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4 wirksame Tipps einen Blinden zu stressen – Teil 3

Wie versprochen gibt es heute den dritten Teil der Serie, wie man einen Blinden wirksam stresst.

Zunächst möchte ich mich für die vielen positiven Rückmeldungen zu meinen Beiträgen Vier wirksame Tipps einen blinden zu Stressen Teil 1 und vier wirksame Tipps einen Blinden zu stressen Teil 2 bedanken. Ich habe mich ebenso über die vielen Anregungen zu weiteren Beiträgen gefreut.
Heute wollen wir uns mal ganz auf das Thema Straßenverkehr konzentrieren. Mit viel Phantasie und Kreativität kann man hier einen Blinden richtig gut und effektiv stressen.
Mobile Straßenschilder sind ein bewährtes Mittel temporäre Gegebenheiten anzuzeigen. Damit der Blinde sie bloß nicht übersehen kann, ist es besonders wichtig diese in den direkten Laufweg des Blinden zu stellen. Besonders geeignet sind Straßenränder, die gern von Blinden zur Orientierung genutzt werden. Hier kann der Blinde sie nicht verfehlen. Gibt es keine direkte Hauswand in der Nähe, so stellen sie das Schild mitten auf den Gehweg. Und zwar so, dass es kein unbemerktes Vorbeikommen gibt. Dann haben auch die Menschen etwas davon, die ein eingeschränktes Gesichtsfeld haben, und noch keinen Blindenstock benutzen müssen.

Sie planen und betreuen eine Baustelle, die den Gehweg betrifft? Dann ist es ganz wichtig nur mittels Straßenschildern darauf hinzuweisen. Denken Sie dran, dass Baugerüste über Brusthöhe fühlbar sind, unten aber absoluter Leerraum ist. Und ganz wichtig, sobald sie einen Blinden herannahen sehen, geben Sie ihm ungefragt Richtungsanweisungen. Das dürfen Sie gern mit ihren Kollegen im Wechsel tun. Die Richtungsangaben wie rechts oder links dürfen sie gern ausknobeln. Gibt es kein Baugerüst oder andere Hindernisse auf dem Gehweg, dann stellen Sie direkt in der Nähe des Blinden einen Presslufthammer oder anderes lautes Gerät an. Lassen Sie sich nicht durch das Zusammenzucken des Blinden aus der Ruhe bringen. Schauen Sie genüsslich dem Blinden dabei zu wie er sich durch den akustischen Lärmterror seinen Weg sucht.
Sie fahren einen Linienbus? Prima, dann haben auch Sie viele Möglichkeiten einen Blinden in Stress zu versetzen. Sehen Sie einen Blinden an einer Bushaltestelle stehen, dann fahren Sie mit dem Vordereinstieg so weit nach vorne, dass der Blinde zwischen beiden Türen steht. Er wird versuchen die vordere Tür zu erreichen, um Sie nach der Buslinie zu fragen. Je mehr Bäume oder Poller auf der Strecke bis dahin stehen, desto effektiver ist ihre Maßnahme. Ist er nun vorne angekommen, und fragt nach der Buslinie, müssen Sie nicht darauf antworten. Sagen Sie einfach Sätze wie „Steht doch drauf, oder „Wohin wollen Sie“. Auch ein „Steigen Sie ein“ ist in Ordnung. Wenn Sie die Möglichkeit haben die Haltestellenansage leise oder auszustellen, nutzen Sie das. Schließlich hat der Bus eine optische Anzeige.
Sie entscheiden als Stadtplaner die Installation einer Fahrradstraße? Gut, dann ist es auch für Sie sehr einfach einen Blinden in Stress zu versetzen. Sie brauchen nur dafür zu sorgen, dass derselbe Weg von Fahrrädern und Fußgängern gleichzeitig genutzt werden darf. Bei getrennten Wegen ist es besonders wichtig einen einheitlichen Straßenbelag mit kontrastarmen Unterscheidungsmerkmalen zu wählen. Vor Allem an befahreneren Straßen erzielen Sie durchschlagende Erfolge.

Das waren meine Anregungen von heute. Ich freue mich, wenn Ihnen diese Tipps im Zusammenleben und Stressen blinder Fußgänger weiterhelfen. Lassen Sie Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen an Ihren neuen Erkenntnissen teilhaben. Und wenn Sie weitere Ideen zum Stressen eines Blinden haben, dann schreiben Sie diese in die Kommentare. So haben alle was davon.

Von lydiaswelt

Ich bin blinde Mutter von zwei Kindern. Beiträge aus meinem Alltag und dem meiner Gastautoren finden hier eine Plattform.

10 Antworten auf „4 wirksame Tipps einen Blinden zu stressen – Teil 3“

der vorschlag, auf taktile oder kontrastierende begrenzungen zwisch füß- und fahrradweg zu verzichten ist ein sehr guter vorschlag. bei uns in bautzen ist er zum teil schon verwirklicht. da in dieser stadt, wo vor allem an autofahrer gedacht wird, füßgänger und fahrradfahrer sich ohhehin ganz schmale streifen teilen dürfen, ist das fehlen klarer linien selbst für sehende ein ansprechender stressfaktor. wir mit unseren knappen sehresten lieben allerdings das abenteuer und daher danken wir jenen planern, die solche stressfaktoren ins wegenetzt der stadt einbauen…

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Hi Lydia,

leider kann man Teil 1 und 2 nicht lesen, weil man sich bei den Links einloggen muss.

Viele Grüße Marco

Möchten Sie mehr über mich und mein Unternehmen erfahren? Dann schauen Sie sich den Beitrag in Galileo über uns an:

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Danke für diesen Einblick. Das ist für mich als sehender wirklich wichtiger Inhalt. Ich werde das und vieles mehr in meinen Alltag einfließen lassen. Vielen Dank das du mir Einsicht in dein Leben gibst und mir so Gelegenheit zum lernen bietest. Du hast hiermit einen neuen Leser

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Hallo Lydia,
vielen Dank für die Real-Satiere.

Immer wieder hörte ich auch:
Wo ist denn Dein Betreuer?
wenn ich alleine unterwegs war.

Und, wie ich an anderer Stelle bereits schrieb:
Eine gute Methode, jemand im Berufsleben zu Stressen ist, ein Meeting anzuberaumen und dann als erstes zu sagen
Und hier sind die Unterlagen für dieses Meeting, könnt ihr ja während des Meeting lesen…

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Hey Lydia, cooler Artikel. Ich möchte das nur nochmal ohne Ironie zusammenfassen 😉
– Mobile Straßenschilder sollten nicht im Laufweg des Blinden (insbesondere Bordsteinrand, Gehwegmitte und Hauswand) sein.
– Baugerüste sollten mit einer zusätzlichen Stange weiter unten ausgestattet sein, damit sie mit dem Blindenstock bemerkt werden.
– Bauarbeiter sollten im Umgang mit Blinden sensibilisiert werden.
– Das gleiche gilt für Busfahrer (Haltestellenansage, etc.). Außenlautsprecher zur Linienansage in den Haltestellen wären ideal…
– Getrennte Rad- und Fußwege sollten konstrastreich sein.
– Gemeinsame Rad- und Fußwege sind aus Prinzip zu vermeiden.

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