So beherrsche ich mein Gewürzregal

Lydia steht vor einem Gewürzregal mit unterschiedlichen Behältern

In meiner Küche steht ein Gewürzregal mit allerlei Behältern. Als ich die Beschriftungen noch lesen konnte, habe ich darauf geachtet nur Gewürzbehälter zu kaufen, die eine helle Beschriftung auf dunklem Hintergrund hatten. Denn diese konnte ich noch eigenständig und schnell lesen. Und solange ich die Küche nur alleine benutzt habe, war auch eine gewisse Sortierung gegeben. Seither haben sich einige Dinge geändert. Einmal kann ich diese Beschriftung nicht mehr, oder nur mit großer Anstrengung lesen, und zum zweiten nutzen auch meine Kinder die Küche mit. Und ich war es einfach leid eine Sortierfolge einzuhalten, wenn ich mich sowieso vor dem verwenden eines Gewürz vergewissern musste, dass es auch das war, welches ich haben wollte. Hier mussten also andere Lösungen her.
Einige wenige Gewürze haben einen Behälter mit einer markanten Form. Diesen finde ich auf Anhieb wieder. Sind es zwei oder drei Behälter, so habe ich mir auch schon mal mit unterschiedlichen Markierungen geholfen. Hier bewähren sich Haargummis, oder andere elastische Materialien, die man einfach anbringen kann. Ebenso geht auch mal ein Klebestreifen. Auch diesen gibt es mit unterschiedlich fühlbarer Struktur. Ebenso hält auch der Fachhandel für Blindenhilfsmittel Punkte bereit, die man auf dem Behälter anbringen kann. Allerdings funktioniert das nur bei Behältern, die garantiert nicht mit Wasser in Berührung kommen. Ebenfalls aus dem Fachhandel stammen Markierungsbänder, die sich dadurch unterscheiden, dass sie unterschiedliche Strukturen haben, wie Dreiecke, Vierecke oder Kreise. Diese dürfen auch mal feucht werden, und vertragen auch Temperaturschwankungen zwischen Kühlschrank und Spülmaschine.
Bei Gewürzen, die ich neu im Sortiment habe, scanne ich den Barcode mit dem iPhone ein. Die App greift auf eine Datenbank zu, die mir dann die vorhandenen Infos per Sprachausgabe sagt. Findet die App das Produkt nicht, dann lasse ich mir mit einer anderen App den Text über eine Texterkennung vorlesen. Die entsprechenden Apps habe ich in die iPhone Kamera als Alltagshelfer etwas ausführlicher beschrieben. Damit lässt sich der Einkauf auch ohne fremde Hilfe sortieren. Während ich koche, verwende ich diese Methode nur selten, da mir das nicht schnell genug geht. Erst recht nicht, wenn ich klebrige oder nasse Hände habe. Dafür habe ich eine für mich bessere Lösung gefunden.
Bei den Gewürzen in Behältern, die sich nur optisch unterscheiden, habe ich mich für eine Beschriftung in Braille entschieden. Dafür verwende ich durchsichtiges Dymoband. Dieses wird unter die Beschriftung für normal sehende Nutzer angebracht. Auf diese Art finde ich Gewürze sehr schnell wieder, ohne sie öffnen und daran riechen zu müssen. Das kann bei bestimmten Gewürzen nämlich ziemlich unangenehm werden.
Sind die Behälter leer, fülle ich sie erneut auf. Dadurch spare ich mir das erneute Beschriften. Denn das finde ich etwas zeitaufwändig zu erstellen.
Für die Personen, die noch etwas mehr sehen, könnte man auch mit einer kontrastreichen Beschriftung experimentieren, die größer als die normale Beschriftung ist. Helle, große Schrift auf dunklem Hintergrund wirkt manchmal Wunder.

Die von mir vorgestellten Lösungen können nicht nur auf das Gewürzregal angewandt werden. Auch Putzmittel, Medikamente oder CDs kann man sich auf diese Weise markieren.

Das waren jetzt nur ein paar Lösungsvorschläge. Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Daher bin ich gespannt auf Eure Ideen und Vorschläge.

Tütensuppen und Konserven

Konserven und Tütensuppen

Als meine Kinder jünger waren, habe ich in regelmäßigen Abständen einen Großeinkauf mit einer bezahlten Assistenz gemacht. Und damit meinte ich auch Großeinkauf. Gekauft wurde alles, was ich verwendete, und was sich außerhalb des Kühlschranks über einen längeren Zeitraum halten kann. Also auch Gläser und Konserven. Denn diese im Supermarkt selbst zu suchen war mir bei der Menge, die ich haben wollte, zu zeitaufwändig. Also nutzte ich meine sehende Begleitung inklusive Eigenem Auto hier gnadenlos aus. Manchmal musste ich mich dann auch mal an der Gefriertruhe austoben. Für das Alltagsgeschehen brauchte ich dann nur noch die frischen Dinge wie Obst oder Gemüse usw. einzukaufen.

Nach ein oder zwei Stunden waren wir dann voll bepackt wieder zuhause, Neben dem Verstauen des Einkaufs kam für mich noch dazu, dass ich gemeinsam mit der Assistenz Verpackungen, Konservendosen oder Gläser so sortieren musste, dass ich diese eigenständig gezielt auswählen konnte.

Ein Gack, der immer wieder in Kreisen von blinden Personen rumgeht, erzählt von dem Blinden, der versehentlich das Hundefutter statt der geplanten Erbsensuppe gegessen hat, weil er es nicht lesen konnte. Zum Glück sind blinde Menschen nicht wirklich so unbeholfen, wie das Weltbild nicht blinder Personen es vorschreibt. Es gibt mehrere Möglichkeiten sich selbst zu behelfen.

Verpackungen, Gläser oder Konservendosen haben teilweise unterschiedliche Formen. Manche sind so weich, dass man durch sie den Inhalt erfühlen kann. Andere verursachen ein bestimmtes Geräusch, wenn man sie kurz schüttelt. Wir wollen mal davon ausgehen, dass die Behältnisse dieselbe Form und Größe haben. Und hier stelle ich unterschiedliche Lösungen vor.

Anordnung und Sortierung
Ich kann meine Konserven auf unterschiedliche Regale verteilen, oder so anordnen, dass ich sie später wieder Fine. Das macht Sinn, wenn es sich um wenige verschiedene Behältnisse handelt. Bei uns hat das Katzenfutter einen ganz anderen Platz als die eigenen Lebensmittel. Auch wenn das Katzenfutter eine Markante Form hat.

Markieren
Man kann sich Dosen und Gläser mit einem Gummiband, einer Schnur oder einem anderen Material kennzeichnen. Der Hilfsmittelmarkt bietet Markierungsbänder mit unterschiedlichen Oberflächen aus Gummi an. Diese dürfen sogar mit in die Gefriertruhe, um Gefriergut zu kennzeichnen.

Beschriften
Es gibt mehrere Möglichkeiten ein Behältnis zu beschriften. Wenn man noch etwas sieht, kann man dieses mit einem dicken Stift kennzeichnen. Wer oft die gleichen Dinge kauft, kann sich eine Beschriftung mit Dymoband machen, und dieses mit einem festen Gummi anbringen. Ich beschrifte meine Gewürze mit selbstklebendem Dymoband. Das hält gut. Und wenn der Behälter leer ist, wird er eben wieder aufgefüllt.

Aber auch die Technik hält hier Lösungen bereit. Es gibt kleine Plastikkarten im Checkkartenformat, welche sich mit Hilfe eines kleinen Geräts besprechen lassen. Diese Sprachnotiz kann an der Verpackung befestigt werden und später abgerufen werden.

Produkterkennung über den Barcode
Jedes Produkt ist mit einem Barcode versehen. Dieser lässt sich mit Hilfe eines Barcodescanners auslesen. Der Hilfsmittelmarkt für blinde Kunden hält auch hierfür einige Lösungen bereit. Dazu gehören die Produkterkennungsgerät Woodscan oder Einkaufsfuchs. Die Kosten dafür werden sogar von den meisten Krankenkassen übernommen. Aber auch Smartphones bieten Apps an, die diesen Code auslesen können. Damit könnte man sogar einkaufen gehen. Mir persönlich wäre das allerdings zu mühsam. Aber um festzustellen, ob ich das Päckchen mit Tomatensuppe oder das mit der Pilzsauce in Händen halte, ist diese Möglichkeit super. Und wenn das Produkt in der entsprechenden Datenbank noch nicht bekannt ist, lässt sich eine eigene Beschriftung machen und auf dem Gerät abspeichern.

Fazit
Es gibt mehrere Lösungen, um sich Behältnisse oder Gegenstände, die sich gleich anfühlen, voneinander unterscheidbar zu machen. Die von mir aufgeführten Möglichkeiten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Daher bin ich gespannt, ob ich in den Kommentaren weitere Möglichkeiten angezeigt bekomme.

Karten blind auseinanderhalten

Lydia mit mehreren Plastikkarten.

Zahlen mit der EC-Karte, beim Arzt die Versichertenkarte vorzeigen, oder diverse Kundenkarten, die unseren Geldbeutel oder die Brieftasche bevölkern. Selbst der Personalausweis oder mein Schwerbehindertenausweis ist im praktischen Checkkartenformat ausgestellt. Jede Karte hat ihr eigenes Design, um sie von anderen Karten zu unterscheiden. Aber was ist mit denjenigen, die diese optische Gestaltung nicht wahrnehmen können? Im Folgenden möchte ich ein paar Lösungen dafür aufzeigen.

Zum ersten Mal dachte ich darüber nach, als meine Kinder und ich unsere Versichertenkarten bekamen. Drei Karten von ein und derselben Krankenkasse, versehen mit unterschiedlichen Versichertennummern, die ich nicht selbst lesen konnte. Anfangs behalf ich mir damit, dass ich die Karten in einer bestimmten Reihenfolge aufbewahrte. So konnte ich gezielt die gesuchte Karte herausziehen, ohne der Sprechstundenhilfe den Stapel hinzuhalten, mit der Bitte sich selbst zu bedienen. Denn das empfand ich als unangenehm. Ich wollte das einfach selbst machen können.

Eine Mitarbeiterin unserer Kinderarztpraxis hatte die rettende Idee. Mit einem Küchenmesser ritzte sie in eine Karte ein und in die Andere Karte zwei kleine Schlitze ein. Die Dritte, also meine eigene Versichertenkarte, blieb unbehandelt. So konnte ich erfühlen welche Karte welchem Kind zugeordnet war. Diese Lösung behielt ich viele Jahre bei. Irgendwann verschickte meine Krankenkasse Karten, die in einer Ecke die Buchstaben GK für Gesundheitskarte versehen waren. Auch hier markierte ich die Karten meiner Kinder wieder mit ein bis zwei Schlitzen, um sie von meiner eigenen Versichertenkarte unterscheiden zu können.

Mit den Jahren sammelten sich immer mehr Karten bei mir an. Damit stellte sich für mich die Frage nach der Kennzeichnung immer öfter. Erst recht, als auch der Schwerbehindertenausweis und der Personalausweis in ein Checkkartenformat wechselten. In den letzten Jahren habe ich daher viele Lösungen ausprobiert, die ich Euch gern vorstellen möchte.

Nicht alle Karten fühlen sich gleich an. Manche haben erhabene Zahlen oder Buchstaben, die man erfühlen kann, wie man auf der Kundenkarte von P&C, Tchibo oder auch bei vielen Kreditkarten sehen und fühlen kann.

Eine andere Möglichkeit ist eine Beschriftung in Braille. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV verschickt seine Mitgliedskarten mit einer Beschriftung in Braille. Alternativ kann man sich diese Beschriftung auch selbst herstellen. Dafür nutze ich gern durchsichtiges Dymoband, welches ich mit Braille beschrifte, und anschließend auf die Karte klebe. Allerdings mache ich das nur bei Karten, die mir wichtig sind.

Doch es geht auch ohne Braille. Denn nicht jeder blinde Kartenbesitzer beherrscht die Brailleschrift. Dann kann man die entsprechende Karte mit einem Stück Tesafilm oder einem anderen Material kennzeichnen. Wichtig dabei ist, dass die Kennzeichnung nicht auf oder in der Nähe eines Magnetstreifens angebracht wird. Denn schließlich müssen manche Karten elektronisch ausgelesen werden. Auch sollte die Kennzeichnung keine Kartenummer oder andere wichtige Angabe verdecken, damit auch normal sehende Leser die Schrift noch lesen können.

Eine weitere Alternative sind Fotoecken. Die kann man an einer oder zwei Ecken einer Karte anbringen. Allerdings sollte man diese noch mal an der Karte festkleben, damit sie sich nicht versehentlich lösen. Und wenn es schnell gehen muss, dann habe ich gern ein oder zwei Gummiringe oder Haargummis in meiner Tasche. Damit kann ich eine Karte, die ich neu habe, erst mal provisorisch kennzeichnen. Übrigens geht es auch mit Kabelbinder. Im Grunde ist alles erlaubt, was ein schnelles Auffinden möglich macht. Denn das ist für mich Selbstbestimmung und Lebensqualität.

Das sind die Möglichkeiten, die sich in meinem Alltag bewährt haben. Es sind Anregungen, um uns den Alltag zu erleichtern. Ich bin gespannt darauf, was meine Follower für Ideen beitragen werden.