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KVG-Hopper, wenn Du sehen kannst, darfst Du mit

Um Kosten für Buslinien zu sparen, die ohnehin kaum jemand nutzt, wurde in Neu-Isenburg der KVG-Hopper eingeführt. Ein modernes, cleveres Konzept – zumindest auf dem Papier. Kleine Elektrofahrzeuge sollten die herkömmlichen Bushaltestellen und zahlreiche virtuelle Haltepunkte in der Stadt anfahren. Die Fahrten optimiert, versteht sich, ein Algorithmus. Klingt effizient, oder?

 

Die Fahrzeuge kann man per App oder – für Nostalgiker – telefonisch bestellen. So spart man in den Randzeiten und an Sonn- und Feiertagen gleich mal die Linienbusse ein. Fortschritt à la Kommunalverkehr.

 

Die erste App allerdings war für blinde Menschen ungefähr so benutzerfreundlich wie ein Touchscreen im Dunkeln. Trotzdem wurde der Hopper als „barrierefrei“ beworben – ein Etikett, das offenbar ziemlich dehnbar ist. Irgendwann wechselte der Anbieter, und mit ihm kam eine neue App. Die war immerhin halbwegs bedienbar. Und so begann mein kleines Abenteuer mit dem KVG-Hopper.

 

Gerade in den Randzeiten ist die App praktisch alternativlos. Gibt man – sagen wir – von Neu-Isenburg Bahnhof  sein Ziel ein, wirft sie einem mehrere Routen aus. Dann heißt es: schnell sein! Innerhalb weniger Sekunden muss man alles erfassen und bestätigen, sonst heißt es von vorn. Ich beherrsche mein Smartphone durchaus, aber der Hopper-App ist das egal – sie testet offenbar, wie viele Finger man gleichzeitig und wie hektisch über den Bildschirm jagen kann. Gepaart mit meiner Sprachausgabe gleicht das einem Reaktionstest in

 

Hat man das Kunststück schließlich geschafft und eine Fahrt gebucht, wartet schon die nächste Prüfung. Im Profil kann man zwar angeben, dass man eine Sehbehinderung hat – allerdings dient das nur der Statistik. Eine Möglichkeit, der Fahrkraft mitzuteilen, dass man blind ist und bitte angesprochen werden möchte? Fehlanzeige. Wo der Hopper hält, entscheidet der Algorithmus – und der liebt Überraschungen. Mal steht das Fahrzeug auf der anderen Straßenseite, mal irgendwo, wo gerade kein Mensch weit und breit zu sehen ist.

 

Einige Fahrer bestätigten mir übrigens, dass sie gar nicht wüssten, dass Menschen mit einem weißen Langstock blind sind. Da hilft nur eins: selbst aktiv werden und Passanten um Hilfe bitten. Wenn denn welche da sind. Und das Beste: Für diesen Nervenkitzel zahle ich pro Fahrt 1,50 € „Komfortzuschlag“. Komfort – das ist wohl Ansichtssache.

 

Beim Aussteigen das gleiche Spiel. Der Haltepunkt hängt davon ab, wohin das Fahrzeug als Nächstes muss. Ich nenne das: Blindflug mit System.

 

Seit über zwei Jahren schlage ich mich nun mit diesem Hopper herum. Für mich ist er weniger ein Verkehrsmittel als ein Stressfaktor mit Elektroantrieb. Trotz unzähliger Rückmeldungen ist alles beim Alten geblieben. Immerhin hat man für mich eine „Einzellösung“ gefunden – ich darf als Telefonkundin buchen und bekomme klare Start- und Zieladressen. Nett gemeint, aber nicht wirklich nachhaltig. Und ob die Fahrer das immer wissen? Nun ja – neulich stand ich an einer genau definierten Adresse und sollte dem Fahrer telefonisch erklären, wie er mich findet. Zum Glück hatte ich keinen Zeitdruck.

  Vielleicht denken die Verantwortlichen des KVG-Hopper ja irgendwann einmal an Menschen mit Sehbehinderung – und ans Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Bis dahin bleibt der Hopper für mich ein Sinnbild moderner Mobilität: digital, elektrisch, algorithmisch – und leider nur bedingt zugänglich für alle.

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Die nächste Haltestelle ist keine Ahnung 

„Die nächste Haltestelle ist … keine Ahnung?“ – Unterwegs mit unsichtbaren Ansagen Es ist Freitagnachmittag, die Sonne scheint, die Laune ist gut. Meine Tochter und ich haben einen schönen Tag draußen verbracht, und jetzt geht’s nach Hause – Neu‑Isenburg, ich komme! Noch schnell umsteigen in Dietzenbach Mitte, dann 20 Minuten Busfahrt. Alles wie immer. Dachte ich.

 

Ich sitze vorne im Bus, der Motor schnurrt, der Frühling duftet durch die halb geöffneten Fenster – aber irgendwas fehlt. Keine Stimme, kein Piepen, keine Ansage. Und ich meine nicht die innere Stimme, die mir sagt: „Du hast vergessen, Brot zu kaufen.“

 

Ich rede natürlich von den Haltestellenansagen. Denen, auf die ich als blinde Frau angewiesen bin. Denn anders als sehende Fahrgäste kann ich nicht mal eben aus dem Fenster schauen, um zu sehen, wo wir gerade sind. Ich verlasse mich auf Technik, auf Barrierefreiheit – und auf ein kleines bisschen Mitdenken von Seiten des Fahrpersonals.

 

Also frage ich den Busfahrer freundlich, ob er bitte die Ansagen einschalten könnte. Keine große Sache, dachte ich. Denkste! „Diese Ansagen stören mich“, sagt er. Wirklich jetzt? Er erklärt mir ganz offen, dass er zehn Stunden täglich im Bus sitzt und sich die Ansagen nicht ständig anhören will. „Das ist echt nervig“, sagt er. Und wenn es nach ihm ginge, wären sie ganz aus – was er natürlich nicht darf, aber er regelt sie einfach so weit runter, dass sie niemand mehr hört. Tja, Problem gelöst. Für ihn. Ich bin ehrlich gesagt kurz sprachlos. Nicht, weil ich es nicht schon erlebt hätte – sondern weil ich es immer wieder erlebe. Also erkläre ich ruhig, dass ich die Ansagen wirklich brauche. Dass ich sonst nicht weiß, wo ich gerade bin. Dass ich nicht ständig andere Fahrgäste oder den Fahrer fragen will. Ich will nicht zur Bittstellerin werden, nur um an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Schon öfter wurde ich einfach vergessen, bin irgendwo rausgekommen, wo ich nicht hinwollte. Das ist nicht nur ärgerlich, das kostet Zeit, Nerven und manchmal auch ein kleines Stück Selbstbestimmung.

 

Der Fahrer hört zu – so halb. Ich merke: Verständnis klingt anders.

 

Mir fällt eine Beschwerde ein, die ich mal gehört habe. Fahrgäste hätten sich darüber beklagt, dass die Ansagen sie beim Zeitunglesen stören. Ja, wirklich! Die gute alte Zeitung, bedroht durch eine Durchsage wie: „Nächste Haltestelle: Musterstraße.“ Man stelle sich den Lärm vor! Jetzt also Busfahrer, die sich in ihrer Arbeitsruhe gestört fühlen. Ich kann nicht anders – in meinem Kopf blinkt ein großes, fettes „Finde den Fehler!“

 

In solchen Momenten wünsche ich mir eine ganz einfache Übung: Setzt euch mal eine Augenbinde auf, liebe Leute, und fahrt eine Runde Bus. Dann reden wir weiter.

 

Ja, es gibt auch andere Extreme. Übersteuerte, viel zu laute Ansagen, die einen erschrecken wie ein Wecker am Sonntagmorgen. Aber meistens ist es das Gegenteil: so leise, dass man bestenfalls ahnt, dass gerade irgendetwas angesagt wurde. Gestern habe ich wieder einen Fahrer gebeten, die Ansagen einzuschalten. Er tat es – mit einem genervten Schnauben. Und ich bin mir sicher: Kaum war ich draußen, hat er sie wieder abgeschaltet. Zack, weg damit. Aus den Augen, aus dem Sinn?

 

Und das ist es, was mich ärgert. In vielen Bussen fühle ich mich wie eine Bittstellerin. Der Fahrer entscheidet, ob ich mich zurechtfinde oder nicht. Und wenn ich mich beschwere? Dann kommt meistens eine dieser fantastischen Standardantworten vom Verkehrsunternehmen: „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir kümmern uns darum.“ Und dann – Stille. Ironischerweise wie bei ausgeschalteten Ansagen. Mein Appell an euch: Wenn euch auffällt, dass keine Ansagen laufen – sagt was! Auch wenn ihr sehend seid. Denn Barrierefreiheit geht uns alle an. Es sind die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Allzeit gute Fahrt – und dass ihr immer da ankommt, wo ihr eigentlich hinwolltet!

 „Die nächste Haltestelle ist … keine Ahnung?“ – Unterwegs mit unsichtbaren Ansagen Es ist Freitagnachmittag, die Sonne scheint, die Laune ist gut. Meine Tochter und ich haben einen schönen Tag draußen verbracht, und jetzt geht’s nach Hause – Neu-Isenburg, ich komme! Noch schnell umsteigen in Dietzenbach Mitte, dann 20 Minuten Busfahrt. Alles wie immer. Dachte ich.

 

Ich sitze vorne im Bus, der Motor schnurrt, der Frühling duftet durch die halb geöffneten Fenster – aber irgendwas fehlt. Keine Stimme, kein Piepen, keine Ansage. Und ich meine nicht die innere Stimme, die mir sagt: „Du hast vergessen, Brot zu kaufen.“

 

Ich rede natürlich von den Haltestellenansagen. Denen, auf die ich als blinde Frau angewiesen bin. Denn anders als sehende Fahrgäste kann ich nicht mal eben aus dem Fenster schauen, um zu sehen, wo wir gerade sind. Ich verlasse mich auf Technik, auf Barrierefreiheit – und auf ein kleines bisschen Mitdenken von Seiten des Fahrpersonals.

 

Also frage ich den Busfahrer freundlich, ob er bitte die Ansagen einschalten könnte. Keine große Sache, dachte ich. Denkste!

 

„Diese Ansagen stören mich“, sagt er. Wirklich jetzt? Er erklärt mir ganz offen, dass er zehn Stunden täglich im Bus sitzt und sich die Ansagen nicht ständig anhören will. „Das ist echt nervig“, sagt er. Und wenn es nach ihm ginge, wären sie ganz aus – was er natürlich nicht darf, aber er regelt sie einfach so weit runter, dass sie niemand mehr hört. Tja, Problem gelöst. Für ihn. Ich bin ehrlich gesagt kurz sprachlos. Nicht, weil ich es nicht schon erlebt hätte – sondern weil ich es immer wieder erlebe. Also erkläre ich ruhig, dass ich die Ansagen wirklich brauche. Dass ich sonst nicht weiß, wo ich gerade bin. Dass ich nicht ständig andere Fahrgäste oder den Fahrer fragen will. Ich will nicht zur Bittstellerin werden, nur um an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Schon öfter wurde ich einfach vergessen, bin irgendwo rausgekommen, wo ich nicht hinwollte. Das ist nicht nur ärgerlich, das kostet Zeit, Nerven und manchmal auch ein kleines Stück Selbstbestimmung.

 

Der Fahrer hört zu – so halb. Ich merke: Verständnis klingt anders.

 

Mir fällt eine Beschwerde ein, die ich mal gehört habe. Fahrgäste hätten sich darüber beklagt, dass die Ansagen sie beim Zeitunglesen stören. Ja, wirklich! Die gute alte Zeitung, bedroht durch eine Durchsage wie: „Nächste Haltestelle: Musterstraße.“ Man stelle sich den Lärm vor! Jetzt also Busfahrer, die sich in ihrer Arbeitsruhe gestört fühlen. Ich kann nicht anders – in meinem Kopf blinkt ein großes, fettes „Finde den Fehler!“

 

In solchen Momenten wünsche ich mir eine ganz einfache Übung: Setzt euch mal eine Augenbinde auf, liebe Leute, und fahrt eine Runde Bus. Dann reden wir weiter.

 

Ja, es gibt auch andere Extreme. Übersteuerte, viel zu laute Ansagen, die einen erschrecken wie ein Wecker am Sonntagmorgen. Aber meistens ist es das Gegenteil: so leise, dass man bestenfalls ahnt, dass gerade irgendetwas angesagt wurde. Gestern habe ich wieder einen Fahrer gebeten, die Ansagen einzuschalten. Er tat es – mit einem genervten Schnauben. Und ich bin mir sicher: Kaum war ich draußen, hat er sie wieder abgeschaltet. Zack, weg damit. Aus den Augen, aus dem Sinn?

 

Und das ist es, was mich ärgert. In vielen Bussen fühle ich mich wie eine Bittstellerin. Der Fahrer entscheidet, ob ich mich zurechtfinde oder nicht. Und wenn ich mich beschwere? Dann kommt meistens eine dieser fantastischen Standardantworten vom Verkehrsunternehmen: „Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir kümmern uns darum.“ Und dann – Stille. Ironischerweise wie bei ausgeschalteten Ansagen.

 

Deshalb mein Appell: Wenn euch auffällt, dass keine Ansagen laufen – sagt was! Auch wenn ihr sehend seid. Denn Barrierefreiheit geht uns alle an. Es sind die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen.

  In diesem Sinne: Allzeit gute Fahrt – und dass ihr immer da ankommt, wo ihr eigentlich hinwolltet!  

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Schienenersatz trifft Personalmangel

Mittwoch, 8:00 Uhr. Eigentlich sollte ich längst im Blumenladen sein. Dort wartet ein vorbestellter Strauß auf mich. Ein Abschiedsgeschenk für eine Mitarbeiterin, die heute ihren letzten Arbeitstag in der Blindenselbsthilfe hat. Aber heute bin ich eben später dran. Sei’s drum.

 

Also los. Doch wo zum Kuckuck ist der Eingang des Blumenladens? Normalerweise stehen Pflanzen davor, aber heute – Fehlanzeige. Vermutlich, weil es noch früh ist. Ich laufe also elegant vorbei. Und weiter. Und weiter. Da ist die Tankstelle. – Moment mal, das war definitiv zu weit! Kommando zurück.

 

Irgendwann finde ich den Laden, aber nicht die Tür. Ich klopfe an die Scheibe, aber niemand nimmt Notiz von mir. Großartig. Und das ausgerechnet jetzt, wo ich Zeitdruck habe! Also Plan B: Ich rufe meinen Gärtner an, der sich tapfer durchtelefoniert, bis endlich jemand aus dem Laden auftaucht und mich von der Straße einsammelt. Zum Glück habe ich den Strauß vorbestellt – also nur noch bezahlen und weg hier.

 

Die Mitarbeiterin hilft mir noch über die Straße, weil die Ampel für blinde Menschen nicht nutzbar ist. Leider fehlen mir genau 20 Sekunden, um den Bus zu erwischen. Tja, der ist weg. Gut, dann eben ein Cappuccino in der Bäckerei – draußen in der Kälte eine halbe Stunde zu warten, ist keine Option.

 

Mit 30 Minuten Verspätung komme ich in der Blindenselbsthilfe an, überreiche den Strauß und erledige noch ein paar Dinge. Dann geht’s weiter ins Frankfurter Nordend. Normalerweise nehme ich die U-Bahn und steige in die Linie 36 um, aber heute nicht – Bauarbeiten. Also einmal mitten in die Stadt rein und dann wieder raus.

 

Doch damit nicht genug: Wegen Personalmangels endet meine U-Bahn an der Konstablerwache, also wieder umsteigen. Nach einer weiteren Stunde Verspätung erreiche ich endlich mein Ziel. Kaum erledigt, was zu erledigen war, entscheide ich: Zurück zur Blindenselbsthilfe.

 

Wieder U-Bahn, wieder Konstablerwache. Aber als ich auf dem Bahnsteig ankomme: Chaos. Keine Durchsagen, keine akustischen Infos, nichts. Ein freundlicher Mensch informiert mich, dass die U-Bahnen nicht fahren. Na wunderbar. Ein Mitarbeiter der VGF klärt uns auf: Schienenersatzverkehr mit Taxis. Abfahrt irgendwo zwischen Hauptwache und Eschenheimer Tor. Sehr präzise.

 

Also nach oben. Wo bitte sind diese Taxis? Keiner weiß es. Wir auch nicht. Angeblich haben sie gelbe Fähnchen, aber wenn man eines sieht, ist es schon voll. Meine Begleiterin und ich sind gut zu Fuß und marschieren zum Eschenheimer Tor – in der Hoffnung, dort weniger Chaos vorzufinden. Falsch gedacht. Die gleiche Idee hatten noch hundert andere Leute.

 

Nach einiger Drängelei schafft es meine Begleiterin, für mich einen Platz in einem Taxi zu ergattern. Allein hätte ich keine Chance gehabt – hier gilt das Gesetz „Wer zuerst kommt, fährt zuerst“. An meiner Station Fritz-Tarnow-Straße angekommen, frage ich den Fahrer, wo genau er hält. Seine Antwort? Schwammig mit ausländischem Akzent. Egal, raus hier.

 

Erst einmal horchen. Da! Die akustische Ampel für blinde Menschen! Jetzt weiß ich, wo ich bin. Noch fünf Minuten Fußweg, dann bin ich da. Ich bin heute schon genug gelaufen, also nehme ich den Fahrstuhl. Doch der hat andere Pläne. Stromausfall. Natürlich. Also Treppen.

 

Drei Stunden später ist der Strom zurück. Die U-Bahnen? Noch immer nicht. Einige blinde Kollegen, die zu einer Veranstaltung wollten, mussten unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Ohne Strom, keine U-Bahn.

 

Ich will nur noch heim. An der U-Bahn-Haltestelle dieselbe Frage: Wo fährt der Schienenersatzverkehr ab? Keine Ahnung. Und kaum jemand hier, den ich fragen könnte. Irgendwann ruft eine Frau von der Seite: „Die U-Bahn fährt nicht!“ Ah ja, danke für den Hinweis, das hatte ich noch nicht bemerkt.

 

Aber Glück im Unglück: Für mich und einen anderen Herrn wird ein Bus aufgehalten. Drinnen erfahre ich, dass er nicht nach Frankfurt Süd fährt, sondern irgendwo endet – an einem Ort, den ich nicht kenne. Also an der Miquel-Adickes-Allee raus und hoffen, dass mich ein Schinenersatztaxi mitnimmt.

 

Zusammen mit einer anderen gestrandeten Mitfahrerin schaffe ich es tatsächlich, ein Taxi nach Frankfurt Süd zu ergattern. Dort angekommen – na klar – ist mein Bus nach Neu-Isenburg längst weg. Der nächste kommt in einer Stunde. Also S-Bahn.

 

Ab 20:00 Uhr fährt in Neu-Isenburg kein Stadtbus mehr, dafür gibt es den „KVG-Hopper“ – ein Sammeltaxi, das man über eine App bestellen muss. Die App ist nicht barrierefrei. Natürlich nicht. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als auf gut Glück in die S-Bahn zu steigen.

 

In Neu-Isenburg angekommen, reicht es mir endgültig. 13 Stunden unterwegs. Keine Lust mehr. Ich rufe ein Taxi und lasse mich heimfahren.

  An solchen Tagen habe ich volles Verständnis für Autofahrer, die sich weigern, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Nur sind diese für blinde Menschen, die wie ich allein unterwegs sind, alternativlos. Zum Glück ist nicht jeder Tag so ein logistischer Albtraum wie dieser Mittwoch.

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4 wirksame Tipps einen Blinden zu stressen – Teil 6

Vier wirksame Tipps einen Blinden zu stressen Teil 6 

Zunächst mal vielen Dank an all diejenigen von Euch, die die Serie 4 wirksame Tipps einen Blinden zu stressen  seit dem ersten Beitrag begleiten, und die mir immer wieder Anregungen für weitere Beiträge geben. 

Diesmal möchte ich mich dem Thema Flugreisen widmen. Rund um Flugzeuge, Flughäfen und Sicherheitskontrolle gibt es viele Möglichkeiten den Stresspegel eines Blinden so richtig nach oben zu treiben. 

 

Sie buchen einen Flug für einen Blinden? Dann können Sie aus dem Vollen schöpfen. Melden Sie ihn als Fahrgast an, der einen Rollstuhl benötigt. Am besten bestellen Sie das gesamte Programm inklusive Sonderbus zum Flugzeug, Hebebühne und was der Flughafen für schwerstbehinderte Reisende her gibt. 

Sie arbeiten beim Begleitservice für Hilfesuchende? Prima, dann gibt es für Sie einige Möglichkeiten. Grundsätzlich sollten Sie den Blinden in einen Rollstuhl nötigen. Wenn er widerspricht, drohen Sie damit, dass Sie ihn stehen lassen, oder sagen Sie, dass das Vorschrift sei. Bei der Sicherheitskontrolle legen Sie den Blindenstock zum Handgepäck, und lassen den Blinden vorlaufen. Es reicht aus, wenn Sie so was sagen, wie „Laufen Sie mal weiter“, oder „Dort müssen Sie hin“. Zwischendurch dürfen Sie den Blinden auch mal vor sich her schieben. 

Sie arbeiten am Checkin, Pass- oder Sicherheitskontrolle? Dann gilt für Sie als Grundregel, dass Sie den Blinden nicht ansprechen. Ihre Kommunikation läuft über seine Begleitperson ab. Das darf auch jemand vom Begleitservice sein. Diese sehende Person bekommt auch Bordkarte, Reisepass usw. von Ihnen ausgehändigt. Die Königsdisziplin ist hier die möglichst nonverbale Kommunikation. 

Vierwirksame Tipps einen Blinden zu stressen https://lydiaswelt.com/2019/04/19/4-wirksame-tips-einen-blinden-zu-stressen/Kommen wir zu den Flugbegleitern. Blinde haben am Fenster zu sitzen, damit sie im Notfall normale Reisende nicht behindern. Lassen Sie keine Argumente gelten, wie dass der Blinde dann nicht mit Ihnen komunizieren kann, oder dass er beim Aufstehen über anderer Fahrgäste Beine steigen muss. Wenn Sie am Blinden vorbei laufen, bewegen Sie sich möglichst geräuscharm. Bei einer Mahlzeit stellen Sie dem Blinden das Tablett einfach auf den Tisch und gehen weiter. Soll er doch sehen, wie er zurecht kommt. 

Wie immer erhebt dieser Beitrag keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr soll er Ihre Phantasie anregen. 

 

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DHLPackstation, für Blinde gibts hier nix zu holen

Es ist Mitte Januar. Das ist die Zeit, wo ich über Pflanzen nachdenke, die ich evtl. am Fenster ziehen möchte. Also stöbere ich im barrierefrei bedienbaren Onlineshop meines Vertrauens, und lasse mich dazu hinreißen ein paar Kräuterpflanzen zu bestellen.

Als sie zugestellt werden, bin ich nicht zuhause. Normalerweise werden Pakete bei Nachbarn abgegeben, oder ich bekomme eine E-Mail, dass ich sie in einer Filiale von DHL abholen muss. Soweit, so gut. Nur diesmal überrascht DHL mich damit, dass meine Bestellung in einer nahegelegenen Packstation liegt.

Packstationen sind der schrecken aller blinden Paketempfänger. Denn sie sind komplett unzugänglich für unseren Personenkreis. Und zum Glück war dieser Kelch bisher an mir vorüber gegangen.

Normalerweise hätte ich jetzt den Versender angeschrieben, ihm mein Problem geschildert, und ihn gebeten eine weitere Zustellung zu veranlassen. Und wenn das nicht geht, dann geht die Ware eben zurück an den Versender. Aber so etwas dauert. Es ist Donnerstagabend, und in dem Paket sind Pflanzen. Ich kenne die Temperatur der Packstation nicht, und draußen ist es bitter kalt. Also stelle ich mich der Herausforderung. Ich mag es nicht, wenn Pflanzen erfrieren.

Ich finde heraus, dass die Packstation zum Isenburg Zentrum gehört. Und ich stelle fest, dass sie im Warmen ist. Okay, das ist noch mal gut gegangen. Eine sehende Begleitung, die mir heute helfen kann, treibe ich so kurzfristig nicht auf.

Ich stelle mich in der Nähe der Packstation auf, und spreche Passanten an. Die meisten davon können mir nicht helfen. Endlich treffe ich auf einen Herrn, der selbst etwas aus der Packstation holen muss. Auch für ihn ist es das erste Mal.

Er liest auf dem Bildschirm, dass man diesen berühren muss, um zu starten. Anschließend muss man den Code, den man in der E-Mail oder Paketschein hat, scannen. Dabei ist sogar ein Geräusch zu hören. Anschließend soll man Vor- und Nachname über den Touchscreen eingeben. Damit hat der Mann Schwierigkeiten, weil die Tastatur sehr träge reagiert. Nach einem Klick auf weiter, muss man mit dem Finger auf dem Bildschirm unterschreiben und das über einen #Schalter bestätigen. Auf dem Bildschirm wird die Meldung ausgegeben, dass man jetzt sein Paket aus dem Fach entnehmen soll. Fächer gibt es ganz Viele. Also sollte man möglichst alle im Blick behalten. Ich denke, dass wir beide eine gute Viertelstunde damit beschäftigt waren, bis wir beide Sendungen aus der Packstation befreit haben.

DHLPackstationen verfügen über keine Sprachausgabe. Damit haben blinde Menschen keine Chance ihr Paket eigenständig rauszuholen. Dabei ist es technisch sicher kein Hexenwerk dafür zu sorgen, dass blinde und auch lesebehinderte Personen die Geräte bedienen können. Bei vielen Geldautomaten geht es doch auch. Wie sind Eure Erfahrungen mit Packstationen? Habt ihr, speziell meine blinden Leser, eine Möglichkeit gefunden damit zurecht zu kommen? Schreibt es gern in die Kommentare.