten Kindergartenkindern buchstäblich blind anvertrauen würde. Jede Wette, dass sie es nicht tun würde. Eher würde sie mir erzählen, dass Kinder von Blinden eben viel sensibler seien, und natürlich viel früher selbständig. Denn schließlich müssten sie die Sehbehinderung ihrer Eltern kompensieren. Und ja, es gibt Tage, da würde ich es richtig klasse finden von meinen Kindern rundum umsorgt zu werden. Nur hat das nichts mit meiner Blindheit zu tun. Vielmehr befinde ich mich mit vielen anderen Miteltern in guter Gesellschaft. 😊
Und auch das kann man noch toppen. Meine Tochter war sechs Jahre alt, mein Sohn viereinhalb, als ich mit einer Freundin und ihrer Tochter in den Urlaub gefahren bin. Wir waren mit dem Zug unterwegs und mussten mehrmals umsteigen. Da ich nicht zum ersten Mal mit meinen Kindern Zug gefahren bin, hatten wir inzwischen unsere Logistik entwickelt. Irgendwann wies meine Freundin die Kinder an, sie sollten doch ihre Mama mitnehmen. Ich schrieb das der Hektik zu, und ignorierte das. Nachdem das aber weitere zweimal vorkam, bat ich sie das zu unterlassen. Wenn jemand meine Kinder anweist mich mitzunehmen, dann nur ich selbst. Und ich bestimme alleine ob und wann ich von jemandem mitgenommen werden möchte. In diesem Urlaub haben wir beide einiges voneinander gelernt.
Dass Kinder blinder Eltern generell früher selbständig sind, würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Das ist wie bei Familien mit nicht behinderten Eltern auch. Die typische Mutter gibt es genauso wenig wie den typischen Blinden. Es hängt also von vielen Faktoren ab wie dem familiären Umfeld, der Familiensituation und natürlich dem Kind selbst. Somit kann ich nur über meine eigene Familie eine verlässliche Aussage machen. Denn die kenne ich nun mal am besten.

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Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 2 – außerhalb der Wohnung

Bereits während meiner ersten Schwangerschaft bekam ich oft zu hören, dass ich ohne sehende Hilfe nicht zurechtkommen würde. Jedenfalls nicht, sobald das Baby sich beginnen würde zu bewegen. Allein die Vorstellung mein Baby oder später mein Kind irgendwo zu verlieren wurde mir so oft in den buntesten Farben ausgemalt, dass ich dem Abenteuer Baby doch mit gemischten Gefühlen entgegenzusehen begann. Irgendwann sprach ich das Thema bei meiner Gynäkologin an. Diese erklärte mir, dass ich nicht die erste blinde Patientin sei, die sie begleitete. Sie machte mir Mut und riet mir das Thema „Kind Verlieren“ erst mal weit weg zu schieben, da vorher noch einige andere Stationen auf meinem Weg liegen.
Eine weitere Verbündete fand ich in meiner nachsorgenden Hebamme, die mir ebenfalls Mut machte. Sie hatte zwar noch keine Erfahrungen mit Blinden gemacht, traute sich aber zu mit mir gemeinsam Lösungen für anstehende Aufgaben zu finden. Sie stellte auch den Kontakt zu einer anderen Mutter her, die zwei Monate vor mir entbunden hatte. Diese Mutter war normal sehend. In dieser Familie fühlte ich mich lange Zeit sehr wohl, da niemand Vorbehalte gegenüber einer blinden Mutter hatte. Hier lernte ich auch das Tragetuch kennen. Es ermöglichte mir mein Baby direkt am Körper zu tragen. Also mehr Bewegungsfreiheit. Ich wusste sofort, das wollte ich unbedingt haben.
Ich sprach meine Hebamme darauf an. Und sie besorgte mir eines. Ich weiß noch, dass wir uns in einem Kaffee trafen, wo sie mir unter den Augen der anderen Gäste zeigte wie man dieses 360 cm lange Tuch band. Sie wollte in einem Geschäft in der Nähe fragen ob wir uns einen Teddybären oder so ausleihen könnten, damit ich mir vorstellen konnte wie sich das anfühlte. Eine Mutter, die uns zugesehen hatte, war davon so beeindruckt, dass sie uns spontan ihr Neugeborenes zur Verfügung stellte.
Während der ersten 10 Monate blieb das Tragetuch mein ständiger Begleiter für draußen. Später kam noch ein Kinderwagen hinzu, der einen schwenkbaren Bügel hatte. Ich hatte ihn nach langer Suche in einem Second Hand Laden gefunden. Diesen konnte ich ohne viel Kraftaufwand hinter mir herziehen. Das Baby saß mit dem Gesicht zur Fahrtrichtung, und die flexiblen Räder waren vorne, so dass der Wagen auf jede Richtungsänderung reagierte. Kinderwagen in der linken Hand, den Blindenstock rechts bewegte ich mich also durch die Gegend. Als Alternative zum Tragetuch war das richtig gut. Denn als ich versuchte meine Tochter auf dem Rücken zu tragen, entdeckte sie, dass man ja an Mamas langen Haaren ziehen konnte. Und ich konnte das nicht abstellen.
Solange das Baby klein ist, bleibt es da liegen wo man es abgelegt hat. Und sobald es beginnt zu krabbeln, legt es noch lange keine großen Entfernungen zurück. Und da ein Kind immer irgendein Geräusch verursacht, wusste ich stets wo mein Baby war. Jedenfalls in den eigenen vier Wänden. Und da war alles sicher. Jedenfalls in dem Teil der Wohnung, in welchem sich mein Kind frei bewegen durfte. Hellhörig sollte man nur dann werden, wenn das Kind kein Geräusch verursacht. 😊
Meine Tochter war etwa anderthalb Jahre alt, als ich mich mit ihr ohne Kinderwagen auf der Straße bewegte. Das lag auch ein bisschen daran, dass das Wetter vorher ein bisschen ungemütlich war. Es gibt blinde Eltern, die ihren Kindern ein kleines Glöckchen an die Kleidung anbringen, um zu hören wo sich der Nachwuchs befindet. Ich habe das nie gemacht. Meine Kinder haben früh gelernt, das Laufen auf der Straße bedeutete, dass sie an meiner Hand liefen. Das blieb so, bis ich mir sicher war, dass sie nicht wegliefen, oder auf die Straße gingen. Wir übten das auf Straßen, die kaum befahren waren. Wenn ein Kind sich nicht an die Regel hielt, dass es an der Straßenecke stehen blieb, musste es wieder an der Hand gehen. Gleiches galt, wenn ich eines der Kinder rief, und es sich nicht meldete. Alleine laufen dürfen war sozusagen ein Vertrauensbeweis.
2003 wurde unser Einkaufszentrum umgebaut. Es gab eine Eröffnungsfeier, die mein Mann und ich gemeinsam mit unserer dreijährigen Tochter besuchten. Irgendwann war das Kind in dem Gewusel verschwunden. Ich glaube, in den folgenden Minuten spielten sich sämtliche Horrorszenarien in meinem Kopf ab. Zumal ich nicht einfach so loslaufen und mein Kind suchen konnte. Und bei der Geräuschkulisse schon gar nicht. Die Erlösung kam, als jemand unser Kind auf die Bühne stellte und sagte, dass dieses Mädchen drei Jahre alt sei und mit ihrem Papa hier wäre. Wie ich später hörte hatte sie sagen können wer sie war, wie alt und mit wem sie gekommen war. Für mich hatte es die beruhigende Erkenntnis gebracht, dass sie auch in ‚Stresssituationen‘ in der Lage war Angaben zu ihrer Person zu machen.
Meine Kinder waren vier und sechs Jahre alt, als wir begannen Ausflüge ohne Begleitung zu machen. Bus, Bahn, usw. zählte nicht. Das war von Anfang an Programm. Aber jetzt kam es darauf an sich in fremder Umgebung zu orientieren und die Kinder bei Bedarf auch wieder einzusammeln. Das kostete mich große Überwindung. Daher suchte ich mir Ziele aus, die relativ überschaubar waren. Manchmal sprach ich andere Eltern an, wenn ich mir etwas unsicher war. Zur Sicherheit hatte ich ein aktuelles Foto meiner Kinder dabei, falls ich sie suchen lassen musste. Meist suchten wir gemeinsam einen Platz aus, an dem ich blieb, während die Kinder spielen gingen. Mir war es wichtig, dass sie sich von Zeit zu Zeit bei mir meldeten. Und das klappte mit jedem Ausflug immer besser. Mir gab das viel Sicherheit.
Es gab einige wenige Dinge, die ich nicht ohne sehende Begleitung machen wollte. Und dazu gehörte das Schwimmbad. Als ich zum ersten Mal mit meiner Tochter alleine ins Freibad ging, entdeckte sie sofort einen Schulfreund und dessen Familie. Für mich war das eine große Erleichterung. Erst recht als die Mutter mir anbot meine Tochter mitzunehmen, wenn sie mit ihrem Sohn schwimmen ging. Da Wasser nicht mein Element ist, tat es gut, dass mir das jemand abnahm. Denn ich traute mir die Beaufsichtigung selbst nicht zu. Zum Glück brauchte ich niemanden dafür zu bezahlen, der uns ins Schwimmbad begleitete. Denn in meinem Umfeld gab es einige Eltern, die mir hier aushalfen. Jedenfalls solange, bis ich sicherer wurde. Meine Kinder durften erst alleine ins Schwimmbad, nachdem sie ihr Schwimmabzeichen gemacht hatten. Ich ging zwar meist mit, brauchte jedoch keine sehende Begleitung mehr.
Ein weiteres Thema waren Kindergartenfeste und Schulveranstaltungen im Freien. So viele Kinder, Eltern, usw. wuseln lautstark durch ein Gelände, welches mir nicht zu 100 % vertraut war. Da eines meiner Kinder wiederzufinden empfand ich als chancenlos. Ebenso wenig fand ich andere Eltern, die mir bekannt waren. Wenn diese mich nicht ansprachen, saß ich alleine herum. Ich löste das so, dass ich mich entweder gezielt mit anderen Eltern verabredete, oder indem ich eine bezahlte Assistenz mitnahm. Das schonte meine Nerven und gab mir ein Gefühl der Gleichwertigkeit anderen Eltern gegenüber.
Je älter meine Kinder wurden, desto mehr konnten wir ohne fremde Hilfe unternehmen. Waren wir auf einem Abenteuerspielplatz, auf der Kirmes oder in einem Kinderspielplatz, so suchten wir uns einen Platz aus, an welchem ich blieb. Wir vereinbarten dann wann sich einer der Kinder spätestens bei mir melden sollte. Gegen aufkommende Langeweile hatte ich stets eine Handarbeit oder ein Hörbuch dabei. Und je besser das klappte, desto weiter weg konnten wir fahren.
Tagesausflüge oder kleine Urlaubsreisen bereiteten wir gemeinsam vor. D.h. besprechen was mitgenommen werden sollte, Rucksack oder Koffer packen usw. Auch besprach ich mit beiden Kindern das Verhalten, falls wir uns verlieren. Den Kindern vermittelte es einen Teil an Selbständigkeit und Verantwortung, und mich beruhigte es. Das gilt bis heute. Sie haben beide eine super Orientierung im öffentlichen Nahverkehr. Und wenn sie eine Information nicht direkt wissen, so haben sie zumindest eine Idee für die Informationsbeschaffung.

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Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 1 – die ersten Jahre

In den ersten 9 Monaten brauchte ich nur wenig sehende Hilfe im Alltag. Ich hatte eine richtig tolle nachsorgende Hebamme, die mir die Handgriffe und Tricks zeigte, die bei der Säuglingspflege wichtig sind. Dies passierte in meiner vertrauten Umgebung, so dass ich all das Erlernte direkt umsetzen konnte. Außerdem sorgte sie dafür, dass ihre Patienten Kontakt zueinander hatten, wenn sie das wollten. Das war eine große Hilfe für uns alle. Gerade während der ersten Jahre.
Nachdem sich unser Alltag eingespielt hatte kam ich sehr gut zurecht. In meiner Wohnung kannte ich mich aus. Und wo man ein Baby ablegt, da bleibt es liegen bis man es wieder abholt. Jedenfalls in den ersten Monaten.
Die erste Veränderung kam, als meine Tochter begann sich mehr zu bewegen und sich zu drehen. Ab da habe ich sie beispielsweise nur noch auf dem Boden gewickelt. So war ein Herunterfallen ausgeschlossen. Außerdem hatte ich immer eine Hand am Kind. So hatte ich Windel, Kind und Platz im Griff. Vor dem Wickeln oder Umziehen habe ich mir mein Aktionsfeld vorbereitet, so dass ich nicht zwischendurch irgendwo irgendwas holen brauchte.
Wenn ich mit meinem Baby unterwegs war, gebrauchte ich ein Tragetuch, welches ich mir so band, dass meine Tochter direkt vor meinem Bauch war. Anfangs platzierte ich sie so, dass sie mit dem Gesicht zu mir lag. Später, als die Wachfasen länger wurden, trug ich sie mit dem Gesicht nach vorne vor mir her. Das war für sie wie Fernsehen. Auf diese Weise konnte ich auch das Problem mit den visuellen Eindrücken und dem Aufbau von Blickkontakt lösen. Da sie ein sehr kommunikatives Baby war, war das für mich sehr entspannend. Während andere Babys im Kinderwagen aus Langeweile quengelten, betrachtete meine Tochter die Umgebung und alles und jeden, der sich bewegte.
Als meine Tochter 5 Monate alt war, meldete ich uns in einer Mutterkindgruppe an. Der Schwerpunkt lag auf gemeinsames Singen, Spielen und Erfahrungsaustausch. Außerdem besuchte ich gemeinsam mit einer Freundin einen freien Babytreff. Hier half man mir auch mal beim Füttern mit dem Löffel, da das anfangs noch nicht so recht klappen wollte. Meine Tochter vertrat lange Zeit den Standpunkt, dass ich nun mal die Brust sei und verweigerte alles andere, was ich ihr anbot. Und da ich den Standpunkt vertrete, dass Essen Freude machen sollte, akzeptierte ich das erst einmal so.
Ich achtete darauf, dass wir viel unter andere Eltern und Kinder kamen. Da meine Tochter auf Action stand, war sie dadurch ausgeglichener. Für mich war es der Lösungsweg, um ihr Dinge wie Gestik und Mimik näher zu bringen.
Schwierig wurde es erst, als sie das Laufen erlernte, und anfing draußen die Welt zu entdecken. Wir wohnten damals in einer Gegend, in welcher die Sandkisten und Wiesen schon mal Hundehaufen oder Glasscherben enthalten konnten. Freies Spielen auf dem Spielplatz war daher nur mit Hilfe einer sehenden Begleitung möglich.
Fragen, Telefonate usw. Ergebnis war, dass ich auf dem Sozialamt einen Antrag auf Assistenz gestellt habe. Man prüfte unsere finanzielle Situation, um mir nach einiger Zeit mitzuteilen, dass uns keine Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Auch von anderen Stellen gab es keine Hilfe, allenfalls einen Verweis auf den ansässigen Blindenverein oder das Blindengeld. Wenn ich also eine Hilfe brauchte, dann war dies mit viel Organisation, viel Bitten oder selbst zahlen verbunden. Kurz gesagt, es musste eine kreative Lösung her.
Mein Mann, der etwas mehr sieht als ich, konnte solche Aufgaben schon mal übernehmen. Eine andere Lösung war sich mit Freunden zu verabreden, deren Kinder im Alter meiner Tochter waren. Einmal in der Woche besuchten wir meine Eltern und Geschwister, die gern mit meiner Tochter draußen waren.
Meine Elternzeit endete, als mein Kind ein Jahr alt wurde. Wir gaben Sie zu einer Tagesmutter, während ich wieder arbeiten ging. Die Kosten trugen wir selbst. Diese Tagesmutter betreute meist vier Tageskinder im Alter von ein bis zwei Jahren. Mit diesen war sie viel draußen, einkaufen usw. Wir sahen es als Krabbelstube mit einem erhöhten Betreuungsschlüssel an.
Da es damals weder eine Anlaufstelle für blinde Eltern, noch eine Möglichkeit gab sich auszutauschen, wusste ich auch nicht, dass es für Kinder behinderter Eltern eine Frühförderung gibt. Diese würde dem Kind in meinem Fall die Dinge vermitteln, die ich nicht sehe. Ich kann keinem sehenden Kleinkind Farben benennen, da ich diese nicht sehe. Daher sprach ich das Thema bei unserer Tagesmutter an, damit sie darauf achtete, dass meine Tochter keine Defizite aufwies.
Mein Sohn wurde geboren, als meine Tochter 17 Monate alt war. Ich ging erneut in Elternzeit. Mein Mann und ich entschieden uns dafür unsere Tochter weiter zur Tagesmutter gehen zu lassen, da diese ihr mehr Förderung bieten konnte, und sie sich dort sehr wohl fühlte.
Zum ersten Mal bekam ich den Assistenzbedarf richtig zu spüren, als mein Sohn ein halbes Jahr alt war, und meine Tochter zwei Jahre. Zu dem Zeitpunkt hatte unsere Tagesmutter einen dreiwöchigen Urlaub während der Sommerferien genommen. Meine Freundin, welche Kinder im Alter meiner beiden hatte, zog weg, so dass wir uns nicht mehr so oft verabreden konnten, und Aktivitäten für Eltern mit kleinen Kindern waren mir nicht bekannt. Zuhause mit einem Baby und einem Kleinkind, welches so gerne auf den Spielplatz wollte, und nicht durfte. Und dass weil die blinde Mutter nicht verantworten wollte, dass ihr Kind genüsslich an einer Glasscherbe des Sandkastens lutschte. Das war ein ganz schreckliches Gefühl für mich.
Zeitweise bezahlte ich eine Schülerin aus der Nachbarschaft dafür, dass sie mit meiner Tochter auf den nahegelegenen Spielplatz ging. Irgendwann machte mich eine Bekannte auf ein Projekt aufmerksam, wo an drei Tagen in der Woche zwei oder drei Stunden lang Aufsicht auf einem Spielplatz in Frankfurt Bockenheim gemacht wurde. Hier konnte man Kleinkinder zum Spielen abgeben. Es war wohl für Eltern gedacht, die eben mal schnell ohne Kinder einkaufen oder Termine wahrnehmen wollten. Und für mich kam das wie gerufen. Ich konnte mit meinen Kindern ganz entspannt auf den Spielplatz und hatte jemanden, der für mich schaute.
Im Herbst 2001 stellten wir einen Antrag auf Übernahme der Kosten für die Tagesmutter, der bewilligt wurde. Warum weiß ich bis heute nicht. Auch ist mir unverständlich, dass mir die Tagesmutter bewilligt wurde, die ein Vielfaches mehr kostete als eine Honorarkraft, welche mir zuhause hätte zur Hand gehen können. Zeitgleich hätte ich einen Platz in einer Kindertagesstätte haben können, der ebenfalls weniger gekostet hätte als die Tagesmutter. Aber der wurde nicht bewilligt, da ich nicht arbeitete, und meine Tochter unter drei Jahre alt war.
Als mein Sohn ein Jahr alt wurde, ging auch er an zwei Vormittagen zur Tagesmutter. Ich nutzte die Zeit meist, um mit meiner Tochter einen Minikindergarten zu besuchen, in welchem auch geturnt und gebastelt wurde. Und zwar ohne aktive Mitarbeit der Eltern, wie es sonst in Kleinkindergruppen üblich ist. Auf diese Weise hatte ich eine Aktivität, die ich problemlos mit ihr machen konnte.
Meine Tochter besuchte die Tagesmutter etwa eineinhalb Jahre lang. Danach zogen wir von Frankfurt weg. Sie hat in dieser Zeit vieles gelernt, was ich ihr nicht hätte beibringen können. Ganz wichtig war mir die Verkehrserziehung. Sie hat gelernt wohin sie schauen musste, wenn sie eine Ampel überqueren wollte. Und sie hat einen ganz normalen Umgang in einer visuell orientierten Gesellschaft gelernt.

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Erklärungen zum Thema Elternassistenz

Blinde Eltern sind in manchen Situationen auf die Hilfe sehender Mitmenschen angewiesen.  Art und Häufigkeit der Hilfeleistung sind beispielsweise abhängig von:
– Alter der Kinder.
– Persönliche Lebenssituation.
– Soziales Umfeld.
Fast in allen Familien gibt es Spannungen zwischen den Generationen. Diese entstehen durch die erlebten Erfahrungen und den unterschiedlichen Schlüssen, die von den Beteiligten daraus gezogen werden. Blinde Eltern erfahren solche Gegebenheiten häufig als bevormundend. Denn die Hilfeleistungen der Eltern blinder Eltern werden als bestimmend erlebt und auch als Eingriff in die eigenen Vorstellungen von Erziehung und Familienleben. Dankbarkeitserwartungen auf der einen und Schuldgefühle auf der anderen Seite belasten die Beziehungen weiter und machen einen selbstbestimmten und sicheren Umgang nahezu unmöglich.
Der Ausweg aus dieser Situation ist durch die „Elternassistenz“ gegeben. Sie fasst die erforderlichen Hilfestellungen zusammen, die blinde Eltern bzw. Elternteile benötigen, um
– auch in der Elternrolle selbstbestimmt zu sein und ihr Familienleben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten;
– ihre Kinder vor Ausgrenzung zu schützen;
– bei benötigter Hilfe nicht als Bittsteller gegenüber Behörden und Ämtern auftreten zu müssen.

Hier nur einige Beispiele …

1 Im Baby und Kleinkindbereich
Im Allgemeinen kann ein blindes Elternteil ein Baby ohne fremde Hilfe versorgen, Arztbesuche wahrnehmen oder spazieren gehen. Hierzu müssen entsprechende Voraussetzungen gegeben sein. Dazu gehört ein bekanntes Umfeld, wie z. B. die eigene Wohnung, bekannte Wegstrecken und gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Barrierefreiheit). Ist diese Anbindung nicht vorhanden, werden häufiger Hilfen benötigt (z.B. durch selbstorganisierte Autofahrten).
Solange ein Baby noch nicht krabbelt, bleibt es da liegen wo man es abgelegt hat. Für blinde Eltern ist es somit kein Problem, ein Baby zu wickeln, Babynahrung zuzubereiten oder es umzuziehen, solange dies in der gewohnten Umgebung geschieht. Ansonsten ist Hilfe nötig, um die fremde Umgebung kennen zu lernen bzw. bei der Orientierung zu unterstützen.
Das Fortbewegen mit Baby im Kinderwagen ist ziemlich schwierig. Denn ein blinder Mensch kann nicht wahrnehmen, was vor dem Kinderwagen ist. Deshalb muss der Kinderwagen hinterher gezogen werden. Das ist aber bei längeren Strecken sehr anstrengend. Die meisten blinden Eltern tragen deshalb ihr Baby im Tragetuch bzw. mit einer Bauch – oder Rückentrage am Körper. Um auch hin und wieder entspannt mit dem Baby im Kinderwagen spazieren zu gehen, ist eine sehende Hilfe unerlässlich.
Richtig spannend wird es dann, wenn die Kinder laufen lernen und anfangen, auch draußen die Welt entdecken zu wollen. Während sehende Eltern das Geschehen optisch verfolgen, ist ein blindes Elternteil hier auf Hilfe angewiesen. Denn die Beaufsichtigung eines Kleinkinds im Freien ist schwierig und in unbekanntem Gelände fast unmöglich. Dabei geht es nicht unbedingt darum zu ermitteln, wo sich das Kind gegenwärtig aufhält, sondern eher darum, ob es möglicherweise gerade etwas Gefährliches in den Mund nimmt. Als blindes Elternteil kann ich nicht aus der Ferne ausmachen, ob mein Kind gerade einen Hundehaufen, eine Glasscherbe oder einen Kieselstein untersucht.
Kinder wachsen in die Behinderung der Eltern hinein und können recht bald damit ganz normal umgehen.
Das wird in der Phase des Sprechen Lernens besonders deutlich. Während ein Kind sehender Eltern einen Gegenstand nur anzuschauen braucht, bekommt es erklärt wie dieser Gegenstand genannt wird. Bei Kindern blinder Eltern erfolgt diese Reaktion nicht. Diese Kinder lernen rasch, dass ihnen der Gegenstand erst dann erklärt/benannt wird, wenn sie ihn dem blinden Elternteil beispielsweise in die Hand geben. Blickkontakt, Gestik und Mimik spielen in der Kommunikation zwischen Kind und blindem Elternteil keine oder nur eine untergeordnete Rolle, während Sprache und Körperkontakt ganz wesentlich sind. Daher lernen Kinder blinder Eltern früher, sich verbal zu artikulieren; aus dem Bedürfnis heraus sich ihren Eltern mitzuteilen und richtig verstanden zu werden.

2 Kindergarten und Vorschulalter
Kommt ein Kind in den Kindergarten, so bringt das für Eltern und Kind einige Veränderungen mit sich. Diese dürfen aber nicht durch die Behinderung der Eltern bestimmt werden.
Bilderbücher, Basteln usw. gewinnen immer mehr an Bedeutung. Und hier stoßen blinde Eltern oft an ihre Grenzen. Auch gibt es meistens das Lieblingsbilderbuch nicht in Braille, so dass es in der Regel kostenpflichtig von einer sehenden Hilfe übertragen werden muss. Ein spontanes Schmökern in der Kinderabteilung der ansässigen Stadtbücherei ist ohne fremde Hilfe ausgeschlossen.
Besonders beliebt in den Kindereinrichtungen sind Bastelnachmittage. Eltern und Kinder sollen gemeinsam mit den Erziehern für Ostern, Weihnachten oder andere Anlässe basteln. Da viele Bastelarbeiten optisch ausgelegt sind, ist eine sehende Hilfe nötig, damit die Beziehung zu Erziehern und anderen Eltern nicht zu stark strapaziert wird.
Informationen an die Elternschaft werden entweder per Elternbrief oder per Aushang am schwarzen Brett weitergegeben. Kindergärten handhaben dies völlig unterschiedlich. Und ebenso unterschiedlich ist die Bereitschaft, blinden Eltern solche Informationen per E-Mail zukommen zu lassen oder beim Bringen oder Abholen des Kindes diese kurz mitzuteilen. Die Erfahrung zeigt auch hier, dass eine sehende Hilfe unerlässlich ist, um in regelmäßigen Abständen nach Info-Aushängen, anstehenden Terminen, Bekanntgabe kurzfristiger Schließungszeiten usw. zu schauen.
Auch gewinnen im Kindergartenalter Ausflüge immer mehr an Bedeutung. Wie z.B. Schwimmbad, Indor-Spielplatz, rodeln oder Kirmes. Für ein blindes Elternteil ist es sehr schwer bis unmöglich, ein Kind im Kindergarten- oder Vorschulalter bei solchen Unternehmungen zu betreuen. Denn das Gelände dort ist fast immer unbekannt/“unüberschaubar“ und die starke Geräuschkulisse ist eine weitere fast unüberwindbare Hürde, sein Kind ohne Risiko beaufsichtigen zu können oder auch nur wieder zu finden. Auch hier wird die Wichtigkeit sehender Unterstützung sehr deutlich.
Das Sprichwort sagt: „Kleider machen Leute“. Damit ein Kind nicht ausgegrenzt wird, müssen Kleidungsstücke regelmäßig optisch kontrolliert werden. Blinde Menschen können zwar ertasten, ob die Bekleidung ihrer Kinder in Ordnung ist, nicht aber eine Verschmutzung. Ob möglicherweise noch Flecken in der Kleidung sind, die beim Waschen nicht heraus gingen oder die Kleidungsstücke verwaschen und abgenutzt aussehen, können blinde Eltern nicht beurteilen. Ein Kind in diesem Alter sieht solche Dinge in der Regel noch nicht; selbst wenn man es danach fragt. Denn deren Urteil entspricht hier noch längst nicht dem, was unter Erwachsenen als angemessen und in Ordnung gilt.

3 Schulkinder
Sowohl herkömmliche Schulen als auch Ganztagsklassen kommen nicht ohne aktive Mitarbeit der Eltern aus. Zwar wird von Lehrerseite erklärt, dass die Kinder an das selbständige Arbeiten und erledigen ihrer Hausaufgaben herangeführt werden sollen, jedoch mit dem Hinweis, auch die Eltern haben dabei Verpflichtungen zu übernehmen. Sie haben dafür zu sorgen, dass die Schulmaterialien vollständig sind, die Hausaufgaben zumindest überwacht und regelmäßig die Mitteilungen aus der Elternmappe durchgesehen werden sowie die Schultasche hin und wieder in Ordnung zu bringen ist. Alles Dinge, die allein nur äußerst mühsam bis gar nicht machbar sind.
Lesen üben mit einem Leseanfänger ist auch für ein sehendes Elternteil recht zeitaufwändig. Erst recht, wenn das Kind selbst Schwierigkeiten damit hat. Es ist schwer zu erfassen, ob das Kind rät, einen Text auswendig hersagt oder an einer bestimmten Stelle einfach nur hängt. Hort oder Schülerladen können das in der Regel personell nicht leisten. Deshalb ist auch hier eine sehende Hilfe unverzichtbar. Das gleiche gilt für die regelmäßige Kontrolle des Schriftbilds. Dies ist nur auf optischem Wege möglich.
Lehrer und Erzieher weisen zu Beginn eines Schuljahres darauf hin, dass Kinderbekleidung möglichst mit einem Namen versehen werden soll, da Kinder oft ihre Sachen irgendwo ablegen und es anschließend einfach vergessen. Nun, hier sind blinde Eltern oft ebenso nachlässig wie nicht blinde Eltern. Erschwerend kommt noch dazu, jemanden zu finden, der einem diese Arbeit abnimmt. Spannend wird es dann, wenn man als blindes Elternteil mit seinem Kind verlorene Kleidungsstücke auf dem Schulgelände suchen soll. Ohne sehende Hilfe ist dieses Unterfangen oftmals sehr zweifelhaft und frustrierend obendrein.
In vielen Schulen werden aufgefundene Kleidungsstücke usw. zentral gesammelt. Dort kann man dann in einem großen Karton nach vermissten Gegenständen wühlen. Auch das ist ohne sehende Hilfe eine langwierige und entmutigende Angelegenheit. Und erst recht auch dann, wenn man ein ganz normales Kind hat. Also eines, das Ordnung nicht gerade zu seinen liebsten Freunden zählt.

4 Altersübergreifendes
Gerade wenn es darum geht, Gegenden mit starker Geräuschkulisse und/oder schlechter Verkehrsanbindung an den öffentlichen Personennahverkehr besuchen zu wollen/zu müssen, ist man regelmäßig auf ein Auto und eine sehende Begleitung angewiesen. Denn man will und muss schließlich auch als blinde Eltern der Aufsichtspflicht nachkommen.
Kinder, deren Eltern stets mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, nehmen ihre Umwelt völlig anders wahr. Sie sind sehr früh in der Lage, sich im öffentlichen Nahverkehr zu orientieren, Fahrpläne zu lesen und zu lernen, welche grundsätzlichen Regeln beachtet werden sollen, bevor man in einen ankommenden Bus oder Zug einsteigt. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Kind im Alter von vier Jahren den Busfahrer fragt, welcher Bus das gerade ist. Auch bin ich der festen Überzeugung, dass Kinder blinder Eltern, denen nur selten ein Auto zur Verfügung steht, schneller die Regeln der Verkehrserziehung verstehen/beherrschen. Dafür fallen ihnen aber alle Themen rund ums Auto schwerer.
Manche Ärzte oder Therapien liegen so ungünstig, dass diese mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer oder gar nicht erreichbar sind. Für Kinder, welche regelmäßig eine Therapie besuchen müssen, wird es dann richtig stressig. Denn Krankenkassen übernehmen die Kosten für Autofahrten zu beispielsweise Psychotherapie oder Logopädie usw. nicht. Ausgenommen hiervon sind lediglich Dialyse- und Leukämiepatienten. Will man also sein Kind vor und nach der Therapiestunde nicht dem zeitaufwändigen Bring- und Abholstress aussetzen, muss man die Kosten selber tragen.

5 Beispiele
Ein Beispiel für dringenden Unterstützungsbedarf möchte ich wie folgt veranschaulichen:
Es sind die Kopfläuse, die inzwischen häufig von den Kindertagesstätten und Schulen mit nach Hause gebracht werden. In der Kita hängt dann meist ein Zettel an der Pinnwand oder an der Außentür, auf dem zu lesen steht: „Wir haben Läuse im Haus“.
Sowohl ausgewachsene Kopfläuse als auch Nissen sind so gut wie gar nicht fühlbar. Erst recht nicht bei dickerer Haarstruktur oder Locken. Ein blindes Elternteil ist somit nicht in der Lage, diese durch ertasten wahrzunehmen. In den Kindertagesstätten ist es den Erziehern und auch den Lehrern in den Schulen untersagt, Reihenuntersuchungen durchzuführen, um die von Kopfläusen befallenen Kinder heimzuschicken. Eine Erzieherin darf beispielsweise ein Kind nur dann untersuchen, wenn es sich verdächtig oft juckt oder eine Kopflaus sozusagen sichtbar aus den Haaren fällt. Dann werden die Eltern informiert, müssen ihr Kind abholen und entsprechend behandeln.
Die Behandlung kann ein blindes Elternteil selbst durchführen, die Kontrolle jedoch nicht. Blinde Eltern stehen diesem Problem meist hilflos gegenüber. Bevor ein blindes Elternteil merkt, dass sich Kopfläuse eingenistet haben, ist meist schon ein Großteil der Familie befallen. Dies wiederum bedeutet, dass nicht nur sämtliche Textilien usw. im Haushalt zu reinigen sind, sondern auch die Läusebekämpfung für mehrere Familienmitglieder zu organisieren ist.
Bei berufstätigen Eltern kann diese Situation nicht nur Verdienstausfall bedeuten, sondern auch noch wegen entsprechender Fehlzeiten zur Gefährdung des Arbeitsplatzes führen. Eine weitere Konsequenz ist die drohende Ausgrenzung der befallenen Kinder. Denn bis heute halten viele Menschen Kopfläuse noch immer für eine Folge unhygienischer Verhältnisse. Betroffene Familien werden voreilig als asozial stigmatisiert. Für blinde Eltern bedeutet dies einen erheblichen psychischen Stress und ein Gefühl der Machtlosigkeit.
Sowohl Jugendamt als auch allgemeiner Sozialdienst und Gesundheitsamt können hier nicht helfen. Es wird lediglich auf die ansässige Blindenorganisation hingewiesen oder auf den Kinderarzt. Der Kinderarzt kann aber nur kontrollieren und nicht bei der Behandlung helfen.
Für die Läusebekämpfung selbst gibt es leider kein Patentrezept. Denn die meisten Menschen – erst recht familienfremde Personen – fürchten sich vor der Läusebekämpfung wie der Teufel das Weihwasser.
Zwar kann man bezahlte Assistenz (z.B. ambulante Pflegedienste) damit beauftragen, die erforderliche Arbeit zu tun. Der Stundenlohn hierfür bewegt sich allerdings im zweistelligen Bereich pro Kopf und Stunde – zuzüglich An- und Abfahrt. Diese Kosten werden nicht von der Krankenkasse übernommen.

Fazit:
Elternassistenz ist erforderlich. Sie sichert blinden Eltern eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ebenso wird damit ein wichtiger Beitrag zur Inklusion geleistet. Denn ein selbstverständliches Dazugehören ist nur möglich durch selbstständiges und selbstbestimmtes Entscheiden und Handeln. Eine Elternassistenz gibt die hierfür erforderlichen Freiräume und Gestaltungsalternativen. Dadurch wechselt die Betrachtungsweise von „was ist Aufgrund meiner behinderungsbedingten Einschränkungen möglich und machbar“ zu „was will ich tun und wie kann ich meinem Kind gute Entwicklungsmöglichkeiten bieten“. Damit auch blinde Eltern einen wirkungsvollen Einfluss nehmen können, ihre Kinder mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in die gesellschaftlichen Bezüge hineinwachsen zu lassen.