Licht und Kontraste im Alltag

Für Menschen mit einer Sehbehinderung spielen Beleuchtung, Lichtverhältnisse und Kontraste eine große Rolle. Denn fast alle Menschen, die dem Gesetz nach blind sind, sehen noch etwas. Und dieses etwas kann ihnen bei der Orientierung im Straßenverkehr, bei der Bewältigung des Alltags und beim Lesen oder Schreiben eine große Hilfe sein.

Blendempfindlichkeit.
Es gibt Augenerkrankungen, die von einer staken Blendempfindlichkeit begleitet werden. Das heißt, dass das Auge empfindlich auf Licht reagiert. Normales Tageslicht kann dann zu hell sein. Als ich vor einigen Jahren Wasser in der Hornhaut eingelagert hatte, wurde meine Blendempfindlichkeit noch stärker, weil das Licht durch das Wasser zusätzlich noch mal reflektiert wurde. Der Effekt ist ähnlich wie wenn Sonnenlicht auf eine Wasserfläche trifft, wie zum Beispiel im Schwimmbad oder am Meer. Im Alltag trage ich daher draußen eine Kantenfilterbrille. Diese gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Filterstärken. Meine Habe ich beim Low Vision Berater meines Vertrauens bekommen. Diese sind auf Menschen mit starker Sehbehinderung spezialisiert und haben das entsprechende Sortiment zum Ausprobieren vor Ort.
Zuhause brauche ich die Brille nicht, da ich hier optimale Lichtverhältnisse habe. Problematisch wird es allerdings, wenn die Sonne zum Fenster herein scheint. Ich kann mir dann aussuchen, ob ich das Zimmer abdunkle oder eine entsprechende Brille aufsetze. Beim Arbeiten am Computer oder Smartphone blendet mich ein heller Bildschirm. Daher stelle ich eine Invertierung der Farben ein. Das heißt, dass ich helle Schrift auf dunklem Hintergrund habe. Auch wenn ich die Schrift nicht mehr lesen kann, mache ich das so. Damit erreiche ich, dass ich nicht durch den hellen Bildschirm geblendet werde.

Kontraste sind wichtig.
Kontraste sind für mich sehr wichtig. Steht eine helle Tasse auf einem ebenfalls hellen Tisch, ist sie für mich so gut wie unsichtbar. Ist der Untergrund dagegen dunkel, und die Tasse hell, kann ich sie gut sehen. Ebenso ist es in meiner Küche. Die Arbeitsplatte ist etwas dunkler, damit mich das Weiß nicht blendet, und damit ich helle Dinge wie Schüsseln oder andere Dinge sehe. Das erleichtert mir die Orientierung in der Küche. Habe ich es mit dunkelfarbigen Lebensmitteln zu tun, so nehme ich gern ein helles Schneidebrett oder einen hellen Teller. Damit sehe ich das Lebensmittel schneller. Das geht auch mit Flüssigkeiten. Schwarzer Kaffee oder Kirschsaft in einer hellen Tasse ist für mich sichtbar. Ist die Tasse jedoch dunkel, dann sehe ich den Kaffee nicht. Einschenken geht dann nur noch mit Hilfe der anderen Sinne.
Besonders irritiert es mich, wenn ich eine Tischdecke habe, die so richtig bunt ist. Für mich sind dann Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, nicht mehr von dem Muster zu unterscheiden. Die Ausnahme bilden große Gegenstände wie Töpfe, Pfannen oder Teller. Alles andere muss ich mir ertasten oder erklären lassen.
Ähnlich ist es im Straßenverkehr. Hier sind Leitstreifen für blinde Personen farblich kontrastreich abgehoben. Denn nicht nur Nutzer eines Blindenstocks tasten sich dort entlang, sondern auch Menschen, die noch so gut sehen, dass sie den Stock noch nicht brauchen. Diese sind dankbar dafür, wenn die oberste und unterste Stufe einer Treppe sich farblich abhebt.

Fazit, Kontraste machen Menschen mit einer Sehbehinderung das Leben erheblich leichter. Dazu gehört im Alltag nicht viel. Helles Geschirr auf einem dunklen Tisch, oder umgekehrt, dunkle Möbel auf hellem Boden, oder ein Teppich, der sich farblich abhebt. Das sind nur wenige Ideen, um Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung im Alltag entgegenzukommen.

8 Antworten auf “Licht und Kontraste im Alltag”

  1. Liebe Lydia,

    ja, ich erinnere mich noch gut daran, wieviel mir Kontraste halfen,

    als ich meinen Sehrest noch verwerten konnte. Jetzt ist er zu einer Lichtwahrnehmung verkümmert, die wenn überhaupt spürbar, dann eher nervt und blendet.

    Deshalb konnte ich auch immer in der Dämmerung ohne Sonne am besten sehen.

    Ich hatte sogar eine Wand meines Zimmers mit Alu-Folie beklebt, damit ich meine Lichtorgel und Spiegelkugel und meinen Laser noch besser sehen konnte. Aber das ist längst schon Vergangenheit und ich hege keine Bitternis deswegen.

    Was mich nur immer so wundert und verblüfft ist, wie Sehende ihre Sinne malträtieren. Nicht nur, dass sie uns mit ihren immer viel zu lauten Autos, Motorrädern, einfach mit allem, was Kraft, Maskuline Augenmenschen par excelence so hervorbringen, nerven, sie bauen sich auch Gebäude, in denen sie selbst mit ihren so hoch gelobten Augen sich nicht zurecht finden.

    Apple hat noch nicht lange her, ein Gebäude in Betrieb genommen, wo sich die sehenden Mitarbeiter an den Wänden die Köpfe eingeschlagen haben, weil niemand diese hoch modernen Glaswende sehen konnte.

    Ich habe keine Ahnung, wie sie sich jetzt halfen. Vermutlich haben die dann viele Apfelaufkleber auf die Scheiben geklebt, damit man sie sieht, wie man das zum Schutz der Vögel an großen Glasfronten auch macht, damit die nicht dagegen fliegen.

    Ich kenne Sehende, die entsetzt aus einem neuen modernen Kaufhaus hier herausgerannt sind und sagten, ich kann mich dort drinnen vor lauter Licht und Spiegel nicht orientieren. Eine andere Bekannte wurde dort drin quasi seekrank.

    Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie sich dort jemand mit einer Sehbehinderung fühlen muss, oder einfach nur ein älterer Mensch, bei dem z. B. langsam die Netzhaut degeneriert.

    OK, dass Augenmenschen beim Bau von Gebäuden vielleicht nicht unbedingt auf die Akustik achten, kann man grollend nachvollziehen. Aber dass sie ihrem geliebtesten Organ derlei antun, wie viele moderne Gebäude verglast sind, das ist für mich nicht nachvollziehbar.

    Auch diese spiegelnden Laptop.Displays sind für mich ein Unding. Da spiegelt sich alles darin und man sieht nicht mehr viel.

    OK, dafür gibt es jetzt auch matte, weil viele diesen Unsinn erkannt haben.

    Bei uns hat man jetzt neue Straßenbahnen eingeführt, die man farblich an der Schnauze nicht mehr den Linien zuordnen kann. Aber je nach Lichtverhältniss können voll sehende Fahrgäste die Nummern auch nicht lesen, weil sie A, zu klein, und B schlecht kontrastiert sind.

    Zur Einführung dieser neuen Bahnen wurde ein riesen Wirbel gemacht. Man hat viele Selbsthilfevereine eingeladen, die im Rahmen einer riesigen Pressekonferenz ihre Bedarfe anmelden konnten.

    Da kamen dann auch so Dinge wie Türmarkierungen, gute kontrastreich gekennzeichnete Haltegriffe zur Sprache. Naja, was soll ich Dir sagen. Gefühlt 90 %, wahrscheinlich sogar mehr, unser aller Vorschläge wurde aus ästhetischen und Designer-Gründen nicht eingebaut. Es waren nicht mal die Kosten, sondern wirklich meist dieser visuelle Unsinn.

    Wieso baut der Mensch sich Bahnen und Häuser für ein besseres Leben, in denen man aber eigentlich gar nicht leben kann oder will.

    Also tastbare Leitlinien etc. gibt es immer mehr, was ich großartig finde, aber das Thema Sehbehinderung ist in seiner Komplexität längst noch nicht bei Stadtplanern, Architekten etc. angekommen.

    Das sollte es aber dringend, weil wir durch den demographischen Wandel mehr werden.

    Die Städte werden immer heller und lauter, was alle Kontraste, die visuellen, aber auch die akustischen, verschwimmen lässt.

    Und das eine bedingt das andere, weil das mit einer Grundhaltung zutun hat.

    So müssen wir halt immer wieder auf derlei aufmerksam machen. Manchmal tut sich ja auch was, z. B. bei Treppenmarkierungen klappt die Überzeugungsarbeit manchmal ganz gut.

    Also, bleiben wir dran.

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  2. Oh, meine Sehbehinderung ist nur sehr, sehr leicht (tagsüber), aber ab der Dämmerung traue ich mich kaum noch vors Haus. Denn ich bin nie sicher, ob etwas (ein Loch, ein Pfahl …) vor meiner Nase ist oder eben nicht, genau wegen dieser fehlenden Kontraste. Rotweiße Pfähle vor grauer Straße erkenne ich gut, aber manche Pfähle sind – grau. Gegen die renne ich dann im Zweifel mit dem Kopf. Da ich im Normalfall gut sehen kann (wenn auch mit Brille), bin ich nicht gewöhnt, andere Sinne einzusetzen. Also verkrieche ich mich lieber in meiner beleuchteten Wohnung.

    Gefällt 1 Person

      1. Blickpunkt Auge? Muss ich mal googeln … Ich hatte bisher meine Verkriecherei als Folge meiner Verwitwung definiert, denn früher war ich abends oft mit meinem Mann unterwegs, der zwar eine viel stärkere Brille brauchte als ich, dafür aber keine Kontrastsehschwäche hatte. Dann hatte ich keine Lust zum Ausgehen, Trauer befördert dieses Bedürfnis nicht unbedingt, und so hat sich diese Verkriecherei jetzt ein wenig verfestigt.

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  3. Hallo Lydia,
    ich gehöre ja auch zu den Menschen, die extrem kontrastempfindlich sind. Für mich ist es mit sehr viel Mühe verbunden, dunkle Schrift auf hellem Hintergrund zu lesen, weshalb mein Telefon praktisch permanent invertiert ist. Das sorgt immer für Irritationen, wenn mal ein Kollege etwas auf dem Display lesen möchte.

    Ich gehöre zu denen die sehr schlecht lesen können, aber noch ein gutes Sichtfeld haben, weil das zentrale Sehzentrum bei mir betroffen ist. Das verleitet gerne mal dazu, die Einschränkung zu unterschätzen, weil man ja noch viel sieht aber praktisch kaum etwas lesen kann.
    Wie ich die Programme am PC hasse, die praktisch keine Kontraste haben und man sich mit der Bildschirmlupe einen abbrechen muß, um es lesbar zu machen – meist mit extremer Vergrößerung.
    Beim Einkaufen habe ich mittlerweile auch meine Herausforderungen. Das Regal finde ich schnell und kann auch noch gut den groben Bereich ansteuern. Wenn es dann aber ums Lesen der Preisschilder oder Produktdetails geht fehlen schnell die Kontraste und ich bin in Eurer Welt – zumindest teilweise – angekommen…

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