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Wie schütze ich mich wirksam vor blinden Menschen?

Das Titelbild zeigt Kadir in einem schwarzen Sakko mit weißem Hemd.

Moderne Kommunikationstechnik erleichtert vielen Menschen das Leben; doch zuweilen werden auch Personen ausgeschlossen, welche auf diese Möglichkeiten angewiesen sind: blinde und sehbehinderte Menschen. Wie diese Menschen sich das Internet zunutze machen, ist schnell erklärt:

Mittels so genannter Screenreader, also Programme, die den Inhalt eines Bildschirms auslesen und z. B. über eine Sprachausgabe oder Braillezeile ausgeben, können sie Texte schnell erfassen. Das Internet spielt für sie bei der Informationsbeschaffung eine nicht unerhebliche Rolle.

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Allgemein Bildung

Bloggen als blinde Schreiberin 

Das Titelbild zeigt einen Laptop mit Braillezeile, mit meinen Fingern lese ich darauf den Text.

Meine Beiträge der letzten Monate beinhalteten im Großen und Ganzen eine Art Bedienungsanleitung für Blinde Menschen. Ich habe beschrieben wie ich blind koche, Wäsche wasche, Geld auseinander halte oder am Computer arbeite.

Ich bin weder eine Supersportlerin, Eine beruflich besonders erfolgreiche Frau oder eine sonstige Berühmtheit. Und auch als Supermummy kann ich mich ebenfalls nicht bezeichnen. Ich bin quasi die Frau von Nebenan. Zur Zeit Hausfrau und Mutter von zwei normal sehenden Teenagern, die ich großziehen darf. Außer der Tatsache, dass ich blind bin, gibt es zwischen mir und anderen Müttern von Teenagern ganz viele Gemeinsamkeiten, die das Leben mit Beruf, Alltag und Kindern mit sich bringt. Auch meine arabische Herkunft ist in der heutigen Zeit nichts Besonderes mehr. Es ist eben eine meiner vielen Eigenschaften.

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Blind beim EMS-Training

Bild: Lydia auf dem Crosstrainer, neben ihr steht Christian.

Anfang 2017 besuchte ich Christian in seinem neu eröffneten EMS-Studio. Bis dahin wusste ich absolut nicht, was mich dort erwarten würde. Ich hatte nur die Information, dass ich nichts mitzubringen brauchte. Außer Sportschuhen oder Antirutschsocken. Den Rest würde es dort geben. Die Kommunikation fand per E-Mail statt, was mich positiv überrascht hat. Christian bot mir sogar an mich an der Straßenbahnhaltestelle abzuholen. Ich brauchte also keinen Weg suchen und konnte ganz entspannt hinfahren.
Heute schreibt Christian bei mir einen Gastbeitrag über EMS-Training und seine Erfahrungen mit mir beim Probetraining.
Vorab eine kurze Info, EMS steht für Elektro-Myo-Stimulation. Myo ist griechisch, heißt Muskel. Okay, dann hätte man es auch gleich Elektro-Muskel-Stimulation nennen können, aber das Andere klingt erst mal interessanter 😉

„Mein Name ist Christian Rüttger, ich betreibe seit Dezember 2016 ein EMS Studio von ’25 Minutes‘ in Sachsenhausen. Als ich den Artikel bei Facebook von Lydia gelesen habe, in dem sie ihre ‚Schwierigkeiten‘ mit einem konventionellen Fitnessstudio beschrieb, dachte ich ‚lass es uns doch mal versuchen‘. Dazu gilt zu erwähnen, dass wir uns theoretisch seit dem Kindergarten kennen…. theoretisch…. Mädchen waren damals doch eher uninteressant. 😉
Ich habe Lydia zum Probetraining eingeladen. Das ist bei uns generell kostenfrei. Dass ich sie an der Straßenbahn abgeholt habe, war so ziemlich die einzige Sonderbehandlung gegenüber anderen Kunden. Denn der Rest funktionierte, wie mit jedem anderen Kunden auch. Aufklärungsgespräch, Umziehen (man benötigt spezielle Unterwäsche dafür, die es bei uns kostenfrei gibt fürs Probetraining), dann wird die EMS Weste angezogen und alle Elektroden verkabelt (das Anbringen der Elektroden übernahmen wir, machen wir allerdings ohnehin bei jedem Kunden) und dann ab ans Gerät.
Am EMS Gerät hat dann Yves übernommen, Yves ist einer meiner Trainer. Der Kunde wird angeschlossen und wir drehen die Regler langsam so hoch, dass es zwar intensiv- aber nicht unangenehm wird. Sobald das geschehen ist, machen wir gymnastische Übungen. Okay, hier kommt noch eine ‚Ausnahme‘ dazu, normalerweise machen wir die Übungen nur vor und korrigieren die Kunden dann verbal, in dem Fall haben wir weniger vorgemacht und mehr erklärt. Etwas ungewohnt, aber auch nur kurz. Einen kleinen Lacher hatten wir dann, als Yves zu Lydia sagte ’so und jetzt stell dich mal hin, wie ein Skispringer beim Absprung‘ und Lydia dann erwiderte ‚aber ich weiß nicht, wie ein Skispringer steht‘. 🙂 Wie gesagt, es war auch für uns etwas Neues.

Lydia mit angeschlossenem EMS-Anzug, neben mir steht Yves und erklärt mir eine Übung.
Lydia mit angeschlossenem EMS-Anzug, neben mir steht Yves und erklärt mir eine Übung.

Das Bild zeigt mich mit angeschlossenem EMS-Anzug, neben mir steht Yves und erklärt mir eine Übung.

Das Probetraining dauerte nur 15 Minuten, wir wollen ja am Anfang nicht übertreiben. Das Besondere bei EMS ist, dass man in (normal) 20 Minuten den ganzen Körper trainiert, denn egal welche Übungen man macht (Beispiel Bizeps Curls, also den Arm anwinkeln und die Faust Richtung Schulter zieht, alles ohne Gewichte also sehr gelenkschonend), man trainiert immer alle 8 Hauptmuskelgruppen (Beine, Po, Bauch, Brust, Arme, 3 x Rücken) gleichzeitig. In nur 20 Minuten hat man also ein Ganzkörpertraining. Besonders geeignet ist das für Kunden mit Rückenschmerzen, da wir hier die Tiefenmuskulatur stärken, an die man mit konventionellen Fitnessgeräten nur schwer heran kommt. Aber auch Schwangerschaftsrückbildung, Abnehmen, allgemeine Fitness sind Gründe, warum man bei uns trainieren kann. Oder eben auch manchmal, wenn man woanders nicht ‚herein gelassen‘ wird.
Alle unsere Trainings finden mit Personal EMS Trainer statt, dabei ist es uns auch egal, ob jemand sehen kann oder nicht, Hauptsache er/sie hört zu und befolgt die Traineranweisungen.
Lydia war dann eine Woche später nochmal zum Cardio-EMS Training bei uns, hierbei wird man auch an ein EMS Gerät angeschlossen und läuft 20 Minuten auf dem Crosstrainer. Durch die Elektrostimulation ist das ungefähr so intensiv, wie 60-90 Minuten auf dem Laufband und so geschafft sind die Kunden meistens auch danach. Lydia hat die 20 Minuten äußerst tapfer durchgestanden und darf natürlich sehr gerne wieder kommen. Für alle nicht Binden unter Euch, versteht sich von selbst, dass ich Lydia beim zweiten Mal nicht mehr von der Haltestelle abholen musste. Diese Fähigkeit sich so etwas so dermaßen genau einzuprägen, ist etwas, das für Lydia völlig normal, für mich jedoch äußerst bewundernswert ist.
Leider ist der Weg mit den ‚Öffentlichen‘ von Lydia zu mir ins Studio (trotz der guten Anbindung) relativ lang: 40 Min einfach für 20 Min Training, aber natürlich freuen wir uns, wenn sie jetzt öfter zu uns kommt.
Eine Zusatzbelastung für unser Team (ich bin ehrlich, im Vorfeld war ich auch etwas unsicher, wie gut das Ganze funktioniert und ob es denn ein hoher, zusätzlicher Aufwand für das Team ist …. ) entsteht definitiv NICHT, und wenn wir unsere Sinne (in dem Fall den verbalen) schärfen können indem wir die Übungen deutlich und klar erklären, schadet uns das ja auch nicht. Im Gegenteil.
Pro Gleichbehandlung!
In diesem Sinne,
sportliche Grüße aus der Textorstraße.
Christian

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Allgemein Alltag

Wie erkennen Blinde Geld?

Auf dem Foto bin ich in einem Fachgeschäft für Handarbeit zu sehen. Ich habemeine linke Hand über den Ladentisch gestreckt, und jemand legt mir Wechselgeld hinein. Den Blindenstock habe ich unter den rechten Arm geklemmt.

Ich bin leidenschaftliche Strickerin. Dabei kann ich mich entspannen, besser konzentrieren oder einfach nur die Hände beschäftigt halten. Und wenn ich dann im Handarbeitsladen meines Vertrauens gehen und mir Anregungen holen kann, dann ist der Tag gerettet. Da ich nicht wie ein normal sehender in einer Zeitschrift für Handarbeit schmökern kann, liebe ich es mit der Ladeninhaberin zu quatschen, mir Anregungen zu holen oder mir anzusehen was sie gerade in Arbeit hat.

Eigentlich hatte ich heute nicht vor etwas Neues zukaufen, bevor ich die Wolle aus meinem strickkorb verarbeitet habe. Aber die Wolle hier ist einfach zu schön. Die muss ich mitnehmen. Also Den Geldbeutel aus der Tasche geholt, und das Geld über den Tisch geschoben.

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Allgemein Alltag Haushalt

Blind in der Küche, Teil 2

Auf dem Bild bin ich vor meinem Herd mit Ceranfeld zu sehen. Auf der linken hinteren Kochplatte steht eine Pfanne mit Kartoffeln. Davor ein Brett, auf dem ich mit einem Messer Gemüse Schneide. Rechts von mir ein Teller mit Fleisch. Darauf liegt ein Pfannenwänder.  

Kochen, backen, braten.

Über die Voraussetzungen in meiner Küche habe ich bereits geschrieben. Heute möchte ich auf die heißen Angelegenheiten eingehen. Denn auch blinde können kochen. Und dass nicht nur hin und wieder vor Wut.

Für diejenigen, die befürchten, dass ich mir regelmäßig die Finger an der heißen Herdplatte verbrenne. Ja, auch das ist mir schon mal passiert. Nämlich aus derselben Unachtsamkeit wie bei einem nicht blinden auch. Doch ist es nicht der Normalfall.

Ich arbeite mit einem handelsüblichen Elektroherd. Die einzige Besonderheit, auf die ich großen Wert lege, ist, dass er pro Herdplatte einen Drehregler hat, der bei den einzelnen Strichen auch fühlbar einrastet. Andernfalls hätte ich mir fühlbare Punkte an den Herd kleben müssen, um diese gezielt ansteuern zu können. Auch der Regler meines Backofens rastet ein. So kann ich schnell zwischen Heißluft, Oberhitze und oder Unterhitze wählen. Nur der Drehregler für die Temperatur rastet nicht ein. Ich habe mir von einer sehenden Hilfe erklären lassen wie die Regler stehen müssen, um eine bestimmte Temperatur einzustellen. Fühlbare Markierungen habe ich mir nicht anbringen lassen. Anfangs aus Faulheit. Und irgendwann habe ich für meinen Backofen ein Gefühl entwickelt. Und jetzt brauche ich keine Markierungen mehr.

Wichtig bei Haushaltsgeräten ist, dass sie entweder fühlbare Markierungen haben, oder Regler, die bei bestimmten Einstellungen fühlbar einrasten. Bei meiner Spülmaschine habe ich beispielsweise einen Ein- und Ausschalter. Wenn die Maschine an ist, so ist der Knopf reingedrückt. Und wenn er hervorsteht, dann ist sie aus. Für die Programme habe ich jeweils einen eigenen Knopf, so dass ich das entsprechende Programm direkt auswählen kann. Früher hatte ich eine Spülmaschine mit einem Drehregler für die einzelnen Programme. Das fand ich noch besser zu bedienen. Drehregler habe ich auch bei meiner Mikrowelle. Nämlich einen für die Zeiteinstellung, und einen für die Leistung. Damit bin ich zufrieden.

Ich liebe mein Zeranfeld. Eine Frage, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht ist, wie ich es schaffe den ‚Topf oder die Pfanne genau auf die Kochplatte zu platzieren. Denn diese ist nicht fühlbar. Nun, das war für mich eine reine Übungssache. Anfangs habe ich die Hand um den Topf herumgeführt, um das anhand der Wärme zu kontrollieren. Inzwischen brauche ich das nicht mehr. Es geht buchstäblich im Blindflug.

Wenn ich Nudelwasser oder andere Flüssigkeiten erhitze, höre ich wie weit diese sind. Wenn Flüssigkeiten zu kochen beginnen, blubbern sie. Wie lange meine Nudeln, Kartoffeln oder Reis kochen stelle ich mittels einer Stoppuhr fest, oder koche auch mal nach Zeitgefühl. Bei Milch nutze ich gern einen Milchwächter. Sobald die Milch kocht, beginnt dieser im Topf zu klappern. Das hat für mich den Vorteil, dass ich nebenbei etwas anderes tun kann, anstatt neben der Milch zu wachen, damit sie mir nicht überkocht. Muss ich etwas einrühren, wie z. B. Puddingpulver, Grieß oder Mehl, dann kann ich mit dem Schneebesen oder Kochlöffel fühlen wie Flüssig oder dickflüssig mein Essen geworden ist.

Ähnlich mache ich es beim Braten in der Pfanne. Sowohl Butter oder Margarine, als auch Öl verursachen ein Geräusch, wenn sie heiß werden. Ich höre also sofort wann ich mein bratgut in die Pfanne geben muss. Außerdem riecht heißes Fett, so dass ich es auch kontrollieren kann, wenn ich nebenbei Musik höre. Handelt es sich um größeres Bratgut, wie Schnitzel oder Steak, kontrolliere ich über Geruch und Geräusch ob es gar ist. Auch mein Zeitgefühl und langjährige Erfahrung helfen mir sehr. Muss das Fleisch oder Gemüse gewendet werden, so nehme ich am liebsten einen möglichst breiten und flachen Pfannenwender. Und wenn ich mir unsicher bin, ob das Bratgut drauf bleibt, nehme ich auch mal einen oder zwei Finger zu Hilfe, um es auszubalancieren. Ich bin es gewohnt auch mal heiße Dinge anzufassen. Ich weiß wie man dies tut, ohne sich gleich zu verbrennen.

Seit ich Kinder habe, habe ich mich daran gewöhnt hauptsächlich auf den hinteren Platten zu kochen. Und im Endeffekt empfinde ich es als bequemer. Im vorderen Bereich habe ich dann meine Arbeits- oder Abstellfläche. So kann ich etwas zerkleinern und direkt in die Pfanne oder den Topf geben ohne versehendlich auf den Boden zu kleckern. Denn so etwas wie den Boden wischen ist für mich zeitaufwändiger als für jemand sehendes. Und auch aus Gründen der Sauberkeit gieße ich Nudeln oder Kartoffeln über dem Spülbecken ab.

Kommen wir zum Backofen. Hier mache ich es nicht anders als normal sehende. Auflaufform oder Backform rein, fertig. Gut, ich sehe nicht wie weit mein Kuchen ist. Dafür weiß ich wie es riechen muss. Ansonsten gibt es noch den Trick mit der Gabel, die man hinein sticht. Bleibt noch etwas Teig daran hängen, so bleibt auch der Kuchen noch ein bisschen im Backofen. Ich nutze das gern als Endkontrolle. Den Rest machen meine Erfahrung und mein Zeitgefühl für mich. Ich stelle mir selten eine Stoppuhr. Das mache ich nur, wenn ich weiß, dass ich etwas außerhalb der Küche mache, während mein Kuchen backt. Bevor ich die form aus dem Backofen nehme, sorge ich dafür, dass Platz auf meinem Zeranfeld ist. Ich bevorzuge Backformen aus Silikon. Wenn ich den Kuchen später daraus stürze, kann ich durch die Form erfühlen wie weit sich der ‚Teig daraus gelöst hat.

Es gibt blinde, die so gut wie gar nichts in der Küche machen, und andere, die wesentlich mehr können als ich. Und hier bin ich der festen Überzeugung, dass das bei Nichtblinden genauso ist. Nur dass ein Sehender sich hauptsächlich auf die Optik verlässt, während ich meine anderen Sinne einsetze, um dasselbe Ergebnis zu erzielen.

Ich bin sicher, dass bei dem einen oder anderen weitere fragen zu dieser Thematik aufgekommen sind. Nur zu, wenn Ihr diese stellen mögt. Ich werde diese gern in meinen nächsten Beiträgen beantworten.