Bezahlte Hilfe oder soziales Umfeld

Ich bin ein großer Freund davon, dass sich Menschen mit Behinderung Tätigkeiten, die sie selbst nicht erledigen können, von einer bezahlten Assistenz durchführen lassen. Dies möchte ich gern an einem Beispiel veranschaulichen.

Vor allem mich als blinde Mutter hat das Thema beschäftigt, als meine Kinder noch zu jung waren, um alleine ins Schwimmbad oder auf die Kirmes zu gehen. Gepaart mit meinem eigenen Respekt vor Wasser wollte ich es nicht verantworten mit ihnen alleine schwimmen zu gehen. Es gibt blinde Eltern, die das hinkriegen. Ich selbst habe mich das lange nicht getraut. Solche Aufgaben habe ich am liebsten mit sehender Begleitung gemacht. Aber woher nehmen? Nicht immer klappt es, dass man sich mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder verabreden kann.

Ich weiß noch, dass meine Kinder sich eine ganze Woche lang darauf gefreut hatten am kommenden Samstag schwimmen zu gehen. Eine Dame aus meinem sozialen Umfeld hatte angeboten uns zu begleiten. Und so hatten wir uns an dem Tag nichts vorgenommen, hatte ich Proviant vorbereitet und die Sachen der Kinder vorbereitet. Wir wollten uns um 14:30 Uhr bei uns zu Hause treffen und gemeinsam zum Schwimmbad fahren.

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Grosskampftag, 3 Stunden bis zum Bus

Das Foto zeigt mich vor einer Sonnenuhr.

Ich werde oft gefragt wer mir den Haushalt macht oder ob meine Kinder mir viel helfen. Daher habe ich mal über einen Morgen eines Großkampftags geschrieben. Vor allem die Eltern unter Euch können anschließend selbst beurteilen inwieweit sich Euer Alltag von meinem Unterscheidet, und wie viel wir gemeinsam haben.

Halb sieben Uhr morgens. Normalerweise hätte ich noch etwas Zeit, bis mein Tagewerk beginnt. Aber nicht an diesem Tag. Mein Sohn Grillt heute mit seiner Klasse und hat sich verpflichtet einen Kuskussalat mitzubringen. Und wer bereitet diesen zu? Mama natürlich. Und weil der frisch sein muss, passiert das früh morgens. Denn heute Vormittag habe ich versprochen einen Workshop zu halten. Im Klartext: die nächsten drei Stunden werden sicher nicht langweilig werden.

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Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 7

Ich stehe vor einer Gruppe Sechstklässler und erzähle den interessierten Schülern einiges zum Thema Blindheit. Ein Mädchen meldet sich und fragt ob meine Kinder auch blind sind. Nein, sind sie nicht. Und dann kommt die bereits vorprogrammierte Frage: „Die helfen doch bestimmt viel mit“. Ich beantworte die Frage mit einer Gegenfrage, obwohl man das nicht machen sollte. Ich schaue in die Runde und frage „Wer muss von Euch zuhause mithelfen?“ Die meisten melden sich. Auf die Frage nach den Aufgaben, die die Kinder im Haushalt erledigen müssen, melden sich eine Reihe von Kindern mit Tätigkeiten wie Staubsaugen, Aufräumen, Spülmaschine ausräumen usw. Und jetzt erkläre ich den Kindern, dass meine Kinder ähnliche Aufgaben haben wie sie selbst. Denn in erster Linie bin ich Mutter, und verhalte mich so wie Mütter sich eben verhalten, deren Kinder Pflichten haben. Meine Kinder müssen jedoch nicht meine Blindheit ausgleichen.

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Blinde Eltern, sehende Kinder, Teil 6. Wenn die Kita Ferien hat.

Was tun, wenn die Kita Ferien hat?

Mein Sohn war vier und meine Tochter fast sechs Jahre alt, als sich für uns zum ersten Mal die Frage stellte: Was tun während der Ferien? Vor Allem während der Sommerferien hatte der Kindergarten drei lange Wochen zu.

Aktivitäten wie Schwimmbad traute ich mir damals noch nicht alleine zu. Meine Kinder konnten noch nicht schwimmen, und ich bin ohnehin nicht so wirklich eine Wasserratte. Und bei der Geräuschkulisse habe ich keine Chance zwei bewegungsfreudige Kinder im Getümmel wiederzufinden. Zuhause bleiben war aber auch keine Alternative. Das wollte und konnte ich uns nicht antun.

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Elternassistenz in Österreich

Jakob Putz ist sehbehindert, seine Frau blind. Ihre Kinder sind normal sehend. Auf seinem Blog schreibt er über unterschiedliche Themen rund um Sehbehinderung und Elternschaft.

Heute schreibt er einen Gastbeitrag zum Thema Elternassistenz in Österreich.
Elternassistenz in Österreich
Zum besseren Verständnis, was oder wer ist Österreich? Ein Nachbarstaat von Deutschland, der – von den Einwohnern her – 2/3 von Bayern hat.
Diese Größe – und das muss doch jeder verstehen, verlangt es, das man dieses Ländchen in neun Regionen teilt. Wäre nicht weiter tragisch, würde diese Tatsache nicht heißen, dass die Behindertengesetzgebung für den Privatbereich jedes dieser neun Regionen für sich selbst regelt. So bekommt man als blinder oder sehbehinderter Mensch in der Steiermark persönliche Assistenz in Form von Persönlichem Budget, in Wien, ist man sehbehindert oder blind, nicht.

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