Warum die Ansagen in Bus und Bahn so wichtig für mich sind.

Das Foto zeigt mich an einer Bushaltestelle.

Frankfurt Konstablerwache. Ich habe meine Tochter zum Zug begleitet und sitze in der S-Bahn Richtung nach Hause. Jetzt steht die Bahn seit ein paar Minuten da und fährt nicht weiter. Um mich herum macht sich Gemurmel breit. Und dann endlich höre ich die Ansage: „Aufgrund eines Wassereinbruchs in der Station Ostendstraße ist die Strecke nur eingleisig befahrbar. Daher verzögert sich unsere Weiterfahrt um voraussichtlich zehn Minuten.“ Okay, alles in Ordnung. Ich weiß jetzt Bescheid und kann entscheiden ob ich in der Bahn sitzen bleibe oder meinen Weg auf andere Weise fortsetze.

An unseren s-Bahnen finde ich gut, dass auch am Bahnsteig angesagt wird welche Bahn als Nächstes einfährt, und wo sie endet. Das ermöglicht es mir ohne fremde Hilfe in den richtigen Zug zu steigen. Anderenfalls muss ich fremde Menschen danach fragen. Es wird vorausgesetzt, dass ich, nur weil ich blind bin, fremden Menschen sofort vertraue. Gut, ich komme damit zurecht. Ich weiß aber, dass es genügend Menschen gibt, die ein Problem damit haben darauf zu vertrauen, dass eine wild fremde Person ihnen die richtige Bahn nennt. Und was, wenn gerade keiner in meiner Nähe auf dem Bahnsteig steht? Ich löse das so, dass ich mich auch schon mal in die Türe stelle und in die Bahn hineinrufe.

Ebenso gut finde ich, dass die Stationen in S- und U-Bahn angesagt werden. Ich kann also entspannt auf meinem Platz sitzen bleiben und abwarten bis ich da bin, ohne ständig fremde Personen Fragen zu müssen. Gerade nach einem langen Arbeitstag ist man nicht unbedingt darauf erpicht in ein Gespräch verwickelt zu werden. Und wenn dann noch angesagt wird auf welcher Seite sich der Ausstieg befindet, dann finde ich es richtig gut. Hier in Frankfurt funktioniert das in der Regel.

Hier in der Gegend bin ich auch viel mit dem Bus unterwegs. Ich weiß, dass es stationsansagen gibt. Ich weiß aber auch, dass die gern mal leise gestellt oder abgeschaltet werden. Und wenn ich dann danach frage, bekomme ich schon mal die Antwort, dass die Ansage kaputt sei. Merkwürdig dabei ist nur, dass die Ansage in vielen Bussen nicht funktioniert, vor allemdann, wenn ich drin sitze. Ich glaube, dass die Busfahrer der meisten Subunternehmer noch lange nicht begriffen haben, dass auch Blinde und Sehbehinderte Fahrgäste im Bus mitfahren.

Ich bin ortskundig, und kann in etwa abschätzen wo ich aussteigen muss. Allerdings kostet es mich mehr Konzentration als meine Mitreisenden. Und es gibt Situationen, wo es auch mal schief gegangen ist.

Das muss etwa 2007 gewesen sein. Es war eiskalt und nachts kurz nach 23.00 Uhr. Ich hatte einen langen und anstrengenden Arbeitstag hinter mir. Also stieg ich in den fast leeren Bus und informierte den Busfahrer darüber, wo ich aussteigen möchte. Denn ich wusste, dass abends hier nie eine Ansage lief. Ich war so unkonzentriert, dass ich nicht auf die Fahrweise des Busses achtete. Die Ernüchterung kam, als er anhielt, und feststellte, dass er mich vergessen hatte. Gravenbruch Endhaltestelle war eine für mich absolut fremde Gegend. Er bot mir an wieder mit ihm zurückzufahren. Das wäre in einer halben Stunde. Aber ich konnte nicht im Bus bleiben, da er jetzt seine vorschriftsmäßige Pause machen wollte. Es war dunkel, es war kalt, und ich einfach nur müde. Und nun stand ich mutterseelenallein in einer Gegend, die ich nicht kannte. Also Plan B. Ich versuchte über die Taxizentrale einen Wagen zu bekommen. Aber ohne Adresse konnten die mir nicht helfen. Und ein Smartphone hatte ich damals noch nicht, dass mir diese hätte ansagen können.

Jetzt wurde es spannend. Denn nachts um halb zwölf hätte ich nicht gewusst wen ich anrufen könnte, der mich hätte aufsammeln können. Also rief ich mal auf unserem Polizeipräsidium an, und fragte nach der Adresse, damit ich ein Taxi dorthin bestellen konnte. Ein Mitarbeiter sagte mir, sie würden mal eben eine Streife vorbeischicken, die mir weiterhilft. Und einige Minuten später hielt ein Auto, und eine Frauenstimme sagte: „Frau Zoubek, hier ist ihr Abholservice“. Ich war selten so glücklich ein Polizeifahrzeug zu sehen. Und ich fand das richtig klasse, dass die Polizei mich nach Hause gefahren hat.

Funktionierende Ansagen im öffentlichen Nahverkehr sind für mich genauso ein Teil von Barrierefreiheit wie für eine Person mit Kinderwagen eine Rampe oder Aufzug. Und jetzt noch etwas an die Adresse der Menschen, die sich dadurch gestört fühlen. Stellt Euch vor, ihr wärt so wie ich blind oder sehbehindert. Und dann denkt mal darüber nach was eben diese Ansagen für Euch bedeuten würden.

Und jetzt lade ich Euch ein über diesen Beitrag zu diskutieren. Und wer meine Meinung teilt, der darf auch meinen Beitrag teilen.

4 Antworten auf “Warum die Ansagen in Bus und Bahn so wichtig für mich sind.”

  1. Das war aber super von den Polizisten! Ist es denn schon mal passiert, dass Dir jemand nicht den richtigen Bus oder Zug sagte, wo Du das Gefühl hattest, er oder sie hat das mit Absicht getan? Man kann natürlich immer an jemanden geraten, der es versehentlich tut, weil er es auch nicht richtig weß, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Blinde da kein Vertrauen haben sollten, weil einen Menschen sie mit Absicht in die Irre schicken.

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    1. Absichtlich wird kaum jemand eine falsche Auskunft geben. Aber es spielt im Ergibnis keine Rolle ob mir die falsche S-Bahnlinie genannt wurde, weil sich derjenige geirrt hatte oder es bewsusst getan hat. Ich habe bei sehenden schon fot genug, dass sie unrichtige Antworten gaben oder mit Gegenfragen antworten. Beispiel: ist das die S21? Antwort: wo wollen Sie denn hin?
      Mag ja sein, dass das nett gemeint ist, aber in solchen Situationen hat oft nicht viel Zeit lange Frage-Antwortspiele zu spielen.
      Oder es wird auch schon gesagt: weiß ich auch nicht. Ob die Leute dann zu faul oder beqeum sind einfach auf die Anzeigen zu schauen, weiß ich nicht. Oder aber man bekommt gar keine Antwort, weil derjenige in Eile ist, oder mit Gedanken oder dem Smartphone so beschäftigt ist, dass er gar nicht merkt, dass er gerade angesprochen wurde. Na ja, und dann sind manche Menschen so schnell an einem vorbei, dass man gar keine Chance hat eine Frage noch anzubringen.

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  2. Es sind im Übrigen nicht nur blinde oder sehbehinderte Fahrgäste die von eine guten Ansage profitieren. Es sind da z. B. diejenigen, die eine Lese-Schwäche haben. Aber auch als Tourist (ob ausländisch oder inländisch) ist man durchaus dankbar, wenn man eine deutliche Ansage hat. Sei es, dass man als ausländischer Tourist die Schriftsprache nicht so gut oder gar nicht lesen kann, oder er mit einem anderen Schriftsystem großgeworden ist. Oder der arme reisende, der seine Brille vergessen hat. Auch der wird froh sein eine Stationsansage oder eine Zielansage zu hören.

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