Auf dem Weg zur Augenklinik

Heute wird es persönlich. Denn die letzten Wochen waren durch viel Unsicherheit und Bangen geprägt.

Da war meine DIMEK-Operation, die seit dem Sommer geplant war. Dazu sollte die innerste Schicht der Hornhaut transplantiert werden, weil diese nicht mehr arbeitete. Das äußerte sich dadurch, dass die Hornhaut jede Menge Wasser angesammelt hat, und immer trüber wurde. Die Operation sollte diesen Zustand wieder beheben. Und wie immer gab es keinerlei Garantie. Und dann war noch dieses Warten auf ein passendes Transplantat.
Anfang Dezember kam dann der Anruf, dass ich mich in der folgenden Woche in die Augenklinik begeben sollte, da das Transplantat gefunden war. Und auf einmal hieß es Termine verschieben, Absagen und alles rund um diesen Zeitraum umorganisieren.
Nach der OP wollte das Transplantat noch nicht arbeiten. Das dauerte erst mal einige Wochen, bis wir erste Erfolge sehen konnten. Die eine Hälfte liegt an, die Andere muss noch mal mit einer Gabe von Luft angedrückt werden. Dazu muss ich noch mal in die Augenklinik, die 300 km von meiner Heimatstadt entfernt liegt. Hoffen wir, dass das gut klappt.
Und da war noch mein Gastkind aus Palästina. Ich hatte die junge Frau bereits im Herbst eingeladen. In die Zeit fiel auch der ganze Papierkrieg, der mit der Ausländerbehörde und anderen Stellen erledigt werden sollte. Anfang Januar bekam ich den Bescheid, dass Amal uns besuchen darf. Einen Tag vor ihrer Ankunft entschied die Augenklinik, dass noch mal am Auge nachoperiert werden muss. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich anders geplant. Außerdem hatte ich eine Woche später ein viertägiges Seminar. Das hieß erst mal Lösungen für diese Zeit finden.
Zum Glück habe ich gute Freunde, die dafür sorgen, dass es Amal in dieser Zeit gut geht. Ich habe Nachbarn, auf die ich zählen kann. Und ich habe 2 wunderbare Kinder, die mir nach ihren Möglichkeiten helfen.
Da ich nicht weiß wie es mir nach der Augen OP gehen wird, hilft mir dieses Wissen sehr. Denn ich weiß, dass der Laden auch mal ein paar Tage lang ohne mich läuft. Ich habe zwar das Meiste vorab organisiert, aber auch die unvorhergesehenen Ereignisse wollen gemeistert werden.
Dennoch ist es ein seltsames Gefühl. Während ich mich auf dem Weg in die Augenklinik befinde, kreisen meine Gedanken um meine Familie. Vom Kopf her weiß ich, dass alles gut gehen wird, und dass ich mich auf die bevorstehende Augen OP konzentrieren sollte. Aber da sind trotzdem die Gedanken und Gefühle, die sich nicht abstellen lassen. Einmal Mama, immer Mama. Auch wenn ich weiß, dass die Kinder erwachsen und selbständig genug sind, um mit außergewöhnlichen Situationen umgehen zu können, und auch wenn ich weiß, dass ihr Vater auch noch da ist. Und auch wenn ich weiß, dass ich jetzt und hier aus der Ferne nicht viel tun kann.

In solchen Momenten wünsche ich mir so etwas wie einen Zeitumkehrer. Dann könnte ich wie Hermine bei Harry Potter zwischen den einzelnen Ereignissen hin und her springen oder so ähnlich. Aber so was gibt es noch nicht. Und wer weiß wofür das gut ist.

3 Antworten auf “Auf dem Weg zur Augenklinik”

  1. Liebe Lydia,
    Seit wenigen Tagen lese ich deinen Blog, auf den ich zufällig auf Facebook gestoßen bin. Ich muss zugeben, dass ich in meinem Leben über viele deiner Situationen vorher noch nie nachgedacht habe und diese mich immer wieder zum nachdenken anregen! Es fasziniert mich, wie du all die Hindernisse meisterst und bin mir sicher, dass du auch jetzt alles perfekt organisiert hast!

    Ich drücke dir die Daumen,
    Liebe Grüße aus Sprendlingen
    Hannah

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Lydia,

    So etwas ist wirklich ein elender Mist. Man kann ja so ein Auge auch nicht unendlich oft operieren. Ich hoffe, wünsche und glaube, dass alles gut gehen wird.

    Das mit der Entfernung ist ein großes Problem. Es ist ja schon mal gut, wenn Du Deine Familie kennst, und wenn von dieser Seite alles normal klappen sollte.

    Ich meine halt. Hoffentlich triffst Du auf gut geschultes Personal in der Klinig. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man ganz schön absaufen kann in unseren maroden Gesundheitssystem.

    Wer bringt einen wo hin, wird man richtig von den Ärzten informiert, findet man alles.

    Ich habe diesbezüglich überhaupt keine Erfahrung. Ich war noch nie im Krankenhaus, außer als Kind.

    Du kennst aber das ganze schon. Von daher wirst Du das mit Deiner Power gut schaffen, dass der Aufenthalt nicht zum Überlebenstraining werden muss, sondern in erster Linie wirklich der Heilung dienen wird.

    Alles Gute…

    Gefällt 2 Personen

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