Taxifahren mit Baby

Lydia trägt einen Teddy in einem Tragetuch vor dem Bauch

Da mein Mann und ich zu blind zum Autofahren sind, waren wir mit unseren Kindern stets mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Und wenn wir doch mal auf ein Auto angewiesen waren, dann fuhren wir mit dem Taxi. Aber im Babyalter habe ich das möglichst vermieden. Denn in Taxis gibt es zu 99,9 % keine Babyschalen, die für die Gewichtsklasse null im Auto vorgeschrieben sind. Eine Ausnahmeregelung bestand für Taxis. Hier lag es im Ermessen des Fahrers ein Baby zu transportieren oder eben nicht. Eine Geschichte fällt mir dazu ein, die mir das zum ersten mal klarmachte.

Winter 1999 in Frankfurt am Main. Mein Mann und ich hatten im Baumarkt eingekauft und wollten mit dem Taxi nach Hause. Gekommen waren wir mit dem Bus. Aber mit den gekauften Brettern und Werkzeugen brauchten wir ein Auto. Damals war meine Tochter vielleicht ein Vierteljahr alt und saß bei mir im Tragetuch. Also gingen wir zum Taxistand. Der Fahrer schaute uns an und sagte: „Sie kann ich mitnehmen, Ihr Kind aber nicht“. Es war mein erstes Kind. Und so muss ich ihn ziemlich blöd angeschaut haben. Jedenfalls erklärte er meinem Mann und mir, dass er kein Baby ohne Babyschale befördern kann. Und diese hätten wir mitzuführen. Da half kein Diskutieren. Das war ebenso.
Es war Winter, es wurde dunkel, und der Einkauf ohne Auto nicht zu befördern. Und ich wollte einfach nur nach Hause. Also schlug ich meinem Mann vor mit dem Einkauf Taxi zu fahren, während ich mein Baby mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause bringen würde. Es war die praktikabelste Lösung für alle Beteiligten.
Eine blinde Frau mit Blindenstock und Baby im Tragetuch nebst einem beladenen Einkaufswagen vor einem Baumarkt ist sicherlich kein alltäglicher Anblick. Jedenfalls wurde ein Mann auf uns aufmerksam und hatte die Diskussion um die Mitnahme des Babys verfolgt. Spontan bot er an mich und mein Kind mitzunehmen. Er erklärte uns, dass er selbst Familienvater sei und die Problematik kennt. Dann wandte er sich an den Taxifahrer und sagte, er würde ihm hinterher fahren. Das wäre das Einfachste. Daraufhin sagte der Taxifahrer, dass er mich mit Baby ausnahmsweise mitnehmen würde. Und so fuhren wir alle gemeinsam nach Hause. Auch wenn ich lange nicht verstanden habe was den Taxifahrer dazu bewogen hatte seine Meinung zu ändern. Es war das kleinere Übel mir während der Fahrt vorhalten zu lassen, dass ich keine Babyschale dabei hatte.
Natürlich wollte ich das genauer wissen. Ich telefonierte also am nächsten Tag mit dem Taxiunternehmen meines Vertrauens. Der Geschäftsführer erklärte mir, dass nun mal eine Kindersitzpflicht besteht, ich also die Babyschale mitzuführen habe. Auf die Frage wie ich das als blinde Mutter machen sollte, konnte er mir keine Antwort geben. Eine Hand war für den Blindenstock reserviert, und auf dem Rücken trug ich immer einen Rucksack. Und jeder, der so eine Babyschale in Händen gehalten hat, weiß wie schwer und sperrig so ein Ding sein kann. Das erklärte ich meinem Gesprächspartner also. Darauf bot er mir an eine eigene Schale in der Taxizentrale zu deponieren. Wenn ich also ein Taxi brauche, würde der Fahrer hinfahren, die Schale abholen und anschließend mich einsammeln. Natürlich müsse man mir die Fahrt von der Zentrale zu mir in Rechnung stellen. Ich fragte gar nicht erst nach ob ich die Fahrt der Babyschale zur Taxizentrale ebenfalls zahlen muss. Denn diese Lösung war für mich absoluter Quatsch mit Sauce.
Ich war bestimmt nicht die einzige Frau mit Baby, die ein Taxi brauchte, ohne eine sperrige Babyschale mitzuführen. Also musste es dafür auch eine entsprechende Vorschrift geben. Nach längeren Recherchen hatte ich eine Mitarbeiterin vom Ordnungsamt am Telefon, die mir erklärte, dass die Taxifahrer nicht verpflichtet seien einen Kindersitz für die Gewichtsklasse 0 mitzuführen. Denn der Platz im Kofferraum wird für das Gepäck der Fahrgäste benötigt. Und es liegt im Ermessen des Taxifahrers ein Baby ohne Kindersitz mitzunehmen. Den genauen Auszug aus der Taxiverordnung ließ ich mir schriftlich geben.

Fahrten mit dem Auto waren also mit Baby eine reine Organisationssache. Ich versuchte diese auf ein Minimum zu beschränken. Eine andere Alternative war bei der Taxizentrale anzugeben, dass ich ein Baby dabei habe. Und dann ging die Suche nach einem Fahrer los, der ein Baby transportieren konnte oder wollte. Spontane Taxifahrten waren somit Glücksache. Später lernte ich einen Fahrer kennen, der einen Kindersitz für Kleinkinder dabei hatte. Den habe ich dann zuerst angerufen, wenn ich ein Auto brauchte. Aber zum Glück ist das Frankfurter Verkehrsnetz gut genug, um fast überall ohne Auto hinzukommen.