Interview mit Insan e. V. -Jugendprävention mal ganz anders

Insan

Talha und Tarik haben vor einigen Jahren zusammen mit Freunden den Verein Insan e. V. in Neu-Isenburg gegründet. Hier sollte jungen Erwachsenen Perspektiven aufgezeigt werden, das wollte ich genauer wissen. Wir trafen uns in einem Eiskaffee zum Gespräch. Hier ließ ich ein Aufnahmegerät mitlaufen und stellte den Beiden einige Fragen zu ihrer Arbeit. Dieses Gespräch wurde dann verschriftlicht und mit Unterstützung von Matze vom Blog Mainrausch etwas in Form gebracht. Dabei ist das folgende Interview herausgekommen.

Lydia:
Hallo, ihr Beiden! Seid ihr so nett, euch unseren Lesern kurz vorzustellen?

Talha:
Talha
Gerne doch! Mein Name ist Talha, ursprünglich bin ich aus Bremen. Nach Frankfurt bin ich gekommen, um Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt Islam und Pädagogik zu studieren. Schon seit einigen Jahren arbeite ich mit viel Herzblut in einem Präventionsnetzwerk. Vor kurzem dann konnte ich gemeinsam mit einigen Freundinnen und Freunden einen Verein für Jugendarbeit gründen. Dessen Name ist „Insan“ – dazu erzähle ich nachher gerne mehr. Ich will ja nicht gleich alles verraten!

Tarik:
Tarik

Und mein Name ist Tarik, aufgewachsen bin ich in Duisburg. Ich bin 28 Jahre alt und habe mich in Frankfurt Studien des Islam gewidmet. Inhaltlich haben Talha und ich uns also fast mit denselben Dingen beschäftigt. Ganz offiziell darf ich mich aber als Theologe bezeichnen!
Wir wollten uns Gedanken darübermachen, wie man noch viel früher ansetzen kann, wie Angebote junge Menschen noch viel früher erreichen können.
Diese Gedanken machen wir uns jetzt hauptamtlich in unserem Verein. Natürlich haben wir auch vorher schon ehrenamtlich viel geleistet, sodass wir all unsere Erfahrungen nun in unsere Arbeit für „Insan e.V.“ einfließen lassen können.

Lydia:
„Insan“, das bedeutet „Mensch“. Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?

Tarik:
Wir haben uns eine ganze Zeit lang Gedanken über einen zu unserem Verein passenden Namen gemacht. Wir haben uns gefragt: Was soll ein Name für unseren Verein leisten? Zunächst gefiel uns der Name „Bildungsakademie“, schließlich wollten wir Jugendbildungsarbeit betreiben. Andererseits wollten wir natürlich als Experten in ganz unterschiedlichen Fachbereichen Unterstützung für alle Menschen anbieten. Der Mensch, der stand für uns schon immer klar im Mittelpunkt, ganz unabhängig von seiner religiösen Zugehörigkeit, seines ethnischen Hintergrundes oder seiner Weltanschauung. Was lag also näher, als unseren Verein „Mensch“ zu nennen? Schlussendlich haben wir uns dann für eine etwas ästhetisch klingendere Variante des Wortes Mensch entschieden. Der Name „Insan“ war geboren!

Talha:
Wir werden ja immer wieder gefragt, warum wir uns „Mensch“ genannt haben. Sobald wir den Grund dafür erklärt haben, weiß unser Gegenüber gleich schon ziemlich viel über unsere Philosophie und unseren Antrieb. Eine tolle Sache, oder?

Lydia:
Vorwiegend richtet ihr eure Angebote aber an junge Erwachsene, oder? Gelten für diese bestimmte Altersgrenzen? Oder existiert sogar ein Mindestalter, ab dem eure Hilfe überhaupt erst Sinn macht?

Talha
Nein, wir haben keine fixen Altersgrenzen. Schon ab der Pubertät, vielleicht mit 15 oder 16 Jahren, macht unsere Arbeit Sinn. Neuntklässler haben schließlich schon ein wenig Lebenserfahrung sammeln können, haben eine gewisse Vorstellung von der Welt und eigene Aktivitäten entwickelt. Wir wollen ihnen dann einen Raum bieten, in denen sie ihr Potential entfalten können. Und nach oben, da gibt es keine Altersgrenze! Ich bin nun fast 30 und fühle mich selbst noch oft als Jugendlicher.

Lydia Zoubek:
Ja, und was soll ich denn da sagen? (lacht)

Tarik:
Du bist natürlich auch noch jugendlich! (lacht mit)

Lydia Zoubek:
Schon im Vorgespräch hattest du erzählt, dass euer Angebot Gesprächskreise beinhaltet. Für was und wen sind diese gedacht? Was bespricht man dort? Wofür ist das gut?

Tarik:
Zunächst einmal haben wir uns mit diesem Jugendbüro hier einen Raum gefunden, der mitten in der Stadt ist und somit gut von vielen Jugendlichen erreicht werden kann. Außerdem hat er einen ganz unabhängigen Charakter, was wichtig für unsere Gespräche ist.
Du willst wissen, über was wir hier so reden? Momentan reden wir zum Beispiel viel über Identität und Religion. Auch über ganz aktuelle Themen wird gesprochen – über das eben, was in den Medien zu sehen ist. Momentan ist dort das Thema Islam sehr präsent. Und wir diskutieren dann: Stimmt denn, was dort gesagt und behauptet wird? Wie sind unsere eigenen Erfahrungen, inwieweit berühren diese Themen unser eigenes Leben? Oftmals sprechen wir auch über ganz grundsätzliches.
Zum großen Teil kommen eben muslimische Jugendliche zu uns. Das heißt aber nicht, dass uns nicht auch schon Andersgläubige aufgesucht haben! Am Anfang bestand die Gruppe aus gerade einmal drei bis vier Jugendlichen. Gestern aber waren wir schon zu zehnt! Manche kommen sogar extra aus Offenbach.

Tarik:
Letztendlich ist es aber vor allem ein Raum frei von jeglichen Tabuthemen. Egal, was junge Menschen auch bewegt – hier können sie darüber sprechen! In unserer ersten Sitzung hatten wir gemeinsam erörtert: Was interessiert euch? Worüber würdet ihr gern sprechen, was liegt euch auf dem Herzen? Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Über die Jahre hinweg haben wir mit vielen pädagogischen Konzepten gearbeitet – einige unserer Mitarbeiter waren beispielsweise in Mannheim an der Entstehung von Kindertagesstätten beteiligt.
Unsere Erfahrung zeigt uns auch, dass junge Menschen ab einem gewissen Alter das Bedürfnis haben, eigene Erfahrungen und ihr eigenes Dasein aufzuarbeiten. Das ist ein sehr wichtiger Prozess, deswegen ermutigen wir die Teilnehmer stets dazu, sich selbst mit einzubringen. Wir begleiten das Ganze nur und bleiben Ansprechpartner. Wir wollen moderieren, nicht vorgeben! Die Gesprächsthemen werden jedenfalls allein von den Jugendlichen vorgegeben.

Talha:
Genau. Schließlich machen wir keinen Frontalunterricht, sondern einen Workshop. Wir lesen Texte, Werke und Artikel durch. Im Anschluss gibt’s dazu ein Frage-/Antwortspiel, die Jugendlichen sollen dabei möglichst gut untereinander ins Gespräch gekommen. Ihre Vielfalt bringt eine schöne Dynamik in die Gespräche hinein: Manche der jungen Leute kennen sich bereits, manche auch nicht. Der Eine studiert bereits, während ein Anderer noch mit dem Abitur beschäftigt ist. Egal, in welcher Situation sich ein Teilnehmer befindet: Hier findet er den Raum vor, in dem er sich ganz frei und ohne Druck von außen aussprechen und austauschen kann. Hier wird niemand be- oder verurteilt, das ist uns ganz wichtig.
Zwei weitere Säulen unserer Arbeit sind außerdem Ausflüge und Sport. Vor dem Jugendklub lädt ein Fußballkäfig zum Kicken ein, auch Basketball kann gespielt werden. Solche Sachen sind gleichfalls wichtiger Bestandteil unseres Angebots!

Lydia Zoubek:
Leider hört man aber auch immer wieder von Jugendlichen, die mit dem Gedanken spielen, in den Dschihad zu ziehen. Kannst du mir sagen, was junge Erwachsene zu solchen Überlegungen treibt? Was bewegt sie dazu, eine solche Richtung einzuschlagen?

Tarik:
Ja, leider. Hinter solchen Absichten können ganz unterschiedliche Motivationen stecken. Man kann nicht pauschal sagen, dass ein ganz bestimmter Schlag von Jugendlichen eine spezielle Neigung hin zur Radikalisierung hätte. Genauso wenig, wie es ein Patentrezept dafür gibt, sie von solchen Überlegungen abzubringen.
Eine große Rolle hierbei spielt aber die ganz eigene Biografie eines jeden jungen Menschen.
Ein Video auf YouTube allein macht einen Jugendlichen noch lange nicht zum Dschihad-Kämpfer, oftmals sind Ursachen für eine spätere Radikalisierung bereits in früher Kindheit zu finden. Wenn in der Vergangenheit etwas geschehen ist, das bei den Jugendlichen bestimmte Dinge und Verhaltensweisen ausgelöst hat, wenn sie bereits als Kind Diskriminierungen ausgesetzt waren und deswegen gegenüber der Gesellschaft eine gewisse Abneigung erfahren haben – dann laufen sie Gefahr, auf eine schiefe Bahn zu geraten. Oftmals haben sie schlichtweg nicht gelernt, anderweitig mit solchen Erfahrungen umzugehen und ihre Wut zu kanalisieren.
Auf all diese verschiedenen persönlichen Geschichten müssen wir uns ganz individuell einstellen. Da gibt es sehr emotionale Jugendliche, die sich leicht mit Mitleid ködern lassen, deren Wut leicht entfacht werden kann. Es gibt aber auch solche, die aus tiefer religiöser Überzeugung den radikalen Weg einschlagen. Für sie ist das Wort eines Predigers quasi Gesetz.

Talha:
Und natürlich spielt auch die Gruppendynamik eine große Rolle. Für viele junge Menschen stellt sich in radikalen Kreisen erstmals ein Gefühl der Zugehörigkeit ein. Dieses Gefühl lässt sie dann oftmals auch fatale Wege beschreiten.
Wir müssen uns die Frage stellen: Wie kann es sein, dass sich in einer Gesellschaft, der es an nichts mangelt, Menschen derart abkapseln? Ich persönlich bin der Meinung, dass hier etwas schiefläuft, dass eine soziale Schieflage existiert.
Wer sozial nicht ausreichend gefestigt ist, egal ob in Elternhaus oder Freundeskreis, wenn jemand nicht über ausreichende Ressourcen verfügt, um dem Erwartungsdruck unserer Gesellschaft standzuhalten – dann besteht die Gefahr, dass er in alternative soziale Netze abdriftet. Doch diese sind niemals eine positive Alternative!
Anerkennung und Geborgenheit sind Grundbedürfnisse eines jeden Menschen. Und es ist fatal, wenn diese nur noch innerhalb radikaler Kreise gestillt werden. Menschen, die sich ein Leben außerhalb dieser Strukturen schon gar nicht mehr vorstellen können, sind besonders anfällig für fatale Handlungen. Die religiöse Ideologie ist da eigentlich zweitrangig. Unsere Aufgabe ist es, ihnen anderweitig Anerkennung und Geborgenheit zu vermitteln – und sie schließlich als verlässlicher Partner beim Ausstieg aus der radikalen Szene zu begleiten.

Talha:
Einem Großteil unserer Jugendlicher – ich würde mal sagen, bei über 90 Prozent! – fehlt eine Vaterfigur. Auch das allein bedeutet natürlich nicht, dass potentiell alle von ihnen gefährdet sind. Aber diese fehlende Vaterfigur löst eben etwas in einem Jugendlichen aus, sie versuchen, diese Lücke zu füllen. Und leider sind es manchmal alleine radikale Gruppen, die diese Lücke zu füllen vermögen.

Lydia Zoubek:
Konkret bedeutet das also, dem Jugendlichen fehlt ein männliches Vorbild, das er irgendwann innerhalb einer radikalen Gruppe finden kann. Sie fühlen sich endlich ernst genommen.
Nun frage ich mich: Wie erreicht ihr einen solchen Jugendlichen? Wie findet ihr Zugang?

Tarik:
Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten Menschen zu erreichen. Da gibt es die klassischen Methoden der Sozialarbeit, da gibt es die aufsuchende Jugendarbeit. Es gibt viele Wege, nicht alle führen bei jedem zum Ziel. Zum Glück gibt es außerdem noch zahlreiche andere Institutionen, an die wir verweisen können, wenn jemand Hilfe sucht.
Seit drei Jahren arbeiten wir auch mit gefährdeten Extremisten und Radikalisierten. Hier ist es ganz wichtig, jemandem eine langfristige Begleitung an die Seite zu stellen, damit der Erfolg eines Ausstiegs gewährleistet werden kann. Es ist nicht immer einfach, mit unseren begrenzten Mitteln eine solche langfristige Partnerschaft zu erhalten. Auch unseren Möglichkeiten sind leider Grenzen gesetzt. Viel wichtiger ist es, sich zu fragen: Wie kann man von vornerein verhindern, dass junge Menschen in radikale Richtungen abgleiten? Es gilt, die Ursachen zu bekämpfen, weit bevor es zu spät ist und sich ein Mensch radikalisiert hat. Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist, kann ich nur noch versuchen, es zu retten und aus der Szene zurück zu holen.
Diese Gedanken müssen bundesweit gemacht werden, genau wie es ein bundesweites Netz von Anlaufstellen geben muss, wo junge Menschen sich gut aufgehoben fühlen und über all das sprechen können, was sie bewegt. So wie sie das auch bei uns tun können. Unser Einflussgebiet ist natürlich begrenzt – doch wir sind absolute Lokalpatrioten! Wir haben Lust auf die Menschen unserer Heimat, wir haben Lust auf Community. Und die soll natürlich genauso Lust auf uns haben! Wir sind neugierig auf sie, unterbreiten ihnen ein Angebot. Und freuen uns immer wieder, wenn sie darauf eingehen!

Talha:
Genau. Eben das, was man „gelungene Bildungsarbeit“ nennt!

Lydia Zoubek:
Das bedeutet also auch, dass junge Leute zu euch kommen können, ohne Angst vor etwaigen Konsequenzen haben zu müssen? Ich kann mir gut vorstellen, dass sie oft Angst haben, dass ihre Eltern etwas über ihre Besuche bei euch erfahren…

Tarik:
Damit hast du voll und ganz Recht! Genau legen wir so großen Wert darauf, einen ganz unabhängigen und diskreten Raum anzubieten. Sonst wäre das Projekt wohl zwecklos.

Lydia Zoubek:
Und wenn die jungen Leute von euch überzeugt sind, dann können sie jederzeit wieder zu euch kommen?

Talha:
Genau. Ich habe feste Zeiten, in denen ich im Büro anzutreffen bin. Egal, ob jemand kommt oder nicht. Und wenn ich dort sitze, dann bin ich bereit, über alle Themen zu sprechen und ein offenes Ohr zu haben. Egal, ob nun nur Einer, ob zehn oder ob zwanzig Leute kommen!
Und sollte ich mal überrannt werden, dann ist das auch kein Problem:
Dann höre ich mir die einzelnen Anliegen genau an und schaffe danach Gruppen mit den Leuten, die momentan dasselbe beschäftigt. Da gibt es nämlich sowohl große Gemeinsamkeiten als auch große Unterschiede!

Tarik:
Wir betreiben ja auch ganz bewusst keine Präventionsarbeit, das können wir gar nicht leisten. Wir betreiben Bildungsarbeit. Viele Arbeitskonzepte gegen Extremismus zielen auf das Narrativ innerhalb extremistischer Gruppierungen ab. Wir finden allerdings, dass dies sehr antagonistisch wirkt. Wir glauben, das ist eine zu wenig erfolgversprechende, eine zu wenig positive Art, jungen Menschen entgegen zu treten. Wir wollen narrativ im positiven Sinne sein; unabhängig von althergebrachten Konzepten zur Extremismus-Arbeit.
Ich halte mich nicht an irgendwelche starren Vorgaben pädagogischer Konzepte, ich orientiere mich allein an den Bedürfnissen der Jungen und Mädchen, die unsere Hilfe suchen. Deswegen schreiben wir auch keine Gesprächsinhalte vor. Wir fragen nur: „Was beschäftigt euch? Was denkt ihr darüber?  Woran glaubt ihr selbst? Wie geht ihr damit um?“. Ich will mal ein Beispiel bringen: Ein Großteil der Jugendlichen, die zu uns kommen, sind Muslime. Doch das bedeutet doch noch lange nicht, dass wir sie wie eine große, homogene Masse behandeln können! Wir schauen genau hin, hören uns genau an: Wo sind die Unterschiede? Wo liegen Gemeinsamkeiten? Ein Mensch besteht doch nicht allein aus seinem Glauben! Wir bemühen uns sehr, auch den Jugendlichen einen solchen differenzierten Blick zu vermitteln – denn oftmals haben sie bereits ein sehr pauschales Weltbild entwickelt.

Lydia Zoubek:
Der muslimische Glaube also als nur eine Eigenschaft von vielen?

Talha:
Ganz genau! Oftmals werden auch die Jugendlichen selbst von der Gesellschaft stigmatisiert, auf ihren Glauben reduziert. Oder aber: Niemand interessiert sich für ihren Glauben, weder Schule noch außerschulische Angebote.
Es gilt, hier einen Mittelweg zu finden. Ich zum Beispiel bezeichne mich gern als „Bremer Muslim“. Viele Fragen dann: „Wieso Bremer? Du bist doch Türke!“. Darauf entgegne ich dann: „Natürlich habe ich türkische Wurzeln, aber ich bin nicht in diesem Land aufgewachsen. Meine Kultur ist auch die Bremer Kultur. Und das empfinde ich als Bereicherung!“. Die Jugendlichen bezeichnen sich auch oft selbst als „Jugendliche mit Migrationshintergrund“. Diesen Begriff finde ich furchtbar! Wir sprechen viel lieber von „Jugendlichen mit kulturellen Zusatzqualifikationen“, wenn wir von ihnen sprechen. Das klingt doch deutlich positiver, oder? Auch und gerade für die Jugendlichen. Sie sehen sich dann nicht mehr als ein Halb-Halb-Wesen, sondern können ihre kulturelle Abstammung verbunden mit dem Ort, an dem sie leben, als doppeltes Glück empfinden. Sie kennen mehrere Sprachen, mehrere Esskulturen, mehrere Weltansichten – ist das nicht tatsächlich eine große Bereicherung?
Natürlich ist Religion immer ein wichtiger Aspekt. Religion wird in der sozialen Arbeit leider häufig auch vernachlässigt. Auch Religion muss Raum finden! Religion ist im Alltag überall ein Thema, dem kann man sich nicht entziehen. Und dafür brauchen die jungen Leute ein gewisses Grundlagenwissen. Neulich sind wir zum Beispiel in einer religiös gemischten Gruppe auf Jesus zu sprechen gekommen. Das war für alle sehr spannend! Auch über den Stammvater Abraham haben wir uns unterhalten, der für Juden, Christen wie auch Muslime eine große Bedeutung hat. Und die Jugendlichen waren begeistert! Sie wollten mehr erfahren, fragten mich sogar nach Empfehlungen für Lektüre.

Lydia Zoubek:
Lesen ist prima. Gibt’s deine Empfehlungen auch als E-Books?

Talha:
Na, das vermute ich doch! Wir treffen uns jedenfalls bald wieder mit der Gruppe, wir bringen Kekse mit und lesen gemeinsam.

Lydia Zoubek:
Gerne werde ich dieses Interview um einige deiner Lese-Tipps ergänzen!

Talha:
Aber noch einmal zurück zu unseren Jugendlichen: Ich hatte ja schon erwähnt, dass es ganz wichtig ist, vorhandenes Potential zu entdecken und anschließend zu fördern und in eine positive Richtung zu lenken. Um die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie stehen, haben wir uns ein Konzept für Ideenwerkstätten überlegt. In diesen soll eigenes Potential entdeckt und Begeisterung entfacht werden.
Als konkretes Beispiel haben wir uns eine Schreibwerkstatt überlegt. Sie können sich von Bloggern und Autoren inspirieren lassen und anschließend selbst tätig werden. Eine weitere Idee wäre auch eine Kunstwerkstatt, in der gemalt und gezeichnet werden kann. Warum sollten nicht auch Begriffe wie „Zusammenleben“ oder „Toleranz“ künstlerisch dargestellt und anschließend vielleicht in einer Art Vernissage ausgestellt werden? Ich bin sicher, das würde sogar auf großes Interesse stoßen – und die Jugendlichen könnten stolz auf sich und ihre Kunstwerke sein!
asselbe gilt natürlich auch für eine Musikwerkstatt. Und unsere „Teestube“ mag ich auch nicht vergessen zu erwähnen, wo sich ganz zwanglos auf einen Tee getroffen und geplaudert werden kann.

Lydia Zoubek:
Vergleichbar mit dem „Café Grenzenlos“ in Neu-Isenburg? Ich war selbst leider noch nicht dort, aber ich musste eben daran denken.

Talha:
Genau! Darf ich noch von einer weiteren Idee erzählen? Nämlich den „Tag der Gebetsstätten“. Ich musste feststellen, dass kaum ein Zehntklässler jemals in einer Synagoge war. Das hat mich wirklich schockiert! Ich wollte daran etwas ändern, mit den Jugendlichen Gebetsstätten aller Religionen besuchen. Gerade das Rhein-Main-Gebiet strotzt doch nur so vor Vielfalt: Synagogen, Kirchen aller Art, Moscheen, sogar buddhistische Tempel! Solche Besuche sind sehr wertvoll und bauen Vorurteile ab.

Lydia Zoubek:
Wo du es gerade ansprichst: Ich finde Kirchen faszinierend! Jede von ihnen hat ihre ganz eigene Geschichte. Und an vielen wurde jahrzehntelang gebaut! Der Baumeister wusste quasi von vornherein, dass er die Fertigstellung nie erleben wird. Das finde ich total spannend!

Talha:
Allerdings! Wenn du dann noch einen Vertreter der Gebetsstätte dafür gewinnen kannst, seine Religion ganz unbefangen vorzustellen und zu erzählen, was seine Religion für ihn bedeutet – dann gelingt ein ganz wunderbarer Perspektivwechsel.
Lydia Zoubek:
Ein Bau als Gebetsstätte tut ja erst einmal niemandem was. Dennoch höre ich immer wieder Muslime sagen, sie würden niemals eine christliche Kirche betreten.
Talha:
… umso wichtiger, zu zeigen, dass allein durch einen Besuch niemand seinen eigenen Glauben verliert!

Tarik:
Ganz genau! Es geht lediglich darum, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen. Einfach nur, aufeinander zuzugehen. „Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen“ – von wem war dieses Lied doch gleich?

Lydia Zoubek:
Hey, den Song kenne ich! Aber frag‘ mich nicht, von wem das ist und wie es heißt…
[ANMERKUNG DES TRANSKRIPTORS:
„Aufstehen, aufeinander zugehen“ vom Interpreten Sven Schumacher]

Tarik:
Was zählt, ist am Ende zu vermitteln: Auf einen Menschen kann man zugehen und mit ihm ganz unverbindlich und vorbehaltlos sprechen. Niemand muss deswegen irgendeinen anderen Glauben annehmen, jeder darf denken und glauben, was er möchte. Ein solcher Austausch hat nichts mit einem „Missionieren“ zu tun!

Lydia Zoubek:
Ich bin sowieso ein großer Fan davon, sich Bauten anzuschauen. Da steckt so viel drin! Architektur, Mathematik, Physik… und natürlich Leidenschaft! Und Kommunikation! Wie haben die Bauarbeiter früher nur miteinander kommuniziert? Viele konnten ja gar nicht lesen und schreiben… Haben sie wohl gezeichnet? Und wenn ja, mit was? Alte Gebäude werfen so viele Fragen auf!

Tarik:
Mir ist dazu noch ein schöner Begriff für unser Handeln eingefallen: „Wir stärken das Wir“. Denn das „Wir“ soll kein abgrenzender Begriff sein, sondern ein Begriff einer allumfassenden Gemeinschaft!

Lydia Zoubek:
Ich bin mir sicher, einige meiner Leser würden euch nun gerne unterstützen. Wie können sie das tun? Welche konkrete Hilfe könnt ihr brauchen?

Talha:
Die größte Hilfe ist sicherlich, einfach mal vorbeizuschauen. Egal, ob ein Leser selbst Hilfe sucht oder sich einfach einbringen möchten:
Wir sind Mittwochabends zwischen 19.00 und 20.30 im Jugendbüro. Ein Jeder ist ganz herzlich eingeladen, uns zu besuchen! Fragt uns, sprecht mit uns. Kommt auf uns zu, lasst uns gemeinsam Vorbehalte abbauen!

Tarik:
Außerdem kann man uns auch als Kooperationspartner unterstützen! Wir sind tätig im Präventionsrat der Stadt Neu-Isenburg und wollen Seminare in der Gedenkstätte Bertha Pappenheim anbieten. Wenn jemand Interesse hat, dabei mit uns zusammenzuarbeiten, darf er sich gerne bei uns vorstellen! Vielleicht stellen wir ja anschließend ein gelungenes Seminarkonzept auf die Beine!

Talha:
… und begnadete Künstler, Musiker und Maler können uns natürlich bei unseren Ideenworkshops unterstützen!

Tarik:
Darüber würde auch ich mich sehr freuen!
Das würde auch mich sehr freuen!

der Verein Insan e. V. ist in Neu-Isenburg ansässig. Hier geht es zum entsprechenden Auftritt auf Facebook. Außerdem ist eine Homepage in Arbeit. Diese findet Ihr hier.

Und nun lade ich Euch ein in den Kommentaren über diesen Beitrag zu diskutieren.

Behinderung und Perfektionismus

Von je her habe ich einen leichten Hang zum Perfektionismus. Vor allem dann, wenn ich mich von normal sehenden Leuten beobachtet fühle. Es gibt Menschen, in deren Gegenwart ich nicht mehr in der Lage bin ein Glas Wasser unfallfrei einzuschenken, weil ich mich beobachtet fühle.

Lange Zeit habe ich geglaubt, dass es mir alleine so geht, und den Fehler allein bei mir gesucht. Ich habe lange gesucht, bis ich langsam dahinter gestiegen bin, womit dieses Problem zusammenhängt.

Ich bin in einem behüteten Haushalt aufgewachsen. Meine Mutter kümmerte sich um so ziemlich alles. Und insbesondere um mich, ihr blindes Kind, das es besonders zu umsorgen gilt. Ich glaube, meine Eltern machten sich keine Gedanken darüber, dass ich irgendwann alleine in der Lage sein musste mich zu versorgen oder so. Sie handelten einfach so, wie sie es für richtig hielten. Erst recht, da es in ihrem Umfeld niemanden gab, der ihnen erklärte, dass blinde Kinder sehr wohl in der Lage sind wie andere Kinder auch im Haushalt mitzuhelfen, sich ein Brot zu schmieren oder was sonst so anstand.

Mit neun Jahren wechselte ich auf eine Blindenschule mit Internat. Damit änderten sich viele Dinge in meinem Alltag. Hier gehörte es zum Alltag, dass wir unser Brötchen aufschneiden und streichen mussten. In jeder Woche waren zwei Schüler mit Küchendienst dran. Das bedeutete, dass wir morgens vor Schulbeginn das Geschirr vom Frühstück abwaschen, abtrocknen und wieder an seinen Platz stellen mussten. Bei den Mahlzeiten standen die Schüsseln mit den Beilagen auf dem Tisch, so dass sich jeder davon nehmen konnte. Gleiches galt auch für Getränke wie Tee oder Kakao, den wir uns selbst einschenkten. Ebenso achteten unsere Erzieherinnen darauf, dass wir alle das Besteck richtig hielten.

Meine Mitschüler kannten das alles schon, und waren nicht gerade zimperlich mit mir, die ich das alles noch nicht konnte. Das war für mich anfangs ziemlich schrecklich. Mein Glück war, dass ich ehrgeizig genug war, mir das Versäumte anzueignen, und unsere Erzieherinnen mir alles solange zeigten, bis ich die entsprechenden Handgriffe beherrschte. Einen Satz wie „Ich mach das mal eben für Dich“, bekam ich in dieser Zeit nie von ihnen zu hören.

Im Alter von 13 Jahren wechselte ich auf das Gymnasium nach Marburg. Zum dortigen Schulkonzept gehörte nicht nur der Schulstoff, der allen Schülern standardmäßig vermittelt wird, sondern auch einige zusätzliche Dinge, die uns blinden und sehbehinderten Schülern ein selbständiges Leben ermöglichen sollten. Damals war es so, dass wir mit 10 Schülern und vier Betreuern auf dem Schulgelände untergebracht waren. In dieser Zeit standen Mobilitätstraining und Lebenspraktischefertigkeiten wie Essen, Kochen usw. auf dem Stundenplan. Das passierte im Einzelunterricht, da jeder einen anderen Bedarf hat.

Nach zwei Jahren wechselte ich in eine Wohngruppe, die in der Stadt war, so dass mein Schulweg mit Stadtbus und Fußweg etwa 25 Minuten betrug. Wir bekamen eine Haushaltskasse und sorgten selbst für Frühstück, Abendbrot und Wochenenden. Wir waren sieben oder acht Schüler mit drei Betreuern, von denen eine ihre Wohnung über unserer WG hatte.

Mit 18 Jahren wechselte ich in eine Gruppe mit insgesamt vier Schülern. Wir hatten nur noch eine Betreuerin, die wir in der Regel zweimal wöchentlich sahen. Einmal zur Gruppenbesprechung, und einmal im Einzelgespräch für spezielle Belange. Zusätzlich hatten wir eine Putzhilfe, die sich um die gemeinschaftlich genutzten Bereich wie Küche, Bad und Flur kümmerte. Unsere eigenen Räume mussten wir selbst sauber halten. Wer damit nicht zurechtkam, konnte bei unserer Betreuerin Hilfe zur Selbsthilfe einfordern.

Diese Entwicklung zur Selbständigkeit fand leider ohne meine Eltern statt. D.h. für sie blieb ich nach wie vor das hilfsbedürftige Kind, welches intelligent genug war, um das Abitur zu bestehen, jedoch Hilfe bei der Erledigung einfachster Handreichungen brauchte. Manchmal rebellierte ich dagegen. Dann sollte ich mein Glas eben selbst einschenken. Aber ich wurde beobachtet, und mein Tun kommentiert. Und wenn dann doch mal ein paar Tropfen daneben gingen, was übrigens in den besten Familien vorkommt, dann war meine Sehbehinderung daran schuld.

„Ich mach das schnell, denn ich sehe ja“, ist ein Satz, der mich seither begleitet. Lange Zeit dachte ich, ich könnte das beeinflussen, indem ich besonders gute Leistungen ablieferte. Jahrelang glaubte ich, ich muss 200prozentige Leistung erbringen, um wenigstens 50prozentige Anerkennung zu erfahren. Es hat viele Jahre, viel Arbeit an mir selbst und gute Freunde gebraucht, um zu begreifen, dass das der falsche Weg war. Ich habe damit nur mich selbst unter Druck gesetzt. Und damit ist auf Dauer keinem geholfen.
Liebe normal Sehende, die Ihr diesen Satz gern verwendet,
habt Ihr Euch mal Gedanken darüber gemacht, wie er bei Eurem Gegenüber ankommt? Ich will einfach glauben, dass Ihr nicht die Absicht hattet Euer Gegenüber klein zu machen. Vielleicht nutzt Ihr künftig mal einen anderen Satz wie: „Darf ich Dir Zucker in den Kaffee tun“? Oder „Wäschst Du ab oder ich“, so wie Ihr das bei einer Person ohne Behinderung machen würdet. Und Bitte, wenn mal was daneben geht, oder tropft, so ist das kein Drama. Spart Euch also Kommentare wie: „Hätte ich das gemacht, wäre das nicht passiert“.

Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Wenn mir jemand Hilfe anbietet, dann nehme ich sie gern an. Ich muss in keiner fremden Umgebung die Zuckerdose selbst suchen, wenn meine sehende Freundin mir anbietet das für mich zu machen. Und wenn ich bei Menschen bin, die seit Jahrzehnten nicht verstehen wollen, dass ich nicht mehr das absolut hilfebedürftige blinde Mädchen bin, bitte, dann lasse ich mich auch mal bedienen. Das schont meine Nerven und spart meine Energie, die ich darauf verwenden kann andere Dinge zu tun.

So wie mir geht es vielen Menschen mit Behinderung, deren Umwelt sie auf die Dinge reduziert, die sie ihrer Meinung nach nicht können. Und jeder versucht seinen eigenen Umgang damit zu finden. Je nach Wesen des Betroffenen. Dabei brauchen wir Menschen mit Behinderung weder Mitleid, noch permanentes Bemuttern. Was wir brauchen sind Menschen, die uns helfen uns selbst zu helfen. Und wir brauchen Menschen, die nicht nur die Behinderung als unsere Haupteigenschaft sehen, sondern auch unsere anderen Eigenschaften. Ich beispielsweise bin nicht nur blind, sondern schwarzhaarig, habe braune Augen, bin eine Leseratte, Strickerin und Bloggerin.

Wünsche an meine Leser

Im Juni 2016 habe ich meinen ersten Beitrag geschrieben, und dieses Blog gestartet. Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, wie viel ich schreiben würde. Doch inzwischen ist dieses Blog zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Außerdem habe ich während dieser Zeit viele liebe Menschen kennengelernt, die ich ohne dieses Hobby sicher nie getroffen hätte. Ganz gleich ob im virtuellen Raum oder im realen Leben. Menschen, die mich dazu motivieren weiterzumachen, und mir Anregungen für neue Themen geben.

Bisher habe ich mindestens einen Beitrag in der Woche geschrieben. Das mag für manche nach sehr wenig klingen. Jedoch ist das für mich das Maß, mit dem ich gut zurechtkomme.

Am Anfang steht die Idee. Und manchmal ist ein Beitrag sehr schnell geschrieben und veröffentlicht. Aber in der Regel dauert es einen oder mehrere Tage, bis aus der Idee ein vollständiger Beitrag geworden ist, der auch mir gefällt.

sobald ich ihn veröffentlicht habe, teile ich ihn unter anderem auch auf Facebook.

Warum ist ein „Gefällt mir“ von Euch auf Beiträgen, die Euch gefallen, so wichtig?

Liebe Fans, Follower, Freunde und Bekannte …!

Alle Beiträge und Facebookseiten leben von diesem „Gefällt mir“ und vom Teilen! Warum? Weil Facebook über die letzten Monate einfach die Reichweite der Beiträge gekürzt hat. Wenn ich also beispielsweise 600 Freunde habe, bekommt nur ein kleiner Teil dieser Freunde meinen Beitrag zu sehen. Facebook macht das, um Geld über die Werbung zu erwirtschaften. Wenn ich also will, dass mehr Leute meinen Beitrag angezeigt bekommen, dann muss ich Geld auf den Tisch des Hauses legen.

Immer wieder werden wir Seiten-Besitzer dazu verleitet, unsere „Beitragsreichweite zu erhöhen“ indem wir für unsere Beiträge „werben“, sprich bezahlen. Und für kommerzielle Zwecke mag dies okay sein. Aber wenn ich meine Beiträge während meiner freien Zeit schreibe, bearbeite und nichts daran verdiene, dann möchte ich auch verständlicherweise kein Geld dafür ausgeben, dass mehr Leute diese sehen.

Wenn Ihr aber Dinge als „Gefällt mir“ markiert oder teilt, sehen Eure Freunde das eventuell auch wieder und wenn es Ihnen „gefällt“, dann sehen das wiederum noch mehr Freunde.

Also wenn Euch ein Bild oder Beitrag gefällt – klickt auf „Gefällt mir“ und/oder kommentiert wenn ihr wollt. Und wenn Euch ein Beitrag besonders gut gefällt, dann teilt diesen. Dann haben alle was davon, ohne dass es dem Verfasser unnötige Werbekosten verursacht. Je mehr mit dem Beitrag passiert, desto länger bleibt er sichtbar, und desto mehr potenzielle Leser habe ich als Verfasserin.

Darüber freue ich mich von Herzen! Vor Allem, wenn ich sehe, dass ich meine Beiträge nicht nur für eine kleine Handvoll Leser geschrieben habe.

Und jetzt möchte ich auch den Lesern einmal danke sagen, die meine Beiträge fleißig in sozialen Netzwerken teilen, mit einem „gefällt mir“ markieren, oder einen Kommentar hinterlassen. Und auch meinen Kritikern möchte ich für ihre konstruktive Kritik danken. Denn dies bringt mich weiter, und regt mich an manche Dinge zu überdenken. Außerdem ist es einfach nur langweilig, wenn alle meiner Meinung sind. Macht weiter so!

Und zum guten Schluss seid Ihr eingeladen diesen Beitrag mit einem netten Kommentar zu ergänzen, zu liken oder zu teilen, wenn Ihr meine Meinung teilt.

Nähkurs, Kunst und Shopping – Mode jenseits des Sehens

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Mode hatte immer irgendwas mit Kleidung zu tun. Soweit, so gut. Und lange Zeit war dieses Gebiet für mich absolut verschlossen.

Zur Erklärung. Ich verfüge über einen Sehrest von ca. 2 %. Ich bin somit dem Gesetz nach blind.

Meine Augenerkrankung bringt es mit sich, dass ich keine Farben als solche wahrnehmen kann, sondern lediglich Grautöne. Für mich ist also eine Sache hell, heller als etwas anderes, oder einfach nur dunkel. Ich kann sehen, wenn ein Kleidungsstück gestreift, gemustert oder einfarbig ist. Und je nach Kontrast erkenne ich auch noch das grobe Muster.

Alles was irgendwie mit Farben zu tun hat, kann ich somit nicht wahrnehmen. Farben sind für mich optische Ereignisse, die ich nicht wahrnehme. Da diese aber im Laufe eines Lebens unter normal sehenden Menschen immer mehr an Wichtigkeit zunehmen, je älter man wird, habe ich versucht Farben wie Vokabeln zu erlernen. Ich habe gelernt, dass meine Haare schwarz sind, dass meine Hautfarbe etwas braun ist, und dass ich den Kaffee gern Haselnuss braun trinke, wenn mich jemand nach der Menge Milch in der Tasse fragt. Es gehörte für mich somit zu einer Art Allgemeinbildung.

Fasse ich einen Stoff an, so ist für mich vor allem wichtig, wie dieser sich anfühlt. Ich mag weiche Stoffe. Und ich mag bestimmte Schnitte. Ein Kleidungsstück muss sich für mich einfach beim Tragen gut anfühlen, damit ich es behalten möchte. Die Farbe ist wichtig, wenn ich mich damit in freier Wildbahn bewegen möchte. Und hier kommt die optische Kontrolle, die mir Auskunft darüber gibt, ob das Kleidungsstück an mir gut aussieht.

Kleiderkauf ist stets Geschmacksache. Dementsprechend ist auch die Beratung. Ich habe inzwischen gelernt, dass ich in Geschäfte gehe, wo man mich schon mal gut beraten hat, oder ich nehme mir eine Person meines Vertrauens mit. Denn es ist mir wichtig, dass mein Kleidungsstil nicht negativ auffällt. Und da ich nun mal die Optik, die unter sehenden Menschen eine entscheidende Rolle spielt, nicht kontrollieren kann, lasse ich mir da gern helfen. Einkauf von Kleidung ist somit ein steter Kompromiss. Zum einen muss es optisch zu mir passen, zum zweiten muss ich mich aber auch darin wohl fühlen.
Ein Mythos besagt, dass Menschen mit einer Sehbehinderung stets die Ladenhüter verkauft bekommen, weil sie es nicht sehen. Und in Einzelfällen mag das auch so sein. Schwarze Schafe gibt es schließlich überall. Dazu kommt, dass es auch blinde Menschen gibt, die wie manche Sehende auch, nicht auf ihr Äußeres achten, und sich auch nicht durch Freunde oder andere Personen beraten lassen möchten. Und wieder andere sind stets stylisch gekleidet. Und irgendwo dazwischen bewege ich mich.
In der Zeit vom 11.10.2017  bis 12.10.2017 nahm ich am Projekt BEYOND SEEING INNOVATIVES MODEDESIGN MIT ALLEN SINNEN teil.
Hierbei handelt es sich um ein

RECHERCHE- UND AUSSTELLUNGSPROJEKT DES GOETHE-INSTITUTS PARIS

IN Zusammenarbeit mit:

ESMOD, BERLIN

IFM – INSTITUT FRANCAIS DE LA MODE, PARIS

LA CAMBRE, BRÜSSEL

SWEDISH SCHOOL OF TEXTILES, BORÅS

HOCHSCHULE WISMAR, WISMAR

SOWIE DEN BLINDEN- UND SEHBEHINDERTENVERBÄNDEN ALLER an diesem Projekt BETEILIGTEN Länder.

Bereits Im Oktober 2016 initiierte das Goethe-Institut Paris in Zusammenarbeit mit vier renommierten Modehochschulen aus Deutschland, Frankreich, Schweden und Belgien das Recherche- und  Ausstellungsprojekt Projekt BEYOND SEEING. Im Rahmen von internationalen Recherche-Workshops, einer Ausstellung und einem diskursiven Begleitprogramm zielt das Projekt darauf ab, Mode in einem Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen über den visuellen Reiz hinaus wahrnehmbar zu machen. Bislang nicht miteinander in Berührung gekommene Zielgruppen – Designstudierende, blinde und sehbehinderte Teilnehmer sowie Experten verschiedenster künstlerischer  Disziplinen – werden erstmalig zusammengebracht, um gemeinsam innovative Designkonzepte zu entwickeln.

Mehr über das Projekt beim Goethe Institut gibt es hier.

Für unsere Veranstaltung suchte man unter anderen zwei Blogger aus Deutschland mit und ohne Sehbehinderung. Außerdem wurden zwei weitere Blogger aus Frankreich und Belgien eingeladen. Wir sollten an einem entsprechenden Programm teilnehmen und über unsere Erfahrungen aus unserer jeweiligen Perspektive schreiben.

Auf dem Programm standen ein Nähworkshop, eine gemeinsame Diskussionsrunde, ein Besuch in der Berlinischen Galerie und eine gemeinsame Shoppingtour.

Da meine Anreise recht lang war, reiste ich bereits am 10.10.2017 nach Berlin. Begleitet wurde ich von meiner Tochter, die gerade Herbstferien hatte. Wir Bloggerinnen wurden in der Regenbogenfabrik untergebracht. Somit musste ich mich nicht mehr um eine Zimmerreservierung kümmern.
Treffpunkt war um 12:30 Uhr an der Rezeption der Regenbogenfabrik.
Dabei waren: Typhaine Augusto, sehende Bloggerin aus Frankreich, Pauline Debouck, sehbehinderte Bloggerin aus Belgien, Sonja Köllinger, sehende Bloggerin aus Deutschland, Katharina Scriba und Timo Unger vom Goetheinstitut in Paris und Reiner Delgado vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

Nachdem wir uns miteinander bekannt gemacht hatten, ging es auch schon zu unserem ersten Programmpunkt.

In einem Atelier trafen wir Reiner Delgado vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, einen der Organisatoren des Nähkurses, und einige blinde und sehbehinderte Teilnehmer des Nähworkshops. Die Professoren von ESMOD Torbjörn Uldam und Jasmina Benferat und ihre Helfer Maxi und Verena standen uns mit Rat und Hilfe zur Seite.
Reiner erklärte uns die Aufgabenstellung, die da lautete aus drei Quadraten eine Stofftasche zu fertigen. Ein entsprechendes Muster wurde rumgegeben. Außerdem gab es eine Kurzanleitung in gedruckter Schrift und Braille, so dass jeder Teilnehmer die für ihn geeignete Form auswählen konnte.

Wir Bloggerinnen sollten uns zu zweit zusammentun, nämlich eine sehende und eine blinde Bloggerin.
Sonja und ich saßen zusammen, und waren in der ersten Stunde ausschließlich damit beschäftigt die drei Quadrate aus dem Stoff zu schneiden. Sonja maß aus und zeichnete die ersten Schnittlinien an. Dann fixierten wir diese mit einem waagerechten Ding so, dass man mit der Schere am Stoff entlang schneiden konnte. Da das bei uns nicht wirklich funktionieren wollte, Fixierte Sonja den Stoff, während ich mit der Schere an der Kante entlang schnitt. Später lernte ich den Cutter kennen.

Lydia mit Cutter in der Hand
Lydia mit Cutter in der Hand
Er funktioniert wie ein Pizzaschneider. Eine Schneidematte zum Schutz des Tisches drunter gelegt, und schon konnte es losgehen. Das Gerät ist scharf und schneidet präzise. Und es geht schneller als das Schneiden mit der Schere.

Nun ging es darum von zwei der drei Quadrate zwei Kanten zu knicken und mit Stecknadeln zu befestigen. Diese sollten später umgenäht werden. damit die Kannte auch den Kräften einer Nähmaschine stand hielt, wurden die Kannten mit einem Bügeleisen gebügelt. Damit entstand eine präzise Kante, die man sehr gut erfühlen konnte.
Jetzt ging es an die Nähmaschine. Für mich war es das erste Mal, dass ich ein solches Gerät von Nahem fühlte.

Lydia mit Helferin an der Nähmaschine
Lydia mit Helferin an der Nähmaschine
Dementsprechend groß war mein Respekt davor. Meine Helferin wies mich in die Bedienung der Nähmaschine ein. Sie zeigte mir wo der Stoff liegen musste, welche Schalter ich betätigen musste, um Stoff und Nadel zu bewegen, und wie man den Stoff richtig hält. Es funktionierte erstaunlich gut, so dass ich mir gut vorstellen könnte das in Ruhe noch mal auszuprobieren. Wenn sich das ergibt, werde ich auf meinem Blog darüber berichten.

Nach dem Nähworkshop gingen alle Teilnehmer gemeinsam in ein nahegelegenes Restaurant, wo wir außer gutem Essen ausreichend Gelegenheit hatten über das Projekt und unsere Erfahrungen zu sprechen. Mein Problem war mein nur mäßiges Englisch. Ich verstehe das Meiste irgendwie, tue mich aber schwer damit Dinge auf Englisch zu formulieren. Aber da musste ich durch. Und unsere Organisatoren halfen hier auch mal als Übersetzer aus.

Nach einem Frühstück im Hostel ging es am nächsten Morgen in Richtung Berlinische Galerie. Reiner führte uns durch die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem DBSV für blinde und sehbehinderte Besucher etwas verändert wurde. Z. B. befanden sich Leitstreifen am Boden, die mit dem Blindenstock oder den Füßen ertastet werden können. Außerdem hatte man einigen Gemälden tastbare Reliefs beigefügt, die Reiner uns erklärte.

berlinische galerie lydia vor bild von eugen spiro und tastbild
berlinische galerie lydia vor bild von eugen spiro und tastbild
Unsere sehenden Teilnehmer konnten sich eine Augenbinde aufsetzen, und sowohl Leitstreifen, als auch Bilder ertasten. Mit Hilfe einer App, die sich noch im Betatest befindet, soll es möglich sein sich blind allein durch die Ausstellung zu bewegen, und die Informationen, die sonst nur sichtbar sind, akustisch abzurufen.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen stand Shopping an. Wir besuchten einen Second Hand Shop.

Blick in den Second Hand Shop sichtbar sind viele Klamotten
Blick in den Second Hand Shop sichtbar sind viele Klamotten
Zuerst sollte sich jeder ca. 10 Minuten alleine im Geschäft bewegen, und sich einen Überblick verschaffen. Anschließend sollten eine sehende und eine blinde Bloggerin gemeinsam auf Schnäppchensuche gehen.
In mir unbekannten Geschäften fehlt mir die Orientierung, um mir einen Überblick zu verschaffen. Die einzige Option mich alleine zu orientieren ist systematisch durch die Reihen der Kleiderständer und Regale zu gehen. das erklärte ich Katharina, die  mit mir durch das Geschäft ging, und mir die grobe Struktur erklärte. Anschließend taten wir uns zu zweit zusammen. Sonja und ich zogen gemeinsam los. Wir hatten ein kleines Budget für den Kleiderkauf bekommen.
Shoppen ist für mich meist eine Notwendigkeit. Ich kann nur selten Genuss dabei empfinden. Daher hatte ich auch keine Erwartungshaltung. Sonja und ich waren noch nie miteinander shoppen, und wir kannten uns gerade mal einen Tag lang.
Für mich fanden wir einen Rock und ein Oberteil, welches sich für mich schön anfühlte, und von Sonja als zu mir passend beurteilt wurde.

Timo brachte uns Bloggerinnen zu unserer Unterkunft zurück, wo es dann endgültig Abschied nehmen hieß. Ich denke, dass das ein guter Erfahrungsaustausch war, und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung in Paris.

Katze mit Migrationshintergrund

Zum ersten Mal hörte ich von Mignonne, als eine Freundin den folgenden Status über Facebook postete: „Ich wende mich heute mit einer dringenden Bitte an euch! Es geht um Mignonne, eine Straßenkatze aus Kreta.“
Sie gehört zu 30 Tieren, die meine Freundin Cornelia auf Kreta in Sitia an einem Sammelplatz füttert. Sie wurde von einem Auto angefahren, doppelter Beckenbruch. Er wurde von der Tierärztin behandelt, sie kann wieder laufen, aber sie muss noch springen lernen. Voraussichtlich wird das noch was, aber auf die Straße kann sie nicht mehr, denn ganz wie vorher wird es wohl nicht mehr.
Sie lebt im Moment bei Franzosen in Sitia, Ostkreta, die müssen aber für 1 Monat weg. Meine Freundin kann diese Katze nicht nach Hause nehmen, da dort ein dominanter Kater herrscht. Raus kann sie so auch nicht wegen ihrer eingeschränkten Sprungkraft und einfach nur einmal am Tag füttern bei den Franzosen ist für eine Katze doof. Meine Freundin hat so viele Baustellen im Tierschutz, sie ist fast 70 und kann für diese Katze keine Fürsorge mehr tragen.
Mignonne ist super Menschen bezogen, zahm, trotz Straßenkatze blieb sie einmal ganz ruhig, als sie ausversehen eingeschlossen war in einem Haus und ist auch jetzt in ihrer Indoor-Phase friedlich. Ein Haus mit eingezäuntem Garten, wo sie im geschützten Raum raus kann, aber auch notfalls als Wohnungskatze wäre Mignonne die allerliebste Begleiterin.
Wenn Mignonne kein neues zu Hause bekommt, müsste sie eingeschläfert werden. Denn man kann ein Tier nicht so in Freiheit lassen. Es würde sich nicht verteidigen oder gut flüchten können vor wilden Hunden und möglicherweise dann elendiglich verenden. Auf Dauer bei den Franzosen, die sich freiwillig an der Tierarztkostenrechnung beteiligt haben, kann sie auch nicht bleiben, da die öfters für länger in Frankreich sind.
Also, wer hat ein Herz für Mignonne? Sie würde auf Kosten des Tierschutzes nach Deutschland gebracht werden. Der neue Besitzer müsste sie nur aufnehmen. Im Anhang die Bilder und ein Video von Mignonne.
Wir hatten schon zwei Kater, die sich gut miteinander vertrugen. Und Platz war auch reichlich vorhanden. Spontan wie ich manchmal bin, rief ich meine Freundin an, um einige Fragen zu klären, bevor ich mit meiner Familie darüber sprach. Mignonne war noch nicht vermittelt worden, und es würde keine nennenswerten Folgekosten für die tierärztliche Behandlung geben.
Gespräche, Telefonate, und Absprachen. Am Ende stand fest, dass Mignonne Mitte August zu uns kommen würde. Wir wollten einfach ausprobieren wie sich unsere beiden Kater damit arrangieren würden. Wir vereinbarten, dass Mignonne Mitte August zu uns kommen würde, da wir vorher im Urlaub waren.
Am 15.08.2017 war es dann soweit. Unser Nachbar fuhr mich abends mit dem Auto zum Flughafen, da wir Mignonne eine Fahrt mit dem Bus nicht zumuten wollten. Hier fand die Übergabe durch einen Freund von Cornelia statt. Das Ganze geschah recht unspektakulär in einer kleinen Tragetasche.
Zu Hause angekommen, ließen wir die Tasche offenstehen und warteten erst mal ab. Mignonne kam tatsächlich raus, und erkundete erst mal den Flur, in welchem wir standen. Sie war zutraulich und ließ sich sogar streicheln. Dann ließen wir sie erst mal in Ruhe ankommen.
Während der nächsten Wochen verkroch Mignonne sich unter der Kellertreppe, und kam nur raus, wenn sie das Katzenklo aufsuchte, oder fraß. Wir hatten ihr ein Handtuch untergelegt, damit sie es weicher hatte.

Das Bild zeigt Mignonne unter der Kellertreppe. Sie wirkt ängstlich. Daneben stehen ein Katzennapf und einige andere Dinge, die sonst ihren Platz dort haben.
Es dauerte wohl an die zwei Wochen, bis sie sich raus traute. Mein Sohn war der Erste, dem sie in der Familie vertraute. Ich bekam sie gar nicht zu fassen.
Weitere zwei Wochen vergingen, bis wir feststellten, dass sie nachts ins Wohnzimmer ging, und es sich auf dem Sofa gemütlich machte. Aber sobald sich jemand von uns dort hinbewegte, verschwand sie wieder unter die Treppe. Erst nach und nach begann sie zu begreifen, dass ihr niemand etwas tat. Das hieß, dass sie im Wohnzimmer blieb, wenn auch jemand von uns da war. Manchmal strich sie einem auch schon mal um die Beine, und ließ sich anstandslos streicheln.
Der Platz unter der Kellertreppe ist inzwischen Geschichte. Sie hält sich inzwischen im ganzen Haus auf. Dank des Glöckchens kann ich sie hören und orten. Dieses habe ich an einem Halsband befestigt, in welchem auch Mignonne und meine Telefonnummer vermerkt sind. Das war mir wichtig, solange ich nicht sicher sein konnte, dass Mignonne uns nicht rausgeht und nicht zurückkommt.

Auf dem Bild sieht man Mignonne, die auf einem Bett liegt, und sich von mir streicheln lässt.
Heute, mehr als sechs Wochen nach ihrer Ankunft bei uns, bleibt sie auf dem Bett oder Sofa liegen, wenn sich jemand zu ihr setzt. Für mich heißt das, dass sie uns als ihre Mitbewohner akzeptiert hat, und uns vertraut. Und so langsam finden sich auch unsere beiden Kater damit ab. Platz zum Ausweichen gibt es reichlich, da die beiden Kater auch schon mal nach draußen gehen. Mignonne tut das auch hin und wieder. Allerdings zieht es sie recht schnell wieder ins Haus, wo sie sich sicherer fühlt.