Kategorien
Allgemein Alltag Bildung

So hören auch blinde Menschen Deine Fotos auf Instagram

Wer Instagram hört, denkt sofort an viele Fotos und Videos. Der Text ist eher Nebensache. Schließlich sagt ein Bild mehr als 1000 Worte.

Für blinde Menschen sind die tausend Worte lieber als ein Foto. Allerdings schließt das Eine das Andere nicht aus. Im Rahmen der Barrierefreiheit hat Instagram die Möglichkeit geschaffen Fotos mit einem Alternativtext zu versehen. Dieser bleibt unsichtbar, und wird nur von den Vorleseprogrammen für Menschen mit Sehbehinderung vorgelesen. Dadurch wird auch Instagram für unseren Personenkreis interessant.

Im folgenden Video zeigt meine Tochter am praktischen Beispiel, wie mit nur wenigen Klicks ein Alternativtext auf Instagram erstellt werden kann. Meinen Instagram Account findet Ihr unter @

So hören auch Blinde Deine Fotos auf Instagram
Kategorien
Allgemein Alltag Bildung

So hören auch Blinde Deine Fotos auf Facebook

Auch blinde Menschen nutzen immer Mehr Plattformen wie Facebook. Für uns sind Fotos, die keinerlei Beschreibung enthalten, absolut nichts sagend.

Im Rahmen der Barrierefreiheit hat Facebook die Möglichkeit geschaffen einem Foto einen Alternativtext mitzugeben, der für nicht blinde Menschen im Beitrag unsichtbar bleibt, für blinde Nutzer von deren Vorleseprogrammen jedoch gesprochen wird. Dieser Alternativtext wird auch beim Teilen eines Beitrag mit übernommen.

Im folgenden Video zeigt meine Tochter Euch, wie einfach und schnell ein Alternativtext erstellt wird. Lasst uns gemeinsam das Internet ein stück barrierefreier, und damit inklusiver machen. Für Dich sind es nur ein paar Klicks, für blinde Menschen ist es die Teilhabe an Deinem Foto.

.

So werden Deine Fotos auf Facebook für Blinde Hörbar.
Kategorien
Allgemein Alltag Bildung

So hören auch Blinde Deine Fotos auf WhatsApp

WhatsApp ist unter blinden Nutzern eines Smartphones der meist verbreitete Messenger. Er ist auch der, welcher die meiste Barrierefreiheit mitbringt. Und genau das macht ihn für unseren Personenkreis so interessant. – Auf das Thema Datenschutz und CO. werde ich jetzt nicht eingehen.

Neben Text- und Sprachnachrichten werden immer wieder Fotos geteilt. Ohne irgendeine Beschreibung sind diese für mich wertlos. Besonders nervig ist es in WhatsAppGruppen, in denen über den Inhalt, der sich mir nicht erschließt, diskutiert wird.

Auch WhatsApp bietet eine Möglichkeit ein Foto zu beschreiben. Dafür gibt es das Textfeld „Bildunterschrift“. Im folgenden Video zeigt meine Tochter Euch, wie Ihr das mit nur wenigen Klicks macht.

Also, wenn Ihr einem Menschen mit Sehbehinderung ein Foto schickt, schreibt einen Satz dazu, der das Foto beschreibt. Die automatisch generierten Bildbeschreibungen sind noch nicht gut genug. Daher sind sie in der Regel wertlos.

Kategorien
Allgemein Alltag

Amazon – der Versand bleibt spannend

Ich warte seit Tagen auf ein Paket von Amazon, das inzwischen überfällig ist. Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich unterwegs bin, kommt es. Jedenfalls bekomme ich an diesem Freitagnachmittag eine Zustellbenachrichtigung von Amazon per E-Mail, dass mein Paket nun zugestellt wurde. Zuhause ist niemand. Daher stelle ich mir die Frage, an welchen meiner Nachbarn es übergeben wurde. Diese Information kann ich der E-Mail nicht entnehmen. In der Paketnachverfolgung finde ich ein Foto des Zustellorts, welches der Zusteller gemacht haben muss. Kein Alternativtext, keine sonstige für mich lesbare Information. Und es ist zu spät, um am Abend bei den Nachbarn zu klingeln.

Am nächsten Vormittag frage ich meinen Nachbarn, ob er ein Paket für mich angenommen hat. Nein, hat er nicht. Ich zeige ihm das Foto, welches ich gestern schon nicht interpretieren konnte. Wir sind beide genauso schlau wie vorher auch schon.

Also bleibt nur der Anruf bei der Kundenhotline von Amazon. Die Mitarbeiterin versucht ihr Glück, kommt aber auch nicht weiter. Auch für sie ist das Foto ein Rätsel, welches keine weiteren Details aufweist. Sie veranlasst eine Zusteller Befragung, auf deren Ergebnis ich noch immer warte. So viel zum Thema „Wir melden uns nach ca. 3 Werktagen bei Ihnen“.

Amazon betreibt eine Hotline für Barrierefreiheit. Diese rufe ich an, um mich über die für mich nicht lesbare Zustellbenachrichtigung zu beschweren. Es wird aufgenommen. Mehr kann man im Moment nicht für mich tun.

Der nächste Tag bringt Licht ins Dunkel. Als mein Sohn das Foto sieht, hat er die zündende Idee. Er findet das Paket in der Altpapiertonne. Glück gehabt. Denn diese wäre morgen geleert worden. Abgesehen davon steht die Tonne so, dass jeder Zugang dazu hätte. Ich bin echt fassungslos.

2 Tage später finde ich eine Benachrichtigung in Papierform, auf der steht: „Ihr Paket liegt im Altpapier“. Die war am Zustelltag vor drei Tagen definitiv noch nicht im Briefkasten. Ich habe den gesamten Sachverhalt noch mal an Amazon gemeldet. Inzwischen ist mehr als ein Monat ins Land gegangen, ohne dass eine weitere Reaktion erfolgt ist.

Ein anderes Mal bekam ich eine Benachrichtigung per E-Mail, dass mein Paket in einer Packstation liege. Da Packstationen von blinden Personen so gut wie gar nicht bedient werden können, organisierte ich mir sehende Hilfe. Wir waren beide absolut unerfahren. Und so wussten wir nicht, dass ich einen Zustellcode brauche, um das Paket abzuholen. Dieser kam weder per E-Mail noch in Papierform zu mir. Hier war Amazon kulant und erstattete mir den Kaufpreis. Denn es gab keine Möglichkeit den Zustellcode erneut zu versenden. Ich hatte also mein Geld zurück, und das Päckchen wurde nach sieben Tagen zurück an den Absender verschickt. Dabei waren am Zustelltag meine Nachbarn und ich zuhause. Bei keinem von uns wurde geklingelt.

Besonders spannend hat Amazon es bei einem blinden Freund gemacht. Er wohnt in einem Haus mit etwa 10 Mietwohnungen im zweiten Stock. Beim Klingeln ging er an die Gegensprechanlage, und hörte, dass Amazon ein Paket für ihn habe. Nach dem Aufdrücken der Eingangstür passierte buchstäblich nichts. Später stellte sich heraus, dass der Zusteller mehrere Pakete, die für dieses Haus bestimmt waren, einfach im Flur abgelegt hatte. Sein Glück war, dass eine Nachbarin das gesehen, und ihm sein Paket gegeben hat.

Ich finde, dass Menschen, die mit Kunden arbeiten, wenigstens ein bisschen Deutsch sprechen können sollten. Das sieht Amazon offenbar anders. Jedenfalls hatte ich schon die Situation, dass ein Zusteller von Amazon nicht mehr als das Wort „Paket“ sagen konnte. Auf eine Frage bekam ich „nix deutsch“ zur Antwort. Also versuchte ich mein Glück auf Englisch und Arabisch. Kein Erfolg. Irgendwie habe ich verstanden, dass der Zusteller nur Ukrainisch sprach. Und von Werkzeugen wie beispielsweise dem Google Übersetzer hatte der Mann wohl auch noch nicht gehört. Hier ist Amazon aber nicht alleine. Auch andere Zustellunternehmen wie beispielsweise DPD legen keinen gesteigerten Wert auf verbale Kommunikation mit dem Kunden.

Als blinde Frau habe ich ein Problem mit nonverbaler Kommunikation. Ich bin auf Sprache angewiesen. Daher sind mir diese Praktiken absolut suspekt. Erst recht, wenn es Rückfragen gibt.

Ich möchte Euch ermutigen solche Stressfaktoren oder Missstände per E-Mail an Amazon zu melden.

Das waren meine Erfahrungen. Und wie sind Eure? Schreibt mir das gern in die Kommentare.

Kategorien
Allgemein Alltag unterwegs Zu Gast auf lydiaswelt

Zusammenspiel Fuß- und Radverkehr

Alltagsbegegnungen von blinden und sehbehinderten Menschen mit dem Radverkehr

Seit vielen Jahren sind vielerorts Bemühungen fehlgeschlagen, Radwege auf die Fahrbahn zu verlegen, das ist nicht nur für den Rad- und Fußverkehr allgemein von Nachteil, sondern besonders für blinde und sehbehinderte Personen, welche häufig alleine zu Fuß unterwegs sind.
Niveaugleiche Radwege, direkt angrenzend an den Gehweg stellen sich für blinde und sehbehinderte Menschen als eine sehr schwierige Situation dar. Taktil erkennbare Trennsteine sind in der Regel nicht vorhanden. Die Grenze Fuß- und Radweg ist nur optisch gekennzeichnet, taktil sind sie nicht wahrnehmbar. Blinde und häufig auch sehbehinderte Menschen können dadurch leicht versehentlich auf den Radweg geraten.
Schwierig sind aber auch Situationen, bei denen der Verkehrsraum gemeinsam genutzt werden muss, z. B. an Haltestellen und Kreuzungen, wo sich die Wege des Rad- und Fußverkehrs kreuzen, auf Bürgersteigen, die auch für den Radverkehr freigegeben sind. Im Normalfall regelt sich hier ja meist alles fast von selbst, man sieht sich und achtet gegenseitig aufeinander. Für blinde und sehbehinderte Menschen liegt aber genau hier die Gefahr: Weil der Radverkehr in der Regel nicht hörbar ist, können sie nur sehr begrenzt auf diesen reagieren und die Verkehrssituation nicht vorausschauend einschätzen.
Blinde und sehbehinderte Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass die Radler und Radlerinnen für die Vermeidung von Gefährdungen sorgen, für die es aber oftmals schwierig ist, die Erblindung oder Sehbehinderung von Passanten rechtzeitig zu erkennen. Sehbehinderte Menschen führen keinen weißen Stock oder Blindenführhund mit sich, sondern bewegen sich langsam und suchend, wobei sie häufig auf den Boden vor sich schauen.
Konkret sind es folgende Situationen, die der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen:
Das Geräusch herannahender Fahrräder ist, wie erwähnt, für den blinden und sehbehinderten Personenkreis häufig nicht zu hören, sodass das Fahrrad erst in unmittelbarer Nähe bemerkt wird. Dies wird nicht selten als großer Schreckmoment wahrgenommen. Um dies zu vermeiden, ist ein frühzeitiges Klingeln oder ein Zuruf sehr nützlich. Allerdings ist zu bedenken, dass blinde Menschen dadurch nicht unbedingt den Weg frei machen, sondern evtl. einfach nur stehen bleiben. Sie wissen vielleicht gar nicht, in welche Richtung sie sich bewegen müssten, um den Radweg freizumachen, und würden durch das Tasten mit dem Langstock die Radler*innen und sich selbst gefährden. Beim Passieren sollte der blinde oder sehbehinderte Mensch angesprochen werden, damit er/sie weiß, dass das Fahrrad gerade vorbeifährt. Ggf. auch mit dem Hinweis, dass noch andere Fahrräder folgen.
Wichtig ist zudem, mit ausreichender Beleuchtung zu fahren, weil hierdurch ein Teil sehbehinderter Menschen das herannahende Fahrrad doch noch erkennt.
Bei Grünphasen für den Fußgängerverkehr an Kreuzungen fahren erfahrungsgemäß ggf. Radfahrer*innen vor Fußgängern in hoher Geschwindigkeit vorüber, obwohl auch der Radverkehr das Grün für den Fußgängerverkehr beachten sollte. Das ist für alle Fußgänger*innen unangenehm, für blinde und sehbehinderte Menschen, die sich beim Überqueren der Straße überdurchschnittlich konzentrieren müssen, stellt dies eine besondere Gefahr dar. Aber auch für die radelnde Person ist dies nicht ungefährlich: Kommt der Blindenstock zwischen die Speichen oder kommt es zu einer unmittelbaren Kollision ist oft kein Halten mehr. Schlimmstenfalls stürzen Beide und landen mit großer Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus. Und selbst wenn „nur“ der Blindenstock kaputt ist, blinde Menschen haben dann keine Chance, ihren Weg selbständig fortzusetzen. Ein ähnliches Problem besteht, wenn Radfahrer*innen plötzlich auf den Gehweg ausweichen.
Steht eine blinde oder sehbehinderte Person am Straßenrand, ist ebenfalls davon auszugehen, dass die Person das herannahende Fahrrad nicht bemerkt. Auch in dieser Situation muss der Radler oder die Radlerin sich akustisch bemerkbar machen, indem die Klingel benutzt wird und beim Vorbeifahren etwas gesagt wird.
Auch abgestellte Fahrräder können zum Problem werden.
Fahrräder sind mit dem Blindenlangstock schwierig zu erfassen. Bei einer Berührung kann das Fahrrad hinfallen und z. B. ein parkendes Auto beschädigen oder die Person verletzt sich z. B. an der Lenkstange.
Am Boden liegende Fahrräder sind noch gefährlicher, weil blinde Menschen über derartige Hindernisse schon häufig gestürzt sind und sich erheblich verletzt haben. Dieser Sachverhalt trifft auch auf andere abgestellte oder herumliegende Objekte wie z. B. E-Scooter zu.
Stehen Fahrräder oder E-Scooter an Blindenampeln, können die Ampeln von blinden und sehbehinderten Menschen nicht mehr genutzt werden, da sie direkt an den Drücker am Ampelpfosten kommen müssen, um die taktilen und akustischen Zusatzfunktionen zu aktivieren.
Blinde Menschen orientieren sich in der Regel an Leitlinien wie Bordsteinkanten, Häuserwänden oder Rasenkanten. Sind diese Leitlinien durch abgestellte Hindernisse unterbrochen, müssen sie sich jeweils neu orientieren und verlieren dann ggf. die Richtung.
Orientierungshilfen, also kontrastreiche Rippen- und Noppenplatten, die zu Haltestellen und Fußgängerquerungen leiten und an denen sie sich mit dem Stock oder den Füßen orientieren, sind unbedingt freizuhalten, ansonsten verlieren die Leitstrukturen ihren Nutzen.
Wir blinden und sehbehinderten Menschen brauchen die besondere Aufmerksamkeit von Radfahrern und Radfahrerinnen in diesen Situationen. Damit die Gefährdungen vermieden werden, benötigen wir die vorausschauende Einschätzung der Situation durch den Radverkehr.

Wir hoffen, dass dieser Artikel die Radlerinnen und Radler für die besonderen Probleme blinder und sehbehinderter Menschen sensibler machen wird. Die Ausführungen bestätigen aus Sicht des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen e. V., dass die verstärkte Forderung nach separaten Radwegen oder Radspuren ebenso wichtig und notwendig ist, wie die Aufhebung der Benutzungspflicht für den Radverkehr auf gemeinsamen Fuß- und Radwegen.

Dieser Artikel ist in einer Ausgabe der Zeitschrift Hessenecho des Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen e. V. erschienen. Beim Lesen habe ich mich an eine Radfahrerin erinnert, die mir während der Grünphase buchstäblich in die Quere gekommen ist. Mein Stock verhakte sich in ihrer Fahrradkette und zerbrach in mehrere Teile. Zum Glück blieben wir beide unverletzt, so dass sie mich zu Fuß zu meinem Ziel begleiten konnte. Aber das ist nicht der Regelfall, wenn Radfahrer und blinde Menschen kollidieren.
Also, passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf.
Welche Gedanken beschäftigen Euch bei diesem Thema? Schreibt es gern in die Kommentare.