Wie Technik mein Leben verändert hat

Mit neun Jahren bekam ich eine Sprechpuppe geschenkt, die ich mir so sehr gewünscht hatte. Am Bauch befand sich ein Knopf. Wenn ich den drückte, sang die Puppe ein Lied oder erzählte eine kleine Geschichte. Am Rücken befand sich eine Klappe, die man öffnen konnte, um die Platte mit dem Inhalt auszutauschen. Und wenn man die Puppe während des Singens schüttelte, dann leierte es ein bisschen. Damals fand ich das wahnsinnig faszinierend. Später lernte ich andere Puppen kennen, die lachen, weinen und sogar ein paar Schritte gehen konnten. Für das Kind in mir hatte das etwas Magisches an sich.
In der achten Klasse lernte ich die elektrische Schreibmaschine kennen. Bisher hatte ich auf mechanischen Schreibmaschinen geschrieben. Ich lernte, dass ich weniger fest drücken musste, wenn ich auf der elektrischen Schreibmaschine schrieb. Die meiste Zeit schrieb ich auf der mechanischen Schreibmaschine, weshalb ich noch heute einen recht festen Tastaturanschlag habe.
Im Alter von 20 Jahren kam der erste PC in mein Leben. Gemeinsam mit einem Drucker, einem großen Notizgerät und einer 10 Finger-Tastatur nebst Bildschirm war der Schreibtisch ziemlich belegt. Heute, 30 Jahre später steht nur noch ein Notebook mit Braillezeile auf meinem Schreibtisch. Der Monitor ist so schmal, dass er nicht mehr so viel Platz wegnimmt. Und den Drucker brauche ich nur noch selten, da ich viele Dinge nicht mehr auf dem Postweg erledigen muss, sondern per E-Mail. Und wenn ich verreise, dann kann ich das Notebook und die Braillezeile mitnehmen, und habe alles Nötige dabei.
1995 zog das erste Mobiltelefon bei mir ein. Ich weiß noch, wie ich mich erschrocken habe, als es im Bus klingelte. Heute ist das völlig normal, wenn Handys klingeln. Die Geräte wurden immer kleiner, die Technik immer besser. Im Jahr 2000 wollte ich unbedingt lernen SMS zu schreiben. Also habe ich mir versucht mit sehender Hilfe die Tastenfolge für Aufrufen und Absenden der SMS zu merken. Buchstäblich im Blindflug, da es noch kein Mobiltelefon mit Sprachsoftware gab. Das erste dieser Art zog viele Jahre später bei mir ein. Ein handelsübliches Nokia plus einer zugekauften Software, die mehr kostete als das Telefon selbst. Aber ich konnte damit meine Kontakte verwalten, SMS schreiben und Notizen machen. Mit der Zeit kamen immer mehr Funktionen dazu.
2012 kam das erste iPhone in mein Leben. Bisher konnte ich mir die Bedienung eines Touchscreen überhaupt nicht vorstellen. Heute ist es aus meinem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Die meisten Dinge, die ich früher nur am PC erledigt hatte, konnte ich jetzt da erledigen, wo ich gerade war. Nachrichten schreiben, eine E-Mail beantworten, auf Facebook gehen. All das war auf einmal möglich. Wenn ich zuhause einen Text geschrieben habe, kann ich diesen in meinem Lieblingskaffee oder im Zug am Smartphone weiterbearbeiten.
Ein weiterer Aspekt sind diverse Möglichkeiten der Navigation, die mir bei der Mobilität helfen. Einen Weg selbständig finden, nach dem nächsten Bus schauen oder mir ein Taxi bestellen, welches mich hier an meinem Standort abholt, sind Hilfen, die ich zu schätzen gelernt habe.

Fazit, mich hat die immer kleiner werdende Technik unabhängiger vom Standort gemacht. Und sie erlaubt mir in vielen Bereichen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.

Mit diesem Text nehme ich an der Blogparade der Bloggerkollegen von Anders und doch gleich zum Thema Wie Technik mein Leben verändert teil.

8 Antworten auf “Wie Technik mein Leben verändert hat”

  1. Schöner Beitrag! Was ich persönlich besonders schön fand: als du von der mechanischen und elektrischen Schreibmaschine gesprochen hast, hab ich mich an meinen Schreibmaschinenkurs damals in der fünften Klasse erinnert – ich hatte lange nicht daran gedacht. Danke!

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  2. Liebe Lydia,

    so einen herrlichen Artikel, den Du da geschrieben hast. Er ist großartig. Wir sind ja beide ungefähr im selben Alter. Von da her, kann ich ganz ähnliche Geschichten erzählen. Das mit Deiner Puppe fand ich sehr nett. Meine Schwestern hatten auch solche Puppen. Ich glaube, dass ich mich mal chirurgisch an so einer Puppe betätigte, um herauszufinden, wie sie funktioniert. Tja, das dürfte sie nicht überlebt haben. Weiß ich nicht mehr genau. Auseinander gebaut habe ich aus Neugier vieles, aber in den seltensten Fällen es dann auch wieder ganz bekommen.

    Ich bin auch eingeladen, mit blindnerd.de mich an dieser Blogparade zu beteiligen. Das mache ich natürlich sehr gerne. Du bekommst es ja dann mit.

    Bis dann.

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  3. Bin eben auf diesen Beitrag von Dir gestoßen und habre spontan beschlossen, auch an dieser Blogparade teilzunehmen. Da kommt also in den nächsten Tagen was. 😉

    Und oh ja, an die Schreibmaschinen erinnere ich mich auch noch sehr gut. Meine war noch aus „Schwermetall“, und wenn man den Wagenrücklauf betätigte, musste man aufpassen, dass sie einem nicht trotzdem vom Schreibtisch hüpfte. Und ich musste die Klausuren immer in einem gesonderten Raum schreiben, weil diese Maschine natürlich zig Kilos wog und einen Lärm machte, den man über den gesamten langen Flur hören konnte.

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