Mein Gastkind aus Palästina – Teil 3

Inzwischen ist Amal seit fünf Wochen bei uns. Seitdem hat sich einiges getan. Sie hat gelernt sich selbst zu beschäftigen, wenn ich am Schreibtisch sitze, oder anderen Tätigkeiten nachgehe. Auch hat sie sich so weit in unserem Haushalt eingelebt, dass sie weiß wo sie was suchen muss. Einmal in der Woche spielt sie Showdown, was ihr großen Spaß macht. Und ein bis zweimal in der Woche Fahren wir nach Frankfurt, um dort mit anderen blinden und sehbehinderten Menschen zu töpfern, Kaffee zu trinken und Spaß zu haben.
In der vergangenen Woche habe ich gemeinsam mit ihr Kartoffeln geschält. Dabei habe ich ihr einen Sparschäler in die Hand gedrückt, und ihr den Umgang damit erklärt. Das passiert am besten, indem ich mir selbst jeden einzelnen Schritt vergegenwärtige, und diesen in Worte fasse. Und natürlich ist Anfassen erlaubt. Wenn ich also den Sparschäler in der rechten Hand halte, und die Kartoffel mit der linken drehe, kann ich mit dem rechten Daumen die Richtung kontrollieren, und gleichzeitig fühlen wie ich diesen führen muss. Das funktioniert auch bei Äpfeln oder anderem runden Gemüse oder Obst. Nachdem sie den Dreh raus hatte, ging das immer schneller. Nachdem sie die Kartoffeln noch gesäubert und kleingeschnitten hat, habe ich daraus Bratkartoffeln gemacht. Der Umgang mit einem Messer war ihr bereits geläufig.
Eine weitere Lektion war das richtige Säubern von Arbeitsflächen. Was so banal klingt, besteht faktisch aus mehreren Schritten. Ich muss erst mal Platz schaffen, die Fläche richtig sauber machen, abtrocknen, und anschließend die Gegenstände wieder an ihren Platz stellen. Am besten funktioniert das, wenn man systematisch arbeitet.
Gestern haben wir uns sogar an den Herd getraut. Da sie noch keine Erfahrung mit meinem Elektroherd gemacht hat, musste sie erst mal lernen wie ein Ceranfeld funktioniert, wie man das Teil bedient, und wie man erkennt welche Platten an oder aus sind. Im nächsten Schritt haben wir gemeinsam Rühreier gemacht. Dazu gehört das fett richtig zu dosieren. Ich habe ihr gezeigt, dass man hören kann, wenn das Fett heiß genug ist, wie man das vorbereitete Ei unfallfrei in die Pfanne gibt, und wie man den Garzustand erkennt. Das werden wir in den nächsten Wochen immer wieder üben, damit sich diese Kenntnisse festigen können.
Auch das Erlernen der deutschen Sprache macht Fortschritte. Sie versteht vieles. Inzwischen geht es darum die Sprache auch zu nutzen. Sie kann inzwischen etwas beim Bäcker bestellen, oder um etwas Bitten. Auch Begrüßung und Abschiedsformeln sitzen. Ich ermutige sie zum Sprechen, indem ich ihr mit einzelnen Worten aushelfe, wenn ihr diese fehlen. Gestern hat sie sogar auf Deutsch Domino gespielt. Auch einfache Fragen aus dem Alltag gehen inzwischen.
Was ihre Mobilität angeht, so hat sie inzwischen mehrere Trainingsstunden bekommen, und traut sich auch mal alleine zu laufen. Jetzt geht es darum, dass sie mehr Sicherheit bei der Orientierung bekommt. Daran werden wir in den nächsten Wochen arbeiten.
Eine ganz tolle Nachricht hat mich Mitte dieser Woche erreicht. Nämlich dass sie Anfang März einen Termin für eine augenärztliche Untersuchung hat. Das hat eine Leserin meines Blogs möglich gemacht. Danke dafür. Ich bin gespannt was dabei rauskommt.

Ein ganz dickes Dankeschön geht auch an diejenigen, die meine Beiträge mein Gastkind aus Palästina und mein Gastkind aus Palästina – Teil 2 so fleißig geteilt haben. Auf diese Weise habe ich nicht nur eine Menge Leser erreicht, sondern es sind mit Stand von heute mehr als 500 € auf dem Spendenpool eingegangen, den ich für Amal eingerichtet habe. Wenn ihr Besuch in Deutschland beendet ist, werde ich für die Leser und Spender aufschlüsseln wofür ich dieses Geld verwendet habe.

Und jetzt freue ich mich auf Eure Kommentare zum Beitrag.

7 Antworten auf “Mein Gastkind aus Palästina – Teil 3”

  1. Ich finde es schade, dass Amal viele lebenspraktische Fähigkeiten erst jetzt lernt und freue mich, dass sie so bereitwillig alles lernt.
    Vor Jahrzehnten gab es in Marburg einen blinden Südamerikaner, der seine Nachbarn im Studentenwohnheim bat, für ihn ein Brot zu schmieren. Das hat damals vor allem die anderen Blinden sehr belustigt. Der arme Kerl!

    Gefällt 1 Person

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