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4 wirksame Tipps einen Blinden zu stressen – Teil 7

Herzlich willkommen zum nächsten Teil meiner bewährten Serie 4 wirksame Tipps, einen Blinden zu stressen, die sich immer wieder zunehmender Beliebtheit erfreut.

 

Heute widme ich mich der Hotelbranche. Wenn Sie als Hotelbetrieb sicherstellen möchten, dass sich ein blinder Gast möglichst unwohl, unsicher und dauerhaft angespannt fühlt, brauchen Sie keine offenen Ablehnungen oder unfreundlichen Worte. Es reicht völlig, ein paar grundlegende Dinge konsequent zu berücksichtigen. Diese Tipps zeigen Ihnen, wie Sie mit überschaubarem Aufwand maximale Wirkung erzielen.

 

Beginnen Sie am besten mit der Orientierung im Gebäude. Sorgen Sie dafür, dass der Aufzug zuverlässig schweigt. Keine akustischen Etagenansagen, keine Signaltöne, keine Hinweise. Türen öffnen und schließen sich kommentarlos, sodass der Gast raten darf, wo er sich gerade befindet. Als Ausgleich platzieren Sie die Treppe möglichst versteckt. Eine Beschilderung ist nicht notwendig, tastbare Hinweise ebenfalls nicht. Sollte nachts ein Rauchmelder losgehen, ist das die perfekte Gelegenheit, den Stresspegel deutlich zu erhöhen. Ein schriller Alarm ohne jede akustische Wegführung, ohne Hinweise auf Notausgänge oder sichere Richtungen, sorgt zuverlässig für Panik und Orientierungslosigkeit.

Optimieren Sie zusätzlich die Flure und Treppenhäuser. Hochglänzende, stark reflektierende Böden sind ideal. Sie lassen Konturen verschwimmen, spiegeln Lichtquellen und erschweren jede Restorientierung. Kontraste auf Treppenstufen sind überflüssig. Einheitliche Farben ohne Abgrenzung zwischen Stufe und Kante machen jede Treppe zu einer kleinen Mutprobe.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Buffet. Stellen Sie klar, dass es sich um Selbstbedienung handelt und bleiben Sie dabei konsequent. Hilfe beim Finden von Speisen, beim Einschenken oder beim Tragen der Speisen an den Tisch wird freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Besonders wirkungsvoll ist der Hinweis, das Hotel sei darauf leider nicht ausgelegt. Alternativ können Sie mitleidig nachfragen, ob denn niemand da sei, der begleiten könne. So vermitteln Sie dem Gast unmissverständlich, dass er hier eigentlich nicht vorgesehen ist, zumindest nicht allein.

 

In der Kommunikation empfiehlt es sich, den blinden Gast möglichst selten direkt anzusprechen. Ist eine sehende Begleitperson anwesend, richten Sie alle Fragen an sie. Was möchte er trinken. Kann er Treppen laufen. Braucht er Hilfe. Der blinde Gast darf zuhören, während über ihn gesprochen wird. Direkte Ansprache auf Augenhöhe würde nur unnötige Selbstständigkeit fördern.

 

Im Badezimmer setzen Sie am besten auf sensorgesteuerte Technik. Wasserhähne und Seifenspender ohne fühlbaren Ansatzpunkt, ohne akustische Rückmeldung und mit unzuverlässiger Reaktion sorgen für zusätzliche Verunsicherung. Der Gast darf mit den Händen suchen, hoffen und warten. Besonders effektiv sind Systeme, die sich nach wenigen Sekunden wieder abschalten.

Ergänzen Sie dies durch konsequente Touch Bedienung im gesamten Zimmer. Lichtschalter, Klimaanlage oder Vorhänge bestehen ausschließlich aus glatten Flächen ohne fühlbare Struktur. Im Bad sorgen Sie für grelles, nicht dimmbares Licht. Anpassbarkeit wäre unnötiger Komfort.

Zum Abschluss binden Sie Ihr Reinigungspersonal ein. Möbel dürfen ruhig umgestellt werden, persönliche Gegenstände an andere Plätze wandern. Was gestern noch verlässlich greifbar war, ist heute verschwunden. So stellen Sie sicher, dass vertraute Wege und Orientierungspunkte täglich neu erlernt werden müssen.

 

Wenn Sie all diese Punkte beachten, gelingt es Ihnen zuverlässig, einen blinden Gast dauerhaft zu stressen, ohne je unhöflich zu wirken. Diese Gebrauchsanweisung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie dient lediglich dazu Ihrer Kreativität ein bisschen auf die Sprünge zu helfen.

 

#Weitere Ideen und Anregungen einen Blinden im Hotel zu stressen sind in den Kommentaren herzlich willkommen.

 

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Was macht die Blindenselbsthilfe

Ich war Anfang 20, als ich zum ersten Mal vom Blindenbund Hessen e.V. hörte. In meinem Kopf hatte sich die Vorstellung festgesetzt, dass dort nur ältere Menschen zusammenkommen, um Kaffeekränzchen zu halten. Erst Jahre später besuchte ich einen Jugendtreff – und Überraschung: Es waren nur wenige ältere Personen da, und ich fühlte mich sofort wohl. Das hat mir gezeigt, dass man sich die Blinden-Selbsthilfe nicht so vorstellen sollte, wie man denkt. Ich wurde zum Umdenken gebracht und weiß, dass ich mit diesem Gedanken nicht alleine bin. Heute bin ich ein aktives Mitglied dieses Vereins, der inzwischen Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen e. V. heißt.

Viele Menschen, die gerade mit Sehverlust konfrontiert sind, haben ähnliche Unsicherheiten. Dabei zeigt die Erfahrung: Die Blinden-Selbsthilfe ist ein Ort, an dem man verstanden wird, Unterstützung bekommt, Erfahrungen austauschen kann und aktiv etwas bewegen kann. Das Leben ist noch lange nicht zu Ende, nur weil man blind geworden ist. Wir zeigen, wie man Alltag, Freizeit und Berufsleben so gestalten kann, dass es wieder Freude macht. 

Gerade jetzt lohnt es sich, Mitglied zu werden. Denn gemeinsam sind wir stärker als allein. Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker ist unsere Stimme. Zusammen können wir dafür sorgen, dass die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen gehört werden, in Politik, Behörden und Gesellschaft. Viele Nachteilsausgleiche, die heute selbstverständlich erscheinen, wurden durch die Blinden-Selbsthilfe erreicht – vom Blindengeld über Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr bis zu mehr Barrierefreiheit. Diese Rechte waren nicht immer da. Sie wurden erkämpft und müssen auch heute noch verteidigt werden. 

Blinden-Selbsthilfe bedeutet nicht nur Treffen oder gemütliches Beisammensein. Wir sind politisch aktiv, sprechen mit Entscheidungsträgern, bringen unsere Erfahrung und Expertise ein und setzen uns für die Rechte blinder und sehbehinderter Menschen ein. Wer von Sehverlust betroffen ist, fühlt sich oft zunächst orientierungslos. Genau dann ist es wichtig, sich von Menschen beraten zu lassen, die selbst betroffen sind oder viel Erfahrung mit Blindheit und Sehbehinderung haben. Unsere Angebote machen es leicht, Unterstützung zu bekommen. Dazu gehört zum Beispiel das bundesweite Beratungsangebot Blickpunkt Auge – Rat und Hilfe bei Sehverlust. Dort erhalten Betroffene und Angehörige verständliche Informationen, persönliche Beratung, praktische Hilfe und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Niemand muss seine Fragen oder Sorgen allein bewältigen. 

Mitglied zu sein heißt, verstanden zu werden, Unterstützung zu bekommen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam etwas zu bewegen – für sich selbst und für andere. Damit Entscheidungen nicht über uns, sondern gemeinsam mit uns getroffen werden.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV ist der Dachverband aller angeschlossenen Landesvereine. Hier findet jeder den Verband in seiner Nähe. Und jetzt lade ich Euch ein in den Kommentaren über dieses Thema zu diskutieren.