Autofahren für Blinde – kein Traum mehr

Das Titelbild zeigt die blinde Lydia Zoubek am Steuer des speziell umgerüsteten Smart for Two, deutlich erkennbar am Blindensymbol (drei schwarze Punkte auf gelbem Hintergrund).

Die Kinder zur Schule fahren, den Familieneinkauf mit dem Auto bewerkstelligen und schnell mal bei der besten Freundin vorbeifahren. Dinge, die für einen normal sehenden Autofahrer so selbstverständlich zum Alltag gehören. Für Lydia Zoubek ist das bisher nur möglich, wenn jemand sie im Auto fährt oder sie sich ein Taxi nimmt. Ansonsten erledigt sie alles zu Fuß oder mit der Hilfe von öffentlichen Verkehrsmitteln. Das könnte künftig anders werden. Denn Forscher einer privaten Initiative haben ein Fahrzeug so modifiziert, dass auch Blinde damit fahren können.

„Ich wollte schon immer mal selbst Auto fahren“, sagt Lydia und streicht liebevoll über die Heckklappe. Bisher war dies nur auf speziellen Events möglich, wo Fahrlehrer Blinden diese Möglichkeit geben. Aber jetzt könnte es bald Alltag werden.

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Das Bild zeigt Lydia am Heck des Autos, auch von hinten deutlich durch ein Blindensymbol (drei schwarze Punkte auf gelbem Hintergrund) gekennzeichnet.

Fahrbegleiter Vassili Bertakis erklärt der blinden Lydia die einzelnen Bedienelemente des Prototyps. Er ist maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. „Noch kann Lydia nicht alleine im normalen Straßenverkehr teilnehmen“, erklärt er, „denn dazu braucht Lydia erst noch die entsprechende Fahrerlaubnis.“ Und die ist noch in Arbeit. „Doch das begleitete Fahren klappt bereits jetzt wunderbar und Lydia erweist sich als souveräne Autofahrerin.“

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Das Bild zeigt Lydia und Vassili im Auto.

Das Auto, welches auf den ersten Blick ganz normal aussieht, beinhaltet jede Menge Sensoren, die dafür sorgen, dass der blinde Fahrer den Abstand zu anderen Autos, Menschen und anderen Gegebenheiten einhalten kann. Mit einem Autopilot ähnlichen System passt sich das Fahrzeug dem Straßenverkehr an. Eine Kennzeichnung mit drei schwarzen Punkten macht andere Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam, dass eine Kontaktaufnahme per Handzeichen nicht möglich ist. Dafür lässt sich ein hochwertiges Außenmikrofon zuschalten, welches Zurufe und andere Straßengeräusche zuverlässig überträgt. Über eine Sprachausgabe bekommt der blinde Fahrer Informationen über Geschwindigkeit oder Straßenkreuzungen.

Achten Sie zukünftig also auf Fahrzeuge mit entsprechender Kennzeichnung und drücken Sie auch mal ein Auge oder zwei zu, wenn Sie diesen im Verkehr begegnen.

Autor: lydiaswelt

Blinde Mutter sehender Kinder mit arabischem Hintergrund

9 Kommentare zu „Autofahren für Blinde – kein Traum mehr“

  1. Ich finde das super! Kann mir allerdings vorstellen, dass diese Autos für uns noch lange nicht bezahlbar sind. Hab auch schon am Autofahren für Blinde teilgenommen. Und das war damals für mich auch wirklich ein tolles Gefühl. Einen LKW hab ich auch schon steuern dürfen. Herzliche Grüße, Maria Hengelman-Schlag

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      1. Der könnte kürzer sein, als du denkst – die Technik zum sogenannten autonomen Fahren existiert und funktioniert. Alleine parken können und dürfen sie ja schon länger. Meine Mutter hat so einen. DIe ersten paar Male war es sehr komisch, den Parkautomaten anzumachen und zuzuschauen wie das Auto selbst das Lenkrad drehte usw. Aber man gewöhnt sich in der Tat dran.
        Es scheint, wenn man manche veröffentlichten größere Testfahrten zum autonomen Fahren betrachtet, sogar so, dass der Computer vorausschauender fährt, als der Mensch. Ich fand es z. B. beeindruckend, dass bei einer dieser Fahrten der Bordcomputer zunächst scheinbar grundlos bremste, weil er anhand der Abstände und Geschwindigkeiten der vorausfahrenden Autos berechnet hatte, dass zwischen den beiden ein Auffahrunfall direkt bevorstand. Das passierte dann auch, aber das Compuerauto hatte sicheren Abstand. Ein menschlicher Fahrer wäre wahrscheinlich auch noch aufgefahren.

        Deutschland hat letzte Woche, meines Wissens als erstes Land, das Gesetz verabschiedet, dass der Computer tatsächlich ans Steuer darf. Aktuell noch so, dass der Fahrer theoretisch telefonieren oder Arbeiten kann, aber auf Signal vom Auto wieder die Kontrolle übernehmen muss. Wir können aber damit davon ausgehen, dass die Autos mit der autonomen Technik ab den nächsten Serien mit auf den Markt kommen. Ich vermute mal, Anfangs als reine Spielerei. Wenn ich mir aber das Tempo anschaue, mit dem wir technische Entwicklungen heute übernehmen, sehe ich den Schritt dahin, dass wir den Computer als alleinigen Piloten und den Menschen nur noch als Passagier, der den Zielort eingibt, jetzt nicht so wahnsinnig weit in der Zukunft.
        Fänge ich auch toll, weil ich oft mehrere 1000 km im Monat auf Fernstrecken unterwegs bin. Wäre schon super, wenn man da einfach lesen oder schlafen könnte statt fahren.

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