Kategorien
Allgemein Bildung

Was macht die Blindenselbsthilfe

Ich war Anfang 20, als ich zum ersten Mal vom Blindenbund Hessen e.V. hörte. In meinem Kopf hatte sich die Vorstellung festgesetzt, dass dort nur ältere Menschen zusammenkommen, um Kaffeekränzchen zu halten. Erst Jahre später besuchte ich einen Jugendtreff – und Überraschung: Es waren nur wenige ältere Personen da, und ich fühlte mich sofort wohl. Das hat mir gezeigt, dass man sich die Blinden-Selbsthilfe nicht so vorstellen sollte, wie man denkt. Ich wurde zum Umdenken gebracht und weiß, dass ich mit diesem Gedanken nicht alleine bin. Heute bin ich ein aktives Mitglied dieses Vereins, der inzwischen Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen e. V. heißt.

Viele Menschen, die gerade mit Sehverlust konfrontiert sind, haben ähnliche Unsicherheiten. Dabei zeigt die Erfahrung: Die Blinden-Selbsthilfe ist ein Ort, an dem man verstanden wird, Unterstützung bekommt, Erfahrungen austauschen kann und aktiv etwas bewegen kann. Das Leben ist noch lange nicht zu Ende, nur weil man blind geworden ist. Wir zeigen, wie man Alltag, Freizeit und Berufsleben so gestalten kann, dass es wieder Freude macht. 

Gerade jetzt lohnt es sich, Mitglied zu werden. Denn gemeinsam sind wir stärker als allein. Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker ist unsere Stimme. Zusammen können wir dafür sorgen, dass die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen gehört werden, in Politik, Behörden und Gesellschaft. Viele Nachteilsausgleiche, die heute selbstverständlich erscheinen, wurden durch die Blinden-Selbsthilfe erreicht – vom Blindengeld über Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr bis zu mehr Barrierefreiheit. Diese Rechte waren nicht immer da. Sie wurden erkämpft und müssen auch heute noch verteidigt werden. 

Blinden-Selbsthilfe bedeutet nicht nur Treffen oder gemütliches Beisammensein. Wir sind politisch aktiv, sprechen mit Entscheidungsträgern, bringen unsere Erfahrung und Expertise ein und setzen uns für die Rechte blinder und sehbehinderter Menschen ein. Wer von Sehverlust betroffen ist, fühlt sich oft zunächst orientierungslos. Genau dann ist es wichtig, sich von Menschen beraten zu lassen, die selbst betroffen sind oder viel Erfahrung mit Blindheit und Sehbehinderung haben. Unsere Angebote machen es leicht, Unterstützung zu bekommen. Dazu gehört zum Beispiel das bundesweite Beratungsangebot Blickpunkt Auge – Rat und Hilfe bei Sehverlust. Dort erhalten Betroffene und Angehörige verständliche Informationen, persönliche Beratung, praktische Hilfe und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Niemand muss seine Fragen oder Sorgen allein bewältigen. 

Mitglied zu sein heißt, verstanden zu werden, Unterstützung zu bekommen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam etwas zu bewegen – für sich selbst und für andere. Damit Entscheidungen nicht über uns, sondern gemeinsam mit uns getroffen werden.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV ist der Dachverband aller angeschlossenen Landesvereine. Hier findet jeder den Verband in seiner Nähe. Und jetzt lade ich Euch ein in den Kommentaren über dieses Thema zu diskutieren.

Kategorien
Allgemein Bildung Zu Gast auf lydiaswelt

Was bedeutet Hörsehbehinderung

Heike und ich sind uns zuletzt auf einer Fortbildung begegnet. Hier hielt sie einen Vortrag über Hörsehbehinderung und Taublindheit. Ich freue mich, dass sie heute über dieses wichtige Thema schreibt.

Hör-Sehbehinderung
Schlecht hören plus schlecht sehen kann einsam machen

Was ist Hörsehbehinderung?
Eine Definition von Hörsehbehinderung ist eigentlich nicht möglich.
Gibt man Hörsehbehinderung in Google ein, bekommt man Taubblindheit. In den Definitionen, die ich gefunden habe, wird Hörsehbehinderung entweder als Synonym für Taubblindheit verwendet, also als ein anderes Wort für ein und dasselbe oder Hörsehbehinderung wird quasi als Vorstufe von Taubblindheit definiert, der Satz beginnt oftmals mit Hörsehbehinderung und hört mit Taubblindheit auf.
Taubblindheit ist seit dem 31.12.2016 als Behinderung eigener Art anerkannt. Seit diesem Tag haben taubblinde Menschen das Recht auf das Merkzeichen Tbl im Schwerbehindertenausweis.
Taubblinde Menschen hatten bisher in ihrem Schwerbehindertenausweis die Merkzeichen Bl für blind und Gl für gehörlos.
Ein Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis ist sehr wichtig, da mit diesem Merkzeichen Ansprüche auf Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln bei den Versorgungsämtern
verknüpft sind.
Blinde Menschen können hören und werden mit Hilfsmitteln versorgt, die auf das Hören ausgerichtet sind. Gehörlose Menschen können sehen und werden mit Hilfsmitteln versorgt, die auf das Sehen ausgerichtet sind.
Blind plus gehörlos ist aber nicht taubblind.
Taubblind ist weder hören noch sehen, taubblinde Menschen können nicht den Ausfall eines Sinnes durch den anderen Sinn ausgleichen.
Für hörsehbehinderte Menschen gibt es keinerlei Definition und auch kein Merkzeichen.
Hörsehbehinderung ist sehr vielschichtig, jedes Prozent weniger hören oder sehen ist eine andere Form der Beeinträchtigung.

Hörsehbehinderung kann zur Isolation führen.

Hörsehbehindert, was bedeutet dies für die Kommunikation miteinander?
Gespräche innerhalb einer Gruppe können sehr schwer verständlich sein.
Schwieriger wird es, wenn die Teilnehmer dieser Gruppe durcheinander sprechen.
Ein Mensch, der zusätzlich zum schlechten hören noch schlecht sieht, kann nicht durch das Sehen wahrnehmen, wer gerade spricht, kann nicht das schlechte Hören durch Auslesen der Mimik, Gestik, Körpersprache ausgleichen.
Es kommt auch auf den Raum an. Wenn der Raum hallig ist und Nebengeräusche vorhanden sind, wie z.B. Geschirrklappern, Musik, Gespräche im Hintergrund, wird alles sehr unverständlich.
Denn Hörgeräte verstärken auch diese Neben- und Hintergrundgeräusche.

Welche Lösungen finden Menschen mit Hörsehbehinderung, um einer Kommunikation zu folgen?
Zurückhaltung und Passivität im Gespräch innerhalb von Gruppen um etwas von den Gesprächen der anderen zu verstehen.
Lediglich mit den Personen unmittelbar nebenan oder gegenüber sprechen.
Versuchen neben der Person zu sitzen, mit der man sprechen möchte.
Sich sehr stark konzentrieren.
Wenig sprechen um nicht in die Situation zu gelangen, die Antwort nicht zu verstehen.
Nur noch zu zweit treffen.
Gar nicht mehr in große Gruppen gehen.
Gern in Begleitung von Assistenz in Gespräche gehen.
Wenn zusätzlich bedacht wird, wie schwierig es werden kann, als Mensch mit Hör- und Sehbeeinträchtigung mobil zu bleiben, wird schnell deutlich, in welche Isolation diese doppelte Sinnesbeeinträchtigung führen kann.

Welche Kommunikationsform wäre hilfreich?
Ein Raum sollte gut schallisoliert sein.
Die Räume dürfen nicht hallig sein, es dürfen kaum Nebengeräusche vorhanden sein.
Bei einem Stammtisch oder einer Versammlung ist es sehr hilfreich, wenn eine Vorstellungsrunde gemacht wird, so können Personen entdeckt werden, zu denen man sich setzen möchte um mit ihnen zu sprechen.
Es reicht nicht, mit hörsehbehinderten Menschen lauter zu sprechen, die Atmosphäre an sich muss leise sein und optimal wäre es natürlich, wenn alle nah beieinander säßen oder eine Mikrofonanlage vorhanden wäre und alle hintereinander, laut und deutlich, sprechen würden.
Taubblindenassistenz müsste zur Verfügung stehen und zwar als Begleitung zu dem entsprechenden Ort und als Übersetzerin, die geschult ist, den Kontakt untereinander zu übersetzen.

Heike Herrmann-Hofstetter ist Psychotherapeutische Heilpraktikerin und Supervisorin und ist als Referentin für Hörsehbehinderten- und Taubblindenarbeit des BSBH tätig. Auf ihrer Seite bekommt Ihr weitere Informationen über sie und ihre Arbeit.

Kategorien
Allgemein unterwegs

Die Klinik mit der Nummer

Das Titelbild zeigt einen großen Bildschirm an einer Wand, auf dem die Wartenummer und der Behandlungsraum angezeigt werden.

Im Sommer 2014 bekam ich meinen ersten Termin in der Augenklinik meines Vertrauens. Damals wurde ein Hornhauttransplantat nicht vom Körper angenommen. Und so wollte mein Augenarzt mich bei einem Spezialisten für Hornhauterkrankungen wissen. Und bisher war es das Beste was mir passieren konnte. Denn die Klinik leistet hervorragende Arbeit und nimmt auch jemanden ernst, der wie ich über ein sehr geringes Restsehen verfügt.

Normalerweise nehme ich solche Termine gerne alleine wahr. Denn ein Besuch in einer Augenklinik ist in der Regel eine Ganztagsveranstaltung. Ich weiß das, und stelle mich darauf ein. Eine quengelnde Begleitperson kann ich daher am allerwenigsten gebrauchen. Somit bleibt der Kreis an in Frage kommenden Begleitpersonen recht überschaubar. Erst recht, wenn man gute drei Stunden Fahrzeit pro Wegstrecke einplanen muss. Ich hatte Glück. Denn einer meiner besten Freunde begleitete mich.