Meine Anforderungen an eine Haushaltshilfe

Welche Anforderungen ich als blinde Mutter an eine Haushaltshilfe habe, erzähle ich auf meinem Blog.

Saubermachen ist für mich persönlich eine Aufgabe, die ich gern abgebe. Denn ich brauche das Vielfache an Zeit dazu. In einem späteren Beitrag werde ich darauf eingehen wie ich ohne zu sehen putze.

Die richtige Haushaltshilfe zu finden empfinde ich als große Herausforderung. Neben denselben Anforderungen, die eine normal sehende Person an eine Haushaltshilfe hat, kommen bei mir noch einige andere, die mit meiner Sehbehinderung zu tun haben. Ich möchte versuchen meine Wünsche vor allem normal sehenden Lesern anhand einiger Beispiele zu veranschaulichen.

Kommunikation in einer mir geläufigen Sprache

Für mich heißt das, dass meine Haushaltshilfe ausreichend Deutsch spricht, um sich mit mir über die Aufgaben unterhalten zu können. Es reicht nicht aus, dass sie mir zeigt, dass eine bestimmte Sache getan werden muss. Sie sollte in der Lage sein das in Worten auszudrücken. Denn mit Gestik und Mimik kommen wir bei meiner Sehbehinderung nicht weiter.

Vor gut 20 Jahren hatte mir eine türkische Nachbarin eine Putzhilfe vermittelt, die mich wöchentlich für 2 Stunden unterstützte. Das Problem war nur, dass sie so gut wie kein Deutsch sprach, und meine Kenntnisse der türkischen Sprache sich auf Begrüßung und dreieinhalb weitere Sätze beschränkte. Wenn es also etwas mitzuteilen gab, war ich auf die Hilfe meiner Nachbarin angewiesen. Inklusive Interpretationsfaktor bei der Übersetzung war das ziemlich anstrengend. Daher hielt das Ganze nur einige Wochen. Ich denke, wir hatten das beide einfach unterschätzt.

Eigenständiges Arbeiten.

Da ich der Haushaltshilfe nicht sagen kann wo genau geputzt werden muss, ist es wichtig, dass sie eigenständig arbeitet. Es gibt zwar gewisse Dinge, die jedes Mal drankommen, wie das Wischen der Fußböden. Sie sollte aber auch selbst sehen, wenn es irgendwo noch was zu tun gibt. Nur weil ich sie nicht sehe, heißt es noch lange nicht, dass ich Spinnweben in meiner Wohnung haben möchte. Und nur weil ich den Staub auf Bildern, die an der Wand hängen, erst fühle, wenn ich direkt hin fasse, heißt das noch lange nicht, dass ich diesen unbedingt behalten möchte.

Ein böses Erwachen gab es für mich, als ich feststellen musste, dass eine Haushaltshilfe Monatelang keinen staub über Kopfhöhe gewischt hatte. Auf meine Nachfrage hin erklärte sie mir, dass ich ihr das hätte sagen sollen.

In meinem Haushalt zählt meine Ordnung

Wie in den meisten Haushalten normal sehender Bewohner habe auch ich meine Ordnung. Nur so lässt sich der Haushalt gut führen. Problematisch wird es, wenn eine Schere, ein Haushaltsgerät oder ein anderer Gegenstand nicht an seinem Platz liegt. Eine normal sehende Person erfasst mit wenigen Blicken, ob das gesuchte Stück woanders liegt. Ich muss systematisch danach suchen, was mich Zeit und Nerven kostet.

Eine meiner Putzhilfen hatte die Angewohnheit Dinge, die sie bei der Arbeit störten, einfach woanders hinzustellen, oder in eine Schublade zu stecken. Leider vergaß sie anschließend alles wieder an den ursprünglichen Platz zu räumen. Es dauerte Wochen, bis ich dahinterkam, dass die Computerspiele meiner Tochter in einer Schublade steckten.

Es ist kein Ding etwas wegzuräumen, um an dieser Stelle vernünftig sauber machen zu können. Wichtig ist, dass am Ende alles wieder an seinem Platz ist. Im Zeitalter von Smartphones kann man sich im Zweifel ein Foto vom Ursprungszustand machen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Allerdings sollte man der blinden Person erklären, warum man jetzt gerade ein Foto machen möchte.

Eine Putzhilfe legte mir alles, was sie nicht mehr zuordnen konnte, an einen bestimmten Platz. Dazu gehörten auch Dinge, die sich irgendwo auf dem Fußboden oder wo auch immer während des Putzens fanden. Ich konnte die Sachen dann später sortieren und an ihren Platz stellen. Auch das ist eine Lösung, mit der ich gut leben kann.

Putzeimer aus dem Weg stellen

Mir ist wichtig, dass ich mich in meiner Wohnung bewegen kann, ohne mitten im Raum über einen liegengelassenen Staubsauger, eine Trittleiter oder einen vollen Putzeimer zu stolpern. Wenn ich arbeite, dann weiß ich wohin ich meine Arbeitsutensilien lege. Dennoch stelle ich diese gern irgendwo an den Rand. Denn wie schnell hat man das vergessen. Gerade wenn man verschiedene Dinge zeitgleich erledigt. Und wer schon mal die Erfahrung gemacht hat 5 l Wasser vom Boden aufzuwischen, der wird mir sicher Recht geben.

Eine meiner Putzhilfen hatte die Angewohnheit ihren vollen Putzeimer mitten im Weg stehenzulassen. Auch wenn sie sich in einem anderen Raum aufhielt. Obwohl ich ihr sagte, dass ich den Eimer nicht sehen kann, behielt sie diese Angewohnheit bei. Und irgendwann waren sowohl der Fußboden als auch ich nass.

Bitte keine Erziehungsratschläge

So manche Putzhilfe wollte mir erklären was meine Kinder alles machen sollten, weil ich das nicht sehe. Meine Kinder müssen nicht meine Sehbehinderung kompensieren. Und ich entscheide als Elternteil was sie dürfen, müssen oder nicht. Genauso wie ein Elternteil ohne Behinderung es auch tun würde. Eine Haushaltshilfe hilft, wie das Wort bereits sagt, im Haushalt, und nicht bei der Erziehung. Meine Kinder hatten bereits so viele selbst ernannte Miterzieher, dass man damit einen ganzen Kindergarten hätte betreuen können.

Fettnäpfchen

Zum guten Schluss möchte ich noch ein paar Fettnäpfchen ansprechen, die man doch vermeiden sollte.

Eine Haushaltshilfe erklärte mir mehrmals pro Treffen, dass ich nicht sehen könne. Echt jetzt? Blinde Menschen wissen selbst, dass sie dieses oder jenes nicht sehen können. Auch ohne dass man sie daran erinnert.

„Warum hilft Ihnen Ihre Familie nicht im Haushalt“, ist eine ebenso beliebte Frage. Nun, mir geht es hier wie normal sehenden Leuten auch. Wer möchte schon gern ein Familienmitglied als Haushaltshilfe haben? Jemanden, den ich bezahle, erbringt eine fest definierte Dienstleistung. Und das ist mir wichtig. Für ein gewisses Maß an Lebensqualität brauche ich die Distanz zwischen mir als Arbeitgeber und der Haushaltshilfe als Arbeitnehmer. Familie ist mir da zu emotionsgeladen. Und es gefährdet nur die Beziehung zueinander. Ich bevorzuge eine strikte Trennung.

Natürlich erhebt diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Außerdem geht es hier um meine persönliche Meinung. Im Zweifel hilft es miteinander zu reden. Und zwar auf Augenhöhe.

Und jetzt bin ich auf einen Erfahrungsaustausch in den Kommentaren gespannt.

Autor: lydiaswelt

Blinde Mutter sehender Kinder mit arabischem Hintergrund

11 Kommentare zu „Meine Anforderungen an eine Haushaltshilfe“

  1. Ich bin zwar nicht blind, könnte aber vieles unterschreiben! Eigenständigkeit ist das A und O und ich hab echt keine Lust jeden Zentimeter einzeln aufzählen zu müssen… Leider ist das hier immer wieder der Fall. Zum Glück hat sich meine Putzhilfe bisher aus der Erziehung herausgehalten. Sie erzählt von ihren Kindern, wie sie es macht und das ist ok. Sie hat mir aber noch nie gesagt, dass ich etwas falsch mache.
    Ich glaube eine gute Haushaltshilfe ist Gold wert! Mir egal, ob jung oder alt, Mann oder Frau. Aber es sollte alles EIgentständig und gründlich sein 🙂

    LG

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  2. Ich kann Deine Anforderungen an eine Haushaltshilfe absolut verstehen. Wenn ich jemanden dafür bezahle, eine Aufgabe zu übernehmen soll diese Person genau diese Aufgabe übernehmen.
    Dein Blog fasziniert mich und gibt mir immer wieder Einblicke in eine Welt, die doch so anders ist, als die der Sehenden. Gleichzeitig sensibilisiert er mich für den Umgang mit Sehbehinderten, dafür wo Hilfeangebote angemessen sind und wo nicht. Ich habe Dich für den Mystery Blogger Award nominiert und würde mich sehr freuen, wenn Du Lust hast, mitzumachen.
    http://neuesausdermikrowelle.net/2017/09/15/mystery-blogger-award/

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  3. Haushaltshilfe ist nun auch nicht der attraktivste Job. Und das meine ich nicht von der Arbeit her, sondern von den Randbedingungen. (Manchmal denke ich, dass ich lieber putzen gehen würde, als mich mit noch jemandem auf der Arbeit rumzuärgern.) Der Job ist schlecht bezahlt, häufig sind die einzelnen Aufträge nicht groß genug, so dass man von Auftraggeber zu Auftraggeber fahren muss, was zusätzlich Kosten verursacht, viele wollen die Haushaltshilfe nicht anmelden und und und. Somit dürfte die Auswahl derer, mit denen man sich auf dem Niveau, das du dir wünscht, auseinandersetzt, sehr dünn sein. Der Rest sucht sich lieber anderweitige, besser bezahlte Jobs.

    BTW: Selbst im Büro (ich muss dort Leute anleiten) ist selbstständiges Denken und Handeln absolute Glückssache. Da ich niemanden entlassen kann, muss ich lernen mit den Fehlern und Nachlässigkeiten meines Teams zu leben, auch wenn ich selbst manchmal darunter leide (wenn mir die Leute z. B. zuarbeiten müssen und ich ständig deren Fehler korrigieren muss).

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      1. Das geht natürlich nicht sofort, aber du wirst bei deinen vorherigen Putzhilfen auch Methoden entwickelt haben, die es dir ermöglicht hatten, dies irgendwann zu erfahren.

        Mein Einwand war in der Hinsicht, dass die Wahrscheinlichkeit jemand Hochqualifiziertes in dieser Gruppe zu finden, geringer ist, als in anderen Berufsfeldern. Das führt dazu, dass du eben wesentlich länger suchen musst oder mehr bezahlen und eine entsprechend geführte Reinigungsfirma mit höher qualifiziertem Personal arrangieren musst. Dann übernehmen die Schichtleiter die Kontrollfunktion für dich. Aber auch dann werden Fehler passieren.

        Ansonsten las sich dein Beitrag für mich, wie der Wunsch eines jeden Arbeitgebers nach möglichst perfektem Personal, was es nun mal leider nicht ist. Egal ob man als Arbeitgeber blind oder sehend ist. Manchmal muss man Fehler ertragen bzw. die Geduld und das Vertrauen haben, dass sie nach der Ansprache nicht mehr bzw. nicht mehr so oft gemacht werden.

        Gegenfragen: Hattest du Putzhilfen, die gut und lernfähig waren? Die zwar anfangs etwas falsch machten, aber lernfähig waren? Wie lange hat es gedauert, bis ihr euch angeglichen habt? Gab es schon mal jemand richtig Gutes darunter, den du gerne behalten hättest?

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  4. So Lydia, du willst deine Spinnweben nicht behalten. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, bei mir genießen die Insektenfresser Asyl. Das mit dem Staub kann ich gut nachvollzeihen und natürlich auch das einzelne zeigen von Problemen. Natürlich kann man vorweg bestimmte Punkte ansprechen, auf die verstärkt geachtet werden sollte, aber im Details muss die Hilfe schon entscheiden können, wo etwas gereinigt werden muss. Klar, die Verständigung sollte schon verbal möglich sein. Das kenne ich leider gut bei dem einen oder anderen Post-Zusteller, was manchmal frustrierend sein kann.
    Bei Verwandtscahft bin ich etwas anderer Meinung, das hängt aber auch viel von der Persönlichkeit ab, gar nicht so sehr ob sie Verwandt ist oder nicht. Aber dafür gibt es sicher keine allgemeingültige Regel.

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