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Allgemein blinde Eltern unterwegs

Tipps zum sparsamen Packen

Wenn man mit dem Auto reist, kann man so viel mitnehmen, wie in das Fahrzeug hineinpasst. Im Extremfall nehmen Urlauber ihren halben Hausrat mit auf die Reise. Doch wenn man wie ich meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, fällt jeder Gegenstand buchstäblich ins Gewicht.
Koffer gibt es in allen Größen, Formen und Ausstattungen. Aber alle zusammen haben den Nachteil, dass sie eine Hand blockieren, die damit beschäftigt ist den Koffer zu ziehen, zu schieben oder einfach nur festzuhalten. Und im Zug, Bus oder am Urlaubsort ist nicht immer ausreichend Platz vorhanden, um den Koffer zu verstauen.
Daher reise ich nur dann mit einem Koffer, wenn ich wirklich länger unterwegs bin. Auch Reisetaschen kommen für mich nicht in Frage. Diese werden einseitig getragen, was auf längeren Wegstrecken ziemlich schmerzhaft werden kann. Erst recht, wenn man mit der anderen Hand den Blindenlangstock benutzt.
Für den typischen Wochenendausflug oder das Wochenendseminar reicht mir ein guter Rucksack aus. Dieser bietet mir einige Vorteile. Zum einen ist der Platz beschränkt, so dass ich nicht zu viele unnötige Dinge mitnehmen kann, zum zweiten ist ein Rucksack besser zu handhaben, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist. Er passt auch mal unter meinen Sitz, so dass ich ihn direkt in meiner Nähe habe. Und für mich als Nutzerin eines Blindenlangstocks hat es noch den Vorteil, dass ich trotz Stock in der rechten Hand, eine Hand frei habe. Das macht Sinn, wenn man die Tür eines Bahnabteils öffnet oder einen Kaffeebecher in der Hand hält.
Ein großes Thema sind die Kleidungsstücke, die man mitnehmen möchte. Erst recht, wenn nicht klar ist, auf welche Wetterlage man sich einstellen soll. Für solche Fälle liebe ich das Zwiebelprinzip. Kurzärmliche Oberteile, und langärmelige Oberteile oder Jacken zum Drüberziehen. Wenn ich dann Röcke oder Hosen auswähle, mit denen ich mehrere Oberteile kombinieren kann, spart das Platz.
Ein weiteres großes Thema sind Kosmetika und Artikel zur Körperpflege. Die großen Flaschen nehmen nur unnötig Platz weg. Den Bedarf für ein paar Tage kann man in kleine Reisegrößen umfüllen, die man in einer kleinen Tasche oder  Gefrierbeutel verstaut. Wer sich die Arbeit nicht machen möchte, für den halten Drogerien entsprechende Produkte bereit. Auf diese Weise verfahre ich auch mit Medikamenten. Wenn ich nur vier Tage lang unterwegs bin, brauche ich nicht die ganze Packung mitzunehmen. Es gibt kleine Behälter für Tabletten zu kaufen, in denen man seinen Bedarf an Medikamenten für ein paar Tage verstauen kann. Auch die Mitnahme von Handtüchern und Bettwäsche ist unnötig. Entweder wird das von der Unterkunft gestellt, oder ist gegen eine Leihgebühr vor Ort zu bekommen, auf diese Weise lässt sich Platz und Gewicht einsparen.
Es ist lästig, wenn man erst den Rucksack vom Rücken nehmen muss, um an seinen Geldbeutel oder andere wichtige Dinge zu kommen. Diese Dinge verstaue ich gern direkt am Körper, in einer Hosentasche oder in der Jacke, alternativ geht auch eine Bauchtasche. Diese gibt es in allen möglichen Varianten. Das bietet mir den Vorteil, dass ich alles Wichtige sofort greifbar habe. Denn etwas suchen, wenn man gerade Zeitdruck hat, ist eine Art von Stress, den ich nicht haben möchte.
Als meine Kinder jünger waren, bin ich mit einem großen Koffer gereist. Denn da passte alles rein, was wir für den Urlaub brauchten. Dabei war es für mich wichtig, dass der Koffer so gepackt war, dass er von alleine stehen blieb, wenn ich ihn mal los ließ. Außerdem klärte ich ab, ob es am Urlaubsziel eine Waschmaschine gab. Auch das hilft dabei die Kleidermenge zu reduzieren. Alternativ hatte ich ein Reisewaschmittel dabei. Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft auch mal etwas von Hand zu waschen, und natürlich eine Möglichkeit Wäsche zu trocknen.
Wichtig ist, dass man sein Gepäck gut handhaben kann. Denn sonst könnte es stressig auf der Reise werden.

Das war jetzt mal ein bisschen was aus meinem Erfahrungsschatz. Habt Ihr noch weitere Tipps für platzsparendes Packen? Dann schreibt sie in die Kommentare.

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Allgemein blinde Eltern unterwegs

Kreuzfahrtanbieter diskriminiert blinde Fahrgäste

In diesem Jahr wollten wir eine andere Form von Urlaub ausprobieren, nämlich eine Woche Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer. Der Anbieter Costa Cruises wirbt damit, dass blinde Menschen mit dem Merkzeichen B eine Begleitperson kostenlos mitnehmen dürfen. Für diese Begleitung entstehen lediglich die Transfer- und flugkosten. Entsprechend wurden wir an der Hotline von einem Mitarbeiter beraten. Wir buchten für uns Erwachsene mit jeweils einem Kind als Begleitperson. Die Kinder waren zum Zeitpunkt siebzehneinhalb und fast 19 Jahre alt.
Vier Tage später kam die Ernüchterung. Unser Sohn wurde nicht als Begleitperson akzeptiert, da er noch nicht volljährig ist. Der Reiseanbieter verlangte von uns eine volljährige Begleitperson für jeden Blinden mitzunehmen, oder die Reise zu verschieben, bis unser Sohn volljährig sein wird.
Ich habe über einen Zeitraum von einer Woche mehrere E-Mails geschrieben, um die Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen. Danach habe ich die Reise storniert.
Costa Cruises verlangt für blinde, gehörlose und gehbehinderte Reisende eine volljährige und gesunde Begleitperson. Diese muss mit dem behinderten Gast gemeinsam in einer barrierefreien Kabine reisen. Der Anbieter begründet das wie folgt: Im Fall einer medizinischen Notausschiffung muss die Begleitperson in der Lage sein für den behinderten Reisenden die entsprechenden Dokumente zu unterzeichnen. Hier ein Einblick in die Reisebedingungen für Menschen mit Behinderung bei
Costa Cruises.

Welche Hilfe brauchen mein Mann und ich?

  • Hilfe beim Erlernen neuer Wegstrecken
  • Hilfe beim Zusammenstellen der Mahlzeit auf einem Büfett.
  • Hilfe beim Lesen von Aushängen.
  • Hilfe bei der Orientierung auf neuen Wegstrecken.

Bei diesen Aufgaben handelt die Begleitperson nach meinen Anweisungen. Sie trägt also keinerlei Verantwortung, die eine Volljährigkeit voraussetzt.
Meine Kinder mussten bisher noch nie Dokumente für meinen Mann und mich unterschreiben. Dürfen sie auch nicht. Es sei denn, sie haben eine entsprechende Vollmacht von uns. Ich brauche weder eine Betreuung, noch eine Pflegekraft. Ich brauche lediglich hin und wieder jemanden, der mir quasi ein Auge leiht.

Blinde werden diskriminiert.

Bei mir sind es nur die Augen, die nicht funktionieren. Ich weiß was ich kann, und wo meine Grenzen sind. Ich habe eine sichtbare Sinnesbehinderung, daher empfinde ich es als Diskriminierung, wenn mich der Reiseanbieter auf dieselbe Stufe stellt, wie ein minderjähriges Kind. Bei Senioren wird doch auch nicht gefragt, ob diese körperlich in guter Verfassung sind. Und was ist mit Passagieren, die ihre Erkrankung nicht angeben? Was ist mit Passagieren, die aufgrund von Alkohol- oder dem Einfluss von Medikamenten stehen?

Was ich gern möchte

Ich möchte gern an die Öffentlichkeit bringen, dass dieser Reiseanbieter zwar damit wirbt Menschen mit Behinderung mit dem Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis die kostenlose Mitnahme einer Begleitperson zu gewähren, jedoch diese quasi entmündigt. Inklusion sieht anders aus.
Doch nicht nur Costa Cruises legt ein solches Verhalten an den Tag. Auch Der Anbieter TUI Cruises verbietet unserem Personenkreis das Tendern. Das heißt, dass blinde, gehörlose und körperlich eingeschränkte Passagiere an Bord bleiben müssen, wenn an kleineren Häfen angelegt wird, und der Umstieg auf kleinere Boote erforderlich ist. Hier kann man die Bedingungen zum
Landgang für Menschen mit Behinderung nachlesen. Auch hier besteht der Anbieter auf eine volljährige Begleitperson in der barrierefreien Kabine. Trotz mehrfacher Versuche den Anbieter zum Umdenken zu bewegen erweist auch er sich als hartnäckig lernresistent.

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Allgemein Sport und Freizeit unterwegs

Blind heißt nicht gleich Rollstuhl

Bild: Lydia am Flughafen. Im Hintergrund ist eine Anzeigetafel.

Februar 2015, kurz vor Mitternacht. Gemeinsam mit einem sehenden Bekannten befinde ich mich auf dem Flughafen in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Wir haben an der Arab. Episkopal School für blinde Lehrer und Schüler ein Seminar zum Thema „Umgang mit dem Blindenstock möglich gemacht und befinden uns auf dem Heimweg.
Als wir die Sicherheitskontrollen passieren wollen, wird mein Handgepäck kontrolliert. Dabei sprechen die beiden Mitarbeiter die ganze Zeit mit meinem Begleiter. Dieser spricht deutsch und ein bisschen englisch, während ich auch arabisch spreche. Auch wenn es mir nicht schmeckt übergangen zu werden lasse ich es geschehen. Schließlich war es ein langer Tag. Und ich will einfach nur noch im Flieger sitzen und nach Hause. Und ein bisschen ist es ja auch amüsant den Beiden zuzuhören wie sie mit meinem Begleiter in einer Mischung aus Arabisch und Englisch sprechen, und er sich mit ebenso ein bisschen englisch zu verständigen versucht. Also alles im grünen Bereich.
Plötzlich hält ein Mitarbeiter meine Braillezeile hoch und fragt was das sei. Mein Begleiter versucht dem völlig unwissenden Mann die Funktion dieses Geräts zu erklären, scheitert aber kläglich an der Sprachbarriere. Böses ahnend greife ich zu, um mein Gerät festzuhalten. Dabei versuche ich mir auf Arabisch Gehör zu verschaffen, werde jedoch komplett ignoriert. Langsam bekomme ich Panik. Dem Mann ist das längliche Gerät im Metallgehäuse suspekt. Und ich habe Angst, dass man es mir wegnimmt. Nachdem mein Begleiter sich nicht verständlich mitteilen kann, und man mir keine Aufmerksamkeit schenkt, werde ich laut. Und zwar so, dass man mich auf jeden Fall hört. Ich fordere die beiden Mitarbeiter auf mit mir zu sprechen, oder einen Dolmetscher für meinen nur deutsch sprechenden Kollegen zu organisieren. Denn nur so sei eine Verständigung möglich. Ich spreche arabisch, mein Kollege nicht.
Erst wird es still. Ich kann förmlich hören wie bei den beiden der Groschen fällt. Und dann sagt einer in höflichstem Ton: „Entschuldigung, Madame.“ Okay, das hätten wir also geklärt. Auf seine Frage nach der Funktion der Braillezeile erkläre ich ihm, dass das ein Gerät sei, das mir die Schrift auf dem Computer in Brailleschrift ausgibt. Da ich meinen Laptop dabei habe, biete ich an das vorzuführen. Aber die beiden geben sich mit der Erklärung zufrieden. Sie fragen ob sie noch was für uns tun können. Und da wir in Paris umsteigen, bitte ich um eine Assistenz, die uns beim Umstieg helfen kann. Ich betone, dass wir keinen Rollstuhl, sondern lediglich eine ortskundige Begleitung brauchen, welche Deutsch, arabisch oder englisch spricht. Mein Kollege versteht zwar auch Französisch, ich aber nicht. Und dieses Beispiel eben hat mir gezeigt, dass ich verstehen möchte worüber gerade gesprochen wird.
Ich denke, dass die beiden mich anfangs nicht für voll genommen haben. Da mein Begleiter um einiges älter ist, und ich auch noch blind, dachten die wohl, dass er für mich blinde und hilflose Reisende die Verantwortung trägt. So erkläre ich mir die anfängliche Ignoranz. Erst recht in einer Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung nicht als gleichwertig akzeptiert. Wäre ich mit einem meiner Kinder geflogen, hätte man sich erst mal mit diesem unterhalten. Denn meist wird einem sehenden Kind mehr zugetraut als einem blinden Erwachsenen. Als blinde Mutter stehen mir hier genau zwei Optionen zur Verfügung: entweder lebe ich damit und akzeptiere das anstandslos, oder habe gelernt mein Gegenüber ins Bild darüber zu setzen wer hier für wen die Verantwortung trägt.

Weiter auf dieser Reise. Als wir in Paris aus dem Flugzeug steigen, werden wir von zwei Mitarbeitern empfangen. Diese haben jeweils einen Rollstuhl dabei und fordern uns beide auf Platz zu nehmen. Wir beide wollen es nicht, und tun es auch nicht. Und zwar aus Prinzip. Wenn Ich einen Rollstuhl wünsche, dann meine ich das auch so. Und ebenso auch, wenn ich keinen brauche. Außerdem fühle ich mich so, als würde ich die Einstellung „Blind braucht immer einen Rollstuhl“ unterstützen. Und das fühlt sich für mich absolut falsch an. Abgesehen davon bin ich froh nach dem langen Sitzen im Flieger ein bisschen laufen zu können.
Wenn man als Blinder ohne Begleitung fliegt, ist der Rollstuhl ein großes Thema. Ich mache es so, dass ich im Reisebüro meines Vertrauens angebe, dass ich Assistenz benötige. Dabei geht es um den Weg zum Flieger und bei der Ankunft durch die Abfertigung. Und ganz gleich wie oft ich angebe, dass ich ihn nicht benötige, wird mir in 90 Prozent aller Fälle ein Rollstuhl angeboten oder direkt schon mitgebracht. Meist endet es damit, dass der Rollstuhl geschoben wird, während ich mit dem Mitarbeiter laufe. Ich habe aber auch schon erleben müssen, dass eine Mitarbeiterin am Frankfurter Flughafen 1995 mir den Rollstuhl regelrecht aufnötigte. Sie erklärte mir rundweg, dass sie mich nur im Rollstuhl transportieren würde oder gar nicht. Damals hatte ich noch nicht das Geschick mich zu wehren. Und aus Angst stehen gelassen zu werden habe ich mich eben in diesen Rollstuhl gesetzt. Heute würde ich es einfach darauf ankommen lassen. Denn es gibt kein Gesetz, welches vorschreibt, das Blinde ausschließlich im Rollstuhl zu transportieren sind.
Also, liebe Leserinnen und Leser, blinde sind blind. Das heißt, dass sie kaum oder gar nichts mehr sehen. Sie sind aber durchaus in der Lage zu laufen. Es sei denn, sie haben eine Gehbehinderung. Man kann also davon ausgehen, dass ein blinder mit einer Gehbehinderung seine eigenen Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Gehhilfen dabei hat oder diese anfordern würde.
Als blinde Frau brauche ich eine Begleitung auf dem Flughafen, weil das Gelände weitläufig und unübersichtlich ist, und weil es mir einfach fremd ist. Ich brauche somit eine ortskundige Hilfe und nicht mehr. Gehen kann ich selbst. Da ich weiß, dass Mensch mit Behinderung gleich mit Rollstuhl assoziiert wird, gebe ich jedes Mal an, dass ich ausdrücklich keinen Rollstuhl wünsche. Bisher konnte mir allerdings niemand erklären wo im Informationsfluss diese Info verloren gegangen ist.

Diesen Beitrag möchte ich mit einer positiven Erfahrung beenden, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Im Sommer 1998 flog ich über Rom nach Jordanien. Nach der Landung in Rom wurde ich direkt von einem Begleiter am Flieger abgeholt, in ein Auto gepackt und auf kürzestem Weg in den Wartebereich gefahren. Auf dem Weg vom Auto dorthin bot mir mein Begleiter sofort den Arm an und lief ganz normal mit mir. Im Wartebereich kam sofort eine deutsch sprechende Mitarbeiterin auf mich zu und erklärte mir, dass ich hier warten würde, und sie mich dann abholen würde. Zwischendurch kam jemand nachsehen ob alles in Ordnung sei. Als es Zeit wurde, holte eine Mitarbeiterin mich und zwei jugendliche Reisende mit einem Elektroauto ab und brachte uns zum Flieger. Dort übergab sie mich der Flugbegleiterin, die mich zu meinem Platz führte und mir im Schnelldurchlauf alles erklärte.

In meinen Beiträgen schreibe ich viel über die Themen, die das Zusammenleben blinder und normal sehender Menschen beschäftigen und prägen. Damit möchte ich ein besseres Miteinander erreichen. Denn als hoffnungsloser Optimist glaube ich an das Missverständnis, welches ausgeräumt werden möchte. Und je mehr meine Beiträge lesen, desto mehr fruchtet vielleicht meine Aufklärungsarbeit.

Wenn Euch meine Beiträge zusagen, freue ich mich über das eine oder andere Like, oder auch den ein oder anderen Follower. Denn das Schreiben macht mehr Spaß, wenn der Leserkreis immer größer wird.

Und jetzt noch etwas zur Blogreise. Welches Wort meine ich? Ich, du, er, sie, es, …., ihr sie.

Eltern mit Behinderung
Eltern mit Behinderung

Mehr Infos dazu findet ihr bei Wheelymum. den Beitrag der letzten Woche gab es bei Mamapremiere und kommende Woche ist Staublos an der Reihe.